29.8.2018

Gestern Abend zwei Stunden Karaoke gesungen. Großer Spaß für vier Mark – mit der Garantie den endgültig letzten Ferienabend (s.a.: „Ferien-End-Blues“) ohne düstere Gedanken zu überstehen. Familie Fischer benutzt Karafun.

Nach ca. fünfunddreißig Jahren, die ich in dem festen Glauben lebte, ich könne nicht singen, sondern nur brummen und nach ca. ebenso vielen Jahren in denen mir das auch so mitgeteilt wurde habe ich festgestellt, dass brummen offensichtlich die Tonlage ist in der ich mich wohlfühle und dass Lieder  wie Where The Wild Roses Grow oder Summer Wine zumindest nicht gleich alle um mich herum in die Flucht schlagen.
Das macht echt seltsame aber durchaus interessante Dinge mit meiner Selbstwahrnehmung, denn: „Boah, Du kannst ja überhaupt nicht singen“ ist auch 2018 eine immer noch vollkommen gesellschaftlich akzeptierte Methode jemanden auzulachen.
Es kann also höchstens noch fünfunddreißig Jahre dauern, bis ich mal irgendwo auftrete.

Sehr gerührt über Euch alle, Eure Tweets, Eure Herzchen und Besuche hier. Feels like coming home.

Christian und das Kaff. (8:47 Uhr) Ich werde gleich mit zwei Paketen und zwei QR-Codes zum Edeka – der auch eine DHL-Annahmestelle ist – gehen und versuchen, etwas zurück zu schicken. Nennt mich Unke, aber ich denke: das wird scheitern.
Ja, das ist eine Kleinigkeit und nein, eigentlich lohnt es nicht, sich darüber aufzuregen. Das Problem ist, dass ich diesen Sommer wieder in Dänemark war und ein paar Tage lang erlebt habe, wie eine dem Digitalen gegenüber aufgeschlossene Gesellschaft funktionieren kann.
Es macht schon nachdenklich, kommt man von da zurück in eine Stadt, in der zwar alle über den Leerstand in der obligatorischen Fußgängerzone jammern, in der es in den Läden aber immer noch als Service anerkannt ist, dass man sagt: „Hamm wa nich. Gibts auch nich“, wenn man nach einem Teil fragt, was gerade nicht im Regal liegt (von dem man aus dem Internet aber weiß, dass es existiert).

„Warum kauft Ihr dann nicht gleich im Internet?“, höre ich Euch fragen.
Tja, das fragt man sich dann bei allem Supportwillen for your local Einzelhändler auch.

Nochmal Dänemark. Sehr passend dazu schickte mir Vanessa gerade einen Hinweis auf diesen Artikel in der Brand Eins über E-Government in Kopenhagen. Spannend.
By the way: Wenn Sie möchten, dass Vanessa Ihnen auch Mails schickt – und ich kann das ausdrücklich nur empfehlen, denn ich bekomme selten klügere Mails als die von Vanessa –  wenn Sie also auch einmal im Monat diese Mails bekommen wollen, dann gehen Sie hier entlang. Es lohnt sich. Versprochen.
Und über den Vergleich Dänemark – Deutschland denken wir hier noch länger nach. Auch versprochen.

WordPress-Theme. Weil jemand fragte: das Theme hier ist Graphy, die kostenlose Version. Per CSS habe ich nur noch ein paar Zeilen ausgeblendet, um es noch cleaner zu machen. Bei Interesse kann ich diese paar Zeilen auch gern hier veröffentlichen.

Christian und das Kaff II. (11:10 Uhr) Nein, ich bin keine Unke, DHL im Edeka kann natürlich keine QR-Codes scannen. Wichtig ist der entrüstete Tonfall bei „natürlich“.

Darüber hinaus: Termin zur Manualtherapie um 10:00 im Süden der Stadt. Zum Glück war ich um 9:00 losgefahren, denn da ich ja noch zum zweiten DHL musste (im Westen der Stadt) und noch Bargeld brauchte war ich dann auch genau diese Stunde unterwegs und bin um vier vor zehn bei der Manualtherapeutin reingehechtet.
Hätte ich versucht, das Ganze zu Fuß zu machen, wäre ich noch eine gute Stunde länger unterwegs gewesen und wäre meine Päckchen nicht los geworden. Und die Busse hier in der Straße fahren leider nur alle halbe Stunde – und zwar so, dass ich noch früher aus dem Haus gemusst hätte.
Das ist etwas, über das ich mich gern unterhalten würde, wenn mir Großstädter erklären, man brauche kein Auto.

Viel über Kritikfähigkeit nachgedacht. Gedanklich einen Bogen gespannt von Helikoptereltern, die ihren Prinzessinen & Prinzen alles erlauben und schon dem Einjährigen am liebsten bester Kumpel aber nicht Elternteil sein möchten, …
… weiter über die Grundschule, die keine schlechteren Noten als eine Vier vergibt oder beim Fußball keine Tore zählt, weil die Hälfte der Kinder ja sonst so enttäuscht ist (two true stories) …
… bis am Ende hin zu Menschen, die in der Rettungsgasse den Sanitäter verprügeln, weil sie jetzt weiter fahren wollen und keine Lust haben zu warten.
Weil sie vielleicht nie in ihrem Leben gelernt haben, ihre eigenen Interessen in einem größeren Zusammenhang zu sehen und auch mal zu warten oder zurück zu treten. Geistig-moralische Wende my ass.

Klug gesprochen.

Doof gewesen.

Und dann kam ein Migräneschub. Das war etwas überraschend und hat den Tag dann auch beendet. Dann kann ich das jetzt hier auch veröffentlichen.

reverb.com. Eine Lobhudelei

Seit es das Web gibt, kann man dort Dinge kaufen und verkaufen. Naja fast.
Ebenso haben sich verflixt viele Orte im Web zuverlässig zum Schlechten entwickelt. ebay-Kleinanzeigen zum Beispiel ist – so scheint es – hauptsächlich ein Ort, um möglichst skurile Dialoge zu führen.
Vielleicht sind Menschen nicht daran gewöhnt, gebrauchte Dinge zu kaufen oder zu verkaufen?

Musiker hingegen sind schon immer daran gewöhnt, gebrauchtes Zeug zu kaufen. Schon in den Musikläden, in denen ich als Jugendlicher abhing fanden sich jede Menge gebrauchter Instrumente, die im Kundenauftrag verkauft wurden. Überlegt man sich, dass man für ein Starter-Set als Bassist in halbwegs guter Qualität neu gut und gerne 1500,- loswerden kann, dann sind gebrauchte Instrumente und Verstärker eine gute Alternative. Außerdem behandelt quasi jede Musikerin ihr Instrument gut und Verstärker sind meist so solide gebaut, dass man auf ihnen auch Häuser bauen kann.

Eine online-Plattform nur für Musikinstrumente ist also vollkommen logisch.

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen auf reverb.com, die – so wie ich das sehe – gerade auf den europäischen Markt kommen.
Bis jetzt habe ich ein paar Sachen verkauft und bin sehr begeistert.
Begeistert von der Plattform an sich: Es ist unfassbar einfach Dinge zu verkaufen. Man wird sehr komfortabel durch das Anlegen der nötigen Angaben geleitet, bekommt automatisch Preisvorschläge und wird nett aber nicht aufdringlich auf Möglichkeiten hingewiesen, die Anzeige zu pushen.
Die Preise, die gefordert und auch gezahlt werden sind auf oberem ebay-Niveau.
Der Versandkosten-Kalkulator funktioniert in Deutschland noch nicht, ist aber bereits angelegt.
reverb hat einen Käuferschutz und eine eigenes System, um Zahlungen abzuwickeln.

Außerdem bin ich (bisher) begeistert von den Menschen dort. Alle bisher dort geführten Dialoge waren freundlich und vernünftig und beinhalteten die gängigen Grußformeln sowie auch mal ein „Hope you had a nice weekend“.
Ja, da staunt ihr.

Drumherum gibts gute Fachartikel und vernünftige Möglichkeiten sich einen „Feed“ einzurichten, mit dem man automatisch über neue Angebote zu vorher festgelegten Interessensgebieten informiert wird.

Mich macht so etwas glücklich.

Ich habe hier übrigens noch ein bisschen Kleinkram und ein Warwick Top-Teil die ich in den nächsten Tagen reinstellen werde – kaufwillige Bassisten also hier entlang.

By the way: Ich werde in diesem Blog keine Affiliates haben und keine Kooperationen machen. Artikel wie diese sind also nie bezahlte oder beauftragte Werbung.


28.8.2108

Nach dem Aufstehen tue ich seit ein paar Tagen immer als erstes was für meinen Rücken. Ich hatte mein Theraband wieder gefunden und es ist erstaunlich, was man damit alles tun kann.
Fühlt sich vollkommen überraschenderweise sehr gut an.

Die erste Mail des Tages sinngemäß zusammengefasst:

Ich weiß, das ist nicht Ihr primäres Fachgebiet
und ich weiß, Sie haben mir abgeraten
und ich weiß, Sie haben gesagt, meine Programmversionen wären evtl zu alt weil ich ja nie Updates mache
und ich weiß, Sie haben mich gewarnt, deswegen könne ich Probleme bekommen.
Aber das funktioniert hier nicht so wie es soll und Sie sollen das jetzt asap heile machen.

Ich gestehe: da ist das mit dem positiven Blick auf den Tag etwas schwerer.

Nein stop, das war gelogen. Die erste Mail des Tages ist immer der Bär. Der macht mich jeden Tag glücklich. Gehen Sie doch auch zu Kiki rüber und schließen Sie ein Bärenabo ab. Das macht, dass jeder Tag mit einem Lächeln startet.

Beim Arbeiten läuft hier im Moment immer das Radio. Ja, wirklich. Das liegt daran, dass ich einen mir bis dahin unbekannten Sender gefunden habe und der hat – und ich weiß, das klingt jetzt sehr groß – in gewisser Weise mein Leben verändert.
Die Tage werde ich da noch mal einzeln etwas zu schreiben; bis dahin sei gesagt: Cosmo spielt gute, abwechslungsreiche Musik weit jenseits dessen was Formatradio kann oder auch alle mir bisher unter gekommenen Empfehlungsfunktionen geschafft haben. Sie öffnen den Blick auf die Welt, haben eine Haltung, sind gelegentlich ziemlich witzig, nerven nicht mit dummen pseudo-Comedy-Doppelmoderationen und haben eine wirkliche Musikredaktion mit Ahnung und ebenfals: Haltung.
Außerdem sind die Redakteure am Telefon ihrer Call-In-Sendungen sehr nett …

Eineinhalb Stunden Briefing-Gespräch am Telefon. Meine eigene Geschäftsgründung ist ja nun schon über 20 Jahre her, da vergisst man schon mal, wie aufregend das alles sein kann. Wie viele Dinge es zu überlegen, zu planen und zu organisieren gibt.
Und auch, welche Steine einem so alles von der Bürokratie in den Weg geworfen werden. Oder von Banken. Gerade als Einzelunternehmer merkt man doch häufig, dass man einfach zu klein ist, einfach unwichtig ist – und deswegen auch erst später oder nicht so gut behandelt wird.
In other words: Nimm einen Kredit über 5.000,- € auf und mit Glück bekommst Du ihn irgendwann. Nimm einen über 50.000,- € auf und Du hast einen Priority-Level-Kundenberater am Telefon, der Dir hilft.

Schaue ich mich andererseits nur mal in meinem persönlich bekannten Bekannten- und Kollegenkreis um, denke ich manchmal: Würden alle Freelancer und Einzelunternehmen mal eine Woche streiken – das Land stände ziemlich still.
Denn dafür, wie viel von den ewig präsenten „Großen“ an kleine und Kleinstunternehmen outgesourced ist, dafür finden wir in der Öffentlichkeit absolut nicht genug statt.

Technik. Dieses kleine, neue Blog läuft auch mit WordPress (Überraschung!) – und es ist mein erstes Blog, bei dem ich einfach ein Theme aus dem Themeverzeichnis benutzt habe. Als ich 2001 anfing war es uns allen ja noch wichtiger, dass unsere Blogs individuell aussahen und ich habe das bis zum Schluss auch durchgehalten und immer eigene Themes programmiert.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Ich nutze hier den neuen Gutenberg-Editor und: meine Fresse, das ist aber mal gelungen. Nach so vielen Jahren endlich eine schöne Benutzeroberfläche und eine Menge Funktionen sinnvoll verpackt. Respekt.

Der Abend in Stichworten: Ben & Jerry’s Birthday Cake. Eine Runde am Waldrand entlang (da muss ich auch noch drüber schreiben), Scrubs (ich gucke gerade mal alle am Stück)

Und dann mal dieses kleine Blog hier der Welt zeigen.

27.8.2018

Die Liebste zur Schule gebracht. Nach sechs Wochen Ferien ist das immer ein nicht so fröhlicher Tag. Wir gewöhnen uns beide sehr daran, dass wir im Sommer mehr gemeinsame Zeit haben und der Abend vor dem ersten Schultag (called „Ferien-End-Blues“) und die ersten Tage sind immer etwas grau überlagert. Ich glaube ja daran, dass Gewohnheiten eine mächtige Sache sind und sechs Wochen reichen, um sich zu gewöhnen.
Aber: Wenn ich höre, dass manche Paare Angst davor haben, wenn beide in Rente sind: Da habe ich keine Angst vor.

Außerdem ist es jetzt ein Jahr, dass wir ohne Katz leben und sie erscheint mir gerade wieder jede Nacht im Traum. Ain’t no fun, neither.

In einem Anfall auf Apple Music nach den Scorpions gesucht und „World Wide Live“ gehört – die Platte, die damals mein Einstieg in härtere Rockmusik war. Nicht gut gealtert, diese Art von Musik.
Trotzdem mitgesungen. Komme ich in das Alter, in dem ich nostalgisch werde?

Ein Kunde, den ich im Auftrag einer Agentur betreut habe möchte seine Website jetzt selbst pflegen. Ich gehe davon aus, dass sie nicht wissen, dass Ihre Website aus dem Jahr 2007 stammt und ohne CMS „programmiert“ ist. Und dass sie schon einigermaßen HTML beherrschen müssen, um das Chaos zu durchschauen, was mein Vorgänger da zusammengemurkst hat und dass ich nie ändern durfte.
Aber das sind die Kollateralschaden, wenn man 2018 noch findet, dass Internet halt nebenher läuft.

Kognitive Dissonanz. Eine andere Kundin telefoniert mit mir und möchte, dass ich ihr rechtlich erlaube, einen Newsletter zu verschicken. Also einen ohne Anmeldung oder Double-Opt in, mehr so eine Info an alle ihre Kunden.
Das tue ich natürlich nicht.
Aber immer wenn ich sage, dass ich diese rechtliche Auskunft nicht geben darf (und eh gar keine), erklärt sie mir wieder, dass das was sie vorhat doch bestimmt „ganz harmlos sei“ und beendet den Satz mit: „Und das ist doch dann bestimmt nicht verboten?!“.
Es ist irgendwie fast süß, wie sie sich dreht und windet, um nicht einfach nach den Regeln zu spielen, aber trotzdem von mir ein OK dafür möchte.

Die Liebste zum Zahnarzt gebracht. Das Leben ist eine Bitch, aber ich gönne ihr sehr, dass wenigstens einer von uns beiden da ohne Probleme hin und wieder raus gehen kann.

Sonst viel gearbeitet. Programmierung für einen Grafik-Freelancer im Lieblings-CMS, ein Newsletter-Template für eine Agentur (gut dass ich noch Seitenlayouts auf Tabellenbasis kann), ein Briefing-Gespräch mit einer Freundin, die zur Kundin werden möchte.
Nichts zu klagen gerade. Höchstens, dass die Dinge auch gern nacheinander statt gleichzeitig kommen dürften.

Meditieren klappt heute gar nicht. Die Beine, der Rücken, die Gelenke – alles kneift, zieht, ziept. „Alles fühlen, nichts bewerten“, sagt man. „Autsch, nee heute nicht“ sag ich.

dmtg

Am 27.7.2018 sah man über Deutschland eine totale Mondfinsternis. Wir standen lange auf einem Berg und schauten auf einen blassen roten Fleck am Himmel.

Dann schob sich der Schatten langsam vom Mond weg und ich begriff: Das war unsere Erde. Unser Planet, der da gerade einen Schatten auf den Mond geworfen hat.
Also: „Begriffen“, im kognitiven Sinne das hatte ich das alles schon vorher; ich habe in Physik aufgepasst.
Aber als ich es sah, bekam es eine Bedeutung, da konnte ich es fühlen.

Von Astronauten wird ähnliches – vermutlich mehrfach potenziert  – berichtet, wenn sie unseren Planeten das erste Mal von außen sehen.

Mich hat das sehr demütig gemacht.

In den Tagen danach habe ich dann viel über Demut nachgedacht und befunden: das ist eine vollkommen unterschätzte und zu Unrecht in Vergessenheit geratene Haltung.