14.12.2019 – swoosh

Der Tag begann damit, dass ich die Liebste und eine Freundin zum Bahnhof brachte; die sind nämlich zwei Tage in Berlin und schauen sich „Linie 1“ an.

Dann nutzte ich die freie Zeit, um mich an den Endgegner zu begeben: Die Festplatte mit den einzelnen, falsch getaggten MP3s. Alle Alben hatte ich vorher schon frisch getaggt, geordnet, mit Coverbildern versehen und dann in Plex importiert – aber da war ja noch diese Festplatte. Diese Festplatte, auf der ich the good old days einzelne MP3s gesammelt hatte, die Festplatte auf die mir jemand anders dann noch weitere 1000 (hauptsächlich ungetaggte) MP3s kopiert hatte weil ich mich darüber doch bestimmt freuen würde (Nein) und die irgendwie über all die Jahre so mitgelaufen war.

Die Festplatte ist jetzt leer. Ich war beim Löschen relativ schnell mit dem Löschfinger und habe echt nur behalten, was ich a) noch kannte und b) auch noch mochte – und: Sie ist leer. Übrig blieb ein Ordner mit ca 120 Singles, die ich jetzt in einer Playlist „Guilty pleasures“ sammeln werde und ein wirklich voller Papierkorb auf dem Server. In Plex sind es jetzt gute 1100 Alben, wobei ein Album sowohl eine Single als auch die 7-Alben-Sammlung der Stücke aus „Sing meinen Song“ sein kann und wenn Sie denken, dass ich zuviel Zeit habe, dann haben Sie vielleicht recht.

Vielleicht bin ich aber auch gerade sehr entspannt und glücklich und das soll man ja auch nicht unterschätzen.
Außerdem habe ich Tidal und Apple Match gekündigt und das sind fast 400,- im Jahr und wie beknackt bin ich eigentlich, so viel Kohle auszugeben?

Und auf einmal war es dunkel.

13.12.2019 – ein Freitag

Eine der Nebenwirkungen meines aktuellen Gesundheitszustandes ist, dass ich recht energielos bin. Oder anders: Der Tag ist zu lang für meine Kraft. Ich weiß: Das wird wieder besser, aber aktuell ist die Zeit zwischen etwa vier und Schlafengehen sehr anstrengend.
Hat man am Tag vorher mehr gemacht als sonst, hat man vielleicht die kleine Schwester irgendwo mitten im Land getroffen, ist viel Auto gefahren und war wortwörtlich außerhalb der Komfortzone – dann ist man vielleicht sogar den ganzen Tag etwas kraftlos. So wie heute.

Kurzer Einschub, falls Sie sich Gedanken durch meine reingeworfenen Fragmente hier machen: Ich weiß, das wird alles wieder besser, es wird sogar deutlich besser werden als vor dem letzten Trigger. Es ist der Prozess dahin, der die Kraft kostet. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, ich werde gesund und stark aus dieser Zeit herauskommen und ich freue mich sehr darauf. Ich bin nur jetzt, gerade, in diesem Moment, in diesen Tagen und vielleicht auch Wochen so müde. Diese Art der Arbeit am Selbst braucht Kraft und Zeit. Beides nehme ich mir.

In Johnny Haeuslers Newsletter fand ich diesen schönen Artikel darüber, wie man Kindern Spaß am Lesen vermitteln könnte – und wie Deutschland es anders tut:

[…] in den letzten Jahren ein bildungspolitisches Netzwerk mit Mitgliedern aus beinahe allen EU-Ländern geleitet. Wir haben über hundert Beispiele guter Praxis gesammelt. Die nimmt in Deutschland nur leider kaum jemand zur Kenntnis, auch ein Problem unserer bornierten Bildungspolitik. […]
das ist wieder eine Komponente unseres konservativen Schulsystems: Die Idee „One size fits all“ funktioniert nicht. Die Klasse liest im Deutschunterricht ein Buch gemeinsam. Meist eins, das nur wenige Kinder interessiert. Die Lust am Lesen wird den Schülern in der Schule so eher ausgetrieben als vermittelt. […]
Es ist absurd – so ähnlich wie mit der Klimapolitik: Man weiß eigentlich, was man braucht, aber die Realität entwickelt sich in eine andere Richtung.

spiegel.de: Lehren aus Pisa „Die Lust am Lesen wird Schülern ausgetrieben“

Ähnliches kenne ich übrigens zum Thema „Hausaufgaben“: Soweit ich weiß, ist ihr fehlender Nutzen allgemein anerkannt, aber „…irgendwie kann man ja nicht nichts aufgeben“.

12.12.2019 – und ab in die Mitte

Ich möchte wirklich niemanden aus Remscheid beleidigen, einige einer meiner ältesten Freunde kommen aus arbeitet in Remscheid. Aber ich muss gestehen: Die Idee, da mal hinzufahren, hatte ich noch nie. Aber Remscheid liegt in der Mitte und in der Mitte kann ein guter Ort sein: wenn man sich treffen möchte und aus Gründen den Aufwand minimieren möchte.

Heute war selbstgewählter day-off und ich traf mich da* heute mit der kleinen Schwester. Das war sehr, sehr schön und ich kam müde, aber froh wieder nach Hause.

*) Also eigentlich trafen wir uns im Endeffekt in Wermelskirchen, denn der Mc Donalds da in Remscheid … ach, egal. Dafür waren wir dann später, als wir das eine Auto wieder abholten, da noch spazieren, da irgendwo am Industriegebiet an der A1, denn in Sichtweite begann ein kleines Wäldchen – und da wars richtig hübsch.

Ach ja, und dann war da ja noch …

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https://www.youtube.com/watch?v=NjCA8x7EOZY

… denken Sie ruhig mal drüber nach, wenn Sie morgen Abend die beleuchtete Krippe einstöpseln.

11.12.2019

Gestern Abend sind wir noch ziemlich spontan nach Münster gefahren – in den Hot Jazz Club, in dem einmal im Monat die Zwillinge spielen. Die beiden sind seit vermutlich hunderten von Jahren zusammen auf der Bühne und der Jazz Club ist – wenn ich das richtig verstanden hebe – so etwas wie ihr Wohnzimmer.
Ich kann da nicht immer ganz gut drauf, wenn Künstler auf der Bühne zu sehr familiär rumkumpeln, aber gestern hielt sich das in Grenzen; es war auch nicht unbedingt meine aller-aller Lieblingsmusik aber ich mag den Club, ich mag die Stimmung da und alte Rampensäue sind alte Rampensäue sind einfach eine feste Bank. Schöner Abend.

Außerdem war es super-gut, hier rauszukommen. Wenn ich mich da im Winter nicht drum bemühe, können ganze Wochen vergehen, in denen ich nicht vor dir Tür komme.

Sehr skuril wurde es kurz, als ich kurz bei der Frau hinter der Theke abklären wollte, ob ich Fotos machen dürfe.
Ich: Hi, darf ich hier fotografieren?
Sie: Kommt immer auf die Veranstaltung an. (geht)
Ich (hinter ihr her): Ok, darf ich heute hier fotografieren? (Sie bleibt weg)
Ich bin dann mal stehen geblieben und hab sie aus der Ferne freundlich angelächelt. Sie sprach mit einer Kollegin, machte diverse Kaffee und verschwand dann hinter der Theke – dafür kam die Kollegin zu mir. Wie groß denn meine Ausrüstung wäre …? (Ich zeigte ich meine (zigarrettenschachtelgroße) Knipse, die ich für solche Gelegenheiten habe) Ach so. Man müsse natürlich immer vorher fragen (Ja, das tat ich ja gerade) Ach ja stimmt. Man müsse natürlich eigentlich die Künstler …? (Ja, kann ich ja tun)

Die Künstler saßen an einem Tisch neben der Bühne und die Anfrage da lief so: „Moin, kann ich gleich Fotos machen?“ – „Klar.“ – „Super, danke.“ – „Coole Frisur haste!“ – „Ihr auch!“ (Gelächter)

Alle anderen im Raum fotografierten, filmten (und blitzen) natürlich auch und ich wette, außer mir hat niemand gefragt. Es ist kompliziert.

Die E-Mail mit dem Satz des Tages kann ich Ihnen natürlich nicht zitieren, aber glauben Sie mir: der Satz des Tages ist in seiner Absurdität vergleichbar mit: „Wir entscheiden dann nächstes Jahr, ob wir der Einkommenssteuer beitreten oder nicht“.

Darüber hinaus meinte selbst die sonst äußerst korrekte Agentur, dass wohl Vorweihnachtszeit sein müssen – denn es würden ja alle komplett spinnen.
T minus vier Arbeitstage noch, dann gehen hier die Schilde hoch.

10.12.2019 – It was love

Geschlafen, verrenkt aufgewacht, getreadmillt, gearbeitet, telefoniert, über mein Bauchgefühl für Internetmenschen gefreut, getreadmillt, Supergirl weiter geguckt.
Es ist alles sehr profan, aber es ist Alltag und Alltag ist eine verflixt gute Sache. Man sollte Alltag sehr viel mehr schätzen; man merkt das, wenn der Alltag zwischendurch mal wegbricht.
Deswegen mache ich soviel Alltag wie möglich.

Amüsiert darüber, dass die beste Möglichkeit, Menschen um exakt halb eins anrufen zu lassen immer noch ist, ihnen aufs Band zu sprechen:„Von viertel nach zwölf bis halb zwei bin ich in einer Telko – danach bin ich gut erreichbar“.

Die Inbox geht langsam gen Zero; ich kann schon das Ende sehen. Habe ich Ihnen eigentlich mal erzählt, wie mich jemand mal fragte sein Mailprogramm wäre so langsam geworden, ob ich mir das mal ansehen könne? Damals lehnte ich so etwas noch nicht rigoros ab und ging hin. Er machte also sein Mailprogramm auf, es dauerte wirklich etwas länger als es sollte und dann sah ich die Zahl der ungelesenen Mails: 21.568.

Dann erfuhr ich, dass Marie gestorben ist und das macht mich traurig. Jetzt hör ich Sie sagen „Möönsch der Fischer prahlt hier immer mit seinem sophisticated Musikgeschmack rum und jetzt kommt er hier mit Roxette um die Ecke“, aber ich sag Ihnen: Ich bin nicht der einzige Musiker, dem Roxette etwas bedeuten. Es ist durchaus hohe Kunst, Popsongs zu schreiben, die jede sofort mitsingen kann. Und erst recht, wenn man das auch noch über Jahre und Jahre schafft.

Mit der kleinen Schwester war ich vor ein paar Jahren nochmal bei einem Konzert. Da war Marie schon krank genug, um in der Mitte der Bühne auf einem Hocker sitzen zu müssen; die hohen Töne bekam sie auch nicht mehr richtig. Aber wir – und ausnahmsweise meine ich das so – wir, das Publikum trugen sie da durch.
Überhaupt: Vor- und nachher habe ich noch nie ein so bunt gemischtes Publikum erlebt. Zwischen zehn und Mitte sechzig, Metalheads und Popper, Normalos und Rasta-Jungs, oft drei Generationen miteinander. Und alle, alle halfen ihr.
Das war ein auf ganz andere Art und Weise sehr bewegendes Konzert und ich bin froh, dass ich sie nochmal gesehen habe.
Jag lyfter mitt glas till dig, Marie. Gör det bra. Vi kommer att sakna dig.

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