13.12.2018

(Irgendwas mit schlechtem Schlaf).

Den gestern begonnene OnePager weiter gemacht. Zuerst mal brauchte ich ein Produktfoto – dazu hab ich mir eine högscht professionelle Hochkehle gebaut.

Was stimmt eigentlich mit den Leuten bei Adobe nicht? Ich benutze Photoshop seit 1999 – das sind 18 Versionen. Und jetzt haben Sie Tastenkürzel rumgedreht. Kinder, ich bin ein alter Mann, mein Bewegungsgedächtnis kann nicht mehr umdenken! Dafür überraschen mich die Werkzeuge mit kleinen Videos, wenn ich mit der Maus dran komme und im Ernst: das beleidigt mich.

Von neun bis zwölf dann den üblichen Donnerstagstermin mit Sylvia. Für den Anfang des nächsten Jahres mussten wir da was vorbereiten und wie immer war das so angenehm wie man es sich nur vorstellen kann.

Um zwölf direkt zurück an den OnePager. Das war eine ziemliche Schnellschuss-Aktion aber ich bin fertig geworden. Und als ich fertig war: Geist hellwach, Körper müde, vollkommene Ratlosigkeit was ich dann noch tun sollte. Kreativ-Arbeiter kennen das vermutlich.

Zwischendurch klingelte noch ein DHL-Männchen mit einer Kiste und in dieser Kiste war unser neuer Mitbewohner. Die Liebste hatte sich gewünscht, in der Küche mehr Hilfe zu haben – und nun steht da einer von den Gesellen, die mahlen, wärmen, kochen, dampfgaren, mixen können. Er möchte außerdem ins WLAN und hat auf seinem großen Display Platz für Rezepte. Und ich gestehe: Ich stehe ihm erstmal skeptisch gegenüber. Er ist so groß und man sieht gar nicht, was er tut und ich glaube: Ich mag einfach keine geschlossenen Systeme. Aber die Liebste mag ihn.

Die fuhr dann zum Kollegiums-Weihnachtsessen und ich rief erst noch den #threeTwitteratiILearnedStuffFrom – Tag aus und versumpfe jetzt vor dieser neuen Tanz-Sendung. Vielleicht werde ich mir mal den Joss Stone Remix-Wettbewerb ansehen. Mal wieder einen schönen Remix machen, das wär doch was für die Weihnachtstage.

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12.12.2018 – Mond und Sterne

Kinder, ich kann verschachtelt träumen – da ist Inception nichts dagegen.

Bei meinem morgendlichen Streifzug durch den Instagram-Stream fielen mir wieder zwei besonders üble Kommentare auf, die mann bei zwei „Promis“ hinterlassen hatte und ich versammelte beide unter dem Hashtag #wasMannBeiCelebsSoKommentiert. Aktuell sind es erst diese beiden, aber ich fürchte, das würde sich bald weiter füllen – denn eigentlich sind ja auch das nur Abbilder dessen, was Frauen gern mal zu hören kriegen so bald sie in die Öffentlichkeit gehen.

Nachdem ich irgendwann einmal mit jemandem darüber diskutierte, dass ich am 21.12. noch seiner Sekretärin die CMS-Schulung geben MÜSSE – also jetzt mal im Ernst: Am 21. ist die mit ihren Gedanken irgendwo zwischen hab-ich-alle-Geschenke, hoffentlich-benimmt-sich-Schwiegervati-dieses-Jahr und dem ersten Jagertee – also, nach dieser Diskussion, ich hab das natürlich vehement abgelehnt und seitdem also mache ich Mitte Dezember mein Büro zu. Hat bisher noch niemanden gestört. Trotzdem habe ich heute noch einen kleinen Onepager begonnen, der dieses Jahr noch fertig sein wird. Für Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben tut man das manchmal.

Und dann kam die Liebste aus der Hölle des unkontrollierten Wahnsinns nach Hause und wir beschlossen spontan ins Kino zu fahren. Die erste Paar-Zeit im Dezember.

Ich halte die Mondlandungen immer noch für eine der beeindruckendsten Leistungen der Menschheit und sauge eigentlich alles darüber auf. Und nachdem die originalen Bilder ja nur noch verauscht zu finden sind war das schon hübsch anzusehen, was die da im Film gezeigt haben.
Außerdem habe ich viel über die Menschen nachgedacht, die hinter den allseits bekannten Helden stehen; wie eben zB Mrs Armstrong.
(Dass die Nasa tonnenweise Bilder von den Mondmissionen auf flickr gestellt hat wisst Ihr alle, ja?)

Dann noch fix bloggen und den Tag mit der selben Panik beenden, mit der er begann.

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10.12.2018 – über den Wert

Lang und tief geschlafen, sehr schmerzbefreit noch dazu. Die lustigen, riesigen Tabletten schlagen wohl gut an und das ist ein gutes erstes Gefühl des Tages.

Von Handwerkern höre ich gelegentlich die Geschichte, dass sie keine Rechnungen schreiben. Also: Dass sie es endlos vor sich herschieben, dass die Ehefrauen, die ihnen den Betrieb führen ihnen ständig auf den Füßen stehen müssen und dass es abends beim Abendessen deswegen Knatsch gibt. Es sollen sogar schon Betriebsführende Ehefrauen wieder zu Mutti gezogen sein.
Klingt ja eigentlich unlogisch, nicht?
Aber, mal was ganz anderes: Ich hab dann heute endlich mal wieder Rechnungen geschrieben. Und dann gleich mal das Helnan Marselis für den nächsten Februar fest gemacht.
Vorfreude galore.

Bei der Seelenmassage gewesen. Auch sie meint, es geht mir gut. Und im nächsten Jahr machen wir uns daran, dass ich mal wieder ohne Albträume schlafen kann. Ich kann nicht sagen, dass ich da nicht gehörig Bammel vor habe, aber die Aussicht, jeden Morgen so aufzuwachen wie heute Morgen – das ist vieles wert. Oder ich könnte mal abends keine Angst vor der Nacht haben. Quasi unvorstellbar.

Ich treibe mich zu viel in HIFI-Verkaufsbörsen rum. Aber jetzt mal im Ernst: Ein guter Verstärker, ein Ersatz für den, den ich mir 1992 von meinem ersten Zivi-Gehalt gekauft hatte? Für unter 100,-? Abzuholen im Nachbarort, durch den ich eh heute kam? Den hättet Ihr doch auch mitgenommen, oder?
Aber ich glaub, jetzt hör ich mal auf. Vielleicht noch ein anderer Tonabnehmer für den Plattenspieler, aber dann hör ich auf.
Ich kann auch jederzeit aufhören. Ich hätte das auch heute nicht gebraucht. Kein Problem, das war der letzte Kauf heute, kein großes Ding, morgen noch einmal in die Verkaufsgruppe reinschauen, ich brauche das nicht, ich will nur noch einen kleinen Suchauftrag für Tonabnehmer einstellen aber ich kann da jederzeit aufhören, I’m not an addict!

Es ist exakt eine Woche her, da schrieb ich, dass ich momentan „Scrubs“ schaue – also nochmal, von ganz vorn bis ganz hinten schaue.

Am fünften schrieb ich, dass ich froh bin, dass ich noch manche MP3s „physikalisch“ besitze, denn man wisse ja nie, wann sich so Streaming- und Abo-Angebote ändern.

Und am sechsten stellte ich zeitgleich mit Sylvia fest …

Schöner kann man nicht verdeutlichen, was ich meinte.

Und was tue ich? Ich heule ebenfalls kurz das ganze Sofa nass und hänge mich dann gestern Abend schon, ebenfalls auf Twitter, an eine Unterhaltung dran, als Cynthia nach Serientipps fragt. Oder, in anderen Worten, ich ersetze einen Konsum durch den anderen. Geht ja auch fix, irgendwo wirds schon irgendwas zu streamen geben.

Gut: Scrubs, das hab ich ja nicht ohne Grund gerade ge-rewatched, Scrubs habe ich schon sehr geliebt. Die ersten paar Staffeln besitzen wir auch auf DVD wenn ich mich recht erinnere und abgesehen davon, dass es ja auch schon etwas aussagt, dass ich mich nicht richtig erinnere: Der DVD-Player hat irgendwann auf die konsequente Nicht-Nutzung beleidigt mit einem stillen, aber weiterhin vollkommen unbeachteten Ableben reagiert.

Gleichzeitig streiche ich ja gerade durch meine alte Schallplatten-Sammlung. So super audiophil bin ich da gar nicht, das sind vielleicht so knapp 100 Platten. Aus Gründen war ich immer eher der Cassetten-Typ und bin dann direkt zur CD gewechselt.

(… und ich bringe es nicht übers Herz sie wegzuwerfen)

Aber ich kann mich bei jeder Platte die ich da rausziehe erinnern, wann ich sie gekauft habe, mit wem ich darüber sprach und wie es mir da so ging und was sie mir bedeutete.
Halten wir erstmal fest: Sie scheinen einen anderen emotionalen Wert zu haben.
Also alles wieder physikalisch kaufen!?

Jetzt wäre das aber hier ja nicht das Fachblog für Komplexität im Alltag, wenn nicht zeitgleich eine Alarmglocke bimmeln und rufen würde: „Du willst nicht mehr so viele Dinge haben! *DingDing* Du stellst dauernd fest, dass die Dinge Dich besitzen und nicht umgekehrt“
Es ist kompliziert.

Was anderes – apropos „Fachblog für Komplexität“: Da lese ich doch vorgestern bei Frau Nuf tatsächlich diesen Satz:

Mir wurde mal gesagt: Ihr Buch können wir nicht verlegen. Das ist zu differenziert. Es wird sich nicht verkaufen. M. Spitzer hingegen verkauft sich hervorragend.

… und musste kurz leise darüber weinen. Vor allem, weil der Rest des Artikels so hervorragend gut ist. Patricia bringt da etwas auf den Punkt, was mich in Diskussionen über Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen schon lange irritiert: Beschränke ich die Nutung digitaler Medien für Kinder und Jugendliche  nach Minuten pro Tag, dann verkennt das doch vollkommen den Charakter des digitalen. Bedeutet das x Minuten daddeln pro Tag oder x Minuten Javasript-Kurs? x Minuten YouTube gucken oder x Minuten Content für YouTube produzieren?
Ich habe immer das Gefühl, dass hinter so einer Einschränkung eine generelle Annahme steht, dass „Computer“ per se nichts Gutes ist und deswegen beschränkt werden muss. Naja, bevor ich mich rein reden – gehen Sie doch zu Patricia und lesen da, die hat das nämlich alles schon gesagt.
Lesen Sie also bitte das Nuf: Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss.

Musik. Ich kann wirklich jederzeit aufhören.

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9.12.2018 – in Watte

Gestern kam das Schallplatten-Wasch-Set an und ich mag sagen: Das ist schon ’ne schöne Sache. Die alten Platten, die mein jugendliches ich ohne Hauch einer Ahnung mit Leitungswasser „nass abgespielt“ hatte, strahlen wieder und knistern nicht mehr. Vielleicht werd ich noch noch audiophil.

Die Liebste hingegen ist keksophil, hat alle verfügbaren Dosen voll gebacken und ich schätze das sehr.

Nachdem ich gestern über das dionysische Recht auf Rausch geschrieben hatte conchierten im Hinterkopf noch Gedanken weiter. Weg vom Rock’n’Roll und weiter zu der Angst der Gesellschaft vor Rausch und Chaos.
Und auf einmal machte es Klick und ich verstand, warum sich Deutschland noch immer bemüht ist, rechte Straftaten runter und link hoch zu kochen: „Links“ ist geframed mit Chaos, Anarchie und Umsturz. Wer „links“ unterstützt, der will alles umstürzen – so einfach ist das. „Links“ ist Gammler, Drogen, Pädophilie, Regellosigkeit.
„Rechts“ hingegen steht für konservative Ordnung und Sauberkeit und ist deswegen unzterstützenswert. Gut, ganz weit rechts, da gehts dann vielleicht etwas weit – aber ich fürchte, dass die meisten, die heute mt dem rechten Feuer spielen immer noch dem Irrglauben aufsitzen, das könne man dann ja kontrollieren.

Ich mag das ungern weiter denken.

Triggerwarnung: Zahnarztcontent.

Seit einiger Zeit habe ich da eine kleine Entzündung an einer Wurzelspitze. Je nach Untersuchung ist die „harmlos und geht weg“ oder „wir müssen irgendwann mal dran“. Befürchtet hatte ich, dass zweiteres noch dieses Jahr sein müsste. Dann aber doch nicht, dann doch, dann nochmal nicht und dann hab ich die ganze Nacht vor Schmerz nicht geschlafen, war heute Morgen Panik-bedingt Diazepam-abgefüllt beim Notdienst und hab jetzt erstmal Penicillin und kräftige Schmerzmittel.
Hab ich genug Pech, dann hat der Doc noch einen OP-Termin am 21.12. und ich kann Weihnachten nur Suppe mit Strohhalm.
Siehe auch: Kekse, siehe auch: Bieberkacke.

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8.12.2018 – Happy Birthday, Jim

Kennen Sie das? Sie haben etwas erlebt und sind davon so richtig begeistert. Sie erzählen anderen davon und die lächeln auch nett aber können das nicht nachvollziehen – logisch, sie haben es ja nicht erlebt. Und dann kommt jemand anderes daher und erzählt exakt das Gleiche – und es macht sie froh; froh, dass sie nicht der einzige sind, froh, dass das was Sie erlebt haben wohl wirklich so ist? Nun denn, Sven war in Århus und Århus hat sicher sehr viel zu bieten und Sven schreibt (sinngemäß):
Man kann alles mit Karte zahlen! Die sitzen alle draußen! Die sind alle extrem nett!
Und das ist in etwa das, was ich als am bemerkenswertesten auch erzähle; das beruhigt mich fast schon. Es hätte ja auch sein können, dass ich aus purer Sympathie zu Århus’ berühmter Sanges-Tochter da tagelang vollkommen verblendet herun gelaufen wäre.

Apropos „Gesang“: Heute wäre Jim Morrison 75 Jahre alt geworden. Als ich die doors kennen lernte war ich 17 oder 18 Jahre alt, hatte meine Heavy Metal-Phase hinter mir und hatte aus dieser Phase gelernt, dass Musik, die Eltern schocken sollte möglichst hart sein musste.
Dementsprechend war ich erstens etwas überrascht, dass ausgerechnet Marc – Musik härterer Gangart damals eigentlich vollkommen unverdächtig – mir da was Neues empfahl. Außerdem war ich erst etwas enttäuscht, das war ja weder hart, geschweige denn heavy.

Die revolutionäre Kraft der vier und vor allem die von Jims Texten wurde mir also erst langsam bewusst.

Moment of inner freedom
when the mind is opened & the
infinite universe revealed
& the soul is left to wander
dazed & confus’d searching
here & there for teachers & friends

The opening of the trunk

Aber spätestens, als ich mir zu Weihnachten das Buch „Die verlorenen Schriften von Jim Morrison“ wünscht und meine Mutter mich unter dem Weihnachtsbaum zur Seite nahm und erklärte: Die Buchhändlerin habe ihr von diesem Werk doch sehr abgeraten – da war die Sache klar.
Der Musikexpress erklärt:

[…] erklärt Nietzsche zwei griechische Götter zu den entscheidenden Polen des Lebens: Hier der rauschhafte, urwüchsige und zügellose Urwille, verkörpert in Dionysos; da die gestaltende, harmonische, ebenmäßige Kraft, verkörpert in Apoll. Laut Nietzsche existiert der Mensch im Spannungsfeld zwischen dem Dionysischen und dem Apollinischen.

Das Motto „Sex, Drugs und Rock’n’Roll“ war in den Sechzigerjahren nicht nur das Credo der noch jungen Rockmusik, es war im Wesentlichen eben auch dionysisch. Jim Morrison, äußerlich von durchaus apollinischer Schönheit, muss Nietzsches Worte über das Dionysische wie eine direkte Regieanweisung gelesen haben, als eine Blaupause für sein künstlerisches Dasein, als eine Blaupause für jenen Urtyp des ersten, echten Rockstars.

Diese Kunstwerkwerdung gehört, siehe Lady Gaga, heute zum oberflächlichen Grundwortschatz des Pop – Jim Morrison hat sie als einer der ersten Künstler ernsthaft betrieben.

musikexpress.de: Jim Morrison ist der Pin-up-Boy der Rebellion

Rauschhafter, zügelloser Urwille“ und ihre Kinder: Freie Sexualität und das Recht auf Rausch aber sind für unsere Gesellschaft gefährlich und das wird sogar die Kleinstadtbuchhändlerin erkannt haben.
Heute, im Jahr 2018 haben wir das zum Glück gut geregelt: Künstlerische Extase ist auf wohlkalkulierte Busenblitzer bei den MTV-Awards reduziert – und für den Fall es blitzt zuviel, gibt es ja keine Live-Übertragungen mehr und man kann die Gesellschaft vor dererlei Obszönitäten schützen. Drogen sind – wenn überhaupt – nur akzeptiert, wenn sie der Leistungsteigerung dienen; rausch kommt da nicht vor. Das Recht auf freie Sexualität erlebt den schlimmsten Backslash seit ich lebe und überhaupt: Wer der Gesellschaft nicht dienen will ist ein (Hartz-4)-Schmarotzer.

Feiern wir also den 75. Geburtstag des Lizard King.

Mein achtzehnjähriges ich schrieb – wie ich gerade sah – übrigens vorne ins Buch: „It’s not easy to understand a searchin soul“.

Darüber hinaus: Der Zahndoc hatte gesagt: Jo, da ist eine kleine Entzündung, aber die tut erstmal nix. Gestern Abend habe ich die Entzündung wohl etwas gereizt, sie revanchiert sich gerade.
Bieberkacke.