20.4.2019 – warum es Reformen in der Schule so schwer haben

Finnland – in den Pisa-Tests immer ganz vorne – will die Schulfächer abschaffen, las ich bei Frau Nessy:

„Dieses Konzept, […] sieht die völlige Abschaffung des bisherigen Fächerkanons bis zum Jahr 2020 vor. Stattdessen sollen die Schüler Ereignisse und Themen interdisziplinär bearbeiten […]. „Phänomen-Unterricht“ nennen die Experten diese Form der Stoffvermittlung.
Ein Beispiel: Der Zweite Weltkrieg wird zukünftig in einem Projekt gleichzeitig aus historischer, geografischer und mathematischer Perspektive behandelt. Beim Thema „Arbeiten in einem Café“ könnten Kenntnisse in Englisch und Wirtschaft sowie schriftliche und mündliche Kommunikationsfähigkeiten vermittelt werden.

spiegel.de: Finnland schafft die Schulfächer ab

Ich grinse mir einen beim Lesen – denn das ist ziemlich exakt das, was ich Anfang des Jahres schon mal skizziert habe, als ich über besseren Unterricht nachdachte.

Nein nein, Sie müssen sich jetzt nicht vor meinen pädagogisch-hellseherischen Fähigkeiten verneigen – ich hab das mal studiert, bekomme immer noch vieles mit und die Zeit für solche Konzepte ist längst überfällig. Und da liest immer man wieder mal solche Ideen.

Und wir? Meinen eigenen bescheidenen Beobachtungen nach wird das in Deutschland schwierig. Reformen in der Schule werden hier irgendwie immer wieder nur halbherzig angefangen und schnell wieder abgewürgt.
Bloß: Warum?

Vorbemerkung: Ich schreibe viel in so Sätzen wie „Deutschland will …“ / „Eltern tun …“ / „Das ist so und so …“ und ähnlich. Ich betrachte das aber alles wirklich als niedergeschriebene Überlegungen und als Thesen, die nach dem Lesen des Spiegel-Artikels so durch meinen Kopf streiften. Und ich will natürlich nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Nehmen Sie’s bitte so, das ist hier ein Blog und kein Fachmagazin – und fühlen sich herzlich eingeladen, auch daran rumzudenken, falls das irgendwie Ihr Thema ist.

These 1:
Die gute alte deutsche Haltung: Leistung muss hart erarbeitet sein.
Deutsche sind neidisch, wenn jemandem etwas leicht fällt; wir haben nur dann Respekt, wenn man hart dafür mindestens nine to five arbeitet.
Typische Sätze rund um die Schule wie „Morgen fängt der Ernst des Lebens an“ oder „Einmaleins-Reihen muss man halt nur ordentlich bimsen“ – oder auch die Einteilung in „wichtige“ (Mathe, Deutsch) und „Neben“-Fächer (Sachkunde/MINT) zeigen das schon recht deutlich.

These 2:
Reformen kommen eher von links als aus der Mitte. Pädagogen haben hier zu sehr noch das Bild „linker Pädagogenschluffi“; Lehrer sind die, die (beim Ortsverband der SPD) Lokalpolitik machen und da zu viel Zeit zum Reden haben.
Beides ist dem Deutschen eher suspekt. („Ah, Du wirst Sozialpädagoge, hat Dein Abi für nichts richtiges gereicht?“).
Pädagogen werden nicht wirklich Ernst genommen, sie leisten ja nichts – im Sinne von: „Stellen nichts her“. Also arbeiten sie auch nicht hart und werden nicht respektiert (siehe These 1).

These 2b:
Außerdem ist Pädagogik dem Deutschen keine echte Wissenschaft. Wir sind hier stolz auf unsere Ingenieure, auf die sichersten Bergbaustollen und niedrige Spaltmaße, auf die lange Industriegeschichte. Das kann man messen, beweisen, belegen. Und ja, da ist die Pädagogik etwas schlechter aufgestellt; gerade der Erfolg von Schulreformen würde erst durch die Zeit bewiesen und wer möchte schon, dass ihr Kind Versuchskaninchen ist?

These 3:
Aus eins und zwei zusammen folgt: Die Reform-Ideen, die in der Schul-Realität ankommen, werden belächelt. Menschen meiner Generation erinnern sich vielleicht, was deren Eltern über die Mengenlehre sagten?
Sie sind nett, denn sie machen den Kleinen Spaß und sind als nettes Add-On nicht unbeliebt. Aber halt Pädagogentralala. Projektwochen zum Beispiel sind eine nette Sache, die kurz von den Sommerferien, wenn „eh kein richtiger Unterricht mehr läuft“ platziert werden.

So lange „genug richtig“ gelernt wird, darf die Lehrerin auch Gruppenphasen, Projektwochen oder offenen Unterricht machen. Wird die gemessene Leistung – sprich: Noten – schlechter, ist der Grund klar: Dieser neumodische Schluffischeiss. „Die lernen ja auch nichts mehr, die malen und klatschen ja nur noch.

These 4:
Man vergleicht – das ist menschlich – alles was einem begegnet mit den eigenen Erfahrungen. Und wie Douglas Adams schon treffend feststellte: Alles was ab Mitte dreißig neu dazu kommt, braucht eh kein Mensch.
Tja. Deutsche Mütter bekommen ihr erstes Kind durchschnittlich mit 29, wenn die Kleinen dann also in die Schule kommen ist die Mitte dreißig erreicht – und damit kann das Gehirn gar nicht anders, als alles neue abzulehnen.
Schule muss also so sein, wie sie war, als wir selber in der Schule waren – sonst ist sie nicht gut. Man müsste mal nachfragen, ob diese Eltern auch in anderen Bereichen möchten, dass ihre Kinder wie 1985 aufwachsen: Ohne Airbag oder Maxi-Cosi im Auto, ohne Handy oder Mama-Foren im Web – aber dafür mit DDR, Helmut Kohl und Modern Talking?

These 4b:
Es gibt kaum ein Thema, bei dem alle gleichermaßen „Fachleute“ sind, weil sie es ja selbst erlebt haben – außer der Schule. Da kann jede mitreden. Dass sich Schule in den zwanzig Jahren seit man selbst raus ist verändert haben könnte – Pff.

These 5:
Deutschland hat keine Fehlerkultur. Wir betrachten Fehler als einen Makel, der etwas über die Person die den Fehler macht, aussagt. Fehler machen nur dumme Menschen, für Fehler wird man bestraft. Nur logisch: Fehler werden, wenn es eben geht, vertuscht.
Dass Fehler passieren dürfen und sogar ein wichtiger Schritt in einem Lernprozess sein können, hat da wenig Platz.

These 6:
Ob das jetzt Henne oder Ei, Ursache oder Folge aus These eins bis fünf ist: Auch Lehrerinnen sind unsicher, wenn etwas neues kommt. Es ist ja nur menschlich – und die Unsicherheit wird bestimmt nicht vergehen, wenn man täglich wütende Eltern im Unterricht stehen hat die wissen wollen, warum ihr behelikoptertes Töchterchen jetzt schon drei Wochen in die Schule geht und die unendliche Geschichte immer noch nicht selbst lesen kann.
Ja, das war vielleicht etwas polemisch formuliert, aber …
Aber auch Lehrerinnen mögen sich vielleicht mal nicht vorstellen können, dass eine neuen Methode funktioniert. Da bräuchten sie ein Klima, in dem auch sie ausprobieren können, in dem sie Mut haben können, aber … (siehe eins bis fünf).

These 6b:
Außerdem sind auch Lehrerinnen Menschen und brauchen dementsprechend (siehe These 4) keinen neumodischen Kram mehr. Es gibt Untersuchungen darüber, dass Lehrerinnen innerhalb weniger Monte nach dem zweiten Staatsexamen alles über Bord werfen, was sie an der Uni gelernt haben und dann den Unterricht machen, den ihre Lieblingslehrerinnen früher machten.

These 7:
Deutschland ist ein Hardwareland. Wir lösen Probleme, in dem wir unsere Ingenieure etwas dafür oder dagegen erfinden lassen. Schauen Sie aktuell auf den Digitalpakt, dann werden Sie sehen: Die Politik freut sich und sagt, man kann jetzt Whiteboards (WLAN/iPads/…) kaufen. Die klügeren Schulen rufen hingegen verzweifelt aber ungehört nach Fortbildung, die uninformierteren Schulen sind genervt, weil sie jetzt diese neue Hardware verwalten müssen.
Die Etats für Fortbildungen hingegen sind knapp, sogar wenn auf Hardwareseite gerade Geld fliesst.

These 8:
Wir alle haben das Gefühl, das Leben wird immer härter. Die Schere zwischen arm und reich, die erste Generation, deren Kinder es nicht mehr besser haben wird als die Eltern, blabla, kennen wir alle. Dass wir für unsere Kinder nur das Beste wollen ist klar, also: Keinen Pädagogenquatsch, sondern Leistung, Leistung, Leistung.
Dass die Welt so noch härter wird … tja.

These 9:
In der Politik ist das Thema längst zum Grabenkrieg geworden. Mannschaft schwarz will Leistung und fand’s per se vor dreißig Jahren eigentlich ganz ok. Mannschaft rot will halt aus Tradition Gesamtschule, hängt sich aber de facto aus Rückgratlosigkeit und Machtgeilheit praktisch immer an Mannschaft schwarz. Und Mannschaft grün kann aus der sicheren ewigen Oppositionsrolle die Forderungen immer höher treiben. Wer gerade regiert, macht halt was er will – auch wenn dabei die von der Vorgängerregierung gemachten Konzepte wieder gekillt werden.
Und so eine lustige Idee wie: „Mal auf die Fachleute hören“ hat ja eh ausgedient.

These 9b:
Dazu kommt: Politik wird dann als erfolgreich wahrgenommen, wenn sie „anpackt“, wenn sie etwas verändert. Veränderungen wiederum nehmen Menschen besser wahr, wenn sie deutlich sind; an kleinen Stellschrauben zu drehen sieht man von außen nicht. Also wirft jede, die an die Macht kommt das Ruder erst einmal kräftig herum. Wir müssen ja auch bedenken: Eine Legislaturperiode hat fünf Jahre und das letzte davon ist Wahlkampf. Also muss man spätestens nach vier Jahren Erfolge sehen. Dass das in unserem Fall nur eine viertel bis halbe Schullaufbahn ist – tja.

So haben wir dann im schlimmsten Fall in einer Schule verschiedene verpflichtende Konzepte und was das mit Lehrkräften und Schülerinnen macht kann man sich leicht vorstellen: Denkt nur mal an die Lehrerinnen, die selbst im Laufe eines Vormittags alle 45 Minuten neu überlegen müssen, ob sie jetzt in eine G8- oder eine G9-Klasse gehen und wie schnell bzw. tief sie jetzt die Themen besprechen dürfen.
Oder was erst lustiges passiert, wenn jemand eine Klasse überspringt oder „sitzenbleibt“.

Im Ergebnis: Beobachte ich mein Umfeld – egal ob on- oder offline, egal ob Lehrkräfte oder Eltern – herrscht große Unsicherheit. Die drei großen Ideen der letzten Jahre (G8, Lesen durch Schreiben und Inklusion) werden alle mehr oder weniger gescheitert angesehen.
Bei G8 weil sich selbst in den leistungsorientiertesten Hirnen die Einsicht durchgesetzt hat, dass das doch etwas viel Druck war.
Bei Lesen durch Schreiben meiner Beobachtung nach, weil schon vorher alle wussten, dass das ja neumodischer Kram ist und es deswegen nie richtig umgesetzt wurde.
Und die Inklusion steht mit der Nase knapp vor der Wand, weil vergessen wurde das nicht vorhandene Personal zu schulen (siehe auch These 7).

Und mindestens bei Lesen durch Schreiben, vor allem aber bei der Inklusion finde ich das – mal so als persönliche Bemerkung – unendlich schade. Schreiben werden Kinder auch anders lernen, sie werden halt nicht so viel Spaß daran haben.

Aber der verzweifelte Kampf einer Gesellschaft, ihren Kindern keine offenere, gemeinsamere Gesellschaft ohne Vorurteile zu zeigen, die tut mir einfach sehr, sehr weh.

Warum ist das hier so und in Finnland nicht? Und China ist doch bei den Pisa-Tests auch immer ganz vorne?
Ich fürchte wir blicken da auf verschiedene Gesellschaftsformen und auf ihre Auswirkungen. Auf Skandinavien, das eine lange Tradition darin hat, einen sozialen Staat und ein gutes Leben als Wert für die Gesellschaft zu fördern. Und das vielleicht auch dadurch gute Erfahrungen mit Reformen hat.
Auf China, das mit viel Druck und ohne Rücksicht auf den Einzelnen Wissen hineinstopft und Leistung dafür verlangt. Wer nicht mitkommt ist eben zu schwach, quasi sozialistischer Sozialdarwinismus. (Irgendwer hatte doch mal Statistiken über Selbstmordraten an chinesischen Schulen zu Prüfungszeiten?)
Und wir. Eine starke konservative Vergangenheit, eine starke linke Welle, Kohls geistig-moralische Wende und Schröder-Fischers Verkauf der linken Werte mit dem Beginn des freien Neoliberalismus. Dann lange Jahre kein Engagement. In Kurzform: Vorwärts-rückwärts-seitwärts-ran Hin-her-hin-abwärts-stop.
Wir könnten uns ja theoretisch mal entscheiden, was für eine Gesellschaft wir sein wollen. Oder wir eiern halt weiter rum und geben die Schuld wenn’s schief geht halt den anderen.

Ich merke gerade: Tritt man einen Schritt zurück ist das ja eh ein Satz, der nicht nur für Bildung, sondern gerade quasi für alle großen und weniger großen Themen passt: Sich mal entscheiden, was man sein möchte, statt dem anderen die Schuld zu geben, wenn’s nicht klappt.

19.4.2019 – Auf der Mauer, auf der Lauer

Gestern habe ich gearbeitet. [Nachtrag Ende]

Der Kalender sagte, heute sei Feiertag; Twitter sagte, ich solle tanzen, aber ich wollte nicht.
Stattdessen wollte ich lange schlafen, immerhin bis halb acht und erst dann an den Schreibtisch. Und später an den See und das war sehr schön.

Wir fahren da jetzt schon seit ein paar Jahren immer hin, wenn wir etwas Frieden brauchen; und obwohl es heute da erstaunlich voll war – die friedliche Stimmung bleibt. Die große Bank am Ende der Staumauer war frei und ich konnte alleine und in Ruhe aufs Wasser gucken.
Hinter mir eine Familie, die mit ihren beiden kleinen Kindern nach den 700m Wegstrecke ein vollständiges Picknick abhielt.
Der Opa, der mit seinem Enkel auf dem Laufrad unterwegs war und natürlich, obwohl zu Fuß, als gutes Vorbild ebenso einen Fahrradhelm trug wie der Kleine. Wir liebten ihn alle sehr dafür.
Der Trupp 25-jähriger, die sich darüber beklagten, dass auf Schützenfesten jetzt Techno gespielt wird und Nebelmaschinen laufen.
Die Familie, die zusammen immer neue Schattenfiguren erfanden.

Das war sehr schön da.

Aktuell bingwatche ich The Big Bang Theory, noch einmal ganz von vorne. Ich gucke ja auch die aktuellen Folgen immer noch und bin auch wirklich etwas traurig, weil es nur noch wenige Folgen sein werden, aber: meine Herren, was waren die alten Folgen besser.

Nachmittags die Liebste wieder abgeholt, die hatte ja drei Tage in Brüssel geweilt. Und eventuell muss ich jetzt Trüffel essen gehen und Comics lesen.

Und gaaanz eventuell merke ich gerade, dass ich jetzt drei Tage im Programmier-Tunnel war und es mir manchmal schon ganzt gut tut, soziale Kontakte zu haben, die mich da gelegentlich rausholen.
Gelegentlich ist so ein Tunnel aber auch mal ziemlich gut.

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17.4.2019 – Sommerschuhe

Gestern Abend noch lange gecodet, dann schlecht geschlafen und von einem Vokabeltest im Englischunterricht geträumt, für den ich nicht gelernt hatte.

Um halb acht sollte ich das Autohaus anrufen, um halb neun stand der Abschleppwagen vor der Tür und dann fuhren wir erst mal vierzig Minuten über Land. Mit WDR 4, ich hoffe, Sie könnend as Elend entsprechen würdigen.
Dann den traurigen Audi hinten drauf gefahren (ich vermute, versicherungstechnisch wäre das sehr interessant geworden, wenn ich die Ladefläche verfehlt hätte) und vierzig Minuten zurück (WDR4). Im Autohaus angemerkt, sie könnten doch gerne gleich die Sommerreifen draufmachen. Noch ein bisschen in der „Besucherlounge“ gesessen, mal wieder das örtliche Drecksblatt gelesen und das Kündigen des Abos wieder nicht bereut und mich dann nach Hause bringen lassen. (10 Minuten WDR4)
Und schon war der Vormittag rum.

Aus irgendeinem seltsamen Grund hab ich trotzdem beim Coden heute das erreicht was andere gerne als Quantensprung bezeichnen, ich hab echt was gelernt und angewendet und es ist elegant und schnell und schafft neue Möglichkeiten und ich bin total happy.

Dann rief das Autohaus an, ich wurde abgeholt (WDR4, Sie haben es geahnt) und dann hatte ich mein Auto wieder. Mit den hübschen Sommerfelgen. Lesen Sie dann im Herbst die Geschichte davon, wie das Autohaus den kaputten Reifen eingelagert hat und beim nächsten Radwechsel erstaunt fetstellt, dass sie keinen Ersatz da haben. Ich Unke, ich. Die ewaren nämlich eigentlich echt super da.

Zwischendurch viel gecodet, mit der Liebsten telefoniert, mit der Schwester@heart gechattet und aus Gründen ins Grübeln darüber gekommen, dass wir immer mehr Menschen krank stempeln.
Egal ob Kinder, die schnell ADHS/Autismus/whatever haben, wenn sie nicht in den Unterricht passen, egal ob die Freundin, die diagnostiziert bekam, sie habe eine Anpassungsstörung, als sie an der Welt verzweifelte, der Junge, den die Lehrein lieber auf eine Störung der emotionalen und sozialen Entwicklung testete als anzuerkennen, dass Ihr Unterricht dem Jungen halt nichts bot – wenn jemand nicht passt, muss er passend gemacht werden oder eben krank sein.

Und so wie Wissenschaftler seit Jahren erklären, dass es nicht fünf vor, sondern nach Zwölf fürs Klima steht wissen doch auch alle, dass wir uns alle gerade verbrennen, dass wir uns ständig überfordern. Aber darauf reagieren …?

16.4.2019 – leere Hallen, leere Reifen

Gestern habe ich gearbeitet und abends haben wir eine liebe alte Freundin zum Essen getroffen. (Ham wa das auch nachgeholt)

Heute morgen die Liebste zu einer Freundin gebracht, die beiden sind nämlich jetzt für ein paar Tage zusammen im Kurzurlaub. Oder sagt man: Unternehmen einen Städtetrip? Sie wissen schon.

Danach habe ich gearbeitet, nach all dem Kommunikationsmist der letzten Wochen kann ich mich gerade zum Glück in etwas anderes stürzen. Ein Projekt, das Spaß macht, weil es ein tolles Thema ist, weil die Kommunikation wertschätzend und freundlich ist, weil Agentur und Endkundin sich freuen, wenn ich Ideen oder Meinung habe.

Frau Dico hat eins meiner Bilder auf ihrem Instagram veröffentlicht, was mich natürlich sehr froh macht. Ich hingegen bin auf eines dieser Kettenbriefspielchen hereingefallen und ärgere mich.
Warum eigentlich? Ich hätte ja nur nicht mitmachen müssen; dass mir dann die Fingenägel abfaulen und meine Kinder sieben Jahre Peche haben – das glaube ich ja nicht. Aus Rücksicht auf die, die mir den „Auftrag“ weiter gab? Vermutlich.
Aber ich werde das nicht weiter geben.

Apropos „Social Web“: Es ist also nicht ok, darüber traurig zu sein, dass in Paris eine der ältesten Kirchen abbrennt – verstehe ich das richtig? Vielleicht sollte ich doch was mit Holz machen.

Kurz überlegt, ob ich jetzt einen atemberaubenden Bogen von Social Web zu Medienkompetenz und Verantwortung allgemein zu „kann man ja nicht früh genug lernen“ zu dem nächsten Link schlage, aber … ach nee. Lesen Sie’s einfach so, ich finde das toll:

… im Kinderrat werden Themen besprochen, die auch die Lokalpolitik erreichen. Demokratie heißt auch, ich werde gehört, ich möchte etwas bewegen.

NDR: Kita in Halstenbek: Hier bestimmen die Kinder

Eigentlich dachte ich an dieser Stelle, der heutige Beitrag wäre hier zu Ende. Ich sah ihn mit Wohlwollen an und beschloss: Eine Kugel Eis mit Blick auf den See – das wäre jetzt eine feine Idee. Und machte mich auf den Weg.
Der erste Teil des Plans lief prima. Kaum Verkehr, sofort ein freier Parkplatz, die Eisverkäuferin versprach mir, bals Bio-Becher zu benutzen als ich den Plastikbecher bemäkelte, der See lag ruhig und auf der Nebenbank unterhielten sich Teenies über Themen, die man ab Mitte vierzig ohne eigene Kinder belustigend unterhaltsam findet.
Dann fuhr ich wieder los. Zuerst stieß ich auf ein Umleitungsschild, die Umleitung führte mich ziemlich in die Wallachei und in der Mitte der Wallachei meldete mein Auto mir, es bemerke einen Druckverlust im vorderen rechten Reifen.
Wir schleppten uns noch gerade ins nächste Kaff auf einen Parkplatz. Mobilitätsgarantie hin oder her, um 18:00 Uhr machen die Werkstätten im Sauerland zu. Ich stand dann also eine halbe Stunde in der Pampa, ganz gemütlich auf dem Parkplatz vorm Edeka und wartete aufs Taxi.
Nachdem ich mit dem Hol- und Bringdienst hier im Ort immer Pech habe (meist AFD-wählende Russen, die mich politisch überzeugen wollen) war der Taxifahrer eigentlich ganz lustig. Wir verbrachten lustig plaudernd eine halbe Stunde für günstige 50 € – nur seine fröhliche Bemerkung, Menden kenne er gut, da würde er am Wochenende immer mit seinen Kumpels in den Puff fahren – die wusste ich nicht gut zu kontern.

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