10.10.2019

Den Morgen über Pixel geschoben, sprich: Eine Website gestaltet. Also so ganz von Null auf.
Das habe ich erschreckend lange nicht mehr gemacht; zuletzt hatte ich viel Relaunches, Rebrushes oder andere kleinere Überarbeitungen gemacht bei denen es eigentlich nur darum ging, bestehende Gestaltungsrichtlinien zu übernehmen oder eben anzupassen.
Aber so ein leeres Blatt Papier eine leere Sketch-Datei, das hatte ich lange nicht mehr.

Es scheint aber noch zu gehen – jedenfalls hatte ich mittags etwas vor mir, was mir sehr gut gefällt.

Jetzt beginnt die lustige Aufgabe, mir noch eine zweite Gestaltung auszudenken, die sich von der ersten genug unterscheiden soll. Und natürlich nicht schlechter sein darf.
Nicht ganz einfach, wenn man vom ersten Konzept sehr überzeugt ist, aber: Meine Kundinnen bekommen in der Regel zwei Entwürfe, wenn wir so ganz vorne anfangen.
Aber für meinen Kopf ist das eigentlich ganz gut, dann wird der nämlich mal gefordert. Und man rutscht nicht so leicht in die Dinge, die man halt immer so tut.

Ebenfalls mittags beschloss mein Kopf, es wäre jetzt an der Zeit, mal wehzutun und er lungerte so an der Migränegrenze herum. Er weiß, dass er mich so zur Weißglut treibt, aber das stört ihn wenig.

Vor allem, da sich irgendwann zwischen eins und fünf der Schorsteinfeger angekündigt hatte fand ich das also sehr suboptimal.
Die Schornsteinfegerin kam dann mit mir die Treppen hoch und fragte unterwegs, wie oft wir denn den Ofen angehabt hätten. Ich fragte „Im Sommer? Gar nicht“ zurück und sie blieb stehen: „Dann hab ich ja gar nix zu tun?

Nachmittags kam dann eine Anfrage rein. Kennen Sie das, wenn man Ihnen eine Frage stellt und Sie an der Art der Frage merken, dass die Fragende nicht weiß, wovon sie spricht? Ich las die Mail viermal, aber der Eindruck blieb.
Ob wir vielleicht mal sprechen sollten, die Frage wäre so nicht zu beantworten schrieb ich zurück.
Nein, wir wollen genau das!“ kam grußlos zurück.
Ich dachte kurz an Jen und … na ja – ich hab ja eh gerade genug zu tun.

Abends dann #TVOG und irgendwie war heute Lieferburgertime. Per App bestellen, per PayPal zahlen und außer „Danke“ nicht mehr kommunizieren müssen. Darf auch mal sein.

9.10.2019 – can you look at yourself in the mirror?

Morgens bei der Manualtherapeutin angerufen um Termine abzusprechen und direkt einen Termin bekommen. Einer der wenigen wirklichen Vorteile dieser Kleinstadt.

Dann rief einer dieser vorgeblichenMicrosoft*-Typen an und wollte gerne meinen Computer übernehmen. Nachdem ich den letzten durch sehr gezieltes doof-stellen geschlagene 20 Minuten in der Leitung gehalten hatte, versuchte ich diesmal die Nummer „Kannst Du eigentlich morgens in den Spiegel gucken, wenn Dein Job ist, Leute zu belügen und betrügen?“ Er blieb erst standhaft und versuchte mir zu „beweisen“, dass er wirklich von Microsoft anrufe. Ich hab das ein paar Minuten mitgespielt, um dann zur Ausgangsfrage zurück zu kommen: „Are you proud of your job?
Yes I am“, meinte er und legte auf.

Das muss also noch gesteigert werden. Vielleicht muss ich das nächste mal fragen, ob er an einen Gott glaubt und sein Gott ihm sowas erlaubt.

Wer keine Lust auf solche Gespräche hat, blockiert die Nummer 0233646961 in seinem Telefon. #serviceblog

*) Ich habe ja schon 2011 über diese Masche geschrieben und freue mich deswegen jedesmal, wenn sie mich anrufen. Leider kann ich ihnen nur Zeit stehlen und nicht so Spaß haben, wie der CCC.

Weiter im Lightroom umgeschaut, was ich denn vor 13 Jahren so für Fotos gemacht hab. Man muss das gar nicht alles wegwerfen …

Eine hafenausfahrt im dichten Nebel.

Unglaublich gerädert im besten Sinne von der Manualtherapeutin wieder gekommen.

Kurz eine Kundin angerufen und nachgefragt, wie’s weiter geht; meine ToDo-Liste für sie ist nämlich leer und ich war etwas irritiert. Stimmt aber alles; der Ball liegt in ihrer Hälfte, wie man gern so sagt.
Weiteren Kleinkram vom Berg in Angriff genommen. Die beiden Angebote, von denen ich letztens erzählte – Sie erinnern sich: Eigentlich schon klar aber ich sagte, ich jubele erst, wenn ich hier Unterschriften habe – die Unterschriften also sind natürlich noch nicht da.

Im Rahmen meiner Musik-Digitalisierungsdings stieß ich auch wieder auf Jan Garbarek, einen norwegischen Saxophonisten, den ich sehr mag. Er war 1989 in einer kalten Höhle im Sauerland meine erste Begnung mit skandinavischem Jazz und hat mich damit für immer geprägt.
In den letzten beiden Jahren bin ich ihm etwas aus dem Weg gegangen, denn das Katz liebte ihn ebenso wie ich und sang immer kräftig mit – und man muss sich ja nicht unbedingt immer selbst in die Trauer reintriggern.

Trotzdem: Es muss digitalisiert werden was digitalisiert werden muss und bei der Gelegenheit dachte ich: „Was macht denn der Garbarek heute wohl so?“, stieß auf eine schlechte Website, aber auch auf aktuelle Tourtermine. Und dann wurde ich etwas aufgeregt und schickte hektisch eine Nachricht an die Liebste und jetzt haben wir Tickets und ich bin sehr, sehr glücklich darob.
Die Liebste hat zwar noch nie bewusst einen einzigen Ton von Herrn Garbarek gehört aber – und unter anderem deswegen ist sie es und niemand anderes – sie kommt natürlich mit.
Immer. Zu allem, was ich ihr vorschlage. Zu jedem fuckin’ Konzert. Jedem. Ohne Rückfrage.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie großartig ich das finde. Immer wieder.

Danach – ja gut, das war bei Licht betrachtet die falsche Reihenfolge aber nun denn – danach also doch mal nach aktueller Musik gegoogelt, ein Video gefunden, mit der Maus willkürlich irgendwo in die Mitte des Zeitbalken geklickt, drei Töne gehört und vor Glück schon wieder nasse Augen gehabt.
Ich bin so. so. glücklich darob.

Du findest Tagebuchbloggen der alten Schule gut?
Hier kannst Du mir ’ne Mark in die Kaffeekasse werfen!

Der echte 8.10.2019

… war sehr belanglos.

Er: … und dann bitte noch das Foto austauschen, da soll das Foto mit den neuen aus dem Vertrieb hin.
Ich: Ich kenne Ihre Mitarbeiter leider nicht – sagen Sie mir, welches Foto Sie meinen?!
Er: Das wo Müller und Schmitt drauf sind.
Ich: Sorry, ich kenne Herrn Müller und Herrn Schmitt nicht. Welches Foto? Sagen Sie mir doch bitte den Dateinamen!
Er: Das mit den neuen aus dem Vertrieb!

Sonst ist nichts passiert.

Ach doch: (TechTalk ahead)
Falls Sie jemals eine Website eines Kunden bei der DomainFactory hosten und die Mails aus einem Kontaktformular vom Mailserver nicht versandt werden, weil er keine Mails von (zB) GMX annehmen darf – dann kann es daran liegen, dass in den Kontaktdaten Ihres Kunden eine (zB) GMX-Adresse eingetragen ist. Die nimmt der kluge Server nämlich intern als Absender.
Ja, so hab ich auch geguckt.
Lösen lässt sich das recht fix (außer mit dem Austausch der E-Mail-Adresse), indem Sie für die betroffene Website ein Quota einrichten. Einem Quota kann man nämlich eine Mail-Adresse zuordnen.

Falls Sie jetzt kurz komplett ausgestiegen sind: Das ist absurd. Das ist, als könne ein in England gekauftes Auto nur auf der linken Seite fahren. Weil die Bedienungsanleitung ja in englischer Sprache geschrieben ist.

Aber ich habe damit ein Problem vom großen Berg der ungelösten Probleme lösen können und das ist, was zählt. Nur noch 16 offene Tasks im Projektmanagement.

Abends hatte ich das Bedürfnis rauszugehen, wenigstens einmal kurz am Flüsschen auf und ab und ich werte das als Gesundungszeichen.

Nein, ich habe heute kein Foto für Euch. Ach, das geht ja nicht – ich hab dann mal im Lightroom geguckt, was heute vor x Jahren so war und vor 13 Jahren war ich offensichtlich am Meer.

8.10.2019 – alles neu

Und Christian, was hast Du heute so gemacht? Um elf, als ich beim Frühstück durchs frisch eingetroffene Computerfachmagazin blätterte sah ich bei den Software-Tests ein Tool namens MacUpdater. Das klang sinnvoll.
Und den Rest des Tages …

Nein, gar nicht wahr, da war noch mehr.
Die vorgestern begonnene erneute Großoffensive gegen die Lebensformen, die sich da in meinem Hals und den Bronchien einnisten wollten, hat offensichtlich endlich etwas gebracht. Ich bin zwar heiser, bekomme aber deutlich beser Luft und bin vor allem nicht mehr so schlapp. Richtig feiern werd ich das zwar erst nach dem ersten Husten-freien Tag, aber der Weg ist ja auch ein Ziel. Oder wie war das noch?

Nachmittags eine Rechnung zum Briefkasten gebracht und dabei über Autofahren an sich und die aktuelle Stimmung in meinem Internet nachgedacht. Ich komme hier nicht mal zu einem Briefkasten ohne dafür den Wagen zu starten. Und ich fahre richtig gerne Auto. Aber ich bin (inzwischen) voll für ein Tempolimit. Und gucke mir mit wachsender Sorge die Radikalisierung auf beiden Seiten an.
Ich verstehe einfach Menschen nicht, die meinen, man könnte jemanden dadurch überzegen, dass man ihn beleidigt. Selbst wenn man faktisch Recht hat.

Sonst war das ein bemerkenswert belangloser Tag, an dem ich eine Menge geschafft habe und mich sehr über die Worte „Herr Fischer, die Homepage wird SO schön“ freute.

Ach ja, heute morgen ging die Sonne auf. Und da ich seit kurzem Besitzer eine Polarisationsfilters bin kann ich sagen: #nofilter
Was ja wiederum Dank des Polfilters nicht stimmt, aber #nofilter heißt ja irgendwie, dass kein Computerfilter drüber gelaufen ist und … ach, Sie wissen schon.

6.10.2019 – Music was my first love

In den fünfziger Jahren gab ein Großteil der Bundesbürger an, ihre liebste Freizeitbeschäftigung wäre „aus dem Fenster schauen“. Wobei da noch eine sechs-Tage-Woche üblich war, Hausarbeiten noch aufwändiger waren als heute und so – zieht man noch das vermutlich dringend nötige Ausschlafen ab – deutlich weniger Freizeit vorhanden war als heute.
Die verfügbare Freizeit wurde aber immer mehr und gleichzeitig entstand langsam eine Industrie darum, eine Freizeitindustrie. Und in den Siebzigern standen zum ersten mal Medien – Lesen, Radio & Fernsehen auf Platz eins der liebsten Beschäftigungen*.

Warum ich das hier erzähle: Während ich mich so beim Digitalisieren durch meine Musiksammlung arbeite, komme ich arg ins Denken. Zuerst fiel mir auf – Plex kann Musik nach Jahren oder Jahrzehnten sortieren – dass der Großteil meiner Alben(!) aus den Neunzigern stammt. Und dass nahezu jede CD noch ein Gefühl hervorruft. Dass ich mich erinnere, wann und wo ich sie gekauft oder von wem bekommen habe. Dass ich weiß, was ich damals gemacht habe und wie meine voherrschende Stimmung zu der Zeit war.

Anfang der Zweitausender wurde es dann plötzlich einfacher, an Musik zu kommen. Aus der Zeit habe ich unfassbar viele einzelne Stücke – man hört ja davon, dass man damals MP3s einfach so im Internet fand und eventuell mag das zusammenhängen.
Aber: Je später in den „Nullerjahren“ es wird, desto weiter weg ist die Musik von mir – also emotional. Aus den ersten Jahren erinnere ich mich noch etwas, ich weiß auch, dass ich da erst noch Cassetten fürs Auto gemacht habe. Spätestens bei Musik ab 2005 – keine Ahnung mehr. Und kein Gefühl, keine Erinnerung.

Anfang der 2010er begannen dann die Musk-Streamingdienste ihre Arbeit, außerdem gab es mit iTunes Match eine Möglichkeit, die ganzen verstreuten MP3s zu taggen, sortieren und zu „quasi legalisieren“.
Ich erinnere mich, dass ich vollkommen begeistert über die neuen Möglichkeiten zuerst mal alle alten Schallplatten gesucht habe, um „alle meine Musik“ wieder verfügbar zu haben. Und dann bei geliebten Bands oder Musikerinnen auch großzügig sofort die gesamte Diskografie in die Bibliotheken aufgenommen zu haben.

Ergebnis: Gerade schaue ich das alles durch und habe vermutlich 75% davon noch nie gehört.
Sitze ich vor meinem aktuell bevorzugten Musik-Bibliothek-Verwaltungsprogramm wähle ich in 80% der Fälle irgendwas altes, irgendwas, was ich kenne und mag.
Und das geht mir in 80% der Fälle dann total schnell auf den Senkel.

Woran liegt das? Weniger Freizeit? Mehr Ablenkung? Habe ich einfach keine Zeit mehr, mich wirklich mit Musik zu beschäftigen?
Schaue ich mir an, wie viel Zeit ich gerade investiere, glaube ich das nicht.

Ist die Zeit, in der Musik mich emotional berührte vorbei?
Schaue ich mir an, wie mich Tina Dico immer wieder trifft, glaube ich das eigentlich nicht.

Ist es einfach die Musik selbst? Bin ich das, was in meiner Jugend die waren, die nur 70er-Jahre-Rock hörten? Glaube nicht, mir gefällt auch noch viel aktuelles richtig gut.

Ist es der fehlende Austausch, weil die Menschen, denen Musik wirklich genug bedeutet, um darüber fachzusimpeln verschwinden? Mein Geschmack war schon immer seltsam, das glaube ich auch nicht wirklich.

Ist es all das irgendwie zusammen?

Mal sehen – Wie issen das bei dem neuen Frezeit-Super-Dings, den Serien? Ähnlich. Die letzte TV-Serie, die ich geliebt, also wirklich geliebt und nicht nur gemocht habe war TBBT. Die begann knapp vor Netflix, wir haben da noch Staffel-DVD-Boxen im Regal stehen. Davor Friends.
Überfordert mich das Überangebot?
Wie oft lese ich auf Twitter etwas wie (sinngemäß) „Habe auf Prime und Netflix nichts gefunden und höre jetzt wieder ???“
Ich denke gerade ernsthaft darüber nach, ob es wirklich nötig ist, Netflix wieder ans Laufen zu bekommen. Ich kann eh nicht gucken, was da alles läuft.

Auf jeden Fall sortiere ich gerade Musik aus. Digitalisiere nicht alles, was im Regal steht. Kopiere nicht alles, was auf irgendeiner Festplatte liegt auf den Server.
Feels good.

I wanna be a hunter again, nicht ein Sammler.

*) Diese Statistiken hatte ich alle schon mal irgendwo gehört und jetzt schön zusammengefasst hier in diesem Word-Dokument gefunden.

Ach ja, dies ist ja ein Tagebuchblog. Ich habe heute Musik digitalisiert und sortiert. Das war schön.
Habe mich darüber selbst reflektiert. Das mag ich.
Ich bin wieder schlapper und huste mehr. Das ist nicht schön.
Werde den Tattoo-Termin absagen müssen; niemand will während einer Tattoo-Sitzung ständig überraschend husten müssen. („Ups“, spricht der Tätowierer und guckt erschrocken). Das saugt.