17.9.2020 – Covid sux und ich habe nach-nachgedacht

Gestern Abend hatten wir erst – wie üblich am Bad-Taste-Mittwoch – ins Sommerhaus der Stars reingeguckt, um dann später zu arte in den Live-Stream zu wechseln. Ja wirklich, wir stehen auf so Gegensätze.
Dort auf arte wurde nämlich gestern das Reeperbahn-Festival gestreamt und gestern Abend um viertel vor zehn spielte Tina Dico dort. Vor einem sehr leeren Haus. Und wir schauten zu.

Und das war … sehr viel auf einmal.

Also, dass ich ihre Musik liebe – das haben Sie mitbekommen in den letzten Jahren. Dass Tina am besten immer live ist, auch das habe ich bestimmt schon mal erwähnt. Soweit die Punkte auf der positiven Seite.
Dann aber: Tina hat wie alle anderen auch jetzt seit sechs Monaten keine Auftritte mehr gehabt und die, die jetzt möglich sind, die können nur unter strengen Auflagen statt finden. Also spielte sie – nicht wie sonst – vor ausverkaufter Hütte, sondern vor einem sehr leeren Theater, das sie zwischendurch immer wieder erinnern musste, nicht zu enthusiastisch zu werden. Das war traurig.
Sie selbst schien davon, endlich mal wieder aufzutreten auch ziemlich ergriffen, sie war nachdenklich in Songauswahl und auch der Art wie sie die Sachen sang.

Wie das so ist mit diesen Künstlerinnen: Schauen Sie sich das ruhig an, das war eines der intensiveren Konzerte.

Und dann fiel mir auf: Das war dann gestern das erste Mal in fast einer Dekade, dass sie in Deutschland war und ich nicht da. Ohne #dieaktuellesituation wäre ich gestern Abend garantiert in Hamburg gewesen und hätte vermutlich später auch noch ein nettes Glas Wein getrunken und über Gott und die Welt geplaudert.

Und über all dieses Emotionschaos erwischte mich dieser ganze Coronadreck so richtig mit Wucht und ich bin ja gerne immer vernünftig und vorbildlich und bleibe zu Hause und treffe niemanden und alles – aber manchmal ist es eben auch nur ein einziger großer Dreck und Gott, wie ich Livemusik vermisse. Was wäre ich gerne gestern da gewesen.


Heute Morgen hat mir Frau Doktor rechts ins Gesäß die letzte Portion Vitamine und links in den Oberarm eine Pneumokokken-Impfe gerammt und mit mir den Termin für Oktober für die Grippe-Impfe abgemacht. Feels good.

Dann eingekauft, dann Kleinkram am Schreibtisch. Es gab da ein Problem mit einem WordPress-Blog und wir dachten erst, ein neu installiertes PlugIn hätte etwas kaputt gemacht. Ich erklärte diese Abhängigkeiten ja schon einmal ausführlich.
Zum Glück habe ich inzwischen eine gewisse Routine darin, ein paar Dinge nacheinander auszuprobieren, dass ich den Fehler dann einigermaßen schnell finden konnte.
Hoffe ich.

Mittags trafen die Liebste und ich uns in der Stadt auf einen Kaffee. Die hatte nämlich Mittagspause und ich konnte dabei gleich meine Beobachtungen „Wie sind Wespen eigentlich so drauf?“ fortsetzen. Heute: Wespe war in den Milchshake-Schaum gefallen; ich rettete sie mit dem Strohhalm und was tut das Tier? Der Fress-Instinkt ist so stark, dass die vorne weiter trank, während sie hinten versuchte, den klebrigen Schaum loszuwerden. Faszinierend.

Nachmittags machte ich mir ein paar Gedanken darüber, ob ich für manche Leistungen nicht mal pauschale Preismodelle entwickeln könnte; gerade bei Blogs sollte das möglich sein. Sie möchten nicht zufällig gerade ein eigenes Blog haben und brauchen ein bisschen Hilfe? Dann kommen Sie bald wieder, ich bereite da mal was vor.

Und weils heute Mittag so schön war, fuhren nach dem Feierabend gleich nochmal wohin. Lecker essen. So lange es noch draußen geht.


Aber was anderes: Vorgestern hatte ich ja erwähnt, dass ich mir den Podcast selbst auch erst noch einmal anhören musste. Wie soll ich denn auch wissen, was ich gesagt habe, bevor ich es höre?
Und da fiel mir auf, dass es noch ein Thema gibt, dass mir in dem Zusammenhang auch sehr am Herzen liegt.

Recht weit zu Beginn der Stunde erzähle ich, dass mir „Atmen“ hilft, wenn ich in Richtung einer Panikattacke unterwegs oder drin bin. Ich wünschte, ich wäre etwas präziser gewesen, denn: es handelt sich um eine spezielle Atemtechnik, die ich gelernt habe.
Aber: Es ist meine Atemtechnik, ich weiß nicht, ob sie allgemeingültig funktioniert. In einem Hollywoodfilm hab ich zwar mal gehört, sie sei bei CIA-Agenten verbreitet, die damit Ruhe bewahren, wenn ihnen die Kugeln um die Ohren fliegen, aber hey – Hollywood.

Atmen alleine ist bestimmt schon auch nicht schlecht, denn eine der körperlichen Reaktionen ist Enge im Brustkorb, der man mit einer ruhigen tiefen Bauchatmung entgegenwirken kann, aber ich kenne eben noch einen Trick, der mir oft hilft.
Aber es ist eben mein Trick. Nicht, weil ich ihn anderen nicht gönne, nicht weil er für andere nicht vermutlich auch funktioniert – sondern weil ich ihn an einem Punkt der Therapie gelernt habe, als ich ihn auch mit Inhalt füllen konnte. Als ich bereit dafür war. Als ich eine Verbindung dazu herstellen konnte.
Vielleicht ist es sogar gar nicht das Atmen, was mir hilft, vielleicht ist das Atmen nur ein Trigger der mich an eine besonders gute Seelenmassage erinnert, an das gute Gefühl einen Raum zu haben, in dem das alles Platz hat und ich safe bin. Vielleicht ist es beides. Aber es ist meine Erfahrung, mein Mindset.
Ich habe mir das alles erarbeitet. Die Atemtechniken, die Meditation, die lockere Einstellung von der ich erzähle. Die Selbstbeobachtung, die Reflektion – das alles ist meine persönliche Kombi an die ich mich im Zweifelsfall erinnern muss, sie abrufen muss und sie in dem doofen Moment an der Supermarktkasse wieder mit Leben füllen muss.
Es sind nicht allein die Tricks, die Skills selbst – es ist, dass ich sie abrufbar habe und mit mir in Verbindung setzen, sie mit Inhalt füllen kann.

Und – lange Vorrede – deswegen bitte ich Sie alle sehr um etwas: Fragen Sie keinen Menschen, der gerade panikt, ob er nicht einmal „einfach tief atmen“ will, Sie hätten gelesen, das helfe.
Schlagen Sie keinem depressiven Menschen vor, ob er nicht mal spazieren gehen möchte, das Wetter sei so schön und Licht helfe doch.
Und vor allem nicht, wenn Sie denjenigen nicht wirklich super gut kennen.

„Wir“ kennen diese Tricks meist sehr gut. Aber sie funktionieren halt nicht immer. Wie alles an uns Menschen eben manchmal besser und manchmal schlechter klappt. Oder weil „wir“ sie noch nicht gelernt haben und sie nicht mit Inhalt füllen.

Wenn Sie helfen wollen: Signalisieren Sie, dass Sie da sind und halten Sie den Mund. Oder fragen sie vorsichtig, ob Sie etwas tun können. Aber schweigend dabei sein ist fast nie verkehrt.

Ausnahme natürlich: Die- oder derjenige hat Sie um etwas anderes gebeten.
Ich habe zum Beispiel einen Deal mit der Liebsten, dass es eine mögliche Situation gibt, wo sie mich wirklich heftig anschreien soll.

Sie sind klug, Sie haben verstanden, dass ich damit nicht dazu aufrufe, Menschen in Panikattacken anzuschreien, nicht wahr?

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15.9.2020 – Look Ma’, I’m on the interwebs!

Wie Frau Brüllen gestern (Happy Blogbirthday by the way!) schon so treffend bemerkte: Hier ist ja auch nicht immer super-spannendes los. Heute zum Beispiel. Das mag viel daran liegen, dass mein Schreibtisch gerade recht leer ist und ich so unterhaltsame Dinge tue wie ausruhen, noch ein Schläfchen machen oder DS9 bingen – und das trägt alles nicht über einen ganzen Artikel und kaum über diesen ersten Absatz. Lust, im Internet zu lesen hab ich auch nicht … tja.

Und selbst meine große Verliebtheit in die neue Maus, die ich mir gekauft habe … nun ja. Ich sah eine Anzeige und las, dass es von dem Modell was ich bis heute benutzte eine Weiterentwicklung gibt (gäääähn…), die ermöglicht, dass man den Knöpfen und Rädern vom gerade genutzten Programm abhängig Funktionen zuordnen kann. Dass also die Daumentasten im Browser vor- und zurückblättern, in Word mit der Rückgängig- und der Wiederholen-Funktion belegt sind und im Lightroom zwischen den Bilder blättern (uuuuund zack: Bestellt!).
Außerdem erkennt das Scrollrad, ob ich vorsichtig oder feste srolle und passt sein Verhalten daraufhin an und das ist der Hammer aber nun: Ich sitze hier auch 27 Stunden am Tag mit dem Ding an der Hand und das ist für mich ein Präzisionswerkzeug und ich verstehe so sehr, dass das nicht super interessant ist, dass ich nicht mal den Hersteller erwähnt habe.

Aber: Hören Sie mir statt dessen doch einfach mal zu! Wie erwähnt, habe ich mich letzte Woche mit Vanessa getroffen und gepodcastet und wenn Sie gerade ein Stündchen Zeit haben?
Ich finde es übrigens hochinteressant, dass ich selbst nur noch ein grobes Gefühl davon habe, wie das Gespräch war. Ich war also selbst auch sehr gespannt, es zu hören. Vanessa – kluge Frau, die sie ist – verglich das mit dem Zustand des Beifahrens im Auto. Eine lenkt, die andere folgt. (s.a.: „Sind wir schon in Deutschland, Schatz?“ — „Ja, seit zwei Stunden, Schatz“) Das klang sehr plausibel für mich.

Nicht vergessen möchte ich zum Schluss noch kurz mein Wort des Tages; es lautet: „Libellen-Libido“. Ich erlernte es, als ich mich bei Twitter an zwei balzenden Schmetterlinge erfreute. Ja genau, ich bin das. Ich bin der, der Twitter immer noch für sowas nutzt. Ohne Meinung dazu.

Na gut, ein bisschen Beifang hätte ich doch.

Sprache muss leben; kann sie auch. Sie kennen das vielleicht: Irgendjemand erklärt, dass ein Wort, was viele tagtäglich benutzen nicht so schön ist und statt zu denken „Joah, da hab ich noch nie drüber nachgedacht, dann lass ichs doch“ erheben sie sich aus den Löchern und erklären, man solle sich nicht so anstellen. Das Wort gäbe es doch immer und man könne ja auch nicht einfach so seine Sprache umstellen. Noch aufwändiger wird es, wenn jemand anmerkt, dass ein Straßenname jemanden ehrt, der zB im dritten Reich fröhlich aktiv war. Das hauptargument der Anwohnerinnen ist verlässlich: „dann müssen wir ja alle unser Briefpapier, unsere Stempel und unsere Ausweise ändern – das ist zuviel Aufwand
Abgesehen davon, das sich immer arg anzweifle, dass in diesen Haushalten Briefpapier und Stempel vorrätig sind zeigt ein Washingtoner Football-Verein – nein, kein kleiner – dass man das auch anders regeln kann.
Washington will go by ‚Washington Football Team‘ until further notice
Ich glaube ja: Wenn die das schaffen, schaffen die 27 Anwohner irgendeiner Straße hier im Vorort das auch.


Nicole Milik singt über die Fakewelt auf Instagram und YouTube. Nicole ist auf YouTube seit sie dreizehn oder vierzehn ist, soweit ich weiß und kennt das alles aus aller-, allererster Erfahrung. Und sagt: „Stop sharing fake stories. Share your story.


Dazu passt schön: Meditation. Kennen wir alle: Lächelnd, mit geschlossenen Augen, Zeigefinger ganz sanft auf den Daumen liegend im Schneidersitz am Strand. So sieht das jedenfalls auf Instagram aus.
Theresa Bäuerlein macht sich daran, damit aufzuräumen und traut sich zu schreiben:
Meditation, verständlich erklärt
Ich finde, das ist ihr gelungen.
Der beste Überblick über die Wirkung von Meditation, den ich gefunden habe, ist das Buch „Altered Traits“ von Daniel Goleman und Richard Davidson. Goleman ist Wissenschaftsjournalist, Davidson Neurowissenschaftler. Vielleicht kennst du die berühmten Bilder von Mönchen, die vor einem MRT-Gerät sitzen. […] Für das Buch haben die Autoren über 6.000 wissenschaftliche Studien zur Meditation betrachtet und davon 60 ausgewählt, von denen sie glauben, dass sie den höchsten methodologischen Standards entsprechen (Stand: 2016). Für folgende Wirkungen sehen sie Belege: Stress […] Mitgefühl […] Aufmerksamkeit […] Schmerzen […] Depresionen […] Gehirnalterung

14.9.2020 – nur ein kleines Dorf im Sauerland

Wahlabende, immer so schön. Die CDU hat gewonnen, weil sie im Schnitt die meisten Stimmen hat, die SPD hat gewonnen, weil sie nicht so viel verloren haben wie vorhergesagt, die Grünen haben gewonnen, weil sie so viel dazugewonnen haben und es widert mich an.

Kommen wir zu heute.

Ein großes Willkommen geht an Julie Peters, die seit heute Morgen mit ihrem neuen Blog online ist; aufmerksame Leserinnen auf den verschiedenen Kanälen hatten ja schon mitbekommen, dass dieses Blog das Projekt war, an dem ich voller Freude in den letzten Wochen gearbeitet hatte. Es war mir ein Fest, liebe Julie!

Darüber hinaus war der Tag von Migräne bestimmt; nicht wirklich wirklich übel, aber anstrengend genug, um den Tag sehr einzuschränken.
Nur Mittags klingelte ein DHL-Mann und drückte mir ein Geschenk in die Hand und Sie ahnen überhaupt nicht, wie sehr Sie mich mit so etwas erfreuen.
Passenderweise hatte ich eine Stunde vorher begonnen, endlich mal DS9 am Stück anzuschauen – das Päckchen kam also zusätzlich auch noch zum bestmöglichen Zeitpunkt!


Aber nochmal zur Wahl
(Kurze Erklärung für die Leserinnen außerhalb von NRW: Hier waren gestern Kommunalwahlen. Außerdem konnten wir Landräte und Bürgermeister wählen – es war geradezu eine Freude, die vielen Zettelchen in die Umschläge zu falten.)

Eine große Freude war es auch gestern Abend, als die Liebste laut auflachte, denn: Sie zappte gerade durch die Wahlergebnisse und war in Hallenberg gelandet. Dort sahen vorläufigen Ergebnisse gestern Abend so aus:

Beachten Sie gerne auch die Prozentwerte der letzten Wahl.

Jetzt ist Hallenberg sicherlich ein extremes Beispiel, aber wer mal sehen will, wie das Hochsauerland so insgesamt gewählt hat – hier entlang.

Gestern Abend warf ich das Foto noch mit einem launigen Spruch über verwöhnte Großstädter zu Twitter rein, und erstaunte damit auch durchaus ein paar Menschen. Sogar ein Asyl-Angebot bekam ich. Aber je mehr ich darüber nachdachte und mir die ungläubigen Reaktionen ansah, desto ernster nahm ich das.
Ich habe absolut keinen roten Faden, aber werf hier mal ein paar ungeordnete Gedankenschnipsel rein.

Gerade Twitterland, aber auch Neuland sowieso sind (groß-)städtisch geprägt. Die großen Zeitungen sitzen ebenfalls nicht auf dem Land – und das sorgt natürlich dafür, dass auch der Blick auf Politik, auf Gesellschaft und auf unser Land von Menschen kommt, die städtisch leben. Und von Menschen geregelt wird, die städtisch leben.
Und natürlich prägt das den Blick.

Nach der Bundestagswahl 2013 las ich den schönen Tweet (sinngemäß) „Ich hab keine Ahnung, warum Merkel immer noch Kanzlerin ist – aus meinem Bekanntenkreis hat die garantiert keiner gewählt.
Abgesehen davon, dass natürlich niemand von uns Frau Merkel gewählt hatte, sondern einfach nur genug Menschen die CDU, zeigte mir dieser Tweet sehr deutlich, wie sehr das aktive Eintauchen in eine Filterblase die Wahrnehmung verzerren kann.

Kurz vor der Wahl hatte die taz schon einmal versucht, ihren Blick über den Berliner Horizont zu heben und nicht nur weil sie sich dazu das Nachbarkaff ausgesucht hatte, das Kleinstädtchen zu dem eingemeindet auch das Dorf in dem ich aufwuchs gehört, hatte ich auch an dem Artikel große Freude :

„Man könnte sagen, wir sind ein gallisches Dorf“, sagt der Bürgermeister. […] Zur vollen Stunde dringt Glockenläuten in Mühlings Büro, er ist guter Dinge, denn solange die katholische Kirche wichtig ist in Balve, so lange ist es auch die CDU.
Die Debatte, ob die Politik der Union noch zeitgemäß ist, hat hier keine Bedeutung. „Vordergründig berührt uns das nicht“, sagt Mühling; er selbst ist vor drei Jahren mit 76,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Mit der Ablehnung von Frauenquote und der Gleichstellung homosexueller Paare zielt seine Partei zwar an der Lebenswirklichkeit vieler Großstädter vorbei. Doch in Kommunen wie Balve ist das anders. „Glaube, Sitte, Heimat“, sagt der Bürgermeister, das sind die Säulen.

taz.de: Die CDU in ländlichen Gegenden: „Balve ist schwarz“

Die Liebste meinte mit Blick auf das oben fotografierte Ergebnis von Hallenberg auch nur: Die haben nur viereinhalbtausend Einwohner. Lass da mal den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden auch CDU-Chef sein, dann wählt den halt jeder. So geht das auf dem Land.

Wie gesagt: kein roter Faden.


Noch was ganz anderes, aber auch zum Thema „Wahl“. Gestern Abend wehte mir twitter einen Link zu einem kleinen Artikel auf medium rein und den fand ich ja mal interessant. Wie im Artikel vermutet gehöre auch ich zu den Menschen, für die Wahlzettel halt aussehen wie Wahlzettel eben aussehen.
Aber ob das so klug ist, wie Wahlzettel aussehen? Ob das so fair ist? Ich fand den Artikel unfassbar interessant.

Auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt sieht: Daran ist so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Nicht im Sinne von „nicht schön“ oder „langweilig“ sondern einfach schlecht gemacht.
[…]
Gestaltung ist dann gut, wenn sie bedenkt, welche Aufgaben eigentlich gelöst werden müssen.
[…]
Bei einer Wahl, muss man fast immer zwei oder mehr Möglichkeiten aufführen. Wirklich fair wäre es, wenn die Möglichkeiten identisch dargestellt würden. Das ist aber nicht möglich. Eine der Möglichkeiten ist immer die Erste, die dargestellt wird, eine immer die Letzte. Vereinfacht gesagt, bekommen diese beiden Positionen mehr Aufmerksamkeit vom Betrachter, als die Wahlmöglichkeiten dazwischen. Das ist messbar und beeinflusst tatsächlich die Wahlentscheidung.
[…]
Die Vorlage des Innenministeriums erfüllt wahrscheinlich die Erwartung der Meisten. Wir haben uns daran gewöhnt. […] Das Problem ist, dass wir inzwischen die falsche Erwartung an den Stimmzettel (und so ziemlich alle anderen staatlichen Dokumente) haben. Der sieht halt scheiße aus, keine Erwähnung wert.

Frederic Ranft auf medium: Was mit unseren Stimmzetteln nicht stimmt

Nachtrag: Ich hatte das gestern abends auch schon getwitert und dieser Tweet fand ziemliche Resonanz – aber am meisten freute mich diese Antwort:

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13.9.2020 – auf der Mauer

Ein herrlich gammeliger Ferientag. Ehrlich, fast wie Urlaub.

Wir pröttelten beide so bis mittags ein bisschen vor uns hin und beschlossen dann, einen Ausflug zu machen. Als wir das letzte mal in Soest waren, war mir ein Schild aufgefallen und da wollte ich noch mal hin. An die alte Stadtmauer.

Wir machten also einen Spaziergang auf der alten Mauer (denke ich) und das war wirklich schön. Wenn wir ehrlich sind, dann kennen wir Soest hauptsächlich vom immer gleichen Parkplatz, dem immer gleichen Weg in die Innenstadt und dann eben dieser Innenstadt. Jetzt ist Soest auch da schon wirklich hübsch, aber heute der Blick von der Stadtmauer herab, mal ohne Läden und Cafés und dafür mit Häuschen und Gäschen – da gabs schon auch den ein oder anderen sehenswerten Blick.

Die haben das da schon ganz gut raus, ihre alte Substanz zu schützen.
Wir haben dann da noch irgendwo in der Gesellschaft von 12 Wespen die nicht begriffen, dass sie das frisch gebackene Brot wirklich nicht mochten, gefrühstückt und mehr war eigentlich heute nicht.
Wir haben hier ja irgendwo Hornissen und vermutlich daher keine Wespen am Haus, daher bin ich aus dem Thema etwas raus – aber haben Sie mal beobachtet, was für Assis Wespen sind? Ich meine: dass sie vollkommen aggro auf alles los gehen, was sich nicht langsam genug bewegt – geschenkt. Aber dass sie sich in ihrer Aufregung auch gegenseitig nicht in Ruhe lassen? Krass. Dass sowas evolutionär ein Erfolgsmodell ist …

Egal: Das war ein schöner Tag. Wir sind im Moment ziemlich gut darin, uns die Tage schön zu machen und vor dem Herbst noch Sonne, Licht und Farben zu tanken.

Abends habe ich noch eine kleine Linkliste an Vanessa geschickt und ich habe die Befürchtung, es wird Ernst in den nächsten Tagen und der Podcast wird das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Uiuiuiui.

Stop: Ankündigungs-Time!

Es wird im November eine #mimimimi-Lesung geben. Hurra! Folgen Sie unauffällig der facebook-Seite oder vielleicht auch der Website um zu erfahren, wie und wo und wann und was ich damit zu tun habe!

Im Internet für Sie gefunden:

Alle wollen #ausderbesonderensituationzurück zur Normalität“. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Mely Kiyak versucht sich in der Zeit mal an Kapitalismuskritik. Oder so.

Was ist an dem Vor-Corona-Deutschland normal gewesen? […] Eine Normalität war das alles hier nämlich nicht. Angefangen von einer Flüchtlingspolitik, die keine Politik ist, sondern ein nur durch Unverschämtheit und Missgunst zu erklärendes Desaster, bis hin zu einer grotesken Überproduktion von Waren, die zu Armut auf dem afrikanischen Kontinent führt, nur damit Deutschland weiterhin seinen Status als Exportweltmeister halten kann. Wenn das Normalität ist, zu der zurückgekehrt werden soll, dann bitte lieber nicht.
[…]
Ernst gemeinte Frage: Was muss eigentlich passieren, damit eine Gesellschaft einmal nur ihre Arbeits- und Lebensbedingungen, ihre Wirtschaftsform, ihre politischen Maßstäbe reflektiert? Zwei Weltkriege, Teilung und Wiedervereinigung, Terror und Seuchen sind es jedenfalls nicht.
[…]
Kann sich noch jeder daran erinnern, wie erbittert um die Grundrente gestritten wurde, und der ganze Konflikt lag darin, dass die Konservativen und die Liberalen das Instrument der Bedürftigkeitsprüfung eingeführt wissen wollten. […] Bedürftigkeitsprüfungen für Konzerne, um mal eine normale Maßnahme vorzuschlagen, wäre die einzige Antwort auf Bettelanrufe der Wirtschaft.

Die Zeit: Dieters Paradies

Und als Gegenentwurf berichtet Dominik Heißler bei den Krautreportern von einem Energieversorger, der auf Basis einer Genossenschaft von Bürger:innen betrieben wird. Und das richtig gut.

2016 hatten die Elektrizitätswerke 110 Mitarbeiter:innen. Heute sind es 160. Sie hatten 180.000 Kund:innen. Heute sind es 200.000. In den vergangenen zwei Jahren ist die Genossenschaft um ein Viertel auf 7.500 Mitglieder gewachsen. Der Umsatz stieg von 175 auf 196 Millionen Euro.
[…]
Die EWS bauten ein Solardach auf die Kirche, Windräder auf die Berge rund um Schönau, Minikraftwerke in die Gärten. Sie bauten an der Energiewende, als viele noch nicht einmal ahnten, dass sie einmal notwendig werden würde.
Ein kleines Unternehmen kämpfte gegen Atomkraft, gegen die großen Konzerne. Früher belieferten die EWS ein Dorf mit Strom, heute haben sie Kund:innen in ganz Deutschland. Sie sind einen langen Weg gegangen.

Krautreporter: Das Postwachstums-Unternehmen, das rasant wächst

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12.9.2020 – rein in den Pott, raus aus …

Mit einem sehr gründlichen Wochenendgefühl aufgewacht und das war super. In den letzten Tagen hatten wir eigentlich mal grob überlegt, ob wir heute noch mal einen Tag ans Meer fahren wollten, aber … das hat sich nicht organic angefühlt.

Der Liebsten war auch aufgefallen, dass da noch Korrekturen und ein Gutachten lag; ich erinnerte mich an die Kiste im Nähzimmer und den Couchtisch – wissen Sie, dieser Couchtisch … als wir die letzte Wohnung einrichteten, die mit dem 75qm-Wohnzimmer, da brauchten wir logischerweise auch große Möbel. Denn wir wollten halt wenige große Möbel in diesen Ballsaal stellen. (Das war wirklich sehr schön da) Und so kauften wir einen nicht kleinen Couchtisch – unten ein recht flacher Korpus mit Fächern und dann auf vier Metallstangen nach oben eine Glasplatte. Auf Rollen – was übrigens superpraktisch ist, das kann ich wirklich nur empfehlen.
Als wir hier einzogen war der Tisch minimal zu groß, aber wir hatten uns auch sehr an ihn gewöhnt und wollten eh nicht alles komplett neu möblieren und so blieb er. Und seit höchstens fünf oder sechs Jahren dachten wir: Ach, dieser Couchtisch, wenn wir da doch mal was neues fänden. Aber wussten Sie, wie viele hässliche Couchtische es gibt? Viele. Wirklich viele.

Irgendwann während der Zeit, die andere Menschen tatsächlich und voll mimosenhaft Lockdown nennen, fanden wir einen Tisch der … nun … ok war. Ach bestimmt ganz schön, wenn er erst mal hier steht. Wir bestellten.

Dann stand er da und ich wollte ja nun auch nicht schon wieder rummosern und wenn man dann was gekauft hat, dann ist es ja auch manchmal schwer sich einzugestehen, dass man da voll ins Klo gegriffen hat und zum Glück ging es der Liebsten auch so und reden hilft ja eigentlich immer.
Jedenfalls haben wir beschlossen, dass man den Korpus des alten Tischs bestimmt weiß lackieren kann. Und wenn man Schubladen in die Fächer bauen könnte, sähe es geschlossener und ordentlicher aus. Und der örtliche Glasverkäufer kann bestimmt die paar großen Kratzer rauspolieren und so war ich kurz im Baumarkt, kaufte ein paar Dinge und verschwand in der Garage zum lackieren.

Zwischendurch war ich noch aber-nur-ganz-kurz am Schreibtisch, weil mein Kopf eine Idee hatte. Aber wirklich nur ganz kurz. Und dann bin ich noch einen Moment länger sitzen geblieben, weil die ganzen matomo-Installationen ein Update wollten. Ging aber wirklich-total-schnell.

Nachmittags sind wir dann ins Ruhrgebiet gefahren und haben eine Zeche besucht, die wir noch nicht kannten. Eigentlich wollten wir auch auf die Halde und uns das Horizont-Observatorium ansehen, aber: rund-um-den-See hin oder her, an dem Aufstieg bin ich dann etwas gescheitert. Biberkacke.

Auf dem Rückweg haben wir noch ein Vogelhäuschen besorgt und eingekauft und komisch, nicht: da arbeitet man genau so viel wie an einem Wochentag und schon ist man abends auch so platt wie an einem Wochentag. Note 2 me: dringend noch mal die Beschreibung „Wochenende“ raussuchen.

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