2.7.2024 – was ist eigentlich mit E-Mails los?

#tagebuchbloggen

Letzte Woche am Telefon: „Ach, Sie haben ja um zehn einen Akupunktur-Termin – wenn Sie dann jetzt noch einen kurzen Besprechungstermin brauchen – wollen Sie nicht einfach um viertel vor zehn schon kommen?“ fragte die kluge MFA am Telefon und ich wollte. Warum ich dann heute Morgen trotzdem erst um viertel vor zwölf aus der Praxis kam – ich weiß es nicht genau. Warum die Wartezeit hauptsächlich zwischen Besprechung und nadeln lag, erst recht nicht. An mir lags aber nicht.
Und bevor ich sie im Besprechungstermin fragen konnte, warum sie denn diesen blöden Fehler auf der letzten Überweisung gemacht hatte, der mir eine wirklich unangenehme halbe Stunde beim Facharzt beschert hatte, fragte sie mich, warum sie das denn gemacht habe und alles hinterließ ein etwas unbefriedigtes Gefühl und ich muss dann wohl noch mehr aufpassen demnächst.

Der Rest des Tages war bis auf eine Kleinigkeit auch Warten und weil die Kleinigkeit zufällig bestens mit einer Frage aus dem Wunsch-Doc korrespondiert, ist heute Wunsch-Doc-Tag!

Sie fragen, Christian antwortet

Können Sie mir erklären, warum ich seit kurzem so viele eMails mit einer Fehlermeldung zurückbekomme? Oder ist das gar nicht Ihr Fachgebiet?

Nein, das ist streng genommen nicht mein Fachgebiet – aber im Alltag hab ich im Moment eh dauernd damit zu tun, also frohgemut los!

Ich muss etwas ausholen – Sie wissen ja, ich kann nicht kurz: E-Mail wurde Anfang der 70er erfunden – also deutlich vor dem www – und damals waren die Zeiten in vieler Hinsicht andere. Zum Beispiel hatte niemand über einen möglichen Missbrauch der neuen Technik nachgedacht und deswegen ist E-Mail ziemlich unsicher – und alle Sicherungsmaßnahmen sind irgendwie nachträglich dran gebaut. Meist mit viel Gaffa.

Eine Mail nimmt – nur ganz leicht verkürzt – folgenden Weg mit vier Schritten: Jemand verfasst eine E-Mail und benutzt seinen Server, um die Nachricht auf den Weg zu schicken; sie kommt am Server des Empfängers an und der ruft die Mail dann vom Server ab und liest sie.
Also so:
1) Paul schreibt eine Mail an Paula.
2) Er benutzt seinen Anbieter mit der Domain hmbl.blog als Absender-Server. Dieser Server übermittelt die Mail
3) an den Empfangs-Server gmx.de, wo Paula ihre E-Mail-Adresse hat.
4) Paula ruft ihr Postfach ab und liest.
Unser heutiges Problem geschieht nur in den Schritten 2 und 3.

Für Adobe Firefly sieht dieser Ablauf übrigens so aus. Naja.

Vorweg: Wenn Sie Ihre E-Mails über einen E-Mail-Anbieter wie GMX oder GMAIL versenden, dann müssen Sie sich um all das nicht kümmern. Erst wenn Sie eine Domain besitzen und eine E-Mail-Adresse wie name@ihre-domain.de benutzen, sollten Sie oder ein Fachmann – und deswegen hab ich damit zu tun – zumindest mal nachsehen, ob Ihr Domainanbieter – also Strato, 1und1, domainfactory, … – das alles gut erledigt hat.

Zurück: Als das alles erfunden wurde, da kannten sich alle 17 Menschen mit E-Mail-Adresse persönlich und es war zB nicht einmal nötig abzusichern von welchem der beiden existierenden Versand-Server eine Mail verschickt wurde. Man brauchte nicht mal Login-Daten, um einen Versand-Server dazu zu bewegen, eine Mail zu versenden – diese Absicherung kam auch erst einiges später.
Außerdem steht es jedem von uns vollkommen frei, im E-Mail-Programm als Absenderadresse einzutragen was wir wollen – auch da gab es zuerst keine Prüfung – und ich kann Ihnen noch heute eine Mail schicken, bei der zumindest Ihr Mailprogramm mit hoher Wahrscheinlichkeit behauptet, sie käme von obama@whitehouse.gov. Oder von pope@holychair.va.

Heute sind geschätzt die Hälfte der täglichen 330 Milliarden Mails Spam und ca Anfang des Jahres haben relativ spontan Google und Yahoo beschlossen, endlich mal was zu tun. Sie wenden dazu drei schon länger existierende Sicherheitsmechanismen endlich mal ernsthaft an und damit hatten wir den Kladderadatsch.

Alle drei Sicherheitsmechanismen greifen in dem Moment, wo Paulas Empfangs-Server von pauls Absender-Server die Anfrage bekommt, doch bitte eine E-Mail anzunehmen.

1) SPF
Pauls Mail kommt bei Paulas Server an und der sagt: „Ach guck, eine Mail. Würdest Du, lieber Absender-Server bitte erst kurz Dein Zettelchen mit Pauls Liste der erlaubten Versand-Sever zeigen? Ah prima, Du stehst drauf, die Mail nehm ich.
Paul bzw Pauls Serveradministrator müssen also so ein Liste anlegen.

2) DKIM
Pauls Mail kommt bei Paulas Server an und der sagt: „Ach guck, eine Mail. Zusammen mit der Mail kam eine verschlüsselter Textzeile zu der Du ein passendes gegenstück haben solltest – zeigst Du, lieber Absender-Server mir bitte das passende Gegestück? Ah prima, die passen zueinander, die Mail nehm ich
Paul bzw Pauls Serveradministrator müssen also diese Schlüssel anlegen.

3) DMARC
DMARC ist eine Ergänzung zu den ersten beiden Mechanismen, die festlegt, was passieren soll, wenn SPF und DKIM nicht greifen. Deswegen beschließen aktuell viele Administratoren, dass DMARC nicht wichtig ist, wenn sie doch SPF und DKIM eingerichtet haben.

Falls Sie einen winzigen Schritt tiefer einsteigen wollen: Hier sind diese drei Techniken exakt genauso launig, aber technisch wenigstens etwas präziser erklärt.

So, das klingt doch alles vernünftig, warum also Kladderadatsch?
Zum einen, weil Google wirklich überraschend plötzlich diesen Schritt gegangen ist. Die großen E-Mail-Anbieter konnten recht schnell reagieren, aber eben nicht jede, die ihre eigene Domain hat. Außerdem wird das ganze komplizierter, wenn Sie zB einen Newsletter bertreiben – denn dann muss der Server des Newsletter-Anbieters auch auf die Listen und die Anbieter waren oft nicht schnell genug und stellten die notwendigen Infos nicht bereit. Oder die Webhoster hatten die Möglichkeit für solche externen Dienstleister nicht mitgedacht.
Das hat sich allerdings schon fast komplett wieder eingespielt.

Aktuell ist das Hauptproblem: Größere und auch schon kleinere Firmen betreiben gerne ihren eigenen Mailserver. Zum einen müssen also viele tausende IT-Admins in Firmen sich plötzlich in die Materie einlesen und die entsprechenden Einstellungen beim Versand-Server vornehmen, um noch Mails verschicken zu können.
Und zweitens – und das beobachte ich häufig – richten sie dann auch gleich auf dem eigenen Empfangs-Server die gleichen Sicherheitsmaßnahmen ein. Oder das, was sie dafür halten und dann sind ihre Server auf einmal etwas übervorsichtig.
Jedenfalls habe ich noch nie so oft wie im letzten halben Jahr die Anfragen bekommen: „Herr Fischer, ich versuche Mails zu verschicken / verschicke wie immer meinen Newsletter, aber ich krieg ganz viele Fehlermeldungen zurück
Nahezu immer ist die Lösung dann, dass die IT des Mail-Empfängers ihre Empfangsserver viel zu streng eingstellt hat – d.h. sie haben das, was sie glauben, dass Google und Co es tun, auf ihre eigenen Server übernommen, schieben die Schuld aber zum Absender. Der bekommt dann eine Fehlermeldung, fühlt sich ebenso schuldig wie ahnungslos und ruft mich an.
FunFact am Rande: Diese Fehlerlmeldungen sind nicht irgendwie genormt – ich kann also nicht mal googeln, was der Admin mir sagen will.

Was am Ende bleibt: Viele unzufriedene Anfragen, weil man pünktlich zur neuen eigenen Website oder zum frisch eingerichteten Newsletter auf einmal keine Mails mehr an die Firmenkunden schicken kann.

Ja, so ist das und jetzt wissen Sie, warum ihre Newsletter nicht mehr problemlos rausgehen und auch, womit ich mich so rumschlage, obwohl ich doch eigentlich nur Pixel schieben und ein bisschen Code schreiben wollte.

Sie mögen das, wenn ich auch mal aus dem täglichen Alltags-Einerlei ausbreche und über Gott und die Welt nachdenke? Hier steht eine virtuelle Kaffeekasse!
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist.

Medienkonsum VI 2024

Farben des Bösen: Rot
Film, auf netflix geguckt. Düsterer, böser Thriller um eine getötete junge Frau, in bester Hannibal Lecter- oder „Die Brücke“-Tradition. Spannend in zwei Zeitebenen und mit diversen, immer wieder neuen Spins erzählt, versuchen ein Staatsanwalt und eine Richterin heraus zu finden, wer die Tochter der Richterin getötet hat, nachdem der offensichtliche Täter vielleicht zu offensichtlich ist.

Sniper G.R.I.T.
Film, auf netflix geguckt. Sniper G.R.I.T. ist ein special-Dingsbums-Team, eines von denen, die die Welt retten, wenn irgendwo die Welt zu retten ist, man sich nicht an Gesetze halten muss – so wie zB in einem netflix-Film – und Tom Cruise endgültig genug über die Leinwand geflogen ist. Sehr viel Geballer, sehr viel Action zwischen M:i und ein bisschen Rambo – etwas anachronistisch und sehr nett anzuschauen, wenn Sie so alt sind wie ich und mit solchen Filmen groß geworden sind. Außerdem ist der Bösewicht kein Russe, sondern sitzt auf Malta. Malta?? Ja, Malta.

Trigger Warning
Film, auf netflix geguckt. Sie kennen das Genre „jemand kommt aus der weiten Welt zurück ins Heimat-Kaff, dort läuft nicht alles rund und er oder sie räumt dann bei den Hinterwäldlern erst einmal auf“? Es gibt dann ja die Sub-Genres „und haut allen Bösen kräftig auf die Möppe“ und „regelt das Liebesleben aller Beteiligten“ Dies hier war Version eins, es wurde viel auf die Möppe gehauen – aber das ist ja auch angemessen, wenn die Bösen den eigenen Papa umgebracht haben, um ihren kleinen Panzerfaust-Handel mit den Terroristen weiter ungestört betreiben zu können. Frau Alba hat offensichtlich für diesen Film die Kunst des Kampfes mit dem Messer gelernt und auch wenn ich das Gefühl habe, dass solche Action-Filme so langsam nicht mehr en vogue sein könnten, hat der mir sehr gut gefallen – denn ich bin mit diesem Revenge-Ballerkram groß geworden.

Monk
Serie, auf netflix geguckt. Ich muss Monk nicht erklären, oder? Ich hatte die Serie nie gesehen und kannte nur die lustigen Sprüche über den „inneren Monk“, wenn jemand es gewagt hatte, die Bleistifte nicht parallel auf dem Schreibtisch zu legen; Sprüche, die ich meines Wissens übrigens nie von Menschen mit echten Zwangshandlungen gehört habe, aber das nur am Rande. Ich erwartete also Lustiges, als ich die netflixisierung der Serie nutzte, um auch mal reinzugucken – was ich bekam, war eine Serie über einen sehr kranken Mann, der sehr unter seiner Krankheit leidet. Kann man ja gut zu launigen Sprüchen nutzen, ist bestimmt nicht ableistisch. Darüber hinaus geht es natürlich gar nicht darum, seine Krankheit darzustellen, sondern eher, sie als lustiges Element zu benutzen – für alles andere ist sie nämlich dann leider nicht konsequent und gut genug dargestellt.
Lustig, wie man auf etwas gucken kann, wenn man es nur zwanzig Jahre später das erste Mal sieht, nicht wahr?

Fuppes (EM)
Sport, im Fernsehen geguckt. Ja, auch wir sind Gelegenheitsgucker, Gelegenheitsgucker mit schlechtem Bauchgefühl übrigens. Die Spiele waren mal so, mal so, das Achtelfinale zwischen Deutschland und Dänemark zeigte mir, wo mein Herzchen wohnt; alles nice. Aber dass während eine Europa- oder Weltmeisterschaft die Rate der Gewalt gegen Frauen um 26% steigt (bei einem Sieg, bei Verlust des Spiels um 38%*) und dass die UEFA tatsächlich ein gemeinnütziger Verein ist, der keine Steuern zahlt und die austragenden Städte dafür bluten – das raschelte beim Gucken dauernd im Hinterkopf mit und ich verpasste immer mehr Spiele.
Brot und Spiele, meine Damen und Herren, Brot und Spiele. So lange die Spiele laufen und es die EM-Knacker für die Grillparty im Sonderangebot gibt, ist man Spaßbremse, wenn man sowas ausspricht und so lange das Konzept der Spaßbremse noch funktioniert, werden wir die Welt nicht retten.
*) Quelle

Der Platzwart – Camping unter Palmen
Serie, im Fernsehen geguckt, ich nehm’s sogar im Moment auf. Reingeschlittert in diese DMax-„Doku“, weil ich mir manchmal gerne Serie um Camper (die Autos, nicht die Menschen) angucke und im Programm mal nach „Camping“ gesucht hatte. Dabei geblieben bin ich (noch), weil diese Dokuserie wie ein Unfall ist, von dem an nicht weggucken kann. Sonst kenne ich aus diesen Pseudo-Dokus, dass die Beteiligten mitmachen, weil sie sich in irgendeiner Art und Weise positiv darstellen wollen. Hier … äh. Wie gesagt: Wie ein Unfall.

Die Minions
Film, auf prime geguckt. Ich war vollgestopft mit verschiedenen Betäubungsmittelresten und Schmerzmitteln und suchte Ablenkung ohne Denken. Perfekt. Die Liebste, deutlich weniger mit Chemie befüllt als ich, fands aber auch sehr spaßig.

Wunderschön
Reisedoku, diverse Folgen, läuft dauernd im Fernsehen und ich nehms mir auf, denn Wunderschön ist wunderschön harmlos, hat wunderschöne Bilder und macht ein recht solides heile-Welt-Gefühl, wenn man es mal braucht.
Was die eine Moderatorin zu viel spricht, spricht die andere zu wenig – das gleicht sich also prima aus.

96 Hours – Taken 3 (Extended Cut)
Film, auf netflix geguckt. Ich erinnerte mich dunkel daran, die nicht extended Version damals noch im Kino (Sie erinnern sich?) gesehen zu haben und fühlte mich gut unterhalten. Ach ja, die Story: Ein ehemaliger Geheimagent wird in eine Falle gelockt, er findet seine Ex-Frau tot in der Wohnung und überraschenderweise kommt zehn Sekunden später auch das SWAT-Team rein und versucht ihn als offensichtlichen Täter festzunehmen. Er flüchtet und sucht den wahren Täter und hat ein paar Menschen dabei feste auf die Möppe. Luc Besson hats gemacht, Lim Neeson gespielt – alles fein.

Accident Man
Film, auf netflix geguckt. Guckst Du Ballerfilme, bekommst Du Ballerfilme vorgeschlagen. Dieser spielt im Milieu der Berufskiller und versuchts auf die humorvolle Art. Ist gut gelungen, wenn man – ähnlich wie in Tarantino-Filmen – die gezeigte Gewalt lustig nehmen kann. Ich weiß, dass das diskutabel ist.

Sie suchen noch mehr kurzweilige Unterhaltung? Hier finden Sie alle Film-und Serienbesprechungen.

1.7.2024 – Schnipsel

Gestern noch Fuppes geguckt, ja, auch den ganzen Kladderadatsch drumherum – naja, die müssen ja auch irgendwie Sendezeit generieren, um über die Werbung die Kohle wieder reinzubekommen – also jedenfalls: Gewundert, dass die alle das Ergebnis so froh kommentierten, dann gestutzt, begriffen und sehr gemerkt, wo das Herz lebt.
Heimliches Hauptvergnügen: Wie der eine ZDF-Fußballer den anderen Fußballer so offen disst.

Die erste Melone-Feta-Schüssel des Jahres geleert.

Zweieinhalb Wochen noch, dann mach ich das kleine Büro unter dem Dach erst einmal zu und es beginnt ein leichtes Gefühl der Vorfreude. Gleichzeitig schaue ich auf die offenen Fäden und wundere mich.
Aber wenn ich ehrlich bin, sage ich der Liebsten in ähnlichen Situationen immer „Das ist wie jedes Jahr
Glaub ichs mir doch einfach mal selbst.

Heute Morgen erstmal hauptsächlich auf Rückmeldungen gewartet. Warten kann ich voll super (nicht), also die DAW angeworfen und ein kleines E-Piano-Thema bis zum Erbrechen und dann noch mal weitere drei Minuten immer wieder wiederholt. Hypnotische Musik entsteht durch Wiederholung und leichte Variationen, haben sie gesagt – also mache ich Wiederholungen und variiere dann leicht.

Als mittags eine Mail fragt, ob wir aus dem Frühvormittags-Telefon-Termin einen Spätnachmittags-Telefon-Termin machen können, lade ich mich spontan bei Christian ein; wir hatten vor ein paar Tagen den Deal gemacht: Wenn er spontan sein kann, dann komm ich vorbei, wenn sich bei mir ein Loch auftut und wir gucken uns zusammen ein Thema für seinen Arbeitgeber an.
Christian kenne ich seit Jahren online, zuerst aus seinem Podcast mit Vanessa, dann auch per DM-Kontakt, gezoomt haben wir auch mal und dann haben wir uns heute auch mal getroffen. Wie immer, wenns online passt, ist der Schritt gar nicht groß.

Im Laufe unserer Gespräche plötzlich gemerkt, dass etwas funktionierte, was ich mal selbstverständlich fand, aber was immer mehr verloren geht: Wir konnten differenzierte Ansichten zu Themen haben. KI gleichzeitig geil und gefährlich finden oder bei anderen Dingen Vor- und Nachteile nebeneinander stehen lassen und uns dann auch gegenseitig zugestehen, jeweils andere prioritäten in der Bewertung zu haben. Großartiges Gefühl, probieren Sie’s doch auch mal aus.

glitzernde Regentropfen auf einem Spinnennetz

Der Spätnachmittags-Termin ist von Missverständnissen, Abtasten, Zuständigkeitsunsicherheiten und viel Vorsicht geprägt und lässt mich etwas ratlos aber mit einem Vor-Ort-Termin in der nächsten Woche zurück. Nicht, dass ich mich sonst nicht vorbereite, aber ich glaube, da muss ich extragut vorbereitet sein.

Die 5 Minuten E-Piano-Thema wieder geöffnet und sehr angetan gewesen. Auf die Uhr geguckt und – ungefrühstückt wie ich war – begriffen, dass das Gefühl in der Körpermitte wohl Hunger sein könnte.

Zeugs

Bei den Clients from hell perfekt beschrieben gesehen, warum man nicht mit Kundinnen neben sich sitzend arbeitet und sehr gelacht:

Client: “Why’s there a picture of a car?! That’s not what I want!”
Me: “That’s just my computer’s wallpaper.”

Clients From… Right Next To You

Der Herr Flusskiesel war in unserem Theaterstück. Und fand die Musik gar nicht japanisch. Und der Halbsatz „Die Musik fügte sich sehr organisch in das Stück ein“ macht mich sehr froh – denn das war ja mein Job.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

25.-30.6.2024 – Missmut

Ich fass’ das mal kurz für Sie zusammen: Am Mittwoch war ich bei Frau Zahndoktor, der Zahn, also der Zahn, der mich seit einigen Monaten immer wieder dorthin treibt, sollte endgültig versorgt werden. Gefüllt, bedeckelt, fertig, Thema erledigt – so der Plan. Stattdessen aber: gefüllt, bedeckelt, Schmerz im Zahn, mehrere Tage lang nur unter heftiger Schmerzmittel-Befüllung und mit dem Eisbeutel im Gesicht aushaltbar; dazu die Liebste, die meinem äußerst missmutigen „fahr mich jetzt dahin der soll jetzt raus, ich mag nicht mehr“ immer wieder freundlich die Vernunft und die Erinnerung an „der kann jetzt nochmal ein paar Tage murkseln, Herr Fischer“ entgegensetzte. Ich erinnerte mich an das schöne Wort „murkseln“, holte mir missmutigst ein neues Coolpack und fuhr nicht.
Dazwischen viel sinnloses Film-Bingen und überraschend effiziente Momente am Schreibtisch.
Seit gestern lässt der Schmerz nach und ich habe ein wenig Hoffnung.

Damit sie nicht ganz umsonst hier rüber gekommen sind, noch ein Bild von einer optisch reizvollen Großwetterlage gestern Abend (als 30 Kilometer Luftlinie entfent in Dortmund das Spiel unterbrochen wurde – sie werden es evtl mitbekommen haben)

Außerdem habe ich überraschenderweise viel in diesem Internet gelesen. Daher ein bisschen

Zeugs

War früher alles besser? Schlechter? Oder halt anders? Kristian Köhntopp zeigt an einigen Beispielen zumindest letzteres – nämlich dass die Welt unserer Kindheit halt einfach nicht mehr existiert:

Veränderung nicht verstehen ist leicht. Wenn man 16 Jahre Kohl, 7 Jahre Schröder und 16 Jahre Merkel gesehen hat, dann sind das fast 40 Jahre Stagnation, die Abwesenheit von Veränderung in der Politik. Aber die Welt hat sich verändert. Sehr. Zum Beispiel: Die Anzahl der PKW in Deutschland hat sich seit 1985 von 25 Millionen auf 50 Millionen verdoppelt. Und die Autos selbst haben sich auch verdoppelt.
[…]
CO₂-Level haben sich von einer vorindustriellen Baseline von 285 ppm auf 420 ppm in 2024 erhöht. Das ist eine Veränderung von 135 ppm, und eine Verdoppelung des menschlichen CO₂-Eintrages seit 1985, von 352 ppm auf 420 ppm. Das mit der Klimakatastrophe waren wir, nicht unsere Eltern oder Großeltern.

Kristian Köhntopp:
Die Welt Deiner Kindheit existiert nicht mehr

Vor allem den letzten Satz dieses Zitates finde ich unglaublich wichtig, denn ich glaube inzwischen fest, dass, wenn wir unsere eigenen Fehler nicht anerkennen, keine Veränderung geschehen kann. Und das gilt für nahezu alle Themen, die wir im Moment als Kulturkampf oder Bröckeln unserer heilen Welt so wahrnehmen: Wenn wir immer froh sind, dass ja die anderen die Faschisten gewählt haben, dass ja die anderen Frauen benachteiligen, dass ja die anderen vom Rassismus profitieren – so lange werden wir keine strukturellen Probleme lösen können. Das ist ein Unterschied zu individuellen Problemen, bei denen der Bezug „Problem–eigenes Zutun“ deutlicher ist – naja und selbst bei denen sind wir ja oft froh, wenn wir jemand anderem die Schuld geben können.


Alex stellt sich eine Frage, die mich auch sehr beschäftigt und denkt dabei über den wichtigen Faktor der Bequemlichkeit nach:

[…] erzählt Malik von einem 40-jährigen Russen, der einen Einberufungsbescheid und die Chance zur Flucht aus Russland erhält, diese aber nicht wahrnimmt. Mit Rückblick auf die Europawahl frage ich mich, wann es für mich genug wäre.
Als ich die ersten Ergebnisse zu Gesicht bekommen habe, war meine Reaktion:
„Na dann mach ich mich mal bereit für den Untergrund“
[…]
oder weil mir das Risiko zu groß war. Ich soll also freiwillig alles aufgeben, was ich habe und gehen? Besitz, Sicherheit und Familie?

Alexander Thiel:
Wann würde ich gehen?

Außerdem in diesem Zusammenhang auch wichtig ein Gefühl, den Maximilian letztens mit den perfekten Worten „Man will kein Prepper sein, aber doch irgendwie vorbereitet“ auf den Punkt brachte.


Wenn man nicht geht, dann könnte man ja auch in die Politik gehen? Fühlt sich sehr sinnlos an, nicht wahr? Die (Achtung, nicht gleich vor dem Wort erschrecken!) kommunistische Partei Österreichs ist gerade ganz entgegen aller Tendenzen erfolgreich und der Freitag hat sich mal angeguckt, was die KPÖ anders macht. Super spannend:

1. Nicht in die Berufspolitik abheben, 2. Vorpolitische Arbeit stärken, 3. Die Mehrheit im Blick behalten, 4. Das Hickhack des Parteiensystems meiden, 5. Nicht zu viel auf einmal wollen, 6. Nicht an den Rechten abarbeiten […]

Georg Kurz, Sarah Pansy beim Freitag:
Linker Aufschwung: Zehn Punkte, die die KPÖ ganz anders macht

Spontanes Gefühl: Alle zehn Punkte werden von den meisten aktuellen Politikern exakt anders gemacht. Hm.


Kommen wir im elegangen Bogen zu einem dieser Menschen, die das Gefühl gegenüber der deutschen aktuellen Berufspolitik so hoffnungslos macht: Herr Spahn. Maurice Höfgen hat diesen Maskenskandal, von dem man irgendwie immer hört, mal aufgedröselt:

Herzlichen Glückwunsch, Herr Spahn. Das schafft nicht jeder: Einen Minister-Skandal, der 15-Mal größer ist als der Maut-Skandal von Andi Scheuer. Genauer gesagt: 3,5 Milliarden Euro, vielleicht noch mehr.
[…]
So hat Jens Spahn Lieferanten geprellt und Berater reich gemacht.
[…]
Ihr Corona-Buch trägt den Titel: „Wir werden einander viel verzeihen müssen“. Sie zeigen weder Reue noch Einsicht, sondern nur Ignoranz und Arroganz. Ihr Schaden ist weitaus größer als die Milliardensumme. Sie bringen das Parlament in Verruf und fördern Politikverdrossenheit. Damit werden Sie zum Erntehelfer für die AfD. Ich werde Ihnen das nicht verzeihen.

Maurice Höfgen:
Das verzeihe ich Ihnen nicht, Herr Spahn

Interessante Selbst-Beobachtung gestern Abend: Ich fieberte beim Fußball eher dänisch mit als deutsch – so ich überhaupt in der Lage bin, beim Fußball zu fiebern.
Vi ses!

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24.6.2024 – ’bout getting older

Ich bin zu alt für den Scheiß. In anderen Worten: den Grundzustand des heutigen Tages als „müde“ zu bezeichnen“ wäre fahrlässig untertrieben.

Trotzdem hauptsächlich froh grinsend unterwegs, denn das war ein wirklich bemerkenswert tolles Konzert.

Bemerken müssen, dass ich seit circa zwei Jahren echt mit meinem Alter hadere – natürlich vollkommen zufällig der Zeitpunkt, als das erste mal eine fünf vorne stand. Nach zwei Jahren unwilliger Verdrängung mal darüber nachgedacht, warum das – abgesehen vom im freien fall befindlichen Wehwehchen-Status – so ist und auf zwei Kernpunkte gekommen:

Erstens habe ich so mit Mitte vierzig die Therapie gemacht in der ich begreifen durfte, dass ich durchaus eigene Vorstellungen vom Leben haben darf – das hatte ich mir aus Gründen sehr verkniffen in den Dekaden davor. Nicht umsonst steht zum Beispiel das Stereodreieck im Wohnzimmer jetzt seit circa drei Jahren erst da und vorher noch nicht. Dummerweise kollidiert das arg mit fest gesettelten Leben anderen Menschen im direkten und weitere Umkreis – an doofen tagen fühlt es sich so an, als wäre ich in einer vollkommen anderen Lebensphase unterwegs, viel mehr im Träumen, Wollen, im Aufbruch. Und da knirschts.

Und zweitens bemerke ich, dass jüngere Menschen eventuell mein Verhalten – egal welches – mit „naja, der ist halt alt“ bewerten könnten. Rein rechnerisch schrappe ich nur knapp am Boomer vorbei und ob diese rechnerische Unterscheidung noch als Argument bei jemandem zieht, die gerade beschlossen hat, mich nicht so ganz ernst zu nehmen … ich glaube nicht.

Am Schreibtisch den Tag begonnen mit einer Mail in die US of A, die hauptsächlich nötig war, weil es – so international ähnlich wir uns doch alle zumindest innerhalb der sogenannten „westlichen Welt“ alle fühlen – winzig kleine Kulturunterschiede gibt, die meine Arbeit für eine amerikanische Kundin so richtig Pain-in-the-ass machten. Nun bekommt diesen p.i.t.a.-Anteil einfach jemand dort vor Ort und ich bin mir vollkommen sicher, dass sie nicht einmal verstehen wird, warum ich da Probleme habe – weil es für sie vermutlich vollkommen selbstverständlicher Alltag ist. Und dann haben alle gewonnen.
Wir arbeiten höchstens fünf oder sechs Jahre für die Kundin – manchmal dauert es wohl etwas, um solche Kleinigkeiten zu begreifen.

Mittags kam die Liebste rein und fragte quasi vor dem „Hallo“ erst „Eis?“ und das war natürlich eine furchtbar blöde Idee, da eine halbe Stunde unterm Schirm in der Sonne zu sitzen und Menschen zu gucken.

Nachmittags begonnen, Ideen für ein Projekt zu visualisieren, was wirklich groß ist. Also: Das Projekt der Kundin ist wirklich groß; mein Anteil ist verschwindend klein, aber auch riesige Projekte brauchen eine Website. Und die soll diesmal möglichst emotional, werbend und groß sein – und das macht neben dem ganzen Minimalismus*, der sonst oft vorherrscht, echt viel Spaß.

*) Nicht nur der „Ach, Herr Fischer, ich brauch doch nichts“-Minimalismus – aber der auch :)

Darüber hinaus war heute Tag zwei einer kleinen Testreihe mit einem neu durchdachten Erreichbarkeits-Konzept. Ich habe mich nämlich das erste mal mit den Möglichkeiten der „Fokus“-Einstellungen auf dem iPhone befasst und mir einen Fokus zusammen gestellt, in dem wichtige private Menschen mich erreichen – zusätzlich kann ich je nach Projekt die in die Whitelist aufnehmen, die fürs aktuelle Projekt wichtig sind.
Alle anderen landen auf dem AB, weil mein Telefon nicht klingelt, wenn sie anrufen. Ebenso schweigen alle Apps, die mir Benachrichtigungen senden möchten; die hab ich zwar (natürlich) sehr dezimiert, aber ein paar sind es eben doch.
Zweimal am Tag mach ich den Fokus aus und schau, ob und was in der zwischenzeit passiert ist und bisher fühlt sich das zwei Tage lang sehr super und ungestört an – mit der Sicherheit, dass Wichtiges durch kommt.
Und als ich dann begriffen hatte, dass ich diesen Fokus mit dem Wechsel des Sperrbildschirms koppeln kann, war alles ganz super. Dank eines hässlich-grellenen Rots als Hintergrundfarbe werde ich garantiert nie vergessen, abends wieder zurück zu schalten und aknkannn das auch mit einem festen Druck und einmal swipen so bequem es eben gehen kann erledigen.

Es nur „müde“ zu nennen wäre wirklich untertrieben.
Vi ses!

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
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