5.6.2021 – #wmdedgt

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

7:30 Uhr:
Ich wache so halb auf, schiele auf die Uhr und merke, dass ich knapp unter der angestrebten Schlafdauer bin, bleibe still liegen, döse nochmal weg, träume natürlich sofort anstrengenden Unsinn, wache wieder auf, schiele auf die Uhr, das Spiel beginnt von vorne.

7:50 Uhr:
Ich stehe auf. Die Uhr motzt mich an, dass ich mein Schlafziel verpasst habe.

9:00 Uhr:
Wegen „dann ists noch leer im Laden“ direkt nach dem Aufstehen zum Laden gefahren. Hurra, der Plan hat geklappt.
An der Kasse vor mir zwei Männer, sorgsamer Rockabilly-Style, sehr gepflegt mit langen Bärten, volltätowiert; die Kassiererin spricht sie an und fragt, ob sie keinen Einkaufswagen hatten. – Nee, wieso? – Naja, weil sie dann eigentlich nicht reingedurft hätten. – Woher sie das hätten wissen sollen? – Naja, vorne ständen große Schilder …
Empörung pur: Das wäre ja nun und überhaupt und man müsse ja nicht jedes Schild lesen und gerade, wenn man aus einem anderen Land käme, die Regeln wären ja nun auch überall und in jedem Land unterschiedlich und – ich muss einwerfen: die Empörung war übrigens nicht wie man denken könnte pöbelnd laut, sondern eher etwas tuckig schrill und damit für mich viel angenehmer – sie wüssten wirklich nicht, ob sie noch einmal hier hin kommen würden, wenn sie hier einen Einkaufswagen benutzen müssten, gerade, wenn man aus einem anderen Land komme und zu Besuch sei und …
Naja, in dem Stil ging es weiter, während die Kassiererin freundlich lächelnd kassierte und die beiden dann, weiterhin schimpfend, raus marschierten.
Ich zahlte auch, ging auch raus, räumte meine Sachen ein, brachte den Einkaufswagen weg und fuhr los. Und kam an ihnen vorbei. Sie standen hinter ihrem Auto und schimpften immer noch. Und ehrlich gesagt war ich nach der Nummer etwas neugierig, aus welchem Land sie denn nun gekommen waren, um hier im Kaff einzukaufen.
Denken Sie sich bitte an dieser Stellen die Lindenstraßen-Schlussmusik, ich löse das weiter unten auf.

Weiter – immerhin ist Samstag – zum Autowaschen und dann nach Hause.

11:30 Uhr:
Nach zwei Tagen in denen ich mein Büro nicht betreten hatte, befiel mich ein unbestimmter Kreativitätsschub und ich ging mal hoch. Das endete in einem sehr feinen, sehr langsamen HipHop-lastigen Beat mit schönen Chords drüber und ich war sehr zufrieden mit mir.

12:30 Uhr:
Eventuell noch etwas Schlaf nachgeholt. Vom Nachbarn geweckt worden, er hat jetzt eine Kettensäge und man kann ja nie früh genug anfangen, die Holzvorräte aufzufüllen.
Leicht grumpy.

14:00 Uhr:
Frühstück. Und ein bisschen das Haus besuchsfertig machen. Was zum Glück nicht so viel war, denn gestern war auch schon Besuch im Garten.
Dabei lief im Hintergrund Musik von Tina, der NDR hatte da nämlich vor zwei Tagen einen Auftritt von 2019 versendet und mittendrin, mitten im Mitsingen und etwas überraschend kamen mir die Tränen weil ich merkte, wie sehr mir diese Konzerte und diese Treffen fehlen.

18:00 Uhr:
Dem Besuch hinterher gewunken. Froh über wunderbaren Besuch. Ein bisschen social-müde jetzt.

Ach ja, ich schulde Ihnen noch die Auflösung um das Rockabilly-Pärchen aus dem fremden Land. Es war ein fetter BMW-SUV mit deutschem Kennzeichen. München, um genau zu sein.
Ah, Bayern – ein „anderes Land“, ich hatte das immer geahnt. Das erklärt einiges.
(Liebe bayrisch-lebende Mitleserin: Sie sind da natürlich eine Ausnahme)

(Plan für 20:00 Uhr):
Ich gedenke, aus den Veggie-Würstchen und aus den Saucen aus dem Kühlschrank eine Currywurst zu machen – die Liebste wird Pommes holen. Dann Schlag den Star oder Lost weiter oder so.

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2.6.2021 – I got my head checked

Wissen Sie, ich habe mir diese Form der Arbeit ja ausgesucht: Ich sitze an einem Schreibtisch weil ich das gut kann und schiebe Pixel oder code Code weil ich das auch ganz gut kann. Und am liebsten denke ich vorher gründlich konzeptionell vor allem über die Pixel nach, denn das kann ich vielleicht am besten – aber das wollen nicht alle Menschen bezahlen und bestellen „nichts großes“. Aber ich schweife ab.
Manchmal arbeite ich mit anderen Menschen zusammen, manchmal ich für sie, manchmal sie für mich und selten wir wirklich zusammen.
Meist aber sitze ich hier alleine und – wie gesagt – ich habe mir das ausgesucht, weil ich auch das ganz gut kann.

(By a jumbo jet — It wasn’t easy)

Was durch dieses ganze Konstrukt manchmal etwas fehlt: Feedback. Ich habe natürlich durch die Bank nur die besten Kundinnen der Welt und die sagen mir auch, wenn sie toll finden, was ich tue. Aber: Ich mach ja jetzt auch nicht täglich eine Website fertig. Und so sind die Tage mit Feedback allgemein oder Lob im besonderen rein prozentual deutlich seltener; etwas, was nur an besonderen Tagen statt findet und dann freue ich mich schon immer sehr.

(But nothing is — No)

Heute morgen war ich etwas hektisch, denn irgendwie war plötzlich heute vormittags ein Termin zu dem ich etwas präsentieren sollte und ich hatte erst gestern Abend spät davon erfahren und dann bemerkt, dass ich zum präsentieren vielleicht am besten die ganzen Gedanken in etwas wie – nun: Eine Präsentation einfügen sollte. Und so saß ich früh am Schreibtisch.
Und dann war der Termin und ich präsentierte und ich selbst fand schon auch ziemlich gut, was ich mir da ausgedacht hatte und die Zusammenarbeit war im besten Sinne ein gutes Gedanken-Ping-Pong gewesen und hatte richtig Spaß gemacht – aber man weiß ja dann doch vor so einer Präsentation auch nicht immer so ganz genau und jedenfalls: Heute ist so ein besonderer Tag. Und das war sehr schön.

(Whoohoo)

Dass danach ein feiertagbedingtes langes Wochenende begann, war ebenfalls super. Ich hoffe, dass ich die vier Tage nicht wieder komplett mit Kopfschmerzen verbringe.

Als ich dann merkte, dass ich vor lauter Freude die Ferienanfangsstimmung schon auf heute projiziert hatte, damit aber noch vier Wochen warten muss … naja, ein bisschen Verlust ist immer.
Wir waren dann noch – Überraschung! – am See and we had joy, we had fun, we had Pommes in the sun. Haha.
Diesen blöden Ohrwurm hat mir übrigens die Liebste ins Ohr gepflanzt als wir uns setzten und da fand ich das extrem blöd Aber jetzt, wo ich gerade auf Ihr Ohr ziele, finde ichs eigentlich ganz lustig.

So gegen acht waren wir wieder hier, haben zur Einstimmung noch schnell das Finale der Sportball-WM geschaut, bevor wir dann zum Testspiel umschalten konnten. Das gegen Dänemark. Ich denke, Sie wissen, wo meine Sympathien liegen.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

1.6.2021 – erster SECHSTER???

Juni. Unfassbar, ist es nicht?

Ebenso unfassbar, was diese Sonne und dieses Licht mit mir machen. Es tut so unglaublich gut, ich sauge das sehr auf. Sogar trotz der Tatsache, dass mein Büro exakt zwei Temperaturen kennt: Ein gaaanz klein wenig zu kühl und viel zu warm. (Naja, und als damals die Heizung ausgefallen war, da war da noch eine dritte, aber die lasse ich mal unter den Tisch fallen)

Am Schreibtisch viel geschafft, hauptsächlich waren das sehr viele verschiedene Mails, die alle sehr deutlich verschieden formulierte Antworten brauchten – vom lapidaren Zweizeiler über detailreiche Sach-Erklärungen oder freundliche Vorstellungsmails bei wannabe-Kundinnen bis zu sorgsam mit Umständen umgehende lange persönliche Mails war alles dabei.
Alle zusammen führt aber zu einem guten erledigt-Gefühl und nach einem Tag wie gestern, der schon auch ein wenig am Ego gekratzt hat ist das superst.
Und dann musste ich noch einmal kräftig Lügen mit Phostoshop betreiben. Der Fotograf hatte nicht daran gedacht, dass die Bilder für eine gemeinsame Kundin sehr viel Futter recht und links brauchen, weil die Bilder im Kopfbereich der Website der Kundin sehr breit aber auch sehr wenig hoch sind. Also musste ich rechts und links was dranpfuschen erfinden aus dem bestehenden etwas dazu bauen.
Ich hab echt lange kein Photoshop mehr benutzt fiel mir bei der Gelegenheit auf, aber es hat durchaus Spaß gemacht. Und als die Liebste vorbeikam und so ca. alles an dem Bild kritisierte – bis auf die Ränder rechts und links, beschloss ich: Passt scho’

Und abends waren wir am See und es ist so wunderschön, dass wir einfach um halb sechs noch dahin fahren können.

Nachdem wir #inderaktuellensituation hauptsächlich am Vorbecken herumgelaufen waren, wollte ich mal wieder an die Staumauer. Ich kann ja gut damit, wenn der Blick ein bisschen Platz hat.

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31.5.2021 – ich will auch was dazu sagen.

Nachdem der Artikel über das Gendern aus linguistischer Sicht drüben bei Frau Herzbruch so große Erfolge feiert, dachte ich, ich nehm das mal als Gelegenheit darüber zu erzählen, warum ich seit vielen Jahren im generischen Femininum ins Netz schreibe.

Es muss 1996 oder 1997 gewesen sein und – die älteren unter den Leserinnen, gerade wenn sie in Pädagoginnenkreisen unterwegs waren, werden sich erinnern – es wurde zum ersten Mal darüber gesprochen, ob denn das generische Maskulinum eine wirklich kluge Wahl ist, wenn man über Menschen beider- oder allerlei Geschlechts sprechen möchte. Wobei es damals noch nur um beiderlei und nicht allerlei ging.

Wie das so ist, greifen Menschen ja gerne erstmal nach den vermeintlich einfachsten Lösungen und so lasen wir schnell auf der ersten Seite von Seminararbeiten oder Protokollen so schöne Vorbemerkungen wie: „In diesem Protokoll wird über Schülerinnen und Schüler gesprochen. Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten haben wir uns für die durchgängig männliche Form entscheiden. Das andere Geschlecht ist immer mitgemeint.“ Und wurden angewiesen, dies selbst auch so zu tun.

In meinem Kopf wirkte das in etwa so, als würde man ein Schild „Gesund!“ aufs Nuss-Nougat-Creme-Glas kleben, nachdem man gemerkt hat dass nur Palmöl und Zucker drin ist. Und das regte meinen Widerspruchsgeist – und zum Glück auch den meines Kollegen bei einem meiner Seminare in der örtlichen Jugendbildungsstätte, wo wir damals auf Honorarbasis arbeiteten.

Nach dem nächsten Seminare taten wir also das einzig komplett logische und schrieben auf die erste Seite unseres Protokolls:
In diesem Protokoll wird über Schülerinnen und Schüler gesprochen. Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten haben wir uns für die durchgängig weibliche Form entscheiden. Das andere Geschlecht ist immer mitgemeint.“ Wir sprachen durchgängig von „Teilnehmerinnen“ und „Seminarleiterinnen“ und gaben es ab.

Und bekamen einen Anruf, wir sollten beim Amtsleiter vorstellig werden. Dieses kleine, vollkommen harmlose Protokoll zweier Studentinnen über ein Wochenendseminar, in dem wir mit 15 interessierten Jugendlichen die Planung und Durchführung eines Diskoveranstaltung für Jugendgruppen besprochen hatten, ein Protokoll bei dem wir immer angezweifelt hatten, dass es überhaupt irgendjemand las, dieses Protokoll wurde durch unsere kleine, umformulierte Einleitung und ein paar Teilnehmerinnen zu einem kleinen Skandal im Jugendamt der Kleinstadt. Was der Blödsinn solle? Was wir uns dabei gedacht hätten?
In der Ebene im Jugendamt vor der wir uns „verantworten“ sollten, arbeiteten übrigens quasi nur noch Männer.
Wir waren, gelinde gesagt etwas überrascht. Und blieben aber dabei: Wenn Ihnen doch allen die Gleichberechtigung so wichtig wäre wie sie behaupteten, dann müsse es doch in Ordnung sein, wenn wir statt der männlichen Form auch mal die weibliche nehmen würden – das könne sich dann doch insgesamt sehr schön gleichmäßig und gleichberechtigt verteilen.
Blödsinn! Unfug! Provokation! Nie wieder! riefen sie und ich hatte wieder mal etwas über Doppelmoral gelernt.
Eine interessante Erfahrung darüber ob Menschen wirklich etwas ändern wollen.

Leider war das aus nicht mehr bekannten Gründen (nein, es war nicht das Protokoll) mein letztes Seminar inn der Jugendbildungsstätte und ich kann nichts darüber sagen, wie es weiter ging. Nur, dass ich mich 2001, als ich mein erstes Blog aufsetzte, daran erinnerte und seitdem insgesamt friedlich und ohne dass es jemanden genug für einen Kommentar stört* hier im generischen Femininum schreibe. Oder, wie es letztens jemand, die mit mir über Feminismus sprechen wollte, sagte: „Oh, ist mir gar nicht aufgefallen.

*) Drei oder vier Ausnahmen in zwanzig Jahren bestätigen die Regel.

Wir lernen also: Das Thema ist älter als gedacht und die wirkliche Auseinandersetzung damit wurde von Anfang an torpediert.


Darüber hinaus, schließlich ist das hier ein Tagebuchblog: Immer noch arg erschöpft von gestern; dass heute Abend ein Termin beim Kieferchirurgen im Kalender stand, machte nichts besser (Sie sind neu hier? Ich habe da eine sehr ernsthafte Phobie) Der Kieferchirurg sagte gar nix, sondern wartet jetzt auch auf die CT, die ich ja eh gewonnen habe.
Morgen wirds wieder.

Mich erinnert. Auch nicht gut.

Noch eine Anekdote zu gestern? Ich bekam ein paar Rückmeldungen auf nicht öffentlichen Kanälen über die ich mich sehr freute. Die extrovertierten unter den Leserinnen sagten so etwas wie „Oh my, das klingt nicht gut“ – die introvertierten so etwas wie „Toll, dass Du es versucht hast und dass es so gut geklappt hat.“ Und wir merken uns, dass alles immer eine Frage des eigenen Standpunktes ist. Ich kann mich über beide freuen.

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30.5.2021 – the social dilemma

Freunde besucht und da im Garten gesessen und geredet und gegrillt. Eine andere Hose als die eine Jeams, die sich seit März 2020 mit der Jogginghose abwechselt, angezogen. Na gut, das war jetzt etwas übertrieben – nehmen Sie’s als Stilmittel, ich gehe davon aus, dass Sie verstehen was ich meine. Aber andere Schuhe und ein Hemd.

Fünf Stunden da gesessen und unfassbar viel gegessen und geredet und das war schön und dann wieder auf die Autobahn und zurück und zwei Sekunden hinter der Haustür heulend zusammengebrochen und quasi auf der Stelle eingeschlafen. So anstrengend.
Ich wusste schon, warum ich da mehr als einen soliden Bammel vor hatte, vor dem erneuten Aufnehmen von sozialen Situatuionen, nachdem ich da so aus der Übung gekommen bin.

Den Internet-Erklärbär geben müssen, weil der eine Sohn zu Twitter will und die andere Mutter alles, was digital ist, verteufelt. Hat man dann selbst eine differenzierte Haltung zu manchen Phänomen allgemein oder zu Twitter im Besonderen und bringt pros und cons in die Erklärungen, dann hören sie nur das Negative. Will man ihrer negativen Grundhaltung etwas entgegensetzen und erzählt von den tollen Seiten, dann ist man einseitig.
Aber sich darüber aufregen, dass die Impfgegner ja nur in ihrer vorgefassten Meinung verharren und keinem vernünftigen Argument zugänglich sind, einem sogar irgendwie gar nicht zuhören – das geht dann doch.

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