21.6.2022 – Smalltown Snapshot

Gestern hatte ich noch Rechnungen geschrieben und weil ich manchmal gerne altmodisch bin, schreibe ich die auf ein Stück Papier und schicke sie in einem Briefumschlag auf die Reise zur Kundin.
Genau diese Briefumschläge hatte ich aber dummerweise nicht neugekauft, als ich vor ein paar Wochen den letzten aus der Schachtel nahm und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

9:05 Uhr: Ich packte also die gefalteten Rechnungen sowie meinen Vorrat an 80er- und den an 5er-Marken ein und fuhr runter in den Supermarkt. Irgendwo hinten im Hirn waren dort Bilder von einem Gang mit Papier-Zeugs gespeichert – noch nie benutzt, aber bestimmt genau, was ich wollte. Parkplatz, Maske, Laden betreten, den Gang suchen, Geburtstagskarten, nein, Kommunionskarten, auch nein, Beileidskarten, nein, ups, Gang zu Ende. Echt nicht?, nochmal langsam drumrum, nochmal auf der anderen Seite geguckt, nee Staubsaugerbeutel auch nicht, Lego auch nicht. Hm.

9:10 Uhr: Parkplatz verlassen, den knappen Kilometer zum Innenstadt-Parkplatz gefahren, da ist doch die Papeterie. Parkapp auf, 15 Minuten Parken kaufen, rein in die Innenstadt. Ach guck, die Papeterie macht erst um zehn auf.

9:15 Uhr: Resigniert. Die Innenstadt verlassen, die drei Kilometer den Berg hoch gefahren. In dem einen Stadtteil war doch die Postfiliale jetzt doch wieder geöffnet. Ich lerne: Ja richtig, die Postfiliale ist prinzipiell wieder geöffnet, aber nachdem sie vorher ein Post- und ein Lottoschalter in einem kleinen Ladengeschäft war, wo man wenigstens noch ein paar artverwandte Dinge bekam, ist sie jetzt mit der neuen Besitzerin umgezogen in den türkischen Delikatess-Supermarkt (dass der sich noch hält?!) direkt daneben. Und jetzt nur noch ein Post- und Lotto-Schalter in der Ecke. Naja und sowieso nur von 11:00 bis 14:00 Uhr geöffnet.

Aber Köfte hätte ich bekommen.

9:22 Uhr: Vollkommen resigniert und raus auf die Ausfallstraße. Im Vorort gibt es eine Postfiliale mit dem Angebot was man so erwartet, Parkplätzen vor der Tür, freundlicher Bedienung, echten Öffnungszeiten und 4,9 Bewertungspunkten bei Google.

9:32 Uhr: Vor der Tür parken, Maske, Laden betreten, freundlich gegrüßt werden, Briefumschläge greifen, drei Worte belanglosen aber netten Schnack hin und her, zahlen, raus ins Auto, Rechnungen eintüten und bekleben, raus aus dem Auto, Briefe einwerfen, den Oberchecker aus dem Jugendtreff damals treffen, der mich nicht erkennt und in sein Toastbrothandy gerade Oberchecker-Sätze brüllt, lachen, den Oberchecker überlegen sehen, ob es schon spät genug ist, jemandem (mir) aufs Maul zu hauen, noch mehr lachend rein ins Auto und nach Hause.
5 Punkte, jederzeit gerne wieder.

9:48 Uhr: Zu Hause ankommen, mich fragen, warum ich nicht gleich in den Vorort gefahren bin und beschlossen, das alles heute zu verbloggen – weil Sie sich bestimmt alle fragen, warum man hier ein Auto braucht. Mit dem ÖPNV hätte das übrigens zwei Stunden gedauert.

Der Rest war Code-Flöz. (Schön da)

Satz des Tages:Feminismus wird man nicht los, in dem man ihn bekämpft, Feminismus wird man los, in dem man Sexismus bekämpft.

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20.6.2022 – the rhythm has control

Dummerweise erst um halb zwei müde genug zum Schlafen geworden, aber immerhin liefen ein paar echt schöne Folgen Forged In Fire und das kann ich mir problemlos ein paar Stunden hintereinander ansehen.
Ebenso dummerweise wussten die Vögel vorm Fenster nichts von dieser Verschiebung der Schlafenszeit nach hinten und begannen sehr pünktlich, sich draußen vorm Fenster gegenseitig die Träume der letzten Nacht zu erzählen. Naja, soll ich ihnen vorwerfen, wenn sie ihre Jobs pünktlich erledigen?
Additionally exakt genauso dummerweise hatte jemand der Liebsten eine Besprechung in die nullte Stunde gelegt und sie musste noch eher gehen als sonst – und naja, dann war ich halt wach.

Am Schreibtisch das Chaos der letzten Woche nachsortiert und dann kann ich morgen wieder in den Flöz, in dem ich eigentlich vorher war, abbiegen. Da wars auch viel netter.
Das Systemhaus versaut halt weiter, was es kann (und es kann eine Menge) aber die gefühlte Verantwortung dafür ist von meinem Tisch runter. Die beiden Firmen, denen einfiel, dass sie ja nicht mehr eine sind und die deswegen schnellstmöglich die Website geändert haben mussten, weil ihnen sonst die Kammer aufs Dach und die Kunden an die falsche Adresse kommen, sind auch versorgt. Also: Es sei denn, das Systemhaus versucht weiter, seine Antipathie* gegen mich durch Nichterbringung der Arbeit zum Ausdruck zu bringen – aber auch das ist nicht mehr in meiner Verantwortung.

*) Ich lese ja manchmal gerne in Mails von Kundinnen auch die Teile, die weiter unten stehen (aka.: „Vorheriger Schriftverkehr“) und darum habe ich zwei Dinge gelernt: a) Sie mögen mich nicht und b) ich schreibe Schlechtes über andere Dienstleister nicht in Mails. ¯\_(ツ)_/¯

Dann ein Zoom mit einer happy Kundin, das war schön. Überraschenderweise – story of my life – kommt sie jetzt nicht mit den Texten und Fotos weiter und der Launch verschiebt sich.
Kurz im Rathaus angerufen und bemerkt: Manchmal ist es doch nicht so doof, in der Kleinstadt zu leben. Auf jeden Fall telefoniert es sich deutlich besser mit einem Abteilungsleiter, wenn man schon vor fünfundzwanzig Jahren mit ihm feiern war und Getränke und Liebeskummer-Gespräche teilte.
In der Sache trotzdem nicht so sehr weiter gekommen, denn meine Erfahrung, dass Kommunen zwar sehr gerne ihren untergeordneten Einrichtungen sagen, wie sie sich zu verhalten haben aber beim Thema Datenschutz empört rufen, sie seien nicht zuständig, wie man denn auf die Idee käme? – die Erfahrung wurde wieder mal bestätigt.

(zusammenhangsloses Bild vom Wochenende)

Ein Anruf eines wildfremden Menschen, der gerne möchte, dass ich etwas auf der Website einer Kundin ändere. Das passiert gelegentlich und ich finde das immer ganz interessant: Denken Menschen wirklich, dass ich auf Zuruf Daten in der öffentlichen Darstellung einer Kundin ändere, nur weil mich jemand anruft und sagt: „Ich bin die und die und bitte ändern Sie doch bitte folgendes bei dem und dem!“ Wieso rufen sie mich an und nicht die Kundin?

Mittags kurz eine Telko, auf die ich vorher mit deutlich freudiger Spannung geblickt hatte. Da winkte – ich hatte es schon erwähnt – eine Chance am Horizont und mein Gefühl hatte gesagt, dass ich evtl. Menschen in die richtigen Bahnen stupsen könnte. Jedoch: Manche Menschen möchten aber gerne nicht gestupst werden und manche Menschen möchte man vielleicht bei näherer Betrachtung auch nicht stupsen. Kommt beides zusammen, ist ja alles bestens.

Dann nochmal telefoniert, ich musste wem sagen, dass der gestiegene Umfang seines Projektes sich auch im Preis widerspiegeln wird und das mach ich gerne im direkten Gespräch. Und weil er ein guter ist, war das natürlich gar kein Problem, sondern schon vorher klar und ich freue mich immer noch sehr auf dieses Projekt, was mich da in der nächsten Zeit begleiten wird.

Spaß am späten Nachmittag: Eine Mail ans Systemhaus kam zurück. Mein Ansprechpartner arbeitet wohl nicht mehr da. Ich lachte.

Uff. Genug für heute.
Ich freue mich sehr, morgen wieder in den gewohnten Codeflöz abzubiegen.

Und sonst? Herzlichen Glückwunsch, Twitter, da hast Du wieder ganze Arbeit geleistet. Zum einen literweise Häme gegen jemanden ausgeschüttet, der sich nicht so verhalten mag, wie Du es magst. Sind das eigentlich die gleichen Menschen, die sonst von fehlender Fehlerkultur schwadronieren?
Und zusätzlich das Video, über das sich alle aufregen auch noch mit dem Hashtag #meltdown belegt; ein Begriff der Reaktion eines Menschen aus dem Autismus-Spektrum bezeichnet und nun mit dem Schimpfen eines Menschen, den man doof findet, belegt ist.
Toll gemacht, Twitter, ehrlich #slowclap.

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19.6.2022 – more time

Ich bräuchte bitte etwas mehr Zeit. Wie schon seit Wochen arbeite ich immer noch auf einer Taktzahl, die ich vor wenigen Monaten noch für nicht möglich gehalten hätte – und es ist weiterhin super! Ich plumpse morgens früh an den Schreibtisch und abends irgendwann die Treppe wieder runter und bin dabei deutlich weniger erschöpft als ich je dachte, es sein zu müssen. Das ist neu, das ist erstaunlich, ich frage mich, woher es kommt (ok, an der vollkommenen Umstellung meiner Ernährungsgewohnheiten vielleicht?) und ich beobachte es noch mit einem gewissen Misstrauen.
Dummerweise – Sie erinnern sich vielleicht, dass ich Anfang des Jahres noch befürchtet hatte, es würde irgendwann der Tag kommen, an dem alle wannabe-Kundinnen gleichzeitig zu Kundinnen werden wollten? – kam der Moment und deswegen ist es gerade so wie es ist. Aber die Zeit reicht nicht. Letzte Woche zum Beispiel brannte es bei einer Kundin (es waren Systemhäuser und – für die Fachmenschen unter Ihnen – ein Server mit PHP 5.6 beteiligt) und ich musste aus dem einen Flow raus- und in den anderen reinspringen und natürlich ist es gut, wenn das klappt, aber auch nur für die Stelle an der es brennt und nicht für alle anderen.

Ich bräuchte also bitte gerne etwas mehr Zeit. Bloggen würde ich zum Beispiel eigentlich auch wieder mal mehr. Oder so einen Tag am Strand genießen, ohne dabei zu wissen, dass zu Hause dabei was liegen bleibt. Oder mal wieder ein Wochenende? Eigentlich wollte ich auch in naher Zeit mal ein paar Tage das Büro zumachen.

Ich könnte dann vielleicht auch mehr über das Systemhaus erzählen; das ist ganz amüsant. Oder wenigstens in Ansätzen über die spannende berufliche Chance, die sich da am Horizont zeigt; das ist spannend. Oder wenigstens darüber, wie schwer es ist, eine vernünftige Kopfbedeckung zu finden, wenn man sich nicht die Glatze verbrennen will; das ist erstaunlich.

Etwas mehr Zeit also bitte gerne. Danke. Aber schön war es in Zandvoort, da am Donnerstag, jaja.

11.6.2022 – no business as ususal

Nein, heute war kein Tag im Codeflöz. Beziehungsweise nur von sieben bis zehn, dann war die Liebste auch aufgestanden und dann haben wir überlegt, was der Tag so bringen sollte – und wir waren uns einig, es müsse bitte ein guter werden nach all dem Stress.

Es wurde ein guter.
Wir umrundeten den See, wir frühstückten, wir machten eine kurze Mittagspause, wir nahmen uns jede einen Teil der anstehenden Einkaufsaufgaben und wir bauten die Bank, die jetzt auf der Terrasse steht endlich zu Ende.

Auf dem Bild – eigentlich nur zu Fortschrittsdokuzwecken gemaht – steht sie da etwas trostlos, aber ich bin sicher, wenn sie nochmal geschliffen und lasiert ist und ein paar hübsche Kissen auf sich hat und der Tisch davor steht, dann wird das sehr sehr hübsch.

Und dann haben wir uns vor einen Restaurationsbetrieb im Städtchen gesetzt und zu Abend gegessen. Wie so Menschen, die ein Leben haben und das war ein ganz hervorragender Tag.

Jetzt gucken wir 20 years weiter – voll der Hoffnung, noch etwas zu verstehen. Wir sind nämlich sicher, dass das eine ziemlich gut Serie ist und wir bloss nicht genug aufpassen, weil wir zum Beispiel nebenher noch bloggen. Ups.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

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