24.5.2024 – Luft nach oben

Durchweg schlechte Laune hier. Noch gestern Abend stieß ich das erste mal auf „das Sylt-Video“, was mir da schon gehörig die Laune verhagelte.
Erinnerungen: Am allerersten 3.10. Ende der 80er stand ich selbst in einer Gruppe, die auf einem Parkplatz in London (Studienfahrt) nachts um 12 die Wiedervereinigung mit viel Dosenbier und dem Absingen aller drei Strophen unseres schönen Deutschland-Liedes beging, manchen Arm reckte und sich dabei verstohlen stolz ob der ach so gelungenen Provokation umschaute – und dadurch die Gruppe gründlich in zwei Teile spaltete. Sie fanden es arg übertrieben, dass wir sie „Drecksfaschos“ nannten, es war doch alles nur ein Spaß gewesen und man wird doch mal stolz auf das Land sein dürfen. Und wir fanden sie halt einfach Scheiße.
Und ich lernte etwas, was jetzt seit über 30 Jahren meine feste Überzeugung ist: Der liberale Tortenguß, der hier im Land Rassismus, Überlegenheitshybris und latente Faschismustendenzen vor den Augen verbirgt ist sehr, sehr dünn.
Nein, dass nach 30 Jahren in denen mich alle da übertrieben fanden, langsam Zustimmung und manche Entschuldigung kommt – das macht die Sache nicht besser.

Ich re-postete das Video bei IG und sammelte heute Morgen die Reaktionen. Und musste im Laufe des Vormittags feststellen, dass mir die Kraft für die Varianz der Reaktionen ausging. Von der krasslinken Punkfrau mit der ich in knappen Worten die nicht-Überraschung teilen konnte bis zu denjenigen, denen jetzt endlich durch dieses Video ein Licht aufging, dass nicht nur „Glatzen im Osten“ Faschos sein können und die fanden, dass „man da aber doch mal was tun müsse?!!“ und von mir jetzt lernen wollten, was und wie – ich schaffte die Niveau-Sprünge in den Unterhaltungen nicht mehr.

Dann noch ein langes Telefonat mit wem, bei dem es gerade ziemlich gut läuft und das kratzte arg am nach-schon-wieder-einer-Woche-krank arg labilen Selbstbild, dazu draußen Regen, latentes Kopfweh und die Fahrt zum Konzert von Julie musste ich dann aus Vernunftgründen auch absagen.

Durchweg schlechte Laune hier.

23.5.2024 – Warten aufs DHL-kind

Gestern Abend noch bei Apple einen 4K-Apple TV bestellt und mich damit theoretisch heute ans Haus gefesselt; praktisch aber hatte ich um zehn einen Termin bei der besten Physio ergattert und der hatte Priorität.
Sogar gleich einen Doppeltermin hatte sie und danach war ich vollkommen gebügelt – dafür war der Schankschwindel quasi weg. Nächste Woche nochmal, yay.

Danach nur noch Couch und Wärmekissen, denn sie hatte angekündigt, dass mein Nacken das alles eventuell etwas übel genommen haben könnte. Aber ich soll mich ja eh schonen, da passt das ja ganz gut.

Das Päckchen kam dann auch brav danach und meine neue-Gadget-Freude war hoch.

Zwischendurch hin und wieder ein paar Minuten an den Rechner, wenn mir noch Detail-Ideen für mein kleines House-Cover von vorvorgestern einfielen. Von der Idee zu einer echt gut hörbaren Version in drei Tagen, das ist ein krasser Schnitt und fast alles, was es noch zu tun gibt ist: Die original Künstlerin fragen, ob sie die Idee eigentlich ok findet. Da hab ich mich wohl etwas selbst überholt.

Today I learned: Ich kann mich noch so sehr über neue Netzwerkgeschwindigkeiten und auch über neue, aufregende 4k-Hardware freuen, aber: Die Filme und Serien in der Hardware ändern sich dadurch gar nicht wirklich, sie sehen nur teilweise besser aus. Manchmal bin ich ja echt höchstens untermittelklug.

22.5.2024 – Status und andere Fragmente

Weiterhin kein Lager- aber weiterhin mal etwas mehr, mal etwas weniger Schwankschwindel. Frau Doktor meinte, da hätte ich sehr vorbildlich richtig reagiert – Wissen aus dem Internet ist also nicht immer schlecht, egal, von wem es kommt – und solle mich schonen, trinken, wandern. Was ich tue.
Außerdem fand sie diesmal meine Idee gut, sich vielleicht mal alles, was im letzten Jahr so in meiner rechten Kopfhälfte passiert ist im Zusammenhang anzusehen. Morgen Physio – bei meinem verspannten Nacken immer gut –, ein paar Mal Akkupunktur und eine Überweisung zum Neurologen. Find ich gut, das alles.

Dann folgte gestern Abend noch eine vollkommen problemlose Zahnbehandlung (ich wiederhole mich: Wenn Sie da auch so Probleme haben sind kräftige Scheißegal-Tabletten und Lachgas eine phantastische Kombi) und in Folge der ganzen Chemie im Stoffwechsel ab halb neun bis heute um sieben geschlafen wie ein Stein.

Heute hatte sich der LAN-via-Koaxial-Kabel-Mann angekündigt und so wenig Lust ich hatte, so wenig wollte ich auch schon wieder absagen. Daher:

Haben Sie Internet via Anntenenkabel denn umgesetzt? Falls ja, wie sind Ihre Erfahrungen damit? Falls nein, gab es da technische Gründe, weswegen nicht?

aus dem Fragen-doc

Er hat dann heute eine Splitter-Dose in die Wand montiert, zwei Giga Copper 4201 – Kistchen angeschlossen und seitdem läuft alles ziemlich prima. Um meine Freude über diese 58% (siehe Bild) einzuschätzen sei gesagt: stabile 290Mbit/s sind mir viel, viel, viel lieber als die instabilen 28MBit/s, die ich vorher hatte.

Messe ich per WLAN irgendwo im Haus sind’s 470; messe ich am LAN-Kabel direkt hinter der FritzBox, sind es 565 MBit/s, also quasi das doppelte. Oder anders: Wir vermuten, dass jetzt die halbe Leistung im Wohnzimmer ankommt, weil die Leitung ja jetzt geteilt wird. Passt schon.
Mir reicht das grüne Häkchen bei 4k Ultra HD vollkommen und wenn ich unbedingt aufrüsten will: Vodafone bietet mir eh dauernd eine 1000er-Leitung an. Und vielleicht ist dann jetzt ein Apple TV 4k fällig.

Im weiteren Verlauf des Tages dann brav geschont; ein bisschen Musik, zwei Runden um den Teich und ein Bami Goreng waren nicht unbeteiligt.

Und in meinem Instagram kommt jemand aus Aarhus wieder und überlegt noch im Zug, wann sie wieder hinfährt. Und die Sehnsucht zerreisst mir das Herz.

Vi ses!

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

20.5.2024 – Beifangtag

In den letzten 24h kein neuer starker Schwindel; ich werte das als vorsichtig positives Zeichen. Trotzdem gedämpfte Stimmung – ein vorsichtiger Abgleich mit der Liebsten bestätigte, dass wir uns beide für die Pfingstfeiertage irgendwas mit Sonne vorgestellt hatten.
Daher nicht viel erlebt: Viel Couch und viel im Homestudio, nachdem ich erfahren hatte, dass in irgendeinem Sub-Menu Logic jetzt Stimmen aus Songs extrahieren kann. Ich krieg ja hier nix mit.

Nachdem die Liebste von der Probe kam, fuhren wir runter in die Stadt (Kirmes, Sie erinnern sich?), ich erschrak angemessen über die Menge an Menschen, sie holte zwei Schokobananen und wir fuhren hoch zum Teich. Der Plan war, einmal drumrum zu gehen, aber mitten auf dem Weg stand Familie Gans, graste am Wegesrand und fauchte alle an, die vorbei wollten. Also blieben wir freundlich lächelnd stehen. Familie Gans belohnte das nach ein paar Minuten mit großem Vertrauen: Erst durften die Küken bis auf Griffweite an uns heran, ohne das jemand fauchen musste und dann sammelten sich alle und wir durften durch.
Ich kann echt gut mit Tieren these days.

Zeugs

Ich bring das Thema mal mit der Tür ins Haus: Sie werden wahnsinnig ob der Tatsache, dass unser Planet an beiden Seiten lichterloh brennt und erwachsene Menschen in verantwortungsvollen Posten immer noch ungestraft sagen könne, dass sie das ja alles nicht so dringend finden? Ach guck, dann sind wir im selben Boot.
Falls Sie diesen Zustand irgendwie in den kommenden EU-Wahlen abbilden möchten, dann können Sie jetzt Dank des WWF in 5 Übersichten nachsehen

… welche der demokratischen* politischen Parteien in den letzten fünf Jahren verlässliche Befürworter:innen des Klimaschutzes, der Naturwiederherstellung und des Umweltschutzes waren und welche Parteien gebremst haben

WWF:
Parteien-Ranking des EU-Parlaments

Ich hatte ja immer wieder mal mal über die lustige Mercator-Projektion gesprochen, trotzdem mochte ich diese Animation sehr. Launige Bemerkung: Quasi alle Länder, die sich unfassbar wichtig finden sind deutlich kleiner als sie auf der üblichen Karte wirken. Ein Schelm …


Sie haben dieses Meme mitbekommen, nachdem Frauen lieber einem Bär als einem Mann im Wald treffen wollen würden? Der wie immer kluge Jens Scholz erklärt das geniale an dieser Geschichte und wie man das auch für andere Themen nutzen könnte:

Das wirklich geschickte an der Man vs Bear Story ist, dass sie die Reaktionen der damit kritisierten Männer als wichtigen Teil der Kommunikation nutzt. Dadurch dass die sich lautstark mit misogynen, toxischen, irrationalen Kommentaren und Hass- und Gewaltphantasien melden, erbringen sie den Beweis für die These

Jens Scholz auf Mastodon:
Das wirklich geschickte an der Man vs Bear Story …

Sie haben das vermutlich schon einmal mitbekommen: Ich halte nicht besonders viel von der inflationären Benutzung des Wortes „triggern“ und den allgegenwärtigen Triggerwarnungen im Alltag. Kurz gesagt zum einen nicht, weil ich finde, dass es die Emotionen der Menschen, die wirklich von etwas getriggert werden, herunter spielt und auch, weil ich ein vages Gefühl habe, dass Triggerwarnungen nicht im Ansatz dass bringen, was sie angeblich tun sollen.
Jetzt bin ich ja nun – und das wollen weder Sie noch ich je vergessen – nur ein random dude aus dem Internet und da bin ich immer froh, wenn Fachleute über ein Thema sprechen, wozu in mir so ein vages Gefühl wabert. Auch wenn meine diesbezüglichen Erfahrungen auf vielen, vielen Sitzungen bei der Seelenmassage beruhen und für mich sehr erfolgreich waren sind und bleiben sie ja nun anekdotisch.

Frau Wild-Lüffe, was halten Sie von der zunehmenden Verwendung des Wortes „triggern“ in der Alltagssprache?
Nicht viel.
Können Sie das begründen?
Das ist ein Modebegriff. Triggern macht sowas Passives. „Ich kann nicht anders. Es triggert mich halt.“ Man könnte genauso sagen: „Ich muss gerade daran denken, dass …“ Dann hat man mehr Verantwortung.

Was verstehen Sie genau unter einem Trigger?
Ein Trigger hat eine Art Echo-Funktion und erinnert mich an zum Beispiel Schlechtes – oder auch Gutes! Ich nehme immer nur das als Trigger wahr, was für mich eine Bedeutung hat.
Ein Trigger kann an etwas Gutes erinnern?
Korrekt. Ich trinke jetzt einen Apfelsaft und dann denke ich: „Ach, der Geschmack, der erinnert mich an das Meer in Holland, beim Sonnenuntergang. Das war schön!“ Auch das ist ein Trigger.

Wenn die Person vor dem Kinobesuch in einer Triggerwarnung sieht, dass es diese Szenen gibt, kann sie sich aber vorher dagegen entscheiden, den Film zu schauen. Was ist an solchen Warnungen falsch?
Es ist nicht falsch, aber meines Erachtens sinnlos. Trauma heißt: Ich habe keine Kontrolle und es verletzt mich. Aber das Ziel ist es, wieder die Verantwortung für die eigenen inneren und äußeren Reaktionen übernehmen.
Wie meinen sie das?
Ich halte es für wichtig, als Betroffene nicht in der Opferposition zu bleiben. Sondern aus dem Trauma der traumatischen Erfahrung etwas Neues zu machen, wobei ich das Gefühl habe: „Und ich kann heute für mich sorgen!“
[…]
Das ist das Beste, was man überhaupt haben kann. Dann sind sie, sagte man früher, ein weiser Mensch geworden. Der weiß, wovon er redet. Dann haben Sie wirklich Dreck am Finger und etwas Grausames erlebt. Und trotzdem sind Sie menschlich geblieben. So bekommen Trigger eine andere Bedeutung.

(alle) Martin Gommel im Interview mit Psychotherapeutin Ingrid Wild-Lüffe auf krautreporter.de:
Interview: „Reden über Traumata hilft oft nicht“

(Als Mitglied darf ich diesen Artikel für Sie teilen, was ich ein sehr cooles Modell finde)

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19.5.2024 – next level

Hurra, ein neues Feature frei geschaltet:
Seit ca. viertel nach sechs, als ich davon aufwachte, dass das Bett unter mir wegdrehte habe ich dann wohl das neue Level Lagerungsschwindel zur Verfügung. Den Rest des Tages stocksteif auf der Couch gesessen und darauf gewartet, dass nichts passierte – wie man das halt als erwachsener Mensch so macht.

(Ja, ich kenn die Übungen, die man dann macht; danke)

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