8.11.2018

Das Schöne an einer Zusammenarbeit mit Amerika ist, dass man nachts Mails bekommt. Das schöne an Schlafproblemen ist, dass man die Mails auch nachts direkt liest.
Irgendwo im letzten Absatz hat sich eventuell eine Portion Sarkasmus versteckt.
Auf jeden Fall starte ich in Tag zwei des „mal eben“-Seitenumzugs.

Das ist für Sie langweilig und deswegen kurz was anderes: Angeblich von den Ureinwohnern Amerikas gibt es doch sinngemäß so einen Satz wie „Urteile nicht über den anderen, bevor Du nicht einen Tag in seinen Mokassins gelaufen bist
Kennen wir *gähn* alle und gerade auf Twitter merkt man ja auch, dass das alle immer beherzigen. Ups, schon wieder Sarkasmus.

Aber im Ernst: Manchmal kann man sich halt schlecht in andere hineindenken, da braucht es einen kleinen Stupser mehr. Meermond, die vor ein paar Jahren nach Dänemark gezogen ist, schreibt über so einen Moment. Kann man sich gut mal nebenbei durchlesen:

Ich schlendere durch eine denkmalgeschützte Innenstadt. Ich entdecke einen neuen Laden. Ein weiterer „Türke“ hat aufgemacht. Warum gibt es bloß so viele Läden bei „uns“, in denen türkische Waren angeboten werden?

Meermond: Ausländer sein – Dinge, die mich mein Umzug nach Dänemark gelehrt hat

Kurzer Nachtrag zu unseren Überlegungen über kulturelle Unterschiede gestern: Die Liebste und ich schauten gestern Abend noch eine Folge Modern Family und mitten drin bekam ich einen heftigen Lachflash, während sie mich nur verständnislos anschaute. Da war die kulturelle Verständnisgrenze nicht eine sprachliche, sondern eine subkulturelle; der Witz war wohl eher für Nerds geschrieben und selbst als ich ihn erklärte kam nicht viel mehr als ein gegrinstes „Ach so“ – weit entfernt von meinem Lachflash.
Ach ja, der Witz ging sinngemäß: „Schicks mir doch per E-Mail, ich habe auch eine Adresse: jayscomputermail@aol.com.“ Und? Lustig?
Funktioniert hier wahrscheinlich wieder nicht, weil man Jay kennen muss.
Es ist kompliziert.

Den letzten Satz – ach und überhaupt die Quintessenz der beiden letzten Absätze – sollte man vielleicht immer im Hinterkopf haben wenn man kommuniziert. Oder mindestens: Es ist immer komplizierter als man denkt.

Mittags auf facebook eine Metadiskussion (mit)verschuldet. Ich hab letztens schon erwähnt, wie sehr mich das ermüdet, wenn ein Posting oder Artikel dazu führt, dass jedes Detail in allen Facetten durchgekaut wird, wie unhöflich ich es sogar finde. (Vermutlich habe ich dabei sogar jemanden verprellt.)
Aber manchmal passiert es wohl trotzdem – man holt vielleicht etwas aus, weil man ein gewisses Fachwissen mitbringt, jemand anderes dockt an, jemand drittes mokiert eine schlechte Formulierung, formuliert aber selber in der aktuellen Erregung uneindeutig, jemand viertes findet die Formuierung gar nicht schlimm, während Nr 3 bei Nr 4 nachfragen muss, worüber man gerade eigentlich spricht, während noch jemand anderes noch einfällt, wie das in China ist.
Es ist kompliziert und wenn mir so etwas passiert, tut es mir sehr leid. Vor allem, weil die wenigsten Postings in Sozialen Netzen oder Blogs ja aus Lust an der Metadiskussion entsehen, sondern meist ja aus einem persönlichen Impuls, vielleicht sogar einer Betroffenheit heraus.
Von daher: Weist mich bitte darauf hin, wenn ich abgleite. We’re all just human. Und ohne Fehler – und ohne dass wir sie erkennen – gibts kein Wachstum.

Apropos „Wachstum“ – auch ich hier spreche ja gelegentlich von den weißen alten Männern um eine bestimmte Struktur sprachlich vereinfacht darzustellen. Mancher mag das nicht, mancher fühlt sich da angegriffen oder auch diskriminiert. Falls Sie jetzt mancher sind und wachsen möchten, wenn Sie interessiert sind an Verbesserung, dann empfehle ich Ihnen diesen Text hier in dem sehr sauber herausgearbeitet ist, warum das keine Diskriminierung ist:

Natürlich steht und fällt diese These mit der Frage, wie man Diskriminierung definiert. Wenn man jede persönliche Ablehnung oder auch nur Benennung von gesellschaftlichen Gruppen als Diskriminierung sieht, okay. Dann können auch Weiße und Männer diskriminiert werden. Wenn man aber Diskriminierung als einen Mechanismus versteht, der unterdrückte Gruppen oder Minderheiten von gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung fernhält, dann ist das eine Erfahrung, die Weiße und Männer als solche in dieser Welt nicht machen können. Es kann Vorurteile gegen sie geben, es kann Gewalt, Mobbing, unfaires Verhalten geben, oder Witze über sie, aber keine Diskriminierung.

Spiegel online, Margarete Stokowski: Warum es keinen Sexismus gegen Männer oder Rassismus gegen Weiße gibt

Wenn Sie hingegen lieber herumstänkern möchten, dann empfehle ich Ihnen einen Gang in den nächsten Wald; sicher findet sich da ein Baum, der sich das gern anhört.

Sie finden Tagebuchbloggen der alten Schule gut?
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7.11.2018 – mal eben

Ich kenne die Software, mit der ich arbeite. Also mein Grafikprogramm, meinen Code-Editor und so weiter. Was ich nicht kenne, ist die Software, auf die ich stoße wenn ich Websites erstelle. Also z.B. die Server, auf denen ein Kunde seine letzte Website hatte – und wo auch die neue hin soll, weil es schwer ist, zu erklären, warum sie oder er wechseln sollte.

Was das mit Tagebuchbloggen zu tun hat? Das ist einfach: Heute morgen so gegen viertel nach sieben war ich am Schreibtisch. Gestern Abend hatte ich für beide Websites, die ich Euch schon angekündigt hatte das „Go!“ bekommen.

Ziehe ich eine Website von meinem Server zu einem mir bekannten anderen Webhoster um, dauert so ein Umzug in der Regel zwischen zwanzig und vierzig Minuten. Also mach ich das doch mal eben, dachte ich mir.

Während ich diese Zeilen tippe ist es 15:50 Uhr, eine der beiden Sites ist online und um die andere ans Laufen zu bekommen hänge ich seit diversen Stunden in einem amerikanischen Support-Chat. Um die Relationen klar zu kriegen: Die erste Site war auch schon um viertel nach neun online – das hat nur so „lange“ gedauert, weil der Support bei dem Hoster erst um neun erreichbar war. Dann zwei Klicks und dem Upload zugucken.
Den Rest der Zeit hat Site Nummer zwei in Anspruch genommen. Sieben Stunden.

Und deswegen, liebe Kunden steht in meinem Angebot, dass ich mir vorbehalte den Aufwand, den ein Umzug zu einem mir unbekannten Webhoster verursacht nach Aufwand abzurechnen.

Kommen wir aber zu den schönen Dingen: Der Polo ist endlich online (also seit heute so gegen halb zehn). Polo ist ein Cartoonist, Zeichner, Maler,  … – Künstler eben und vermutlich sind Sie auch schon mal auf eine seiner Zeichnungen gestoßen – mir kam einiges bekannt vor. Und: Ich hatte echt viel Spaß beim Arbeiten – so hinterher, als die Inhalte kamen.
Also, guckense ruhig mal beim Polo vorbei; das Konzept und das Design hat der Peter Neuhaus gemacht und ich hab das CMS angepasst und die Umsetzung gemacht. www.polo-cartoon.de

Naja, und damit war der Tag dann auch irgendwie schon rum.

Falls Sie jetzt überhaupt keinen Schimmer haben, wovon ich spreche: Ich bin Webdesigner und -entwickler und falls Sie mal so jemanden brauchen, weil Ihr Blog schöner werden soll oder Ihre Firma eine neue Website braucht oder auch Ihre Band oder Ihr Hamsterzuchtverein – dann kommen Sie doch gern vorbei.

Peter und ich sprachen übrigens im Nachklang noch über unsere Erfahrungen mit dem amerikanischen Support – und schnell dann darüber dass uns bei aller Globalisierung, bei aller Internationalität in Job und Entertainment vermutlich immer noch eine Menge Zwischentöne fehlen. Spreche ich mit einem deutschen Support schaffe ich es meist innerhalb der ersten zwei Sätze klarzumachen, auf welchem technischen Niveau wir sprechen können – also dass zum Beispiel niemand sagen muss: „Öffnen Sie mal Ihren Browser, das ist das Ding mit dem »e«“ Das klappte heute nicht. Ob es an den prozessual festgelegte Strukturen des Gegenübers lag oder daran, dass ich den Zwischenton nicht traf – wer weiß?
Und auch bei Fernsehserien – wer weiß was wir alles dann doch verpassen? Würde der Amerikaner begreifen, wenn jemand sagt: „Der kommt aus Ostfriesland“ – begreifen wir im Gegensatz die Konnotation, wenn jemand erzählt, sie sei in Nebraska aufgewachsen?
Wir werden es nie erfahren.

6.11.2018

Manchmal gibt es Tage, an denen alle Projekte liegen. Beim Kunden zum Beispiel, der noch etwas entscheiden, schreiben oder fotografieren (lassen) muss.

Solche Tage kann man nutzen, um mal fix zum Elektroladen zu fahren. Wenn man nämlich noch eine Lampe für das Nähzimmer der Liebsten braucht und da nicht auf schnöde Gekauftes zurückgreifen möchte. Dann freut man sich, wenn man was gutes findet und freut sich noch mehr, wenn der Verkäufer einem noch etwas besseres empfiehlt, was nur gerade nicht auf Lager ist aber problemlos bestellt und sogar bis zu Dir nach Hause geliefert werden kann.

Hättet Ihr mir nicht sagen können, dass die eine Seite des Dortmunder Rings gerade Baustelle und deswegen nur einspurig ist? Das hätte mir eine halbe Stunde gespart. Kinder, Kinder, das Internet ist keine Einbahnstraße, ein bisschen Mitarbeit muss schon sein.

Wieder zu Hause: Gefrühstückt und ein halbes Stündchen des fehlenden Nachtschlafes nachgeholt. Wenn man Projekte beim Kunden liegen hat und sich ein halbes Stündchen hinlegt kann man sicher sein, dass in der halben Stunde jemand anruft.

Also ein bisschen an den Schreibtisch und was erledigt; dann rief die Liebste an und brachte ein frühes Abendessen in der Stadt ins Spiel. Dienstags ist schließlich Burgertag.
Wenn man Projekte beim Kunden liegen hat und nachmittags Burger essen geht kann an sicher sein, dass in der halben Stunde jemand anruft.

Aber dann ist der Tag ja auch irgendwie vorbei und man kann sich morgen wieder an den Schreibtisch setzen. Mal sehen, wer gleich noch anruft.

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5.11.2018 – #wmdedgt

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

Kaum ist man mal vier Tage nicht am Schreibtisch, wackeln überall die Säulen, auf denen die Erde steht. Mindestens, denn die erste wichtig-wichtig-wichtig-Mail hatte ich schon gestern Abend um zehn vor elf bekommen. Aber der Reihe nach …

Nachdem ich gegen vier schon ein Stündchen nur noch im Halbschlaf, halb Terra-X-guckend verbracht hatte und geschworen hätte, nicht wieder einschlafen zu können, weckte mich die Liebste um halb acht als sie das Haus verließ mitten aus einem Albtraum mit dem toten Katz. So erschrocken wie ich war fiel mir nichts besseres ein, als direkt an den Schreibtisch zu gehen.

Die wichtige Mail, von der ich gestern Abend nur den Absender gesehen hatte enthielt nur die Ankündigung eines Anrufs. Äh ja.
Der kam dann aber auch um viertel vor acht. Man diktierte mir eine E-Mail, die ich bitte an den gemeinsamen Dienstleister schicken sollte, damit „der Tonfall stimme“. Auf meine Frage, warum sie die Mail nicht selber schreibe, sagte sie tatsächlich „Weil … äh“ und beendete das Gespräch.
Da denkste, da haste nach 20 Jahren schon alles erlebt und dann sowas am Montagmorgen.

Rückenaufkleber auf den Buchhaltungsordner geklebt und zum Steuerberater gebracht. Hurra, noch voll *hust* in der Frist.
Auf dem Weg versucht, eine Kiste Wasser zu kaufen. Nach 10 Minuten Stau auf dem Weg zum Supermarktparkplatz aufgegeben. Stau um fünf nach acht??

Ein paar Stunden lang Kleinkram erledigt. Also: Kleinkram as in: Hier kommen Mails nicht an und der Support des Hosters äußert sich eher krytisch; da kommt eine Mail an, soll es aber gar nicht; dort hat facebook eine Benachrichtigung hingeschickt, die man nicht versteht – und da sollen ein paar Bilder verfremdet werden und das bedarf einer Nachfrage, denn: Es ist ein bisschen offen, wie „verfremdet“, aber ich habe eine Idee und find das schön und freu mich drauf.

Pia bei der Live-Übertragung auf Instagram zugehört, um zu erfahren, wie der Stand der Dinge ist. Gelernt, dass es Menschen gibt, die eine Spende an Bedingungen knüpfen  möchten. Aber auch mal wieder erfahren, dass „das Internet“ einfach helfen kann, wenn es nötig ist. Zweiteres finde ich schöner.

Fotolia gehört jetzt Adobe. Das entnahm ich wenigstens einer freundlichen Mail, die mich bat mein Konto zu übertragen. Die Übertragung ging super einfach – das ist nicht so selbstverständlich; seit Skype zum Beispiel zu Microsoft gehört habe ich zwei Microsoft-Konten, weil … – ach, ich schweife ab.
Aber ich überlege: Fotolia war für viele ja die erste Wahl für kostenlose Bilder, Adobe hingegen für viele das personifizierte Böse. Das wird bestimmt noch spannend.

Hey, eine Mail von nebenan.de. Wir verkaufen im Moment ein bischen Zeug und ich dachte: „Hey, gib der Plattform noch eine Chance, setz die Sachen da auch rein.“ Und wirklich: Gestern Abend reingesetzt, heute schon eine Mail, dass es eine Antwort auf die beiden angebotenen Jeans (ungetragen wegen geschmacklicher Verwirrung; man kann’s ja mal probieren) gibt.
Die Antwort lautet: „Leider nicht meine Größe.“

Ich lass das mal einfach so stehen.

Als die Liebste nach Hause kam eine gemeinsame Kaffeepause eingeschoben. Luxus-Bausteinchen der Selbstständigkeit – man muss sie nehmen wenn sie kommen.

Dann wieder Schreibtisch. Gedanken sortieren für eine Social Media-Policy für jemanden, der meint, das er keine braucht. Und für einen neuen Job der jetzt beginnt.

Ich fürchte, dieser Tag ist nicht besonders interessant zu lesen, denn da war viel unspannender Schreibtisch-Kram dabei. Aber so ist es eben – ich programmiere weder jeden Tag das neue facebook noch habe ich jeden Tag die irrsten Projekte aus aller Welt. Also: Ich habe natürlich die tollsten Kunden – und das meine ich viel ernster als es jetzt hier klingt – aber manchmal brauchen eben auch die nur eine neue E-Mail-Umleitung und das ist dann nur so mittelunterhaltsam zu lesen.
Aber ich spoilere mal, denn vermutlich noch im Laufe dieser Woche gehen zwei tolle Websites den Schritt in die Öffentlichkeit: Das eine ist ein – wie ich finde – wunderschönes Charity-Projekt und das andere die wirklich unterhaltsame Website eines deutschen Cartoonisten. An beiden durfte ich mitarbeiten und beide haben sehr viel Spaß gemacht.
Bleiben Sie also dran, ich zähl’ auf Sie.

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