18.6.2024 – needles, no pins

Glaubte ich an die Macht des Vollmonds, dann wäre gerade Vollmond. Gestern Nacht erst gegen vier ins Bett, diesmal immerhin schon um eins – das Ergebnis bleibt das gleiche, nämlich eine arge Entrüstung, wenn der Wecker geht die Liebste hereinkommt, um sich zu verabschieden.
Ist gerade Vollmond? Ist egal:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Ich empfehle den ganzen Kanal eh sehr. Launig gemacht, schnell, lehrreich und witzig.

Erster Termin des Tages: Frau Doktor wollte gern ein paar Nadeln in mich hineinstechen. „Ach guck, nicht an den Vollmond glauben, aber an Akupunktur?“, höre ich sie fragen. Ja, sage ich.
Dass es zudem noch einfach sehr entspannend ist, eine halbe Stunde quasi erzwungenermaßen zu ruhen, nachdem sich jemand liebevoll zugewandt um Sie gekümmert hat, das nehme ich auch gern mit.

Als ich die Qualität der angestellten Entspannungsmusik etwas anzweifelte, machte sie die prompt aus, kramte ihr Handy raus und spielte mir vor, was sie im Moment mit Ihrer Band aufnimmt. Das war a) auch in meiner Welt sehr entspannend und b) schätze ich sie für genau diese drei Minuten extra Zeit sehr.

Gemeinsam rumgespottet, wie eine Ärztin, die wir beide von früher als Patientin kannten, immer so viele Nadeln in uns hinein donnerte, dass niemand mehr wusste, wie viele es waren. Man fand dann zu Hause spätestens beim Ausziehen immer noch mindestens drei vergessene Nadeln; die Liebste nannte dieses Konzept liebevoll: „Die wirft drei Hand voll auf Dich drauf und was stecken bleibt, steckt richtig
Frau Doktor heute ließ die leeren Nadel-Verpackungen offen neben mir liegen und die MFA konnte zum Herausziehen einfach abzählen – ich muss gestehen, das fand ich eine überzeugende Idee.

Auf dem Rückweg im Supermarkt beim Chocomel-Kauf-Stop Szenen einer Ehe, live aus 1957:

Ein Paar an der Kasse vor mir, er hat vier Kisten Bier im Wagen, sie den Tageseinkauf. Sie spricht mit ihm, er antwortet „jo“, „näh“ oder „häh?“
Sie zahlen getrennt, sie hat die Geldbörse offen in der Hand als sie dran ist, er muss erst in drei Taschen kramen und zählt dann erst mühsam nach, bevor er dann doch mit Karte zahlt.
Er „geht schon mal raus“, während sie zahlt.

Ich kann den Tonfall genau hören, mit dem sie zu Hause sagte „Hömma, Dein Bier kannste selbst schleppen, wenn Du unbedingt die halbe Nachbarschaft zum Gucken einlädst“ und er genervt aufstöhnte.

Am Schreibtisch den Erfolg einer SEO-Kampagne kontrolliert und gefreut. Wir hatten zusätzlich zum sonstigen Katalog-Charakter der Website noch einen Fachartikel eingebunden und Google findet den drei Wochen nach Veröffentlichung gut genug, um ihn als „hervorgehobenes Snippet“ zu der zu Grunde liegenden Fragestellung einzublenden. Nicht nur da wir gerade an weiteren Fachartikeln arbeiten, freut das sehr.

Screenshot der Google-Suche: Zur Frage der Vor- und Nachteile von Bierzeltgarnituren im Vergleich zum Produkt meines Kunden zitiert Google einen Abschnitt aus der Website des Kunden.

(Sehen Sie? Sobald ich mal rauskomme, passiert auch was zum Bloggen)
Vi ses.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

17.6.2024 – the day after

Ebenso vollkommen zufällig wie extrem passend geriet ich gestern noch in eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit des alt-Textes auf Bluesky und konnte gleich mal erleben, mit welchen Bandagen dort inzwischen gekämpft wird.
Und konnte live beobachten, dass der Tonfall der „Befürworter“ (das Wort klingt so harmlos) so krass war, dass ich vollkommen nachvollziehen kann, wie sich jemand aus Trotz oder Abscheu vor diesem Tonfall gegen die Sache entscheidet.
Zwischendurch fragte ich mich, ob jemand, der einen fehlenden alt-Text gleichsetzt mit einer Körperverletzung eines behinderten Menschen und daraus ableitet, das Beschimpfungen und Doxing eine angemessener Reaktion sind, überhaupt noch darüber nachddenkt, was er erreichen will: Ob es ihm noch um alt-Texte geht oder ums Rechthaben und um Macht.

Einschub: Ich sah mal eine TV-Doku über eine damals wirklich heftig große Geschichte, die auch offline-Folgen für jemanden hatte. Der Shitstorm wurde damals nachweislich maßgeblich von einer einzelnen Frau orchestriert, die im Interview offen sagte, dass es ihr egal war, ob diejenige schuldig war, ihr auch egal war, was das Gerichtsverfahren ergeben hatte (es war eingestellt worden) – sie wollte die entsprechende Person fertig machen, denn sie war sich sicher zu wissen, „wie es wirklich war“.

Blicke ich darauf, dass der Sippenhaft-Effekt für diese Menschen so weit geht, dass zB auch ein Arbeitgeber geshitstormt wird, wenn er jemanden, der den Gruppenhass gerade abbekommt nicht schnell genug entlässt. Mir macht das Angst.

Nun denn. Ich hatte wirklich vergessen, wie krass Diskussionen über aktuelle Säue im Dorf geführt werden und es starb heute wieder ein Stückchen meines Internet-Enthusiasmus.

Darüber hinaus kann ich heute absurdes von der Ärztekammer erzählen, die mich tatsächlich viermal an jemand anderes verwies, bis sich meine Gesprächspartnerin zuständig fühlte. Ich darf aber jetzt meine Patientenakte anfordern, nachdem mein HNO – Sie erinnern sich? Ich stand ein paar mal vor verschlossener Tür? – seine Praxis endgültig einfach ohne jede Abwicklung nicht mehr öffnete.
Viel besser aber: Ich kann auch berichten, dass ein Anruf bei der 116 117 mir tatsächlich einen Termin beim Neurologen schon am Donnerstag brachte. Schön, wenn so etwas funktioniert.

Nachmittags fuhren die Liebste und ich in den präferierten Klamottenladen und ich bin jedesmal begeistert, dass es da wirklich einen Laden gibt, der alles so richtig macht, dass er sogar mich anzieht und ich dort lieber als online kaufe.
Vi ses.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

16.6.2024 – das Märchen vom alt-Text

(Nachträglich eingefügte Vorbemerkung: Als ich diesen Text schrieb, hatte ich nicht im Blick, WIE grabenkampfig dieser Grabenkampf aktuell geführt wird. Ich schreibe hier weder pro noch Kontra alt-Text, sondern denke darüber nach, warum aus so einem Thema so ein Grabenkampf entstehen kann, warum der so eskaliert und ob wir alle daraus lernen können. Ich habe eine ironische Textform dafür gewählt und vielleicht war das unklug, vielleicht war das auch nur heute unklug – da müssen wir jetzt alle durch.)

Es war einmal das kleine Land Twitteristan, das leider erst von Barbaren überrannt und dann von einem bösen König übernommen wurde. Die guten Leute dort hatten schon beim verzweifelten Kampf gegen die Barbaren gemerkt, dass nicht jeder ihre guten Werte vertrat. Sie hatten sich dort zum Beispiel über Feminismus oder im Kampf gegen Rassismus und Ableismus ausgetauscht, aber den Barbaren war all das egal gewesen. Die braven Urbewohner hatten sich in Diskussion und Gegenrede, in Blockmarathon und Faktenweitwurf geübt – aber erst wurde die Situation immer hoffnungsloser und dann kam ja auch noch der böse König.

Zum Glück für die braven Bürger hatten ein paar mutige Entdecker und Erfinder schon neue Länder Mastodistan und Blueskydistan und so zog man dorthin um. Die mutige Vorhut hatte dort jeweils schon das Land bestellt und sich Mühe gegeben, dass Pöbelbarbaren und doofe Könige dort keine Chance haben würde; sie hatten technische Fallen aufgestellt und sich klügere Regeln gegeben, um dort ein für alle besseres Leben führen zu können.

Aber ach, aber ach, mindestens eine dieser Regeln passte den braven Bürgern von Twitteristan so überhaupt nicht. Gerne wollten sie wie immer schon gegen Misogynie und Rassisten, gegen Ableisten und die Vertreter der „es gibt nur Mann und Frau und nur die sollen sich lieben“-Fraktion kämpfen – aber nun hatten die Entdecker der neuen Länder auch gedacht, man solle doch auch für Menschen, die nicht gut sehen können, etwas tun.

Und die Vorhut hatte sich das nicht nur gedacht, sie erinnerte auch daran: Genau wie damals, als alle sich zusammen noch in Diskussion und Gegenrede, in Blockmarathon und Faktenweitwurf geübt hatten, forderten sie jetzt von den nachziehenden Siedlern diese Hilfe für schlecht sehende Menschen – immer wieder und vielleicht auch immer vehementer. Alles wie schon immer, denn als sie alle noch in Twitteristan lebten, da nannten man so ein Verhalten „Ally sein für benachteiligte Gruppen“ und alle braven Bürger fanden es gut.

Natürlich hätte man denken können, dass die im Kampf für das Gute erfahrenen Twitteristaner sofort den Nutzen einsehen und die neue Idee begeistert annehmen würden, aber – und jetzt beginnt der Teil, den ich nur vermuten kann – vielleicht ging es denen gar nicht um das Gute, sondern nur um das Gute, was ihnen genehm war. Denn der Kampf um ein kleines bisschen erklärenden Text – eben den sog. Alt-Text – den man Bildern hinzufügen kann um sie auch für sehbehinderte Menschen nutzbar zu machen, hat sich zu einem Grabenkampf entwickelt, in dem durchaus vernünftige Menschen erklären, sie hätten „diese Alt-Text-Nazis satt und würden das Netzwerk jetzt sofort verlassen“. Oder stolz vermelden, dass sie „keinen Alt-Text geschrieben haben, nicht schreiben und niemals schreiben werden und für sie die Diskussion beendet ist“ – im gleichen trotzig stolzen Tonfall, wie Söder ruft, dass er niemals gendern wird.

Will ich wohlwollend auf diese Absurdität blicken, dann könnte man aus überraschter Erfahrung am eigenen Leib lernen. Lernen, dass diese Form des Ally-seins, diese im social Web so beliebten „Du machst das falsch“-Kommentare sich vielleicht richtig doof anfühlen, wenn man sie bekommt, statt sie zu schreiben. Dass sie sogar Trotz hervorrufen.
Und daraus könnte man dann sogar lernen, dass diese Gegenrede vielleicht auch nicht gut ist, wenn man sie selbst anderen in die Replies wirft, weil sie halt nur Trotz hervorruft.

Blicke ich weniger wohlwollend darauf, dann sehe ich, dass Menschen zwar voll gerne Ally sind, aber nur für Themen, die ihnen genehm sind. Bei Themen, die sie langweilig und uninspirierend finden – oder die keinen Ruhm versprechen? – dann eben nicht und das wäre in meinen Augen bigotte Scheiße.

Ich weiß nicht, wie ich darauf gucken soll.


Ach ja, richtig: #tagebuchbloggen.
Wir waren heute in Venlo, ich habe einen neuen Lieblingsplattenladen und es war ein sehr, sehr schöner Tag.

Entschuldigung, das musste raus.
Vi ses.


Fußnote: Ich bin selbst der schlechteste alt-Text-Schreiber der Welt. a) ist das kein Argument gegen alt-Texte und b) geht es in meinem kleinen Rant nicht darum, ob man alt-Texte schreiben sollte oder nicht. Wenn Sie das so verstanden haben, lesen Sie’s vielleicht nochmal?

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

15.6.2024 – wie wir mal im Museum waren

Long time no see, my little blog; long time no see auch Sie, liebe Leserinnen. Die internationale Blog-Konvention verbietet ja übrigens bereits seit 2007 solche Einleitungssätze in denen man darauf anspielt, wie lang man nichts mehr geschrieben hat – aber ich war ja schon vor 2007 schon da und was kümmert mich diese Konvention? Als die aufkam, war mein erstes Blog schon aus dem Kindergarten raus.

Es ist nun einfach so, dass hier nichts passiert. Auch beim Tagebuchbloggen – gern als banal bezeichnet – finde ich für mich ja: die Dinge über die ich schreibe, sollten in einem größeren Zusammenhang stehen und ehrlich gesagt ist hier in den letzten Tagen weder größeres noch irgendein Zusammenhang passiert. Das Weltgeschehen ist zu groß, der Alltag zu klein – ich meine: Ich hab am Schreibtisch ein mittelschöne Site eins zu eins nachgebaut, die jemand bei wix gebaut hatte. Mit einigem, was der Baukasten hergab, dafür mit etwas weniger Ahnung von Layout-Grundsätzen oder Typographie oder Usability und was soll ich denn bitte darüber ein paar Tage lang erzählen, während draußen die Welt brennt?

Heute waren wir aber dann mal draußen. Aus Gründen gab es ein bisschen Kaff-Eskapismus zu begehen und ich erinnerte mich, dass in Dortmund das Museum am Ostwall vor 14 Jahren ins Dortmunder U umgezogen war und es deswegen langsam mal Zeit wäre, die neuen Örtlichkeiten zu begucken.
Es war … interessant.
Zuerst mal hatten wir natürlich erstmal vollkommen übersehen, dass heute in Dortmund eines dieser EM-Fußballspiele statt findet und die Stadt ein bisschen nervös flirrte. Am U begrüßten uns zwei freundliche junge Männer mit „Love“ & „Hate“-Tattoo auf dem Fingern und wollten erstmal Taschenkontrolle machen, bevor wir das Haus betreten durften. Wie fast immer hatten diese Jungs deutlich zu wenig Humor und fast ebenso gute Kommunikations-Qualitäten und so waren wir schon kurz irritiert, bevor wir drin waren. Der Bau machte bei mir spontan sehr gute 8 von 10 Punkten auf der Dänemark-Vibes-Skala, dann aber kam die B-Note und … ach naja.

  • Hallo, zwei Erwachsene bitte
  • Wohin wollen die zwei Erwachsenen denn?
  • Ich bin gar nicht vorbereitet, was können wir denn aktuell bei Ihnen sehen?
  • Also es gibt die ständige Ausstellung …
  • auf jeden Fall!
  • … und die Dachterrasse …
  • Auch die, natürlich!
  • … und dann haben wir mehrere Cafés …
  • … äh? Ja, klar, die auch!
  • … und die Sonderausstellung.
  • Ah, was gibts da zu sehen?
  • Das lesen Sie am besten da hinten.
  • Äh ok. Ach, wir wollen überall rein.
  • Ja, das ist alles umsonst, bis auf die Sonderausstellung.
  • Ach so? Ach fein. Dann also einmal die Sonderausstellung für zwei Erwachsene.
  • Die müssten Sie dann bitte im sechten Stock direkt zahlen, denn unsere Kasse ist kaputt.

Na gut, die Pointe nach dem Dialog kam unerwartet. Wir dackelten los.

Das Haus ist wirklich toll, aber schlecht ausgeschildert, genauer: es ist ok ausgeschildert aber wie immer wenn Architekten etwas geplant haben und nach zehn Jahre nicht mehr so jede darauf achtet, dann stehen auf einmal Schilder vor den Schildern und dann findet man nix mehr. Im gleichen Haus befinden sich eine Abteilung der TU sowie etwas , was sich „Institutionen“ nennt und ich konnte mir nur vorstellen, dass dort wegen des generischen, langweiligen Namens nie jemand hin geht und sich dort heimlich der Eingang zu Dortmunder Dependance der Men In Black befindet.
Oder dass das Gesamtkonzept etwas verkopft ist – ich komme auf diesen Gedanken zurück. Die Rolltreppen waren größtenteils heute kaputt – eine stoppte sogar mit uns mitten drauf! – und das Museum ist im vierten und fünften Stock. Eingang aber nur im fünften, wie wir dann zum Glück im Aufzug erfuhren.

Am Eingang des Museums saßen drei Menschen quatschend hinterm Tresen und sprangen auf, als wir reinkamen – sprangen so erwischt auf, dass ich lachen musste und jetzt Großes erwartete. Nein. Nichts großes, nicht mal ein echtes „Hallo“.

Die Ausstellung. Auf den ersten Blick erstmal super, im ersten Blick viel Objekte im Raum, viel Kunst im Alltäglichen, Stühle, Lampen, Teppich – das mochte ich gern. Wir unterhielten uns über darüber, wie faszinierend es ist, wenn Kunst irgendwann einmal so gestaltet wurde, dass sie vom Betrachtenden angefasst, benutzt, umgestaltet werden sollte – und heute, trotz der deutlichen Aufforderung, sich darauf zu setzen, damit zu spielen, damit whatever zu tun niemand mehr traut, weil drumherum so eine Museums-Atmosphäre ist und die „Benutz mich!“-Beschilderung ad absurdum führt.

Ich muss, bevor ich weiter schreibe, erwähnen, dass ich gut kuratierte und erklärte Kunst mag. Ich mag gern mal lesen und ich mag sehr, wenn mich ein thematischer Faden durch ein Museum oder wenigstens durch eine Abteilung führt – und dieser Faden fehlte mir zunächst.
Hier ein bisschen Fluxus, da ein paar Expressionisten in Petersburger Hängung, dann eine Wand mit „naiver“ Kunst gegenüber, dann ein Raum mit Fotos aus dem Archiv und von anderen Arbeitsplätzen der Museums-Menschen – und dazwischen immer wieder Skulpturen oder Fluxus-Dinger. Und immer wieder Texte darüber, wie das Museum gerade versucht, das alles im Jahr 2024 unter zu bringen und sich selbst dort zu verorten. Wie sie gerade versuchen, den eurozentrierten, männlich weißen Kunstbegriff zu erweitern. Welche Worte sie gerade aus ihren Texten löschen und warum. Dass man jetzt trotzdem etwas sieht, was zumindest diskutabel ist.
Diese Auseinandersetzung fand ich gut und spannend und auf einmal überkam mich das Gefühl, dass diese Auseinandersetzung der rote Faden war. Ein Schelm, wer „Museums-zentriert statt eurozentriert“ sagt, aber Kunst ist ja auch Entwicklung und Transparenz find ich eh immer gut.
Dummerweise wollte ich heute Bilder gucken und war etwas enttäuscht. Und während ich noch überlegte, ob ich das als Ansatz richtig verstand, ob daher mein Gefühl von „alles zu viel, alles zu dicht, alles zu ungeordnet“ kam, betraten wir einen Raum, in dem viele PostIts an der Wand hingen. In den letzten Wochen hatte das Museum vor allem Jugendgruppen gefragt, wie sie die Texte, wie sie die Schilder, wie sie die Erklärungen gefunden hatten. Und da hingen also etwa 300 Zettelchen auf denen grob zusammen gefasst hauptsächlich „was für Schilder?“, „zu klein“ und „zu unverständlich“ stand. Und natürlich mittendrin ein Zettelchen mit Lehrerinnenhandschrift, die das „unvergleichliche Kunst-Erlebnis“ lobte.
Und ich dachte: Ich bin ein alter weißer Mann der gern und halbwegs oft ins Museum geht und „Dinger“ statt „Objekte“ sagt – ich darf hier halb enttäuscht raus gehen. Kein Problem.
Aber dieser Raum war ein deutlicher Hinweis darauf, dass das aktuelle Konzept für die, die Kunst noch lernen können, nicht so richtig gut funktioniert.
Wir wollten dann auch ein Zettelchen schreiben, aber die Box war leer und dann mussten wir sehr lachen und sind gegangen.

Als wir in der Tiefgarage zahlen wollten, stand eine Frau mit laufendem Motor direkt vor dem Automaten. Wann hat das eigentlich aufgehört, dass man den Motor ausmacht, wenn man aus dem Auto aussteigt?

Jetzt Fußball. Fußball ohne Frau Mellcolm auf Twitter ist auch höchstens halb so schön.

Danke fürs Teilhaben und Dabei-sein. Wenn Sie wollen:
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen,
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist. Sie finden dort formschöne und Freude-spendende Geschenke für wenige oder auch sehr viele Euro.

9.6.2024

Aufgestanden, das Privileg, wählen zu dürfen ausgelebt, ein Kreuzchen für Demokratie in die Urne geworfen. Zum Kaffee, ein par Schritten in hübscher Atmosphäre und ein bisschen pseudo-mexikanischem Essen an den Hafen in Münster gefahren.

Nach der Heimkehr ins Bett und einen zu langen Nachmittagsschlaf gefallen, kaum wieder hoch gekommen. Aber dann das Haus nochmal für ein Eis verlassen.
Von der Nachbarstochter mit Straßenmalkreide die Einfahrt mit Herzchen vollgemalt bekommen – Herzchenaugen gekriegt.

Ab halb sechs den Fernseher angemacht, zur ersten Hochrechnung gedacht: „Fast Rekord-Wahbeteiligung – gut. 85% der Stimmen für die Demokratie – gut.“ Dann aber nach den ersten zwei Minuten Politiker-Geseiere  – die CDU feierte den Untergang der AFD?? – den Raum verlassen müssen.

Eine Verabredung mit Herzensmenschen eingestielt – vorsichtige Vorfreude.

Ein bisschen Housemusik – oder was ich dafür halte – gemacht.

Das wars – und das war bis auf die Ereignisse um 18:02 Uhr schon schön.
Schwindel-Status: None.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

Die Website setzt 1 notwendiges Cookie. Ich nutze Matomo, um zu sehen, welche Artikel Sie interessieren. Matomo ist lokal installiert es werden keine Cookies gesetzt, so dass Sie dort vollkommen anonym bleiben. Externe Dienste werden erst auf Ihre Anforderung genutzt.