7.6.2020 – Bloggen auf Bestellung

Ich hatte da einige Anfragen und arbeite die mal ab. Erwarten Sie also bitte krasse Themensprünge.

Gestern Abend erzählte ich auf Twitter eine kleine Anekdote über meine kleine Stadt …

… und wurde aufgefordert, darüber mehr zu erzählen.

Ich muss vorwegschicken: Meine kleine Stadt ist nicht immer besonders innovativ und manchmal etwas eigenartig. Und macht die Dinge gerne betont anders als die anderen. Ich erinnere mich zB gerne an die Landesgartenschau im Nachbarstädtchen, zu der mir ein Ratsmitglied erklärte, damit wolle man nichts zu tun haben (die anderen Städte im Umkreis richteten extra Buslinien und koordinierte Gastgeberverzeichnisse ein und erfreuten sich an den Touristen)
Oder die Initiative für (sic!) die Autobahn, die das Stadtgebiet zerschneiden soll.
Oder die Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die mir im Jahr 2019 eine Mail schickt und dafür wirbt, dass ich in ihrem leerstehenden Gewerbezentrum einziehen soll – man habe da nämlich eine Sekretärin, einen Farbkopierer und auch einen Internetzugang.

Naja.

Pfingsten ist auf jeden Fall immer Kirmes und diese Kirmes ist schon recht groß und bekannt – und außerdem kommen zu Pfingsten immer alle wieder heim ins Städtchen, denn auch die Ehemaligentreffen der Schulen sind zu Pfingsten und Dienstags abends betrinkt man sich am KJG-Stand, manchmal spielt da auch eine Coverband und um zwanzig nach zehn ist das jährliche Feuerwerk und überhaupt ist die Kirmes wichtig.
Sogar einen echten Skandal hatten wir mal, als die Frau, die die Standplätze auf der Kirmes vergab, den Schaustellern im Nebenerwerb Reinungsmittel verkaufte und einige Schausteller gegenüber der Lokalzeitung meinten, sie sähen sich unter Druck, jetzt dort ihre Putzmittel zu kaufen. Das Verfahren wurde aber eingestellt.
Ich find die Kirmes super.

Tja, und dieses Jahr nun Kirmes und Corona. Watt nu?

Verkehrsprobleme hin, Klimawandel her: Die Stadt war findig und erinnerte sich, dass man ja schließlich beim Mäcces auch in-driven durfte und ersann eine Drive-In-Kirmes. Quasi ein Fahrgeschäft, haha.
Wir haben also einen Platz voll mit Fressbuden, die an Auto-breiten Gassen stehen und an denen man sich seine gebrannten Mandeln für den Zucker- und die Schokobananen für den Vitamin-Haushalt abholen kann. Und dann aber nicht im Umkreis von 50m verzehren darf.
Vermutlich dachten sie dabei mehr an die Schausteller als an die mögliche Außenwirkung in Fragen des Klimawandels und nur weil Greta Thunberg auf die Frage „Was muss sich denn ändern?“ mit „Alles“ antwortete, kann man ja schließlich nicht auf alle Rücksicht nehmen und bis das Meer bis ins Sauerland gestiegen ist, vergeht ja auch noch viel Zeit.
Hauptsache Alessio gehts gut die Leute haben Spass.

Wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen, dann lässt sich das Problem unserer Zeit kaum schöner illustrieren.


Vor einiger Zeit hatte ich erwähnt, dass ich mir ein Buch über Fotografie gekauft hatte und darin quasi meiner persönliche Erleuchtung gefunden hatte. Und wollte darüber noch berichten, wenn meine Begisterung mehr als drei Tage anhalten sollte.
Erstens hält sie und zweitens wurde ich heute morgen freundlich erinnert – also los:

Hier muss ich vorausschicken: Ähnlich wie meine Stadt bin ich kein Bär von besonders großem Verstand. Ich fotografiere ja schon länger mit einem gewissen eigenen Anspruch an mich selbst und habe ja sogar irgendwann dafür ein Fotoblog eingerichtet.
Gucke ich mir Bilder anderer Fotografen an, dann mag ich zum einen gute Portraits und zu anderen „Bilder auf denen wenig drauf ist“. Ich habe das irgendwie auch immer wieder mal versucht, manchmal auch mit Ergebnissen, die ich dann schon auch mochte. Aber was mir immer fehlte, das war die Heransgehensweise – also zB die Frage: Warum will ich das jetzt hier fotografieren, warum soll da sonst nix drauf sein auf dem Bild?
Und vor allem: Wie kann ich das reproduzieren?
Irgendwann beim Stöbern beim bösen großen A fiel mir ein Buch namens „Minimalistische Fotografie“ auf und ich packte es auf meine Wishlist. Und dann, im April, hatte ich Lust mir was zu gönnen und ich kaufte es.
Bang. In dem Buch fand ich die Antworten auf meine Fragen. In dem Buch steht, mit was für einer Haltung man zu minimalistischen Fotos kommen kann. Was für Fragen an mich selbst sinnvoll sind, wenn ich mich einem Motiv nähere. Wie ich Motive erkennen kann. Weil ich jetzt eine Haltung dazu habe bekomme.
Ich liebe das Buch dafür und mag auch durchaus jetzt schon, was dabei rauskommt. Und freue mich wie bekloppt drauf, daran weiter zu feilen.

Ach ja, Tagebuch: Nothing special. Viel zu früh aufgewacht, weit rausgefahren und in die Gegend und in den Sonnenaufgang geguckt. Zusammen gefrühstückt, dann beide irgendwie Kleinkram gerödelt, nachmittags unsere nach Jörgs Vorbild* begonnene James Bond-Reihe fortgesetzt, dabei von einem akuten Schlafanfall unterbrochen worden, abends weiter geguckt.

*) Wir haben allerdings nicht sein Trinkspiel übernommen und trinken nicht jedesmal was, wenn wir auf eine sexistische Situation vom Kaliber „Puh“ stoßen.

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