20.12.2018 – Own your data

(irgendwas mit echt richtig lang geschlafen)

Einen Baum geholt. Mal sehen, wie ich es dieses Jahr aushalte ihn aufzustellen und zu schmücken und ob ich wieder vor der geistigen Auge habe, wie das Katz früher misstrauisch von der Treppe aus zusah. Sylvia schrieb vor zwei Wochen …

Sagt man nicht immer, es wird leichter? Ich glaube langsam, dass das Bullshit ist. Es kommt zwar seltener vor, dass der Schmerz unerwartet aus dem Nichts einreitet, aber er ist noch genauso roh, drängend und scharf. Vielleicht liegt das daran, dass die Liebe nicht weniger wird, nur weil ein bisschen Zeit vergeht.

… und das bringt es auf den berühmten Punkt. Also abgesehen davon, dass Baum-schmücken etwas ist, wo der Schmerz nicht unerwartet kommen wird.

Kaffee mit einem Freund getrunken. Ferien sind super. Wir sprachen – wenn wir mal die zwei Stunden mal destillieren – viel über die Kontrolle über das eigene Leben. Darüber, dass zu reflektieren was uns geschicht, nur der erste Schritt sein kann. Ein wichtiger erster Schritt, keine Frage – aber zu viele bleiben da stehen.
Will ich auch Kontrolle haben, muss ich erst verstehen, was passiert – und dann aber auch beginnen, es zu gestalten. Ideen haben, wie es weiter gehen soll, was weiter so bleiben oder was anders werden soll. Und das in machbaren Schritten, denn z.B. ein Schritt wie „nächstes Jahr habe ich das Buch geschrieben“ ist etwas groß. Recherchiert man aber verschiedene Schritte auf dem Weg dahin, bleiben die Einzelschritte überschaubarer und: Anpackbarer.
Das passt ganz gut ans Ende eines und an den Anfang eines neuen Jahres.
Ich muss da noch weiter drüber nachdenken.

Offensichtlich grassiert das Gerücht, dass man wegen der DSGVO jetzt externe Links einzeln kennzeichnen muss. Rein soziologisch betrachtet finde ich es ja höchst interessant, wenn aus Halbwissen und Hysterie solche Memes entstehen. Unter allen anderen Gesichtspunkten eher spooky. Aber wer erinnert sich nicht an die berühmten Zeilen …

Mit dem Urteil vom 12. September 1998 – 312 0 58/98 – „Haftung für Links“ hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dieses kann – so das Landgericht – nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten der von mir verlinkten Seiten.

Wer sich nicht erinnert: Hier steht mehr dazu. Auch, was für ein Unsinn das war.

… und wie sie jahrelang das Netz schmückten. Das war doch das Gleiche. Persönliche Erfahrungen zeigen: Auch als Berater ist man da hilflos.

Im letzten Weihnachtsurlaub schaute ich auf mein altes Blog und dachte „Nee“ und schloss es. Die Zeit, in der andere zurückschauen und viel essen scheint also bei mir eine für Entscheidungen zu sein.
Gestern Abend habe ich also begonnen, meine Facebook-History zu löschen. Facebook ist eh nicht mehr was es einmal war … – nein stop, das ist nicht richtig. Richtig ist: Facebook war und ist eine Maschine um Marc Zuckerbergs Reichtum zu mehren, das hat sich nicht geändert. Aber der Nutzen, den ich persönlich aus Facebook ziehe, der ist nicht mehr was er mal war.
Ganz da weg will ich (noch?) nicht, aber warum da meine letzten 10 Jahre öffentlich zugänglich sein sollten, das erschlosss ich mir bei einem kritischen Blick nicht mehr so ganz.
Mit der Chrome-Erweiterung Social Book Post Manager kann man also recht einfach alte Beiträge löschen: Einfach ein Jahr – wenn gewünscht auch einen speziellen Monat – auswählen, und löschen. (Oder die Privatsphäre ändern, un-liken, wenn man das lieber möchte).
Bei mir reichte ein Durchlauf pro Jahr nicht aus, aber was gibts schöneres, als in den Weihnachtsferien ein Script wieder und wieder zur Arbeit zu schicken?
Für den Fall, dass ich wirklich dringend mal nachsehen möchte, was ich im Juli 2011 bei facebook getan habe, habe ich mir eh schon letztens mal das Archiv runter geladen. Ich denke aber, dass sich dieses Interesse bei Null einpendeln wird.

Und was ist mit Twitter? Da bin ich gerade auf www.tweetdelete.net gestoßen. Hat da jemand Erfahrung mit?
Meine Tweets liegen übrigens alle eh auch außerhalb von Twitter auch noch in einer zweiten Datenbank – aber diese Datenbank gehört eben mir. Da könnte ich sie auf Twitter ja auch mal löschen.
Wer selbst basteln möchte: Tweetnest sichert mir die Tweets da rein.

Passt auch schön hier dazu und enthält die Antwort auf die Frage, warum ich denn keinen Echo oder einen anderen „Assistenten“ hier stehen habe und nie stehen haben werde: (c’t) Amazon gibt intime Alexa-Sprachdateien preis. Durch einen Fehler von Amazon.de fielen rund 1700 Alexa-Sprachaufzeichnungen in die Hände eines Unbefugten. Mein Lieblingssatz steht am Ende: „[Der] betroffene Echo-Nutzer […] erhielt nach eigenem Bekunden als Entschädigung eine kostenlose Prime-Mitgliedschaft sowie – zwei weitere Echo-Lautsprecher.“

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5 Kommentare

  1. Ich nutze Cardigan: https://www.gocardigan.com/ und finde es ganz fabelhaft. Man kann entweder kostenlos die letzten 3200 Tweets löschen, und zwar entweder alle auf einen Rutsch oder aber anklicken, welche weg müssen. Dasselbe funktioniert auch mit likes (sehr praktisch, wenn man seine likes in erster Linie als Bookmarks nutzt). Alternativ kann man auch sein zuvor bei Twitter heruntergeladenes Archiv bei Cardigan hochladen, eine kleine Summe bezahlen, ich glaube, es waren 3 oder 5 Dollar (weil Cardigan die Twitter API-Nutzung dafür selbst auch Geld kostet) und das Gesamtarchiv auf einen Rutsch oder eben auch wieder einzeln händisch löschen, auch die älteren Tweets vor der magischen 3200-Grenze.
    Während der Löschung kann man noch sortieren von alt nach neu oder umgekehrt oder aber nach Keywords suchen oder aber nur Retweets oder nur Replies löschen. Insgesamt ein super Tool.

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