9.9.2018

Einblick von außen. Schon seit längerem liebe ich es, Bücher, Blogs, Berichte, Artikel von Menschen zu lesen, die einen Blick von außen auf Deutschland werfen. Egal, ob Vlogs von AuPairs, Blogs von Expats in Deutschland, internationalen Journalisten in Berlin oder was auch immer.
Gerade stieß ich auf einen Blogartikel von Konstatin Binder, der lange in England gelebt hat und – vor dem Brexit geflüchtet – jetzt seit einem Jahr wieder hier ist.

Wir haben wieder mal Glück gehabt, sehr viel Glück. Vielleicht liegt all das auch ein ganz kleines bisschen an der Einstellung, die man an den Tag legt. Etwas Bescheidenheit ab und zu und viel ehrliche Dankbarkeit, das kann nicht schaden. Hallo Deutschland, vielen Dank, wir wissen das zu schätzen.

Konstantin Binder: Ein Jahr zurück in Deutschland

Stimmung heute eher: eingeigelt.
(s.a. Igel, Winterschlaf, Couch, Nutellatoast, Bingewatchen)

Aber nutzen wir doch diese Stimmung für ein kleines Experiment. Sind wir bereit uns selbst zu begegnen, vielleicht sogar unsere eigenen Vorurteilen? Ich weiß, wir wollen eigentlich keine Vorurteile haben. Aber wer kennt sich selbst schon komplett?
Wollen wir also nicht mal testen, ob bestimmte Begriffe bei uns sofort Assoziationen auslösen, ohne dass wir allzu viel Einfluss darauf haben? Es bleibt auch unter uns, versprochen.
Ich versuche es mal mit einer kleinen Geschichte aus meiner Jugend:

Zu Beginn muss ich kurz erwähnen, dass ich erst mit 6 Jahren nach Deutschland gekommen bin; ich war gerade noch jung genug, um direkt hier auf eine deutsche Grundschule zu kommen. In dem Dorf, in das wir gezogen waren gab es keine eigene Grundschule und so musste ich mit einem Bus jeden Morgen in die nächste Kleinstadt fahren. Für meine Mitschüler war ich spannend – fast alle anderen kamen aus der Kleinstadt und schon nur wenige aus den Dörfern drumherum.
Ihr habt ein Bild?

Verändert sich das Bild, wenn ich ergänze, dass wir aus Belgien nach Deutschland gekommen waren? Oder ist es der öffentlichen Debatte gelungen die wenigen Sätze, die ich schrieb mit „Migrationshintergrund“, mit „Gastarbeitern“ oder sogar mit Fluchterfahrungen zu füllen?
Verändert sich das Bild noch einmal, wenn ich weiter erzähle, dass ich in Deutschland geboren bin und mein Vater als Offizier der Bundeswehr für einen dreijährigen Aufenthalt in Belgien stationiert war? Dass ich dort in eine deutschsprachige „Vorschule“ gegangen war und meine Mitschüler spannend fanden, dass ich schon lesen konnte?

Ich bin gestern von einer ähnlich konstruierten, kurzen Geschichte auf meine eigenen Vorurteile herein gefallen und fand sehr augenöffnend, wie sehr schon einzelne Begriffe so verknüpft sind, dass ich sofort eine ganze Geschichte vor Augen hatte.

Die Frau, die mir gestern vorwurfsvoll schrieb, weil ich Copytrack empfehle hat geantwortet. Ich habe da eigentlich deutlich Respekt vor, denn ein Wille zum Austausch ist ja heute eher selten. Deswegen will ich auch gerne antworten – obwohl ich inzwischen zwischen den Zeilen heraus gelesen habe, dass es gar nicht um einen Fall bzw ein Foto von mir handelt.
Dann hätte sie sich einfach irgendwen aus dem Netz rausgesucht, der sich mal positiv über Copytrack geäußert hat um sich da zu beschweren – und das fände ich schon reichlich absurd.
Aber es würde für mein Google-Karma sprechen 😉
Stay tuned, das verspricht noch unterhaltsam zu werden.