9.12.2020 – Christmas-cards revisited

Zu Beginn meiner selbstständigen Arbeit, da habe ich auch noch Print-Jobs gemacht. Wenn man eh am Rechner sitzt und die Adobe-Programme installiert hat und das Logo und CD-Vorgaben eh hat und kennt, nicht wahr?
Doofe Idee.

So um den zehnten Dezember jeden Jahres herum fällt vielen Menschen ein, dass auch dieses Jahr wieder Weihnachten stattfindet. Und dass man da Weihnachtskarten verschicken kann – ich tu’s dieses Jahr nicht, leider – und dann ruft man den Print-Dienstleister an und der hat sich dummerweise keine Zeit dafür frei gehalten und deswegen sind eigentlich bei allen Grafikern und Agenturen die ich kenne Weihnachtskarten ein eher unbeliebtes Thema. Und ich bin froh, dass ich wirklich nur noch in Ausnahmefällen Print mache und aus dem Zirkus raus bin.

Raus war“, denn: Der eine Kunde der einen Agentur hat jetzt E-Cards entdeckt. Mit Weihnachtsmotiven; Weihnachts-E-Cards also. Sie sehen mich schwer begeistert.
Und Sie sehen mich, niedliche kleine Html-Seiten bauen, mit Tannen und Kerzen und so; die dürfen aber nicht Html-Seite heißen, sonden müssen E-Card genannt sein.

Aber im Ernst: Außerdem habe ich die nächste Portion Kleinkram geschafft, die auf dem Stapel lag, das war richtig gut.

In diesem Haushalt ist Weihnachten, um darauf noch einmal zurückzukommen, übrigens dieses Jahr vollkommen gecancelt. Keine Karten, keine Deko kein gar nichts. Ich habe letztens – an einem Montag – begriffen, dass Weihnachten jahrelang für ein nahes Familienmitglied der beste Tag war, „seine Lieben“ zu demütigen und zu verletzen. Und, ganz wichtig, sie sich dabei selbst schuldig fühlen zu machen – denn schließlich ist eine gute Demütigung nur dann eine wirklich gute Demütigung, wenn man sie in einen Double-Bind verpackt.
Diese Erkenntnis nimmt mir komplett die Lust auf alles und wenn ich bimmelnde Glöckchen in der Werbung sehe muss ich wegschalten, weil ich sonst explodiere vor Wut. Oder implodiere vor Traurigkeit.

Jetzt sind solche Weihnachtsgeschichten in unterschiedlichen Ausprägungen ja nicht selten und deswegen möchte ich bei der Gelegenheit eine Bitte aussprechen: Für viele Menschen ist dieses Fest nicht einfach. Vermutlich sogar für viel mehr, als Sie denken. Und gleichzeitig ist es für die Gesellschaft so allgegenwärtig und angeblich wichtig – ich meine: hey, wir lassen dafür sogar ungebremst die zweite Covid-Welle über uns zusammenbrechen! – dass man sich kaum entziehen kann.
Wenn Sie also mit einem Menschen zu tun haben, die vielleicht ausweichend antwortet, wenn Sie danach fragen, wie sie denn feiert, wann sie denn die Verwandtschaft sieht, warum kein Baum und ob am ersten Tag seine und am zweiten ihre Eltern kommen oder umgekehrt – belassen Sie es dabei. Insistieren Sie nicht auf Ihrem gefühlten Recht, da jetzt ’ne richtige Antwort zu bekommen. Diejenige wird schon ihre Gründe haben.
Und falls diejenige etwas andeutet – ich weiß, da sind wir immer alle etwas unbeholfen. (Unter anderem deswegen knalle ich Ihnen ja hier meine Geschichten immer um die Ohren, damit da etwas Normalität entsteht) falls die andere also etwas andeutet: „Oh, das tut mir leid“ ist eine sehr ok-e Antwort. „Und da stellst Du Dich immer noch an?“ ist keine.

Nachmittags fuhren die Liebste und ich raus ins Feld. Ins Café Audrey (immer noch hihi). So blöd das klingt, das hilft uns, ein paar Meter Abstand zum Alltag zu gewinnen und gerade wenn man ganz oder auch nur halb zu Hause arbeitet kann das echt hilfreich sein.


Bei mir vor dem Fenster trifft sich seit kurzem nachmittags regelmäßig eine Baumbewacher-Gang und ich mag das sehr:

Außer das ich mich unangemessen auf eine Fernsehsendung namens „Die Show mit dem Sortieren“ freue und das vielleicht auch etwas über mich oder die Zeit im allgemeinen aussagt, gibt es nichts mehr zu erzählen. Ich würde Ihnen empfehlen, Sie lesen dann jetzt mal bei Sascha Lobo weiter:

»Soloselbstständige« ist ein ebenfalls sozialdemokratisch geprägtes Wort, das auf halbem Weg zum Kampfbegriff ist. Absurderweise zielt es darauf ab, ob Selbstständige Angestellte haben oder nicht. Selbstständige arbeiten seit ungefähr immer gemeinschaftlich intensiv in Netzwerken – definiert werden sie trotzdem über die Festanstellung. Auch hier schwingt mit, dass die doofen Selbstständigen nicht Teil der Gemeinschaft sind, nämlich »solo«. Stephan Weil beschwert sich genau deshalb, dass jetzt der Staat einspringen müsse mit Transferleistungen an die fiesen unsolidarischen Selbstständigen.

spiegel.de: Der deutsche Staat verachtet Selbstständige und Kreative

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