5.10.2019 – the one where we went to school again

Ich werd einfach nicht richtig gesund und bin entsprechend genervt.

Gestern fuhren hier im Städtchen ca 900 Schülerinnen und Schüler mit 100 Begleitpersonen ab, um eine Woche ihres Lebens in großer Gemeinschaft auf einem Campingplatz in Rom zu verbringen. Inklusive Audienz beim Papst, jaja.
Das war meine alte Schule und die feiert so ihren hundertsten Geburtstag. Und es hinterlässt mich etwas zwiegespalten.
Also zum einen: Wie geil ist das bitte? Die bekommen es wirklich hin, 1000 Leute zu organisieren, sie über eine Woche zu transportieren, abzufüttern und zu bespaßen?
Hammer.
Aber: Wieso kann das bitte nur eine Privatschule? Die Frage splittet sich eigentlich auf in zwei: Warum andere nicht? und Warum ausgerechnet ein christlicher Laden mit Schulgeld?

Da läuft was falsch.

Gedanklicher Nebenschauplatz. Als wir gestern über diese Fahrt sprachen, überlegten wir: Es muss ja irgendwie eine Versorgung geben für die, die nicht mit kommen. Auffangunterricht.
Und dann stellten wir uns vor, wie diese – grob geschätzt dreißig – armen Wesen in der riesigen, leeren Schule rumschleichen. (Stellen Sie sich bitte hier irgendein Horror-Film-Gif vor)

Apropos Schule: Aus Gründen war ich letzte Woche mal wieder in einer Schule, die ich noch nicht kannte. Tun Sie das ruhig mal. Schauen Sie sich ruhig mal an, was unserem Land die Bildung unserer Kinder so wert ist, man kann das ja schon schön am Zustand der Gebäude sehen. Wenn Sie mehr wissen wollen, fragen Sie nach, ob die Putzkräfte alles schaffen, was nötig ist. Wann das letzte Mal renoviert oder auch nur gestrichen wurde. Wer gestrichen hat – ob da vielleicht Eltern beteiligt waren?

Aber wir der Staat hat doch kein Geld! Nein? Lesen Sie hier mal kurz eine Theorie, warum der Staat kein Geld hat – bzw das behauptet.

Staatsschulden sind was völlig anderes als private Schulden. Ein Staatshaushalt funktioniert völlig anders als ein privater Haushalt. Die Analogie ist völlig falsch, aber leider naheliegend und m.E. auch gewollt, denn sie sorgt für die Zustimmung der Menschen, die am meisten unter den Auswirkungen der Politik leiden, die mit der „schwarzen Null“ begründet wird. Diese Politik sorgt nämlich vor allem zu immer neuen Einschränkungen in sozialen Bereichen von Nothilfe über Bildung zu Gesundheit und Rente.

Jens Scholz: Der Strohmann Schwarze Null

Ich merke, ich mäandere hier gedanklich sehr wirr rum und das will ich Ihnen jetzt auch nicht länger zumuten. Bin halt immer noch oder wieder krank und darüber sehr genervt.
Und damit hat dieser Artikel hier immerhin eine schöne Klammer.

12 Kommentare

  1. Hm.
    Wegen krank: hast du schon mal auf Pfeiffersches Drüsenfieber testen lassen?
    Nicht, dass das dann was helfen würde, das kann man eh nur aussitzen oder -liegen. Aber vielleicht gehörst du zu den Menschen, für die es wichtig ist, dass das nervige Kind ’nen Namen hat…
    Jedenfalls: weiterhin gute Besserung
    wünscht
    Gwen

    1. @Gwen:
      Nein, hab ich nicht. Aber die Symptome passen nicht wirklich und ich kenn das auch (leider) schon, dass meine Bronchien meine Schwachstelle sind und sich sowas bei mir lange ziehen kann.
      Aber ich behalt’s mal im Hinterkopf …

  2. Zur Rom-Sache, das ist nicht nur bei Privat (christlichen) Schulen so. Meine Schule macht das nächstes Jahr zum Jubiläum auch, da gibt es (mindestens) einen spezialisierten Reiseveranstalter. Der nimmt dem Kollegium wirklich Biel Arbeit ab, dennoch bleibt ein immenser (logistischer) Aufwand, so dass einfach nicht jede Schule 2-3 Jahre Planungszeit investieren kann/will. Verständlicherweise.

  3. Gute Neuigkeiten zum Thema Romfahrt: Das geht (oder ging zumindest vor gut 10 Jahren) auch an staatlichen Schulen. Die Beschreibung hört sich ziemlich genau so an wie die Fahrt, die mein ehemaliges Gymnasium zum Schuljubiläum gemacht hat. Bei uns ist dann dafür die LK-Fahrt ausgefallen. Ob es für die Jahrgangsstufen, bei denen turnusmäßig keine Klassenfahrt anstand, eine zusätzliche Fahrt war weiß ich nicht mehr, ich nehme es aber an. An Ersatzbetreuung für die Daheimgebliebenen erinnere ich mich nicht. Ich war aber ja auch in Rom, also gut möglich dass ich das gar nicht mitbekommen oder halt wieder vergessen habe. Irgendwas muss es ja eigentlich gegeben haben.

    1. @Withwine:
      Ich hab gestern Abend noch gelesen, es wären etwa 30 Schülerinnen und Schüler, die nicht mitgefahren sind. Ein Klassenraum also im sonst leeren, dunklen Gebäude … 🙂

  4. Lebe hier seid laengerem in Kanada. Jedesmal als ich sah, wie viele Schulklassen hier in temporaeren Kontainern unterrichtet werden, habe ich mich daran erinnert, wie gut die (oeffentliche) Schulinfrastruktur in Deutschland war (und wahrscheinlich noch ist). Es ist alles relativ.

    1. @jawl

      ich verstehe den Blogpost nun etwas besser, nachdem ich lese, dass es in ihrer Gegend Kontainer gibt in denen Schulklassen unterrichtet werden. Ich komme aus Sueddeutschland und in meiner Heimatgegend habe ich so etwas nie gesehen. Es gab alte Schulen, neue Schulen, Schulen mit Asbestproblemen, Schulen mit ueberfuellten Klassen oder was sonst noch. Aber die routinemaessige Verwendung von temporaeren Kontainern fuer Schulklassen, kenne ich bisher nur aus Kanada.

    2. @Martin:
      … und ich beobachte halt, wie es systematisch schlechter wird.
      Container sind ein Ausdruck fehlgeplanter Schulpolitik – oder auch einfach fehlernder Weitsicht.
      Wenn Lehrerinnen ihre Klassen selbst streichen müssen und Eltern zum Putzen der Klassen kommen, dann ist systemisch was falsch. Oder es wird absichtlich daran gearbeitet, staatliche Aufgaben an die Bürger zu geben?

  5. Auch mein ehemaliges städtisches Gymnasium hat zum Schuljubiläum eine Rom-Fahrt gemacht. Ebenso wie mein Heimatdorf: Dort sind im Jahr 2012 mehrere Hundert Einwohner nach Rom gefahren. War IIRC ein Anbieter aus dem Emsland.

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