25.8.2022 – das Privileg, gesund zu sein.

Gestern beim Losfahren zum See so gedacht: Wie einfach das gerade alles ist. Die Klimwandel-induzierte trockene Hitze lässt uns seit Wochen einfach alles möglich draußen unternehmen, meist ist ein klein wenig Wind dabei und Abstand zu halten ist einfach. Und ich bekam ein bisschen Bammel vor dem Herbst und Winter.
Gucke ich mich um, dann ist die Stimmung ja insgesamt inzwischen einfach „Corona ist vorbei“; wer’s hatte ist manchmal etwas erstaunt, dass er doch eine anstrengende Woche hatte – aber nun denn.

Wie immer, wenn man privilegiert ist, dann besteht ein Teil des Privilegs daraus, dass man mit denen, denen es anders geht, nicht konfrontiert wird. Mann kann prima in einer Männergesellschaft leben und Berichte von benachteiligten Frauen als Einzelfälle abtun, wenn man sich nicht damit beschäftigen möchte; behinderte Menschen leben eh in einer Parallelgesellschaft zwischen Sonderschule und Werkstatt, Menschen anderer Hautfarbe … Sie wissen, wie’s weiter geht.

Und die, die Covid nicht so gut verpacken – naja, man sieht sie ja nicht.

Dabei fände ich es wirklich eine hübsche Idee, wenn die, die eine Erkrankung einfach wegstecken verständen, dass sie einfach fuckin’ Glück hatten: Der vergangener Juli war im Vergleich zu den Sommermonaten der Vorjahre ein trauriger Rekordhalter: 2839 Menschen starben an Corona (274 im Vorjahr), fast 40.000 Patientinnen mussten intensivmedizinisch versorgt werden (ca 13.000 im Vorjahr).
LongCovid-Fälle zählen wir ja praktischerweise nicht, denn eigentlich gibt’s das ja nicht, das ist ja nur eine paranoide Phantasie von überängstlichen Höhlenmenschen.
Jaja, Corona ist vorbei.

Und um die zynischen Vergleiche der Todeszahlen mal auf die Spitze zu treiben: 2562 Menschen starben in Deutschland im Straßenverkehr. Im Jahr. 1826 Menschen an illegalen Drogen. Auch im Jahr, nicht im Monat. Nur, um mal so zwei Zahlen in den Raum zu werfen, bei denen wir alle immer ganz betroffen sind und die wie aber dringend senken müssen.

Einen Scheiß ist Corona vorbei.

(Quelle: Bericht im Tagesspiegel)

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4 Kommentare

  1. Wenn ich hier in der Hauptstadt in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, dann ist – zu bestimmten Zeiten – die überwiegende Zahl der Fahrgäste ohne Maske unterwegs.

  2. Ich hatte vor 14 Tagen Corona – milder Verlauf, aber selbst der war nicht so toll. Und ich huste auch heute noch… Ich kann nur den Kopf schütteln, mit welcher Leichtigkeit dieses Thema mittlerweile weggedrückt wird. Ich für meinen Teil habe jetzt noch mehr Angst vor einer weiteren Ansteckung – die bei dem derzeitigen Umgang mit dem Virus wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit ist…

  3. Ich fühle das so. Aktuell ist alles noch irgendwie … okay-ish. Ab und an mal Leute sehen, im Freien was essen gehen, theoretisch ginge sogar Open Air-Kino oder ein Konzert im Freien (hätte ich die Energie für sowas). Aber der Winter – vor dem graut mir. In einem Maße, dass ich gar nicht genau ausleuchten möchte. Vor allem, weil offenbar keine Todeszahlen, Reportagen über Long Covid oder Berichte von überlasteten Krankenhäusern ausreichen, um irgendwie noch mal so was wie nen Funken Empathie und Rücksichtnahme irgendwo auszulösen. Und dazu ständig der Spruch, dass wir es ja irgendwann alle kriegen. Dass für manche dann das Leben vorbei ist, wortwörtlich oder im chronisch kranken Sinne, das wird nicht ergänzt. Von mir, höchstens. Und dann gucken alle so kariert, weil ich ihnen den Spaß verderbe.

    1. : Und dann gucken alle so kariert, weil ich ihnen
      : den Spaß verderbe.

      Ja, genau das. Ds finde ich ganz schlimm, inzwischen halt ich mich aber auch nicht mehr wirklich zurück. Dieses Schweigen, um den Spaß nicht zu verderben hat uns in Klimakrise und Pflegenotstand und was weiß ich nicht alles geführt.

Kommentare sind geschlossen.

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