23.10.2018

Erst um sechs aufgewacht und nicht ganz so sorgenvoll unruhig wie gestern. Ich betrachte das als Etappensieg. Gestern Abend hatten wir alle Bildschirme ausgemacht und zusammen etwas gespielt. Das war schön.
Ich finde übrigens volle Scrabble-Spielbretter ungeheur schön – so schön, dass ich eine Zeit lang alle Wordfeud-Bretter gescreenshottet habe, die ich mit der Sylvia so gespielt habe.

Na, wer findet die Wörter, bei denen Familie Fischer erstmal diskutieren musste?

Dinge zu Ende gebracht. Konkret: Eine Website fertig gemacht. Die Layout-Bilder, die noch drin waren gegen optimierte ausgetauscht, für alle Bildschirmgrößen zwischen iPhone 5 und 36″-Desktop passende, schöne Lösungen gefunden und alles zur Kundin geschickt – die, für die ich auch vor knapp vier Wochen die Bilder gemacht hatte. Sie hat noch eine Textkorrektur und dann darf ein hübscher kleiner OnePager in the wild entlassen werden.

Dann: Schimmelige Tapeten von der Wand gekratzt. Hipper digital-Glamour und fieser Dreck liegen so nah beieinander. Aber: Hinter der Tapete ist die Wand selbst nicht schimmelig. Ich deute das als gutes Zeichen.

Ein Projekt zugesagt. Genauer: Ein schickes (noch) kleines Literaturprojekt wird im nächsten Frühjahr ein paar Tage lang von mir ins Social Web gehoben werden. Das wird ein großer Spaß.

Gestern nachmittags bei Saal zwei Bilder bestellt. Wenn ich schon ein neues Schlafzimmer einrichten muss, dann kann ich auch endlich mal Bilder aufhängen, die etwas neuer sind als der Franz Marc, den ich von meinem ersten Zivi-Sold gekauft habe.
Heute Mittag klingelte ein freundlicher DHL-Mann und drückte mir die Rolle in die Hand. Und obwohl ich für diese Lobhudelei keinen Cent bekomme und das nach dem Empfinden der meisten Menschen deswegen auch keine Werbung ist, bin ich wieder mal schwer begeistert: das ist nicht nur wieder mal wunderschön, das ist auch fuckin’ schnell.

Im alten Blog habe ich schon diverse Male darüber gesprochen, dass ich mich als Feminist fühle. Weil das vor ein paar Jahren noch selten war, bin ich damit sogar mal im Radio und in einem Zeitungsprojekt der Abschlussklass einer Journalistenschule gelandet – jeweils als Gegenpart zu  irgendeiner vermutlich ebenso zufällig ausgesuchten Frau die befand: Feminismus wäre Quatsch, der sich so langsam mal überholt hätte.
An meiner Einstellung hat das nichts geändert.

Die Liebste und ich sprachen letztens darüber, wie Männergruppen funktionieren und dass man fast immer die gleiche Struktur erkennen kann: Es gibt ein Oberarschloch, der die Macht hat. Darum gruppieren sich einige Speichellecker, die gerne auch Macht hätten und die beste Chance darin sehen, dem Oberarschloch zu folgen. Drittens gibt es dann noch Mitläufer, die – oft aus äußeren Anlässen gezwungen – mit in der Gruppe sind.
Beobachtet man nun eine solche Gruppe kan man oft bemerken: Wer die Macht hat, muss sie lustigerweise gar nicht mehr beweisen. Oft sind hingegen die Speichellecker nach außen die gemeineren, die niederträchtigeren, die mit den bösesten Sprüchen – denn sie müssen dem Obermacker ja beweisen, dass sie würdig sind. Der wiederum benutzt oft seine Macht nur noch, um die Mitläufer zu demütigen. Wollen die keine bösen Sprüche machen, wagen die es vielleicht sogar, mal ein mäßigendes Wort einzulegen, werden sie bloßgestellt.
Ich vermute, die Männer unter meinen Leserinnen kennen diese Mechanismen; ich habe sie bis jetzt in nahezu jeder zufällig aufeinander getroffenen Gruppe von Männern erlebt.
Wir schlossen, dass es sich durchaus lohnen würde, auch diese Obermacker mal alleine zu lassen und die ruhigeren Männer zu stärken. Hättemüsstesolltewürde.

Nun, die Einleitung ist wieder mal zu lang geworden aber was ich eigentlich tun wollte war eine Empfehlung auszusprechen. Gehen Sie mal zu den Krautreportern und lesen Sie den Text „Mein Jahr als Feminist“. Nach 25 Jahren mit immer wieder neuen Erkenntnis- und Erschreckensstufen als Feminist nickte ich viel beim Lesen.

Wenn man sich nur ein bisschen mit Feminismus beschäftigt, kommt man schnell darauf, dass an der Wurzel des Problems die Klischees liegen, die aus unserem Geschlecht überhaupt erst so ein großes Thema gemacht haben, und dass Männer darunter sehr wohl auch selbst leiden.

Christian Gesellmann auf krautreporter.de: Mein Jahr als Feminist

Nochmal kurz zu meiner zu langen Einleitung:
Was ich nicht sagen wollte ist: Ach die armen Männer, lass uns doch erstmal die retten. Ich betrachte das nur als eine Erkenntnis in der Beobachtung der Strukturen und wenn überhaupt als Aufruf an die Mitläufer: Sei nicht so feige, mach Dein Maul auf, rette Dich selbst.
Du bist dafür allein verantwortlich. Ja, das ist schwer, ich weiß wovon ich spreche.
Aber dass Du durch Schweigen und einfaches Mitlaufen ganz gut überleben kannst, das ist exakt eines dieser Privilegien als Mann von denen alle immer reden.
Falls Du Dich aber manchmal auch schämst und unwohl fühlst in solchen Runden: Dann zeig doch mal Haltung und mach Deinen Mund auf.

1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.