7.12.2022 – wie wir einmal nicht auf ein Konzert fuhren

Heute dann wieder antriebslos und leer galore. Mit einem kleinen Highlight aus Absurdistan zwischen sieben und viertel nach sieben. Erzähl ich halt das:

Ich hatte – und das muss vorher erzählt sein – zu einer Zeit als Corona noch ein Bier war ein Ticket gekauft. Ein Ticket für ein Konzert von Tina mit dem Babelsberger Filmorchester im Februar 2021. In Potsdam.
Mitten in der Schulzeit, deswegen musste ich alleine fahren.

Im Februar 2021 – Sie werden sich erinnern – geschah dann noch etwas und das Konzert wurde verschoben. Verschoben auf Januar 2022, denn bis dahin, da waren wir uns ja alle einig, würden sich Lösungen gefunden haben.
Als der Ausweich-Termin bekannt gegeben wurde, geschahen noch zwei Dinge: Die Liebste stellte fest, dass sie da Ferien haben würde. Und eine Frau aus meiner kleinen aber bezaubernden Fan-Community auf facebook wusste schon, dass sie da keinen Urlaub bekommen würde und sie bot ihr Ticket an. Ich griff freudig zu.

Danach – und das ist nicht unwichtig für den heutigen Abend – vergaß ich das alles komplett.

Schnitt: Spätsommer 2021.
Die Zahlen sind niedrig, die Launen hoch. Eine Freundin fragt die Liebste, ob sie nicht in den Weihnachtsferien zusammen ein paar Tage nach Berlin fahren sollen. Ich erinnere mich an mein(!) Ticket und wir denken: „Ach nett. Die beiden fahren mit dem Zug vor und streifen durch Berlin; ich komme mit dem Auto nach und wir gehen zu dritt ins Konzert.“
Wir finden die Idee alle super und ich frage vorsichtig in Potsdam nach, ob es vielleicht Rückläufer gab. Es gab und ich kaufe zwei Tickets.
Als die Tickets kommen, entdecke ich, dass dort schon zwei(!) liegen, bin kurz verwirrt und vergesse es sofort wieder.

Schnitt. Dezember ’21/Januar ’22:
Seit ein paar Wochen strichen wir beide hier um die Tickets herum. Sehnsucht links, Vernunft rechts auf der Schulter. Der Urlaub war schon lange abgesagt, aber wenn man vielleicht … und auf der Fahrt würden wir ja niemand begegnen … aber es ist unvernünftig hoch zehn … die Hotels haben bestimmt ein gutes Konzept … oh, hallo Omikron … aber mit 2G im Saal ist doch alles so safe es geht … naja, Sie kennen das vermutlich.
Gestern haben wir uns natürlich entschieden, nicht zu fahren. Heute kam eine Mail des Veranstalters, man könne Tickets ohne Angabe von Gründen zurück geben.

Wichtiger Exkurs: Heute Nachmittag chattete ich mit einer anderen Frau aus der Community. Und scrollte dabei etwas wehmütig durch die vielen anderen Gespräche, die ich dort gehabt hatte – denn natürlich passierte auch dort in den letzten zwei Jahren kaum etwas. Exkurs Ende.

Heute nachmittag schrieben wir eine nette Mail, dass wir die Tickets zurück geben wollten. Alle vier, auch wenn wir immer noch nicht wussten, warum es vier waren.
Die: Dann bräuchten wir ein Foto der zerrissenen Karten
Wir: Kein Problem. (Denkt nach. Zerreisst drei Karten, macht Foto) Ich würde übrigens nur drei Tickets erstattet haben wollen, nehmen Sie’s als kleinen Beitrag für Kultur und Ihre Arbeit und so!
Die: Boah super, danke. Wollen Sie ’ne Spendenquittung?
Wir: Boah super, voll gerne.

Das Telefon klingelt.

Ich: (meld)
Die: Schulligung, ich dachte ich ruf mal an, weil einfacher. Also Sie wollen die drei zerrissenen Tickets erstattet haben und das heile als Spende?
Ich: So wars gedacht.
Die: Joah, ist super. Nur das Ticket ist ja gar nicht Ihrs, das ist ja das von Frau Mustermann.
Ich: Häh?
Die: Genau.

Mein Kopf raste los. Hatte ich – wie so oft – Tickets verlost und vergessen, es abzuschicken? Hatten die mir ein falsches Ticket geschickt? Warum hatte ich mich bloß nicht gekümmert?
Dann kam hinten aus dem Unterbewusstsein hoch, dass ich den Namen kannte. Heute nachmittag in der Liste der Chats???

Ich: Können Sie kurz warten, ich hab da eine Idee. Wissen Sie, ich hab da nämlich so eine Fan-Community und ich hab den Namen Mustermann heute noch da gelesen und müsste mal eben und … hallo? Sie sind sie noch da? Hallo?

Ach guck. Das Telefon ist aus.

Ach guck. Das Internet ist aus.

(Vier Minuten Pause, die ich mit hektischen Drücken diverser Tasten am Telefon und diverser Buttons verbrachte)

Ach guck. Wieder Internet.
Ach guck. Das Telefon findet wieder eine Basis-Station.
Ach guck: Eine Mail von der Fritzbox. Ein Update. Vom Provider angestoßen, wie nett.

Ich schrieb das alles so kurz wie möglich in eine E-Mail und zum Glück, zum großen Glück sitzt da eine sehr humorvolle Frau im Ticketservice.

Danach: Tief atmen. Hormone abbauen. Aufkommende Panik abbauen.
Dann 24 zu Ende gucken. Nicht gut gealtert.
Dann Merz gegen Merz. Sehr verliebt in Annette Frier.

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