30.5.2019 – Heart wide open

(Tagebuch: Vom Aufstehen bis ca fünf gegammelt. Tagebuch Ende. Fast.)

Ich hatte letztens schon kommentarlos ein Video von Bukahara hier reingeworfen; ich erzähl mal etwas mehr dazu:
Vergangenen Herbst hatte ich – die ein oder andere mag sich erinnern – hier im Blog nach neuer Musik gefragt. Es kamen sehr viele, sehr unterschiedliche Empfehlungen, die ich erstmal alle zusammen in einen Playlist-Ordner warf – voll des guten Willens, mir alles einzeln anzuhören. Was mir aber in den Weg kam: Meine ausgeprägte Schwäche, mir Namen zu merken. Ich hörte also etwas, fands toll und wenn ich einen Tag später den Ordner wieder öffnete, konnte ich mich nicht an den Namen erinnern. Tja nun.

Trotzdem blieb da natürlich etwas hängen. Eine Band zum Beispiel mit einem Sänger mit rauer Stimme, die eher nach Straßenmusiker klangen; die Musik war ein wilder Mix aus allem möglichen zwischen hier und dem Balkan und das mochte ich.

Ende des ersten Teils der Geschichte.

Teil zwei: Ich höre seit ca. einem Jahr – ich glaube auch das erwähnte ich schon – sehr viel Radio Cosmo. Auch da: Immer ein wilder Musikmix, der meinen Ohren neue Horizonte öffnete, auch das mag ich sehr.
In den letzten Wochen feierte Cosmo eine Band namens Bukahara, die sie wohl bei einem Konzert in Köln präsentiert hatten; die Musik, die dann nach den Wortbeiträgen kam war toll: ein wilder Mix aus allem möglichen zwischen hier und dem Balkan und long story short: Ich brauchte höchstens drei Monate um zu begreifen, dass ich die Musik kannte. Aus der Playlist.
Ach ja, lustiges Detail: Aufgrund von wasweißich hatte ich beschlossen, die Band käme aus Bayern.

Ich brauchte höchstens vier weitere Wochen, um am letzten Wochenende der Liebsten diese ganze blöde Geschichte zu erzählen und zu ergänzen: „Wenn Dir die mal live begegnen, die möchte ich sehen!
Sie (eher praktischer veranlagt als ich, was nicht schwer ist): „Haste denn mal geguckt, ob die irgendwo spielen?
Ich (aufgrund meiner Vorannahmen und weil die ja schließlich gerade schon gespielt hatten(!) davon überzeugt, dass das sinnlos wäre): „Oh. Nö.

Montag hab ich dann trotzdem – von der Liebsten lernen heißt siegen lernen! – mal geguckt und sah: Oh! Am Donnerstag! In der Philharmonie! Die sind ja aus Köln! Which means: Die könnten bei dem eh feierwütigen Kölner Publikum auch noch Lokalmatadorenstatus haben! Das könnte richtig gut werden! Und: hey, Philharmonie, wir lieben die Philharmonie!
Aufgeregte DM an die Liebste.
„Kauf!“ schrieb sie zurück.
Aber: Ausverkauft. Komplett ausverkauft. (Was meine These, [Lokalmatadoren, gut werden] nicht im geringsten beeinträchtigte)
Traurige DM an die Liebste.
Sie, praktisch wie immer – was nicht schwer ist – zurück: eBay? Ticketbörse?
Ich: Oh. Äh ja.

Aber: Nein, keine Karten irgendwo. Nur ein einzelnes Ticket, was auf drei Plattformen von drei verschiedenen Anbietern zu drei verschiedenen Mondpreisen angeboten wurde, aber: Hey, ein bisschen was hab ich auch gelernt in all der Zeit im Internet.

Wir beschlossen: Ach .com, es ist Feiertag, es regnet nicht, Köln ist hübsch, wir versuchen vor der Halle noch was zu kriegen, irgendwer wird immer krank.
Ab sieben standen wir also vor der Philharmonie. Guckten nett alle an, die mit Karten in der Hand kamen, suchten nach den Menschen, die mit Karten in der Hand nett alle anguckten – aber es tat sich nichts. Also: Es tat sich schon etwas, denn Platz und Foyer füllte sich mit einem wirklich buten Mix aus Menschen, die alle bester Laune waren. Und so sehr wir gerne mit denen zusammen reingegangen wären: Wir wurden skeptischer.
Gegen zwanzig vor acht beschloss ich: „Ich guck noch mal an den Kassen, vielleicht (Haha, es war die Hoffnung, die da gegen alle Vernunft aus mir sprach) hat ja wer was zurück gegeben.
Nein, natürlich hatte niemand etwas zurück gegeben, aber neben der Kasse standen zwei nette Pärchen, die jeweils noch eine Karte loswerden wollten. Hektisch: Liebste anrufen, Mist, Mailbox, den vieren versichern, ich wäre wirklich sofort! wieder da, die Liebste reinholen und kurz klären ob nicht-nebeneinander sitzen ok war (Klar), Karten kaufen, drin.
Huch!?
Aufgeregt.

Das wirklich Doofe an dieser Geschichte ist: Ab jetzt kann ich nicht mehr viel sagen. Es war so unfassbar toll und das lässt sich schlecht angemessen in Worte fassen.
Die vier waren einfach nur überwältigt, dass sie die Philharmonie ausverkauft hatten und setzten das in totale Spiellaune um. Die ausverkaufte Philharmonie hingegen tat im Gegenzug exakt das, was ich in den kühnsten Träumen gehofft hatte: Sie feierten die vier in einer Art und Weise, die ich noch nicht erlebt habe – und das war nicht mein erstes Konzert.
Wir hatten alle zusammen vor und auf der Bühne nicht den Hauch einer Ahnung, ob man in dem zwar nicht alt- aber ehrwürdigen Bau aufstehen, hüpfen, Arme werfen, schunkeln (jaha!) und in den Gängen tanzen „durfte“, aber es war allen egal: Die Philharmonie feierte und zwar so richtig. Ich habe noch nie so ein lautes Publikum gehört und es war – ich erwähnte das – nicht mein erstes Konzert.
Mein Gott, was ein geiles Konzert; mein Gott bin ich froh, dass wir auf Verdacht los gefahren sind.

Das reißt echt ein, das mit dem glücklich sein hier.

2 Kommentare

  1. @Uwe: Bahnhof Langendreer – sehr hübsch. Ich muss zwar gestehen, dass wir gestern Abend beschlossen haben, dieses Jahr nicht nochmal hinzugehen, weil es nur schlechter werden kann, aber man kann ja mal schauen … 😉

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