3.1.2019 – wie so’n Instagramer.

(irgendwas mit mein Gott war das eine scheiß Nacht)

Trotzdem ich wirklich sehr unerholt aufwachte: Ich war schon in schlechterer Verfassung. Im letzten Jahr habe ich beschlossen, dass dieses Kohlenstoff-Behältnis für meinen Geist noch mal so lange halten soll und habe begonnen, ihm besser zu tun. Ihn mehr bewegt, ihne mal entschlackt und so. Und dass „Kohlenstoff-Behältnis“ vielleicht auch ein schlechter Name ist und für ein unaufmerksames Verhältnis spricht.
Naja – so ein Tag wie gestern hätte mich in den letzten Jahren mehr rausgehauen. Großartig, das zu merken.

Morgens dann noch einmal konzentriert an den Remix gesetzt. Das Abgabedatum nähert sich und so langsam sollte ich an die letzten Details gehen. Passt aber. Und es gibt definitiv schlechtere Dinge, in die man in den Weihnachtsferien seine Zeit und Energie stecken kann.

Da man beim Remixen oder Mastern von Musik sehr schön beobachten kann, wie sich die menschlichen Sinne anpassen und gewöhnen brauche ich zwischendurch viel andere Musik.

(Erklärung für Nerds: Beim Mischen eines Songs habe ich ein bestimmtes Ideal im Kopf. Möglichst transparent vielleicht oder basslastig oder oder oder … Höre ich aber immer und immer wieder einen einzigen Song gewöhnt sich mein Gehirn daran. Auch an Fehler – die werden kompensiert. Deswegen braucht es beim Mischen Pausen und auch Abwechslung.)

Es gibt da verschiedene Therorien: Die eine sagt, man soll die Musik hören, deren Sound man erreichen möchte, um das Ideal immer wieder frisch im Kopf zu haben; die andere sagt, man soll möglichst viele verschiedene Musik hören, um nicht zu eingefahren zu sein. Ich präferiere eine Mischung: ich versuche möglichst viele verschiedene Musik zu hören, die ich als „wirklich gut produziert“ in Erinnerung habe.
Dabei festgestellt: Es gibt ja Musik, die schon extrem in einer bestimmten Epoche zu Hause ist und auch gar nicht so gut altert. Die Musik der Talking Heads gehört da nicht zu. Kann man wirklich gut noch mal hören.

Einen Bilderrahmen brauchte ich noch, denn die Liebste hatte letztens der Frau Dico ein Bild vor die Nase gehalten und sie gebeten, was nettes für mich draufzuschreiben.
Das Schöne, wenn man sein Zimmer mit Bilderrahmen vom Schweden voll gehängt hat ist ja, dass das alles schön einheitlich aussieht. Der Nachteil ist: Für jedes neue Bild muss man wieder zum Schweden.
Ganz doof ist, wenn die Frau eigentlich auch schon in Dortmund ist und man dann selber auch noch mal los fährt. CO2-Bilanz ham wa drauf.
Ganz ganz ganz doof ist dann, wenn man sich durch die Kasse rein schlängelt – wir wissen ja: Bilderrahmen sind ziemlich weit hinten im unteren Stockwerk – und dann sieht: Alle Kassen offen, an jeder Kasse stehen die Leute bis ungefähr zu den Kallax am Rolltor.
Erkenntnis dieses Moments: Niemand braucht so dringen einen Bilderrahmen.

Aber – die aufmerksame Leserin hat es mitbekommen – jetzt waren wir ja beide in Dortmund und einen Anruf später hatte ich mit der Liebsten ein Lunchdate. Wie so kein Ehepaar. Auch irgendwie schön. Es gab Instagramer-Essen im Schönes Leben.

Und dann fuhren wir hintereinander her nach Hause. Ja, da ist organisatorisch echt Luft nach oben.

Zu Hause wartete das sehnsüchtig vom großen T* erwartete Audio-Interface* auf mich und dann hab ich nur noch ein bisschen Gitarre über den Remix gespielt und auf einmal war der Tag rum. Besten Dank an Rouven für den Tipp!

*) „das große T“ ist in Musikerkreisen Thomann; ein Audio-Interface hat vereinfacht gesagt vorne Klinkenbuchsen, damit man z.B. eine E-Gitarre anschließen kann und hinten einen USB-Anschluss, damit der Ton der Gitarre dann in den Computer gelangen kann.

Psychisch krank? Als ich den Fernseher anschaltete – eigentlich um den letzten Teil „der Brücke“ zu sehen – unterhielt man sich gerade über den unterschiedlichen Umgang der Medien mit den beiden Attentaten der letzten Tage.
Mir wuselt da nicht erst seit diesen Anschlägen etwas durch den Kopf: Was für ein Bild hat die Öffentlichkeit eigentlich von psychischen Krankheiten, wenn sie mit dem Begriff „psychisch krank“ immer nur im Zusammenhang mit einem Attentat konfrontiert wird? Kann ich mich noch trauen, jemandem zu erzählen, dass ich eine PTBS und gelegentliche Panikattacken habe oder denkt der dann, ich wäre ein Killer?
Mela hat da auch was rüber geschrieben:

Tatsächlich werden Menschen mit psychischen Krankheiten oder Behinderungen zu einem noch geringeren Teil durch Gewalttaten straffällig, als ‚gesunde‘ Personen. Sie haben aber ein vielfach erhöhtes Risiko selbst Opfer von Gewalt zu werden.

Mela: Ein paar Worte zu psychisch Kranken und Gewalttaten.

Ach, und hier – Danke. Echt: Danke! Ich bekomme im Moment so viel Liebe von Euch; teils analog teils digital – ich bin wirklich sehr gerührt.

4 Kommentare

  1. Der Punkt mit der Verbindung von „Attentat – das kann nur ein psychisch Kranker gewesen sein!“ (oder so ähnlich), wird mittlerweile sogar ziemlich gerne bemüht. (Falls sich noch jemand an den Vergewaltigungsfall in der Sieg-Aue erinnert, der jetzt kein Terrorakt war, sondern einfach massive Gewalteinwirkung: Es dauerte nicht lange, da wurde erst mal verzögert bekannt, der Vergewaltiger hätte sich anzuzünden versucht. Und zwar erst nach dem 2. Vorfall. Dann kam das Urteil. Und dann komischerweise kurz darauf…es ist so leicht zu erraten, gell?)
    Egal wie, irgendwas macht es auf Dauer sicherlich in den Köpfern der Leser und Hörer. Da drängen sich ganz ungute Bilder auf.

    Als positive Mitnahme heute: Hier lerne ich noch was dazu in Sachen musikalischem Equipment! Bei mir ging es früher nämlich nur so weit: Klarinette zusammenbauen und reinblasen, danach auseinanderbauen und putzen. Alles ohne USB und Klinkenbuchsen. =D (Sowas gibt es heute aber sicherlich auch bei Blasinstrumenten, oder? Was sagt der Musikus?)

  2. Naja, eine Klarinette ist ja noch mal analoger als eine E-Gitarre 🙂
    Also: Mikro dran oder sich vor ein solches stellen, das dann aber entweder über so ein Audio-Interface in den Computer. Oder gleich ein Mikrofon nehmen das sich per USB anschließen lässt.
    Und in den wilden 80ern gabs bestimmt auch mal Midi-Klarinetten, also welche die gar keine eigenen Töne erzeugen, sondern einen Synthesizer brauchen. (igitt)
    Die könntest Du aber auch ans Interface anschließen.

  3. So ein Thomanndingsi fliegt hier auch noch irgendwo rum, ach ja, man könnte ja mal wiederMusik machen … aber, ach. [insert Bild vom Weißen Kaninchen, das hektisch auf die Uhr blickt]

    Was die Darstellung psychisch Kranker in den Medien angeht, so ist das natürlich ein Problem. Einerseits sind Depressionen und psychische Erkrankungen „Volkskrankheit Nummer 1“ (jedenfalls, wenn nicht gerade Herz- und Gefäßerkrankungen oder Adipositas an der Reihe sind) und sorgen neben soliden Umsätzen in der Pharmabranche bei Medien und Leserschaft für heuchlerische Mitleidswellen, wie etwa beim Freitod dieses Fussballtorwarts.
    Andererseits sind „verwirrte Einzeltäter“, die für „Familiendramen“ verantwortlich sind (bzw. juristisch halt nicht), für die Allgemeinheit erst einmal grundsätzlich psychisch Kranke, denn – was ja nun auch nicht völlig von der Hand zu weisen ist – geistig gesunde Menschen fahren in aller Regel nicht vorsätzlich mit dem Auto in Menschenmengen. Es scheint kompliziert.

  4. @Kiki: Tja, exakt.
    Ich denke auch, dass jemand, der – egal ob mit Auto, Messer, Gift oder Sprengstoffgürtel – loszieht um Menschen zu töten ein psychisches Problem hat.
    Was halt fehlt ist ein offenes Gespräch darüber, was psychische Krankheiten noch so alles sind; auch abseits des geheuchelten sensationsgierigen Geschwafels rund um den Selbstmord eines Promis.
    Und dass sie eben genau das sind: Krankheiten. Oft mit der Chance auf Linderung und/oder Heilung – aber eben nicht zwangsläufig mit schlimmem Ende als Attentäter oder auf irgendwelchen Schienen.

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