21.12.2021 – dis ’n’ dat. Und Nerdwissen. Und gesunder Menschenverstand.

Etwas kopfschmerig aufgewacht und nachdem ich schon den Sonntag nur im dunklen Zimmer verbracht hatte, war ich kurz etwas besorgt. Hat sich aber gelegt.

Ich sitze an dem letzten Song. Alle anderen 14 sind in einem Stadium, dass ich jetzt „fertig“ nenne und ich werde sie auch nicht mehr anfassen. Und das fühlt sich sehr, sehr großartig an.
Dem einen allerdings nahm ich heute seinen Drumcomputer raus und ersetzte ihn komplett – und der Drumcomputer war die Urspungsidee gewesen. Das ist vermutlich dann kill your darlings hoch zwei?
Trotzdem: Zielgerade. Eigentlich schon Zieleinlauf.
Ein paar Stücke sind bei ein paar Menschen zwecks nochmal Rückmeldung. Feels like being naked, wie immer.

Am Schreibtisch noch etwas Kleinkram, aber eigentlich ist das Jahr wohl rum. Die Inbox ist auch leer und das ist sehr ok für mich.

Voller Freude den inzwischen dreizehnten Fragebogen zur deutschen Alltagssprache mitgemacht. Voller Freude hauptsächlich, weil ich natürlich als einzigster richtiges Deutsch spreche, niemals den Dialekt dieses doofen Landstrichs hier annehmen würde (Sie verstehen das schon, dieses Ding mit der Selbstironie, ja?) und vollkommen begeistert bin, wie viele Begriffe es für manches gibt.

Das Auto gewaschen und gesaugt, wie the good people of the world; nein, hauptsächlich weil es morgen in die Werkstatt muss und da die Werkstatt formell immer noch der Besitzer des Autos ist, sollen sie ruhig sehen, dass ich es gut behandle.

Ein Bärenkochbuch bestellt. Machense das ruhig auch.
Und/oder: Abonnieren Sie den Bären. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gut es tut, morgens als allererste Nachricht des Tages zu schauen, was diese leicht wahnsinnige Truppe gerade anstellt. Das macht immer verlässlich ein Grinsen im Gesicht und das kann an manchen Pandemietagen nahezu lifesaving sein und deswegen möchte ich an dieser Stelle Kiki einmal öffentlich lobhudeln dafür. Das ist ganz, ganz großartig, was Du da tust. Danke.

Sorge, an Covid zu erkranken? Das hier ist definitiv einer der hilfreichsten Threds dazu, den ich in den vergangenen 20 Monaten gelesen habe. Es geht nicht um Masken, Impfungen, Meinungen oder Politik – es geht darum, wie es sich anfühlt wenn eine krank ist. Wenn man eben nicht im Krankenhaus landet, was die Krankheit mit einer macht und wie eine sich das Leben während dieser Zeit dabei leichter machen kann.

Eine der faszinierendsten Geschichten die sich durch mein Berufsleben ziehen ist der 72dpi-Mythos bzw der Umgang von Print-Grafikern mit Pixelmaßen für Bilder – um mal einen gewagten Themensprung ohne jede Überleitung zu wagen.
Printgrafikern ist nämlich vollkommen egal, wie viele Pixel (Breite und Höhe) ein Bild hat, sie müssen wissen, wie breit & hoch es in cm erscheinen wird, wenn man es ausdruckt bzw noch wichtiger: Wie gut es in einer bestimmten Größe, also zB Din A 4 aussehen wird. Um das zu wissen kommt ein Umrechnungsfaktor ins Spiel, nämlich die DPI und die sagen (ganz, ganz grob vereinfacht), wie viele Dots (Farbtropfen) pro Inch gedruckt werden werden. Sind es genügen Dots, wirkt das Bild fürs Auge scharf und das ist, was wir alle wollen.
DPI sind dem Browser wiederum vollkommen egal, der kennt nur Pixel und der nimmt auch nur Pixel. Ist der Bildschirm 1280 Pixel breit und man guckt sich ein unskaliertes Bild mit 640 Pixel Breite an, dann ist das exakt halb so breit wie der Bildschirm.

Unter anderem, weil gängige Programme bei einer Größenänderung eines Bildes die Pixelmaße lustig ändern und nur die Ausgabegröße (in cm) mit Einbeziehung der DPI berechnen, denken Printgrafiker nur in DPI und cm. Sie kennen die Angabe Pixel gar nicht und klappen das zuständige Menu nie auf.
Das führt dazu, dass sie gerne irgendwie abschätzen, wie viele Pixel wohl ein Bild, was 30cm breit ist, in 300 DPI haben wird und meist kommen dabei Näherungswerte raus und ich muss die Bilder noch einmal in der Größe ändern und das ist immer mit Qualitätsverlust verbunden und das saugt.

Vor allem weil aus irgendeinem Grunde* irgendjemand ihnen damals mal gesagt hat, dass Grafiken im Web 72 DPI haben müssen. Was kompletter Blödsinn ist, aber: Es hält sich seit weit über 20 Jahren. Grafiker wundern sich, wenn ich Bilder nicht in 72 DPI haben möchte und wenn sie die Bilder nicht „fürs Web aufbereiten sollen“. Sie verstehen es meist nicht und manchmal diskutieren sie und manchmal merkt man, sie nehmen es einfach hin und vergessen es sofort.

*) Nerdwissen: Mac-Monitore hatten damals 72 dpi und deswegen konnte man die 72dpi eins zu eins umsetzen.

Falls Sie übrigens Grafikerin sind und jetzt entrüstet unterbrechen möchten:
Warten Sie kurz, ich habe da etwas vorbereitet: Hier sind zwei Bilder, beide sind 500 x 250 Pixel groß. Eines hat wahnwitzige 1200 DPI und eins hat ebenso wahnwitzige 3 DPI. Im Browser sehen sie exakt gleich aus – sehen Sie nur! Und laden Sie sich die Bilder auch gern runter, schauen Sie in die Dateinformationen*:

*) Wenn Sie sie in InDesign ziehen, dann sehen Sie erst den Unterschied, den die DPI-Angabe ausmacht. Aber wir schauen uns das Web ja nicht im InDesign an.

Aber genug dieses kleinen Ausflugs, wenn Sie tiefergehend interessiert sind, gehen Sie zu t3n und lesen da weiter.

Je mehr ich – nächster wüster Themensprung – darüber nachdenke, wie wir alle mal logisch und mal unlogisch denken, wie wir alle uns unsere Welt zusammenbasteln, wie sie uns gefällt, wie wir alle der Wissenschaft folgen oder nicht, so wie es uns gerade in den Kram passt, desto mehr Situationen fallen mir auf: Ob es das letzte Glas Wein ist oder „ach, ich rauch doch gar nicht so viel“, das spontane Nümmerchen auf dem Club-Klo ohne Kondom oder „natürlich esen wir nur Bio-Fleisch“, dass wir im Gegensatz zu allen anderen aber wirklich einen SUV brauchen, ebenso wie den Urlaub auf den Kanaren oder das neue iPhone – wir bescheissen uns und unser besseres Wissen selbst dauernd nach Strich und Faden.

Heute morgen stieß ich irgendwo auf die Formulierung „singen und klatschen“ und wir alle wissen, was gemeint ist: Das ist die verächtliche Bezeichnung für alles, was nicht Mathe, Deutsch oder MINT ist – also für pädagogisches Heititei in der Schule.
Nun ist ja bewiesen, was für eine Macht Musik (pdf) auf den menschlichen Geist hat. Sie kann beruhigen und heilen und ist mal überhaupt kein Heititei, wenn wir sie mal bewust einsetzen würden. Man kann mit ihr sogar soziale Schichten zusammenbringen, so wie das eine Kundin von mir tut und ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was an einer gesunden Gesellschaft mit gelerntem und erfahrenem sozialen Miteinander verkehrt oder Heititei sein sollte. Oder zu Leistungseinbußen führen.
Tja. Meiner Erfahrung nach zählen spätestens ab Beginn der vierten Klasse nur noch die hard skills (Mathe, Deutsch & MINT) und singen und klatschen soll bitte weichen. Schließlich muss das Prinzesschen aufs Gymnasium – Wissenschaft hin oder her.

Und ich frage mich: Wo und wie definieren wir eigentlich die Grenze zwischen dem Grad der Selbstauslegung der Fakten, die wir selbst ok finden und dem Grad der nicht ok ist? Ich habe den tiefen Verdacht, dass das eine riesige gesellschaftliche Aufgabe sein wird.
Der gesunde Menschenverstand ist keine Lösung, das sehen wir ja gerade.
Die Bigotterie, uns selbst auf den Heiligenschein-gekrönten Tron zu setzen und die anderen zu beschimpfen, meiner hmbl Meinung nach übrigens auch nicht.

As always: Wenn Sie sich angesprochen fühlen, sind Sie nicht gemeint. Ich meine nämlich niemanden, ich denke über gesellschaftliche Aspekte nach.

Sie mögen das, wenn ich auch mal aus dem täglichen Alltags-Einerlei ausbreche und über Gott und die Welt nachdenke? Hier steht eine virtuelle Kaffeekasse!
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist.

4 Kommentare

  1. Aww, vielen lieben Dank für die Blumen und ich überlege jetzt, ob die Truppe so wahnsinnig ist, oder nur völlig normal in wahnsinnigen Zeiten. 😀

    Danke auch für die 72 dpi Story. Als Printdesignerin der ersten Stunde, bzw. der Stunde Null des DTP, ist das eine sehr spannende Sache mit diesem Webdesign.

    „Singen und Klatschen“ habe ich bisher immer nur als rein auf Waldorfpädagogik bezogen wahrgenommen, nie als abwertende Bezeichnung für Fächer an einer richtigen Schule. Wobei ich es schon richtig finde, dass der Schwerpunkt in den Schulen auf naturwissenschaftlichen Fächern liegt (wir wir gerade live erleben, offensichtlich noch nicht genügend – anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum so viele Leute mit null Verständnis von exponentiellem Wachstum oder auch mit gefühlter Biologie durchs Leben laufen). Ich fürchte, es bleibt kompliziert.

    1. Leider liegt der Schwerpunkt ja nichtmal auf MINT, sondern auf Deutsch, Mathe und Vertretung …
      Darüber hinaus ist halt auch untersucht, dass man auch Mathe und Bio besser lernt, wenn es nicht gebüffelt (oder: „gebimst“, wie man heute sagt), sondern erfahren wird. Das ist vielen Eltern, die halt eher auf gute deutsche, wahlweise evangelische Werte stehen schon zu heititei. Weswegen sich solche Lernformen dann in sog. alternativen Schulformen bevorzugt finden und naja.

  2. Hihi, „gebimst“ hat meine Omi das auch genannt. „Einbimsen“ für büffeln.
    Vertretung, da sagste was … Aber ach, meine Schulzeit ging ’87 zu Ende und ich sag’ da besser nichts zu. Leute ohne Kinder und ohne Hunde wissen ja immer ALLES über Kinder und Hunde und Leute, die mal zur Schule gegangen sind wissen ALLES über Schule und insofern: Geruhsame Weihnachten. 😉

Kommentare sind geschlossen.

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