12.12.2020 – neumodischer Kram

Auch ein hübsches Datum, nicht wahr?

Ausgeschlafen, hochgegangen, ein bisschen an einer Musik-Idee gebastelt, die entweder sehr seltsam bleibt oder irgendwann sehr cool wird. Gefrühstückt.

Kurz einen sehr aufregenden DM-Wechsel geführt. So aufregend wie es eben ist, wenn man da draußen in diesem Online jemanden trifft, die es schafft, 120% die eigenen Gedanken in gute Worte zu fassen und so aufregend wie es eben ist, wenn man sich daraufhin verabredet, um sich mal darüber auszutauschen.

Draußen wars hybsch.

Ins Nachbarstädtchen gefahren und meine Uhr wieder abgeholt und dabei einen Juwelier verwirrt. Es war nämlich so gewesen: Meine Uhr hatte schon ein paar Tage bei Mails und DMs nicht mehr vibriert und dann bestätigte ein Blick in die App, dass die Batterie ziemlich leer war und einen Tag später blieb sie dann auch stehen.
Nun hat sie eigentlich auf der Unterseite einen recht exakt Münz-breiten Schlitz und man kann und soll die Batterie selbst wechseln – aber uneigentlich bewegte sich da gar nichts und von früher hatte ich einen Juwelier und Uhrmacher im Nachbarstädtchen als gut in Erinnerung und am Donnerstag hatte ich die Uhr weggebracht.
Gestern Abend riefen sie an: Die Batterie wäre gewechselt, aber sie bekämen die Uhr nicht gestellt. Ich: „Richtig, das kann nur die App“. Sie schwiegen exakt lange genug, dass man abfällig „neumodischer Kram“ denken konnte und erklärten dann, ich könne sie abholen.

Ich also heute Morgen hin, mich draußen angestellt, mich drinnen angestellt, meinen Abholzettel vorgezeigt like it’s 1999 und dann holte der junge Mann eine Papiertüte mit Uhr und erklärte mir, sie wären sich nicht sicher gewesen, weil ja die angezeigte Uhrzeit nicht stimmte und …
… und guckte auf die Uhr und die Zeit stimmte natürlich und er war verwirrt.
Klar, ich war ja jetzt seit zehn Minuten in Bluetooth-Reichweite – mehr als genug Zeit für Handy und Uhr, sich zu koppeln und miteinander ausführlich über die Grundsätzlichkeiten ihrer Beziehung zu sprechen.
Draußen standen vier frierende Leute die ich nicht warten lassen wollte, er brach eh das Gespräch ab – ich habs ihm nicht erklärt.

Aber wenn Ihr mir eine DM schickt – ich werde wieder unauffällig informiert. Hauptsache.

Wieder zu Hause kam ich gerade pünktlich, um die zweite der beiden Boxen in Empfang zu nehmen und ganz eventuell habe ich die nächste Stunden blöde grinsend im Stereodreieck verbracht. Ein guter Kauf.

Danach sind wir beide noch zum See gefahren, haben uns kurz über den Kreis der glühweintrinkenden Menschen ohne Maske am Weihnachtsbaumverkauf geärgert, sind dann weiter zu einer Freundin, der die Liebste noch etwas in den Briefkasten werfen musste, haben beim Burgerkönig gehalten und uns Kaffee rausreichen lassen und als wir dann zu Hause waren, war der Tag auch irgendwie schon fast rum.

Folgen Sie mir unauffällig:

Sue Reindke fordert eine Bundeszentrale für digitale Bildung und bringt dabei meine langjährigen Gedanken zu 120% in kluge Worte:

Während der Schulschließungen […] meinten [alle] zu wissen, wie viel einfacher und besser die Schulen das [digitales Unterrichten] organisieren könnten. Das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal über die Gründung einer Bundeszentrale für digitale Bildung nachdachte. Das, was während der Schulschließungen zu Hause passierte, hat mit digitaler Bildung nämlich nicht viel zu tun, es war eher der Versuch, die Lehr-Lern-Prozesse aus der Schule möglichst originalgetreu nach Hause zu übertragen. […] wir stellen aus meiner Sicht bisher häufig nicht die richtigen Fragen. Es geht nicht nur darum, was und wie gelehrt und gelernt wird, sondern viel mehr darum, welche Arbeitsprozesse, Strukturen und Datenverarbeitungsprozesse dahinterstehen und wie diese verbessert werden können.

Sue Reindke: Warum wir jetzt eine Bundeszentrale für digitale Bildung brauchen

Herr Buddenbohm ist unter anderem sauer und wenn Corona mir etwas beigebracht hat dann exakt die gleiche Erkenntnis wie ihm:

Und zwar hatte ich es in diesem Jahr in einem ganz ungewöhnlichen Ausmaß mit Menschen zu tun, die ihren Job aus meiner Sicht nicht richtig gemacht haben. In etlichen Zusammenhängen, ich rede dabei gar nicht von meinen Berufen. So einen Gedanken muss man sorgsam prüfen, denn es besteht ja eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man selbst ein Problem hat, nicht die anderen. Selbstbild/Fremdbild, da fällt man gerne rein, da geht man gerne baden. Man muss also suchen, das zu objektivieren, abzugleichen und zu prüfen. Das habe ich gemacht. Lange und oft.
Und ich bleibe dabei – es wimmelt da draußen von Leuten, die dem nicht gerecht werden, was auf ihrer Visitenkarte steht (schnell ein Blick auf meine eigene, da steht aber nur “Texte” – Schwein gehabt). Leute also, die also entweder Kompetenzlücken spektakulären Ausmaßes haben oder die, noch wesentlich verbreiteter, ihre ihnen durch die Rolle zugewiesene Verantwortung lieber nicht wahrnehmen möchten.

Maximilian Buddenbohm: Eine dünne Linie

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