17.11.2019 – Wechselbäder

Sagen wir’s so wie es ist: Die letzten Tage sind ein krasses auf und ab. Ich erwähnte ja im Rahmen dieses Blogs schon einmal das Wort PTBS und es gibt Situationen im Leben, da bedeutet „Post“ weit weg und es gibt welche da bedeutet „Post“ genau mittendrin im Alltag, mitten in Gedanken, Seele, Herz. Zweitgenannte können den Alltag dann schon sehr beherrschen, wie die zweite Hälfte der letzten Woche anschaulich zeigte.
Aber nun renne ich ja nicht montags zur Seelenmassage, um da krankenkassenfinanziert den neusten Gossip über Hollywoodstars und das englische Königshaus auszutauschen, sondern ich lerne da etwas. Unter anderem einen guten Umgang mit solchen Situationen.
Aber Arbeit es ist, junger Padawan, und viel Kraft es kostet.

Während ich Donnerstag aus irgendwelchen Gründen gut den Weg nach Leverkusen geschafft hatte, musste ich Freitag ein Treffen mit Freunden leider absagen; Samstag wieder war abends ein Konzert einer kleinen lokalen Band zur Ablenkung genau das richtige. Eine Band, die sich übrigens laut dem Urban Dictionary „erigierter Penis“ nennt. Aber erstens unterstelle ich ihnen da große Ahnungslosigkeit während des Namensfindungsprozesses – und ob der Name unbedingt schlechter ist, als eine Band, die sich nach einem Vibrator benannt hat oder ein Auto, dass Wichser heißt? Namen sind doch Schall und Rauch.

Was ich beim Konzert leider feststellen musste: Diese hippen Monitor-Boxen auf Ständern (… nein, bitte keine Anspielung auf den Bandnamen hier), diese hippen Monitore jedenfalls zusammen mit den ebenfalls hippen iPads, die man auf der Bühne heute so vor sich hat, die sorgen zusammen für eine ganz schönen Mauer zwischen Band und Publikum und das ist schade, denn die können schon ganz schön spielen, die fünf. Aber durch so eine Mauer muss man ja erstmal drüber kommen.

Heute dann Kino. Eigentlich ohne besonderen Anspruch und nur zur Vermeidung des gefürchteten Lagerkollers fuhren wir, uns Das perfekte Geheimnis anzusehen. Nun mag ich ja deutsche Filme eher selten, aber hier fehlten ja schon mal die Herren Schweighöfer und Schweiger, das quasi Kammerspiel-artige Setting ließ auch nicht zu viel Raum für Slapstick-Stunt-Einlagen und so war das schon sehr ok.
Was – vollkommen logisch – mich seitdem beschäftigt: Würde ich der Liebsten mein Handy geben? Natürlich ja, denn ich habe keine Geheminisse. Echt nicht.
Und natürlich nein. Würde ich ihrs wollen? Natürlich nein. Beides hat für mich nichts mit Geheminissen zu tun, sondern mit Respekt vor Privatsphäre; die gibts nämlich auch innerhalb einer Beziehung.

Die Liebste berichtete dann, sie habe irgendwo in einer Untersuchung gelesen, dass das durchschnittliche Ehepaar 12 Minuten am Tag miteinander spricht. Ich guckte fassungslos; verstand dann aber daran sowohl besser die Grundidee des Films als auch, dass so viele Paare Angst vor gemeinsamem Urlaub und erste Recht der Rente haben.
Ich möchte nie wieder da raus.

2 Kommentare

  1. Ich wünsche Ihnen, dass die neue Woche das „Post“ wieder weit in die Vergangenheit schiebt. Und bei den Ehepaargesprächen wundere ich mich auch immer. In 12 Minuten schaffen wir mal grad eine Unterhaltung über den morgendlichen Hundespaziergang.

Kommentare sind geschlossen.

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