31.3.2019 – time is a-changing

Gestern im Kopfschmerzdusel kurz ein Interview mit einer Wissenschaftlerin wahrgenommen, die recht eindrücklich davor warnte, die Zeit dauerhaft in Richtung Sommerzeit umzustellen. Sie endete mit einem recht resignierten „Aber da müssten Entscheidungen dann vielleicht mal auf wissenschaftlicher Grundlage gefällt werden und nicht auf populistischer oder halt irgendeinem Gefühl“.

Außerdem striff die Sendung noch kurz das Thema „wie idiotisch ist es eigentlich, Kinder und erst Recht Jugendliche morgens um acht in die Schule zu schicken“ und da sieht man ja auch wirklich sehr schön: Es ist einfach vollkommen wumpe ist, dass etwas wissenschaftlich klar ist, wenn es halt schon immer so gemacht wurde.

Kommen wir aber zu was Wichtigem: „Platzwahl & Tanzen auf Konzerten“. Das Thema kam auf Twitter kurz auf, als sich jemand großes in die erste Reihe stellte und dort verharrte.

Nur kurz zur Platzwahl: Ich bin selbst ca 1,90 groß und damit auf Konzerten eigentlich immer jemandem im Weg. Trotzdem – und ich will die Bedürfnisse kleiner Frauen da jetzt nicht im geringsten bestreiten – weiß ich damit nicht immer gut umzugehen. Angenommen, ich rücke jedesmal eine Reihe weiter nach hinten, wenn jemand kleineres hinter mir steht, dann stehe ich schnell mindestens 50m von der Bühne weg. Es ist kompliziert, ich hab keine Lösung, und ich wollte es nur mal gesagt haben.

Tanzen: In der gleichen Unterhaltung ging es auch schnell darum, wie man denn bitte auf Konzerten still stehen und nicht tanzen kann. Ich rief halbironisch „Man nennt uns Muckerpolizei“ aber vielleicht muss ich dieses Phänomen erst mal erklären:

Also: Wenn Sie selbst ein ernsthaftes kleines Scheißerchen eine Musikerin sind, dann gibt es verschiedene Gründe, ein Konzert zu besuchen. Also: Neben den üblichen, wie: Eine geile Zeit haben zu wollen, abzugehen, herumzuspringen, die Lieblingslieder mit absolut Wohnzimmer-inkompatibler Lautstärke ins Gehirn geblasen zu bekommen und einfach mal für eineinhalb Stunden den Kopf abzuschalten.

Vielleicht möchten Sie nämlich der Künstlerin auf der Bühne auf die Finger gucken. Vielleicht steht da TM Stevens oder Steve Lukather oder Barbara Dennerlein oder eine andere Instrumentengöttin und Sie möchten sehen, was die mit ihrem Instrument kann, was Sie nicht können.
Oder da vorne steht eine von diesen Bands, die zwei Stunden lang miteinander improvisieren und Sie möchten keine Mikrosekunde dieser unglaublichen musikalischen Kommunikation verpassen.

Es mag eventuell sein, dass ich schon bei Konzerten in der ersten Reihe stand, mich zwei Stunden nicht einen Millimeter bewegt habe und dabei die geilste Zeit meines Lebens hatte.
Inzwischen weiß ich, dass das nicht nett für die ist, die a) kleiner als ich sind und sich b) mehr bewegen wollen. Und unter anderem deswegen gehe ich halt eher an den Rand. (Obwohl da der Sound selten dolle ist, es bleibt kompliziert).

Es mag übrigens auch sein, dass ich selbst schon auf der Bühne stand und an dieser Muckerpolizei (denn so nennt man uns gerne*) verzweifelt bin. Denn natürlich sieht so ein unbewegtes extrem-Interesse vollkommener Teilnahmslosigkeit einfach sehr, sehr ähnlich und an denen vorbei die tanzende Menge dahinter zu erreichen ist nicht ganz einfach.

*) Muckerpolizei vor allem, weil solche Menschen gerne nach einem Konzert zu einem kommen und so etwas sagen wie: „Den Slide von C auf Dis im dritten Takt des Solos von Lied X hast Du aber vorgestern nicht so neben dem Beat gespielt, das war geiler. Aber sonst: Schönes Konzert.“**

**) Wirklich, die meinen damit nichts Böses, die hatten wirklich ein unfassbar tolles Konzert und glauben, sie hätten das auch gesagt.***

***) Beruhigen Sie sich, auch ich habe inzwischen social skills gelernt und vermeide solche Sätze heute****. Auch wenn es mir immer noch auffällt.

****) Neben den genannten fallen mir übrigens noch ein andere Gründe ein, warum man nicht vorne im Moshpit sein möchte. Einer der anwesenden Autoren zB bekommt in Menschenmenge gerne Panikattacken und muss immer sehr abwägen, wie weit vorne vong Angst noch geht und wie weit hinten vong Sound & Sicht noch geht.

Und abschließen möchte ich dieses kleinen Erklärartikel mit einer Anekdote von einem Konzert, das eine inzwischen allseits bekannte und heiss geliebte dänische Sängerin vor acht Jahren in Münster gab. In die Bandgeschichte ist das Konzert als eine der heftigeren friday nights eingegangen; wir haben uns im Februar noch darüber mit dem Gitarristen unterhalten, der sich wirklich sofort erinnerte. Acht Jahre später: „Jovel Music Hall? That was wild. You were there? Cool.
Auf der Bühne also ausgelassene Stimmung, nach dem Gig ohne Unterbrechung wilde Party im Bus und Münsters Kneipen und ich?
Ich erinnere mich aber auch an die Mädelstruppe, die in der Schlange für die Autogramme neben mir stand und sich regelrecht auskotzte: Müssen die alle so rumspringen? Und dieser Gitarrist – muss der sich so produzieren? Der ist doch nur Begleitmusiker. Und neben mir der Typ, konnte auch nicht stillstehen. Und der. hat. mitgesungen. Dann sahen sie, dass der Typ hinter ihnen stand. Also ich.
Könnten Blicke töten, gäbe es dieses Blog nicht.

Die Geschmäcker sind also wohl verschieden. Ich kenne beide Seiten – ich hab früher gerne meine Haare vorne mittendrin fliegen lassen und ich hab halt auch schon nur da gestanden. Auch vorne.
Und ich habe natürlich jedesmal die anderen gehasst, Is’ klar.
Am besten also alles nicht so ernst nehmen.

30.3.2019

Das Leben und ich, wir hatten mal einen Deal: Keine zwei Krankheiten auf einmal. Das galt sowohl für „Die Liebste und ich sind nicht gleichzeitig krank“ als auch für „Eine Krankheit pro Person reicht“.
Und über the Margen-Darm-Incident von 2002 sprechen wir nicht.

Die Liebste hat Magen, ich hab Magen und seit 31 Stunden Migräne. Das war anders abgemacht.

Gleich läuft „die beste Show der Welt“ mit Jeannine Michaelsen; einer der coolsten unter denen, die da draußen in diesem Moderations-Dings-Self-Marketing-Becken schwimmen. Da muss ich eh mal drüber schreiben.

29.3.2019

Ich hab mir das ja selber eingebrockt. Habe das hier Tagebuchbloggen genannt und nicht alle-2-Tage-Buchbloggen oder nur-an-guten-Tage-Buchbloggen oder sowas. Also müssen wir da jetzt durch.

Gestern, wo ich mich ja vorm Schreiben gedrückt habe, dachte ich endgültig, ich würde jetzt krank. Wir hatten das Thema ja schon zur Genüge: Grippesymptome aber nicht richtig, alle grinsen und sagen Erschöpfung oder wie die Frau aus der Agentur so nett sagte: „Mag da auch Psychosomatik an Bord sein?
Voll schön, wenn einem das Fremde schon so spiegeln.
Gestern dann aber so heftig Gliederschmerzen, dass ich dachte: Nu aber. Und das nachdem ich sogar mittags schon wieder spazieren war.

Abends richtig krank. Was uns zum Beispiel daran hinderte, der Generalprobe von Wowos Bühnenprogramm beizuwohnen. Moppelkotze.

Dementsprechend mies geschlafen aber heute Morgen gings, also ging auch ich, nämlich hoch an den Schreibtisch. Der Berg wird ja sonst nicht kleiner.

Zur Arbeit lässt sich leider im Moment nur sagen, dass die beiden Menschen mit denen ich gerade arbeite exakt die beiden entgegengesetzten Pole der Skala „Respektvoll und wertschätzend“ abbilden. Einer der beiden Jobs macht auch inhaltlich Spaß, da freue ich mich sehr vor, Ihnen das später mal zu zeigen.

Gegen Mittag stellte ich fest, dass eigentlich die Fieberschmerzen ziemlich weg waren. So spät erst, weil bis sich bis dahin eine recht solide Migräne unterd er Schädeldecke eingenistet hatte.

Aber wissen Sie, was richtig toll ist? Heute abend läuft „Catch“ auf dem einen und „Let’s dance“ auf dem anderen Sender und ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich live gucken und was ich aufnehmen soll.
Ja, das meine ich ernst.

Aber morgen hätte ich dann gern mal wieder ein bisschen Leben.

Aber da im Feld wars schon ganz hübsch.

27.3.2019 – the day after

(es ist doch egal, wie ich geschlafen habe)

Man soll das Kind beim Namen nennen: Die Grundstimmung ist gedrückt. Mit den eigenen Untiefen umzugehen – das lerne ich ja, das wird schon. Aber wenn ich dann selbst schon in einer anstrengenden Phase stecke (Es ist alles immer eine Phase, die Eltern unter Ihnen kennen das) und bei an anderen Stellen auch noch Mist passiert, das ist anstrengend.

Zu viel Krankenhaus bei geliebten Menschen (nein, nichts „ganz schlimmes“, aber trotzdem: man sorgt sich). Zu viel Sorge dass die Familie, die ich ja hier aus guten Gründen nie erwähne, ihre Geschütze gerade wieder poliert und in Stellung bringt.
Zu viel Entsetzen darüber wie gestern abgestimmt wurde und vor allem darüber, auf welchem Niveau da die Marktmacht ihre Pfründe verteidigt hat.
Zu überraschend gestern Abend in eine Diskussion mit einer offensichtlich bekannten Person geraten, die sich angegriffen fühlte*. Wir haben das geklärt und es ist alles gut, aber es zog schon auch Energie. Überhaupt muss ich nochmal über die Mechanismen, die ich bei mir und anderen in Online-Diskussionen bemerke, nachdenken.

*) Ich möchte das übrigens ausdrücklich hier nicht mehr diskutieren, das Ding ist zu aller Zufriedenheit geregelt und ich werde Kommentare zu dem Thema löschen, da dieses Thema echt beendet ist. Alles andere könnte als Nachtreten verstanden werden und das möchte ich hier nicht.

Zu überraschend, dass der Kunde fünf Zentimeter vor der Ziellinie gerne dann noch die Fahrassistenzsysteme und die Minibar will – für seinem Fiat Panda den er bestellt hatte. (This was a metaphor, but I’m sure, u’ll get it.)
Zu viele Eltern, die der Liebsten das Leben schwer machen. Nein, nicht die Kinder. Überraschend, gell?

Um sieben aufgewacht, um zwei nach sieben am Schreibtisch gesessen. Da kann ich ganz gut coden. Nur wenn ich dann plötzlich reden muss, dann merke ich,w elche teile des Hirns noch im Stand-By waren.

Im Radio gehört: Wissenschaftler haben die #FridaysForFuture-Streikenden befragt und festgestellt: über zwei Drittel von Ihnen haben auch ihr Konsumverhalten angepasst oder arbeiten gerade daran. Tja, liebe alte weiße Männer, das ist natürlich jetzt etwas blöd, hm?
Mir macht das Hoffnung, merke ich doch in meinem eigenen Umkreis, dass solche Entscheidungen eher mit Erstaunen, wohlwollendem zwar, aber mit Erstaunen quittiert werden. da merkt man dann schnell, wie nahe, das konservative Denken einem selbst und den nahen Freunden ist.

Was ich dummerweise immer gerne vergesse, wenn ich so früh anfange: Dass ich so früh angefangen habe. Wenn ich dann so gegen drei etwas müde werde, dann greift meine nine-to-five-Mentalität und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich müde bin.
Ihr seht, ich hab das total raus mit der Work-Life-Balance und dem auf mich aufpassen und so. Aber …

… und deswegen gingen wir dann einen Kaffee trinken und eine kleine Runde durch die Stadt. Da macht man gerade Werbung für … äh …

Ach, ich weiß es doch auch nicht.

25.3.2019 – ich habe heute nur einen Link für Euch

Das moralische Erkennungsmerkmal des Bessergestellten (egal, ob konservativ oder liberal) ist die Verteidigung der Freiheit. Weil die Welt, in die er hineingeboren wird, die einzig richtige Welt ist, bedeutet jede neue Anforderung an ihn eine Einschränkung seiner Freiheit. Früher war Mäßigung ein konservativer Wert, aber seit dies der grüne Markenkern ist, zwingt der rechte Rand der Mainstream-Union einen vulgären Affekt auf: Ob Tempolimit, „Veggieday“ oder Reduktion von Fernreisen, ob Frauenquote, gendergerechte Sprache oder Anerkennung von Trans- und intersexuellen Menschen: Legitime Forderungen von Grünen und Linken werden diffamiert als gemeine Maßnahmen, normalen Menschen ihr gutes, normales Leben zu vermiesen.

krautreporter.de: Konservativ sein heißt heute: Alles, was Männern Spaß macht
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