11.11.2018

Geschlafen, aufgewacht, Kinderfernsehen, (was ist denn bitte mit Muschda passiert?? Muschda, wo auch immer Du bist: Ich vermisse Dich!), nochmal geschlafen, rumgegammelt, spazieren gewesen, Pommes gegessen, rumgehangen. Nichts, was mehr als ein einzelnes Verb verdient.

Abends dann in Dortmund erst in einem vietnamesichen Restaurant gelandet (ok) und dann zum John Scofield-Konzert im domicil gegangen.
Lasst es mich so sagen: Ich möchte nie so alt werden wie diese Musik war. Herr Scofield war mal richtig frisch. Offensichtlich ist er da stehen geblieben.

Haken wir das ab, gucken The Voice und wenden uns den nächsten zehn Fragen zu

  1. Wie heisst dein Lieblingsbuch?
    Ich habe nicht ein Lieblingsbuch. Drüben bei den 5 Büchern habe ich vor ein paar Jahren mal 5 Lieblingsbücher aufgeschrieben und das kommt immer noch ganz gut hin. Ergänzend sollte ich wohl das Buch erwähnen, in dem eine Danksagung an mich steht, sowas macht ein Buch ja auch zu einem Lieblingsbuch.
  2. Mit wem kommunizierst du am häufigsten über WhatsApp?
    Über WhatsApp selbst gar nicht, denn ich bin der, der kein WhatsApp hat. Über Telegram mit der Liebsten, über Threema mit der Sylvia.
  3. Was sagst du häufiger: Ja oder Nein?
    Ich weiß es nicht. Vermutlich soll diese Frage ja bedeuten, ob ich eher aufgeschlossen und positiv gestimmt durchs Leben gehe oder ablehnend und verschlossen und da kann ich sagen: Ich versuche ersteres. Aber dazu gehört auch, manches an toxischem Mist abzuwehren und dazu gehört das ein oder anderen nein.
  4. Gibt es Gerüchte über dich?
    Vermutlich ja. Zum einen fühlte sich mal ein Lokalzeitungsredakteur von mir auf den Schlips getreten, wie ich hinten rum erfuhr. Jetzt müsst Ihr wissen, dass Lokalzeitungsredakteure in sauerländischen Kleinstädten eigentlich direkt nach dem Kaiser kommen und so war der Herr nicht mal zu einem klärenden Gespräch bereit – also muss es da was geben.
    Und dann war da noch der Anruf meiner Mutter, die besorgt nachfragte, ob es wahr wäre, dass die Liebste mich mit den Kinden hätte sitzen lassen. Das Argument, dass wir keine Kinder haben und schon deswegen die ganze Geschichte leicht anzufechten war, hatte sie nicht beruhigt, als die Geschichte durch das Dorf ging. Ein Grund mehr das Kaff zu hassen.
  5. Was würdest du tun, wenn du nicht mehr arbeiten müsstest?
    Was anderes arbeiten. Vermutlich eine Stiftung gründen, die die Modernisierung des deutschen Bildungssystems zum Ziel hat.
  6. Kannst du gut Auto fahren?
    Wie alle Deutschen: Aber natürlich. Rechne ich die Anzahl vermiedener Beinahunfälle, gefahrener Kilometer, das ausgesprochene Vertrauen meiner Beifahrerinnen mit rein: Vermutlich wirklich ja.
  7. Ist es dir wichtig, dass dich die anderen nett finden?
    Nett nicht unbedingt. Aber ich fürchte, ich möchte zu sehr gemocht werden.
  8. Was hättest du in deinem Liebesleben gerne anders?
    Ich hätte vor allem gerne, dass es weiterhin außerhalb des Internets stattfindet.
  9. Was unternimmst du am liebsten, wenn du abends ausgehst? Ich gehe wirklich gerne auf Konzerte. Livemusik ist einfach das Beste. Auch wenn man mal Enttäuschungen so wie heute erlebt.
  10. Hast du jemals gegen ein Gesetz verstossen?
    Außer den üblichen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordung fällt mir da gerade nichts ein.

10.11.2018 – Zeit ist eine Illusion

Morgens für einen Samstag früh aufgestanden und erst Recht früh das Haus verlassen, denn wir fuhren nach Dortmund zu „Zwischen Brötchen und Borussia“ – ich hatte darüber schon mal erzählt.

Gestern war das Thema „Ist Zeit nur eine Illusion? Relative Zeit, Zeitreisen und das zeitlose Universum“ und das war ganz schön sportlich für anderthalb Stunden und ich hatte schon das Gefühl, dass zwischendurch die Blicke im Hörsaal etwa leerer wurden – spätestens als die verschiedenen Zeitmodelle in der Experimental- und der Quantenphysik gestreift wurden.
Ich liebe diese Vorträge. Sie machen den Kopf so auf – auch und gerade, wenn ich nicht alles verstehe.

Was ich aber eigentlich erzählen möchte ist in der kleinen Fragerunde nach dem Vortrag passiert:
Zum einen die Frau, die (sehr themenbezogen und -eweiternd) was fragte und quasi mitten im Wort das Mikro aus der Hand gerissen bekam. Ihr Sprechtempo und die Geschwindigkeit, mit der sie es doch noch fest hielt ließen vermuten, dass ihr das häufiger passierte. „Frauen unter Physikern“ seufzten die Liebste und ich synchron.
Dann der Mann, der die Fragestunde dazu nutzte, um kurz auch noch seinen eigenen Hobby-Forschungsstand zu erzählen – das ist bei Fragestunden ja häufig so. Dieser schoß für mich allerdings den Vogel ab mit der schönen, an den Professor gerichteten Bemerkung: „Ich hatte Ihnen das schon mal erklärt“ – die der sehr nonchalant überhörte und den Rest des Wortbeitrags für den übrigen Saal wieder richtigstellte.
Und dann der zehnjährige, der auch noch zwei Fachfragen hatte. Er redete los und der Prof, der zufällig neben mir stand, ein paar weitere drumrum sitzende und ich murmelten synchron: „Oh, er hats verstanden“. Was erstens durch die Menge der Murmelnden überraschend laut wurde und zweitens für einen zehnjährigen einigermaßen beeindruckte.

Gerade, wenn ich an meinen kleinen, überraschend erfolgreichen Hochbehabungsartikel letztens denke: Liebe Eltern, wenn ihr wirklich hochbegabte Kinder habt – gebt Ihnen alle Chancen. Nicht weil sie was besseres sein sollen als die anderen, sondern weil sie es verdient haben.

Danach ein grauer Samstag. Die Welt packt sich gerade in graue dumpfe Watte und ich muss da mal gegensteuern.

8.11.2018

Das Schöne an einer Zusammenarbeit mit Amerika ist, dass man nachts Mails bekommt. Das schöne an Schlafproblemen ist, dass man die Mails auch nachts direkt liest.
Irgendwo im letzten Absatz hat sich eventuell eine Portion Sarkasmus versteckt.
Auf jeden Fall starte ich in Tag zwei des „mal eben“-Seitenumzugs.

Das ist für Sie langweilig und deswegen kurz was anderes: Angeblich von den Ureinwohnern Amerikas gibt es doch sinngemäß so einen Satz wie „Urteile nicht über den anderen, bevor Du nicht einen Tag in seinen Mokassins gelaufen bist
Kennen wir *gähn* alle und gerade auf Twitter merkt man ja auch, dass das alle immer beherzigen. Ups, schon wieder Sarkasmus.

Aber im Ernst: Manchmal kann man sich halt schlecht in andere hineindenken, da braucht es einen kleinen Stupser mehr. Meermond, die vor ein paar Jahren nach Dänemark gezogen ist, schreibt über so einen Moment. Kann man sich gut mal nebenbei durchlesen:

Ich schlendere durch eine denkmalgeschützte Innenstadt. Ich entdecke einen neuen Laden. Ein weiterer „Türke“ hat aufgemacht. Warum gibt es bloß so viele Läden bei „uns“, in denen türkische Waren angeboten werden?

Meermond: Ausländer sein – Dinge, die mich mein Umzug nach Dänemark gelehrt hat

Kurzer Nachtrag zu unseren Überlegungen über kulturelle Unterschiede gestern: Die Liebste und ich schauten gestern Abend noch eine Folge Modern Family und mitten drin bekam ich einen heftigen Lachflash, während sie mich nur verständnislos anschaute. Da war die kulturelle Verständnisgrenze nicht eine sprachliche, sondern eine subkulturelle; der Witz war wohl eher für Nerds geschrieben und selbst als ich ihn erklärte kam nicht viel mehr als ein gegrinstes „Ach so“ – weit entfernt von meinem Lachflash.
Ach ja, der Witz ging sinngemäß: „Schicks mir doch per E-Mail, ich habe auch eine Adresse: jayscomputermail@aol.com.“ Und? Lustig?
Funktioniert hier wahrscheinlich wieder nicht, weil man Jay kennen muss.
Es ist kompliziert.

Den letzten Satz – ach und überhaupt die Quintessenz der beiden letzten Absätze – sollte man vielleicht immer im Hinterkopf haben wenn man kommuniziert. Oder mindestens: Es ist immer komplizierter als man denkt.

Mittags auf facebook eine Metadiskussion (mit)verschuldet. Ich hab letztens schon erwähnt, wie sehr mich das ermüdet, wenn ein Posting oder Artikel dazu führt, dass jedes Detail in allen Facetten durchgekaut wird, wie unhöflich ich es sogar finde. (Vermutlich habe ich dabei sogar jemanden verprellt.)
Aber manchmal passiert es wohl trotzdem – man holt vielleicht etwas aus, weil man ein gewisses Fachwissen mitbringt, jemand anderes dockt an, jemand drittes mokiert eine schlechte Formulierung, formuliert aber selber in der aktuellen Erregung uneindeutig, jemand viertes findet die Formuierung gar nicht schlimm, während Nr 3 bei Nr 4 nachfragen muss, worüber man gerade eigentlich spricht, während noch jemand anderes noch einfällt, wie das in China ist.
Es ist kompliziert und wenn mir so etwas passiert, tut es mir sehr leid. Vor allem, weil die wenigsten Postings in Sozialen Netzen oder Blogs ja aus Lust an der Metadiskussion entsehen, sondern meist ja aus einem persönlichen Impuls, vielleicht sogar einer Betroffenheit heraus.
Von daher: Weist mich bitte darauf hin, wenn ich abgleite. We’re all just human. Und ohne Fehler – und ohne dass wir sie erkennen – gibts kein Wachstum.

Apropos „Wachstum“ – auch ich hier spreche ja gelegentlich von den weißen alten Männern um eine bestimmte Struktur sprachlich vereinfacht darzustellen. Mancher mag das nicht, mancher fühlt sich da angegriffen oder auch diskriminiert. Falls Sie jetzt mancher sind und wachsen möchten, wenn Sie interessiert sind an Verbesserung, dann empfehle ich Ihnen diesen Text hier in dem sehr sauber herausgearbeitet ist, warum das keine Diskriminierung ist:

Natürlich steht und fällt diese These mit der Frage, wie man Diskriminierung definiert. Wenn man jede persönliche Ablehnung oder auch nur Benennung von gesellschaftlichen Gruppen als Diskriminierung sieht, okay. Dann können auch Weiße und Männer diskriminiert werden. Wenn man aber Diskriminierung als einen Mechanismus versteht, der unterdrückte Gruppen oder Minderheiten von gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung fernhält, dann ist das eine Erfahrung, die Weiße und Männer als solche in dieser Welt nicht machen können. Es kann Vorurteile gegen sie geben, es kann Gewalt, Mobbing, unfaires Verhalten geben, oder Witze über sie, aber keine Diskriminierung.

Spiegel online, Margarete Stokowski: Warum es keinen Sexismus gegen Männer oder Rassismus gegen Weiße gibt

Wenn Sie hingegen lieber herumstänkern möchten, dann empfehle ich Ihnen einen Gang in den nächsten Wald; sicher findet sich da ein Baum, der sich das gern anhört.

Du findest Tagebuchbloggen der alten Schule gut?
Hier kannst Du mir ’ne Mark in die Kaffeekasse werfen!

7.11.2018 – mal eben

Ich kenne die Software, mit der ich arbeite. Also mein Grafikprogramm, meinen Code-Editor und so weiter. Was ich nicht kenne, ist die Software, auf die ich stoße wenn ich Websites erstelle. Also z.B. die Server, auf denen ein Kunde seine letzte Website hatte – und wo auch die neue hin soll, weil es schwer ist, zu erklären, warum sie oder er wechseln sollte.

Was das mit Tagebuchbloggen zu tun hat? Das ist einfach: Heute morgen so gegen viertel nach sieben war ich am Schreibtisch. Gestern Abend hatte ich für beide Websites, die ich Euch schon angekündigt hatte das „Go!“ bekommen.

Ziehe ich eine Website von meinem Server zu einem mir bekannten anderen Webhoster um, dauert so ein Umzug in der Regel zwischen zwanzig und vierzig Minuten. Also mach ich das doch mal eben, dachte ich mir.

Während ich diese Zeilen tippe ist es 15:50 Uhr, eine der beiden Sites ist online und um die andere ans Laufen zu bekommen hänge ich seit diversen Stunden in einem amerikanischen Support-Chat. Um die Relationen klar zu kriegen: Die erste Site war auch schon um viertel nach neun online – das hat nur so „lange“ gedauert, weil der Support bei dem Hoster erst um neun erreichbar war. Dann zwei Klicks und dem Upload zugucken.
Den Rest der Zeit hat Site Nummer zwei in Anspruch genommen. Sieben Stunden.

Und deswegen, liebe Kunden steht in meinem Angebot, dass ich mir vorbehalte den Aufwand, den ein Umzug zu einem mir unbekannten Webhoster verursacht nach Aufwand abzurechnen.

Kommen wir aber zu den schönen Dingen: Der Polo ist endlich online (also seit heute so gegen halb zehn). Polo ist ein Cartoonist, Zeichner, Maler,  … – Künstler eben und vermutlich sind Sie auch schon mal auf eine seiner Zeichnungen gestoßen – mir kam einiges bekannt vor. Und: Ich hatte echt viel Spaß beim Arbeiten – so hinterher, als die Inhalte kamen.
Also, guckense ruhig mal beim Polo vorbei; das Konzept und das Design hat der Peter Neuhaus gemacht und ich hab das CMS angepasst und die Umsetzung gemacht. www.polo-cartoon.de

Naja, und damit war der Tag dann auch irgendwie schon rum.

Falls Sie jetzt überhaupt keinen Schimmer haben, wovon ich spreche: Ich bin Webdesigner und -entwickler und falls Sie mal so jemanden brauchen, weil Ihr Blog schöner werden soll oder Ihre Firma eine neue Website braucht oder auch Ihre Band oder Ihr Hamsterzuchtverein – dann kommen Sie doch gern vorbei.

Peter und ich sprachen übrigens im Nachklang noch über unsere Erfahrungen mit dem amerikanischen Support – und schnell dann darüber dass uns bei aller Globalisierung, bei aller Internationalität in Job und Entertainment vermutlich immer noch eine Menge Zwischentöne fehlen. Spreche ich mit einem deutschen Support schaffe ich es meist innerhalb der ersten zwei Sätze klarzumachen, auf welchem technischen Niveau wir sprechen können – also dass zum Beispiel niemand sagen muss: „Öffnen Sie mal Ihren Browser, das ist das Ding mit dem »e«“ Das klappte heute nicht. Ob es an den prozessual festgelegte Strukturen des Gegenübers lag oder daran, dass ich den Zwischenton nicht traf – wer weiß?
Und auch bei Fernsehserien – wer weiß was wir alles dann doch verpassen? Würde der Amerikaner begreifen, wenn jemand sagt: „Der kommt aus Ostfriesland“ – begreifen wir im Gegensatz die Konnotation, wenn jemand erzählt, sie sei in Nebraska aufgewachsen?
Wir werden es nie erfahren.