17.10.2018 – Konzertkarten für das fremde Mädchen

Gestern Abend sah ich mit halbem Auge noch einen Tweet, der durchs Dorf getrieben wurde. Korrigiert mich, wenn ich die Geschichte nicht ganz richtig zusammenfasse, für meine Gedanken dazu sind Details eh gar nicht so wichtig.

Auslöser war ein Tweet, der sinngemäß sagte:
Seit Wochen sehe ich in der U-Bahn immer dieses süße Mädchen. Auf Ihrem Handy habe ich gesehen, dass sie Musik hört und jetzt habe ich mir ein Herz gefasst und Konzertkarten für sie gekauft. Wünscht mir Glück.

Die Reaktionen lassen sich grob in 2 Gruppen aufteilen:

  1. Oh Gott wie süß. Viel Glück!
  2. Oh Gott, wie creepy.

Außerdem gab es noch jemanden, der ein Foto einer – wenn ich es richtig verstanden habe – Werbekampagne einer Verkehrsgesellschaft mit exakt dem gleichen Text postete. Aber das nur am Rande.

Was mir dazu in den Kopf schoß war: Ja. Zu beiden Reaktion. Beide richtig.
Das ist natürlich in Twitterland abends um halb zwölf und im Internet allgemein eher selten; da müssen die 280 Zeichen ja knallhart für eine Position benutzt werden und Differenzierung ist eher selten. Deshalb hab ich übrigens auch meine Klappe gehalten und blogge jetzt lieber darüber und möchte anhand dieser Geschichte einmal über ein paar Dinge laut nachdenken. Nehmen wir das Folgende also mal als sich entwickelnden Gedankenstrang.

Was will ich also damit sagen?
Ja, ich finde: Da kann eine sehr creepy Situation entstehen und ja: Da kann eine sehr hübsche Situation entstehen.
Es kommt darauf an.
Worauf kommt es an?
Darauf, wie die Situation gestaltet wird.
Nehmen wir also mal an, wir unterhalten uns nicht über eine Werbekampagne, sondern unser Typ spricht die Frau wirklich an.
Tut er das klar erkennbar auf Augenhöhe, tut er das in einer Art und Weise, die ein „Nö, Du“ akzeptiert und dreht er sich mit den Worten „Schade, dann hab noch einen guten Tag“ um, wenn sie ihn ablehnt – dann finde ich das sehr in Ordnung. (Ja, ich bin mir in diesem Moment bewusst, dass ich das aus der priviligierten Situation eines Mannes sehr in Ordnung finde; ich möchte trotzdem noch etwas weiter darüber nachdenken. Darauf komme ich noch zurück).
Tut er das auch nur in der geringste Art und Weise mit der Ausstrahlung „Ey, ich hab jetzt Tickets für 200,- gekauft, ich finde da solltest Du …“ – dann ist das creepy.
Tut er es mitten auf dem belebten Bahnsteig: ok; drängt er sie dabei in die Ecke unter der Treppe: Creepy.
Das Zauberwort für mich ist: Auf Augenhöhe. Respektvoll. Höflich. Ergebnisoffen. Ups, vier Zauberwörter.
Ich glaube fest daran, dass man mit (Körper-)Haltung, Stimme und Wortwahl das alles zum Ausdruck bringen kann, wenn man es so meint.

Was mich gestern Abend an der Diskussion auf Twitter störte war aber: Ganz schnell sprachen die meisten darüber, WAS ok wäre: Tickets nein, Kaffee ja, Kaffee nach fünf nein, Kino ja, Kino nein … – und so weiter. Die Meinungen gingen auseinander, aber: Niemand sprach über das WIE.
Jetzt glaube ich aber, dass jemand, der leider nicht beigebracht bekommen hat, Frauen auf Augenhöhe zu begegnen mit allem creepy sein kann – egal ob es die Frage nach Kaffee, Kino oder Konzert ist.
Und ich glaube ebenso fest daran, dass jemand, der respektvoll durchs Leben geht auch alle drei Angebote so rüber bringen kann, ohne die oder den anderen zu verschrecken.

Wenn Diskussionen sich aber nur um das WAS drehen, dann – fürchte ich – passieren leicht zwei Dinge:
Zum einen verstehe ich dann, warum Menschen, die den tieferen Zusammenhang nicht begreifen, denken „dann darf ich ja gar nichts mehr“. (Bitte unterscheiden: Ich verstehe, warum sie das denken Ich habe da kein Verständnis für.)
Und zum anderen – und das ist er eigentliche Punkt auf den ich hinauswill – geht die Unterhaltung darüber, wie man das WIE lernen kann völlig unter.

Denn die Frage ist doch: Wie kann man Respekt erlernen? Wie kann man Empathie erlernen? Wie kann ich meinen Kindern ein gutes Vorbild sein? Wie kann ich mich verhalten, dass ich zum einen Menschen in meiner Gegenwart wohl fühlen und Arschlöcher gezeigt bekommen, dass es anderes geht?
Sicher, das ist alles schwerer, als generell zu sagen: Niemand spricht niemanden an. Nirgends. Aber ist das die (dauerhafte) Lösung?

Wie gesagt, ich weiß, dass ich all das aus der privilegierten Situation eines Mannes schreibe. Ich möchte diese Privilegien gern verstehen und nicht benutzen; dazu möchte ich verstehen, wo sie herkomen, und auch wie man sie abschaffen kann.
Und deswegen kann ich problemlos akzeptieren, dass es – so im Dreck wie der Karren aktuell steckt – erst einmal auch vorrangig um das WAS geht.
Will sagen: Ich weiß, dass Strukturen aktuell so sind, dass eine Frau, die eine Situation creepy empfindet eher selbst dafür die Schuld zugeschoben bekommt als Hilfe zu finden. Und dass es deswegen wohl auch eine Unterhaltung über das WAS geben muss, bis wenigstens die Mehrheit begriffen, hat, wie denn WIE geht.
Und ich weiß, dass ich da die Deutungshoheit nicht habe.

Und (nicht aber): Ich wünsche mir, dass es auf Dauer um das WIE gehen kann. Dass wir alle zusammen Wege zu finden, uns allen auf echter Augenhöhe zu begegnen und anderen – egal ob jünger oder älter – das auch beizubringen.

Danke by the way an journelle, die mir noch einen klugen Impuls für diese Gedanken gab. Das Artikelbild ist von Nathalie Capitan unter CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz.


16.10.2018

Nur mal angenommen, mein vor ca. acht Wochen großartig erklärter und vehement verteidigter Titel dieses Blogs wäre im Wahrheit nur eine Notlösung gewesen … weil ich eigentlich ein ganz anderes Wort wollte … was zwar in der Bedeutung ganz nah dabei, aber englisch und hübscher und etwas umfassender gewesen wäre … wenn ich aber damals keine passende Topleveldomain gefunden hätte, weil ich blöd bin … wenn ich dann aber jetzt doch mit der Nase auf die passendste aller Domains gestoßen worden wäre … wenn ich alle URLs sauber umleiten würde und Ihr Euch zB um gesetzte Links gar nicht kümmern müsstet … und Ihr Euch eigentlich nicht mal den neuen Domainnamen merken müsstet, wenn Ihr gerade die alten vier Buchstaben über irgendeine Eselsbrücke im Kopf hattet … dann wäre Euch das bestimmt …
Ach, ist ja auch egal.
*geht irgendwas jazziges flötend ab*

Gestern Abend zwischen zwölf und halb zwei haben wir  ein fürchterlich interessantes Gespräch geführt, das mir vermutlich noch für einige Zeit zu denken geben wird. Nicht – wie man ob Ort und Anlass annehmen könnte – über Sex or Drugs or Rock’n’Roll, sondern darüber wie man mit den „neuen rechten“ Parteien in den beiden Ländern Dänemark und Deutschland umgeht. Außerdem über Privatsphäre und dem Gefühl für den eigenen Datenschutz in beiden Ländern.
Ich erwähnte ja schon letztens, dass ich es furchtbar interessant finde, wenn Menschen von außerhalb auf Deutschland blicken. Oder auch, wenn der mir bekannte Blick auf ein Land von einer Einheimischen geöffnet oder geändert wird.
Ich muss nachdenken.

Ich bin zu alt für den Scheiß. Komme ich nach elf ins Bett, merke ich das für Wochen.

15.10.2018

Ach guck, schon wieder einen Tag geschlampt. Gab aber eh nix zu erzählen.

Heute dafür erst relativ viel Pause gemacht, weil ich wusste, der Abend würde anstrengend werden. Schön, aber anstrengend.
Und so war es. Pünktlich um neun betrat nämlich Tina Dico die Bühne der Kölner Philharmonie und spielte die nächsten zwei Stunden das erste Konzert ihrer aktuellen Deutschland-Tour..
… rechnen wir mal davor:
… eine Stunde die Vorband und den Umbau …
… eine dreiviertel Stunde Warten auf Freunde …
… eineinhalb Stunden Anfahrt …

… und rechnen wir danach:
… eineinhalb Stunden Warten, weil Tina noch am Merch stand und signiert hat und viele Fotos gemacht hat und sich mit allen unterhalten hat …
… ein sehr angenehmes Stündchen hinter der Bühne …
… etwas mehr als eine Stunde Heimfahrt …

… dann war das ein langer Tag. Ein wunderschöner, aber ein sehr-ok-langer Tag.

13.10.2018

Ich sollte jetzt auf der Autobahn sein. Aber: Habe ich stressige Zeiten, rächt sich mein Körper gern am ersten freien Tag mit Migräne. Ich bin wirklich traurig und möchte nicht weiter darüber sprechen.
Schalten wir lieber zu …

den nächsten zehn Fragen:

  1. Welches Wort bringt dich auf die Palme?
    Lustigereise gibt es da eins; es ist das gute alte sauerländische „wacker“. Es ruft vollkommen unangemessen aggressive Abwehreationen im Stammhirn hervor.
  2. Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen?
    Nee, im Fernsehen noch nicht. Aber diverse Male livegestreamt im Internet und diverse Male im Radio. Eingeladen, reingeschaltet und bei Call-In-Sendungen, ich bin nämlich einer von diesen Menschen, die im Radio anrufen.
  3. Wann warst du zuletzt nervös?
    Ich teile mir mein Leben aktuell mit einer Anxiety disorder; wenn ich zählen würde, wann ich nervös bin, dann hätte ich sonst nichts mehr zu tun.
  4. Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause?
    Dass die Liebste und ich einen Platz zum Beisammensein haben. Und ich einen ruhigen Rückzugsort.
  5. Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen?
    RSS und einige wenige Newsletter lese ich aktiv.
    Twitter und (immer weniger) facebook werden schon das, was wichtig ist, zu mir spülen.
    Ich höre viel Radio und schaue abends vor dem Schlafen noch Fernsehen.
    Liebe Lokalzeitung: Falls es Euch wurmt, dass Ihr hier nicht mehr vorkommt – ich würde mich mit Euch durchaus unterhalten. Es würde aber unangenehm.
  6. Welches Märchen magst du am liebsten?
    Ich hatte als Kind ein Buch mit Indianermärchen und ich erinnere, dass mich einige davon sehr beeindruckt haben. In meiner Erinnerung ging es dort mehr um die Natur und das Leben als um die Verarbeitung düsterer Phantasien. Leider ist das Buch verschollen und ich kann keine einzelnen Titel nennen.
  7. Was für eine Art von Humor hast du?
    Vermutlich einen nach allen Seiten offenen. Ich mag Situationskomik, kann super über mich selbst lachen, kann mich bei Tarantino-Filmen zu Dreck lachen aber genausogut über die größten Flachwitze. Ist es ein bisschen dreckig – mehr davon! Kaka-Witze sind nicht so meins, aber wenn jemand sich übergeben muss – landläufig auch als Göbel-Humor bekannt: Hurra. (Jetzt ist es raus)
    Witze, die nach unten treten, ertrage ich nicht mehr.
  8. Wie oft treibst du Sport?
    Treiben. Treiben? Sport treiben. Sport. Treiben.
    Das ist ein seltsames Wort, es riecht nach Umkleidekabinen und es kommt in meinem Leben nicht vor. Aber ich habe ein sorgsam zusammen gestelltes Set an Theraband- & Faszienrollen-Übungen für meinen Rücken und mache wenn es geht gern mal Qi Gong.
  9. Hinterlässt du einen bleibenden Eindruck?
    Das hängt vermutlich davon ab, ob man mich vorher kennen gelernt hat.
  10. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten?
    Können oder mögen? Können: Essen und Trinken.
    Mögen: Ein LAN- & Internet-fähiges Gerät, da das meiste meiner Lebensorganisation in einer lokalen oder der großen Cloud liegt.

12.10.2018

Liebes #12/12, ich habe heute leider keine Bilder für Dich.
Und auch sonst nichts zu sagen.