27.8.2018

Die Liebste zur Schule gebracht. Nach sechs Wochen Ferien ist das immer ein nicht so fröhlicher Tag. Wir gewöhnen uns beide sehr daran, dass wir im Sommer mehr gemeinsame Zeit haben und der Abend vor dem ersten Schultag (called „Ferien-End-Blues“) und die ersten Tage sind immer etwas grau überlagert. Ich glaube ja daran, dass Gewohnheiten eine mächtige Sache sind und sechs Wochen reichen, um sich zu gewöhnen.
Aber: Wenn ich höre, dass manche Paare Angst davor haben, wenn beide in Rente sind: Da habe ich keine Angst vor.

Außerdem ist es jetzt ein Jahr, dass wir ohne Katz leben und sie erscheint mir gerade wieder jede Nacht im Traum. Ain’t no fun, neither.

In einem Anfall auf Apple Music nach den Scorpions gesucht und „World Wide Live“ gehört – die Platte, die damals mein Einstieg in härtere Rockmusik war. Nicht gut gealtert, diese Art von Musik.
Trotzdem mitgesungen. Komme ich in das Alter, in dem ich nostalgisch werde?

Ein Kunde, den ich im Auftrag einer Agentur betreut habe möchte seine Website jetzt selbst pflegen. Ich gehe davon aus, dass sie nicht wissen, dass Ihre Website aus dem Jahr 2007 stammt und ohne CMS „programmiert“ ist. Und dass sie schon einigermaßen HTML beherrschen müssen, um das Chaos zu durchschauen, was mein Vorgänger da zusammengemurkst hat und dass ich nie ändern durfte.
Aber das sind die Kollateralschaden, wenn man 2018 noch findet, dass Internet halt nebenher läuft.

Kognitive Dissonanz. Eine andere Kundin telefoniert mit mir und möchte, dass ich ihr rechtlich erlaube, einen Newsletter zu verschicken. Also einen ohne Anmeldung oder Double-Opt in, mehr so eine Info an alle ihre Kunden.
Das tue ich natürlich nicht.
Aber immer wenn ich sage, dass ich diese rechtliche Auskunft nicht geben darf (und eh gar keine), erklärt sie mir wieder, dass das was sie vorhat doch bestimmt „ganz harmlos sei“ und beendet den Satz mit: „Und das ist doch dann bestimmt nicht verboten?!“.
Es ist irgendwie fast süß, wie sie sich dreht und windet, um nicht einfach nach den Regeln zu spielen, aber trotzdem von mir ein OK dafür möchte.

Die Liebste zum Zahnarzt gebracht. Das Leben ist eine Bitch, aber ich gönne ihr sehr, dass wenigstens einer von uns beiden da ohne Probleme hin und wieder raus gehen kann.

Sonst viel gearbeitet. Programmierung für einen Grafik-Freelancer im Lieblings-CMS, ein Newsletter-Template für eine Agentur (gut dass ich noch Seitenlayouts auf Tabellenbasis kann), ein Briefing-Gespräch mit einer Freundin, die zur Kundin werden möchte.
Nichts zu klagen gerade. Höchstens, dass die Dinge auch gern nacheinander statt gleichzeitig kommen dürften.

Meditieren klappt heute gar nicht. Die Beine, der Rücken, die Gelenke – alles kneift, zieht, ziept. „Alles fühlen, nichts bewerten“, sagt man. „Autsch, nee heute nicht“ sag ich.

dmtg

Am 27.7.2018 sah man über Deutschland eine totale Mondfinsternis. Wir standen lange auf einem Berg und schauten auf einen blassen roten Fleck am Himmel.

Dann schob sich der Schatten langsam vom Mond weg und ich begriff: Das war unsere Erde. Unser Planet, der da gerade einen Schatten auf den Mond geworfen hat.
Also: „Begriffen“, im kognitiven Sinne das hatte ich das alles schon vorher; ich habe in Physik aufgepasst.
Aber als ich es sah, bekam es eine Bedeutung, da konnte ich es fühlen.

Von Astronauten wird ähnliches – vermutlich mehrfach potenziert  – berichtet, wenn sie unseren Planeten das erste Mal von außen sehen.

Mich hat das sehr demütig gemacht.

In den Tagen danach habe ich dann viel über Demut nachgedacht und befunden: das ist eine vollkommen unterschätzte und zu Unrecht in Vergessenheit geratene Haltung.

Von der Schwierigkeit zu atmen

Einatmen. Ausatmen.

Im Hintergrund läuft Meeresrauschen, darüber ein paar wohl durchdacht auf bestimmte Frequenzen gesetzte Töne, die mein Freund Marc zum Meditieren gemacht hat.

Einatmen. Ausatmen.

Nichts denken. Wenn die Gedanken irgendwohin möchten, sie wieder einfangen. Nicht bewerten, dass ich schon wieder an etwas gedacht habe.
Idee und Name dieses Blogs sind entstanden, bevor ich die Gedanken wieder einfangen konnte.

Einatmen. Ausatmen.
Die vorbeistreichende Luft an den Nasenflügeln spüren.

Nichts denken. Nichts bewerten.
Auch dieser Beitrag entstand im Kopf, bevor ich die Gedanken wieder einfangen konnte.

Früher konnte ich das besser. Wobei: „Besser“ ist im Zusammenhang mit Meditation ja auch vollkommener Blödsinn.
Dann habe ich bemerkt, dass ich eh nur meditiere, um etwas zu erreichen. Um zu entspannen. Um mich nach einem Telefonat zu beruhigen. Um den Blutdruck zu senken.
Vollkommener Blödsinn. Und weil ich „vollkommen blöd“ recht gut kann, habe ich dann ganz aufgehört, statt öfter zu sitzen.

Einatmen. Ausatmen.

Ich versuche es wieder. So wie das mit dem Bloggen.

Was bisher geschah

Im vorigen Beitrag sagte ich etwas kryptisch, dass ich wohl doch ein Blog brauche; das bezog sich darauf, das ich bereits von 2001 bis Anfang 2018 ein Blog geschrieben habe. Es war mir wichtig, es hat mich beinahe zwei Dekaden begleitet, ich trage seinen Namen in die Haut gestochen.
Aber …

Ich glaube, es war Judith Holofernes, die zum Ende ihrer Band „Wir sind Helden“ sagte, die Band wäre wie ein Riesentanker geworden. Unüberschaubar, schwer zu lenken und mit einem Bremsweg von 14 Tagen.

Exakt so fühlte sich das alte Blog an.

Ich möchte wieder: Einfach nur schreiben.