9.4.2019 – Nachwehen?

Die neue Projektverwaltungssoftware befüllt. Bemerkt: Mein Bauchgefühl, dass das alles nicht passt, stimmt.
Konsequenterweise begonnen, erst übel zu prokrastinieren; dann das Haus verlassen und immerhin mit der Liebsten noch über eine der umliegenden Staumauern gelaufen. Dann in undifferenzierter gedrückter Stimmung und anfliegender Migräne geendet.

Vielleicht auch noch Nachwehen von gestern?

Bei Herrn Becker an einen alten Freund erinnert worden, der viel zu früh gegangen ist und mit dem ich immer noch mal reden wollte. Das hat jetzt auch nicht wirklich was besser gemacht. Ich denke, ich werde jetzt so lange bunte Bilder auf mich einfließen lassen bis ich einschlafe.

Aber heute Morgen vorm Fenster wars echt hübsch.

8.4.2019 – Spannung – Entspannung. Repeat.

Der Tag begann damit, dass ich am Schreibtisch saß und genau wusste, dass ich wirklich viel zu tun habe, aber ich nicht wusste was ich tun sollte.
Folgerichtig kaufte ich mir erstmal eine Projektverwaltungssoftware.

Um eins war Seelenmassage. Ich freute mich seit Wochen weil wir aus Gründen heute etwas tun wollten, was allgemein als Phantasiereise bekannt ist (andere Geschichte).

Um achtzehn Minuten vor eins war ich auf der Autobahn, die war recht frei und ich fuhr mit ca hundertfünfundachtzig gen Nachbarstädtchen als ein SUV von hinten bis auf knappe fünf Meter heranschoss. In Kurzfassung: Er ließ sich dann nochmal zurückfallen, fuhr wieder auf, winkte, schaukelte sein Auto ein bisschen auf und das alles, bevor sich die nächste Lücke rechts auftat in die ich ausweichen konnte. Voller Adrenalin beschloss ich, das erste Mal in meinem Leben jemanden anzuzeigen.

Aber erst Seelenmassage. Wie gesagt: The thing ususally known as Phantasiereise. Ich hing also am Strand von Westholland rum und hörte dem Meer zu und war vollkommen tiefenentspannt.

Bei der Polizei wollte man mich erst abwimmeln; erst auf etwas drängelnde Nachfragen ob er fünf Meter für einen adäquaten Abstand hielte durfte ich rein. Nach zwanzig Minuten durfte ich dann beim Verkehrsdezernat (oder so) rein und alles erzählen. Habe ich alles richtig verstanden, dann ist der größte Kampf, der dort aktuell gefochten wird, der mit der neuen Software.

Ich fuhr nach Hause, brachte zwischendurch noch zwei Pakete weg, erzählte dann alles am Telefon der besten kleinen Schwester, weil es irgendwie raus musste und, tadaa: Da war er dann endlich, der Schock.

Hormone – und was sie mit dem Körper tun – sind so was interessantes.

Bilder von all dem habe ich nicht gemacht, obwohl der Polizist meinte, das würde alles einfacher machen. Als ich sagte, dazu hätte ich ja mein Handy in die Hand nehmen müssen – bei fast zweihundert – hat er nicht geantwortet. Deswegen hier ein paar Blüten; es ist schließlich April.

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7.4.2019 – Algoriddim

Gestern Abend waren wir bei Kruder und Dorfmeister.
Bitte wählen Sie:
Der defizit-orientierte Blick:
Ich musste das nach ca. einer halben Stunde abbrechen.

Der Blick auf meine Fortschritte des vergangenen Jahres:
Ich stand erst mit ca 3.000 Menschen in einer Schlange und dann in einer Halle, da spielte Musik, die war so laut, wie ich es seit ewigen Rockpoint-Zeiten nicht mehr erlebt habe und ich konnte es eine halbe Stunde lang genießen.

Suchen Sie sich was aus – und falls Sie irgendwo wohnen, wo die beiden noch hinkommen, dann gehen Sie hin. Das ist ziemlich … wow.

Wir begannen den Sonntag mit einem Gang um den See. Also: halbein Viertel rum und zurück und danach noch auf der Bank am Ufer in die Sonne blinzeln.
Das war sehr, sehr schön.
Auf dem Rückweg hörten wir die Eisdiele rufen – und wer wären wir, dem Flehen eines Eisbechers nicht zu folgen?
Das war auch sehr, sehr schön.

Zurück zu Hause dann den T1 fertig gebaut, das hat mich jetzt zwei Tage lange sehr froh gemacht. Lego hin, Kinderspielzeug her, Modelbau-Nerd blabla, dieses Ding ist sehr liebevoll und detailliert und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, ihn zu bauen.

Beim ScrabbleWordfeud-Spielen mit Sylvia wollte ich gern kurz was chatten – bzw. eben gar nicht so kurz, sondern etwas länger, ich mochte nicht tippen und wozu haben unsere kleinen Telefone denn eine Spracherkennung? Ach ja, ich sprach Englisch.

Und das ist natürlich total lustig. So lustig dass ich es hier teilen muss sogar. Jedenfalls so lange man nicht darüber nachdenkt, dass diese Spracherkennung von einem der vier führenden IT-Unternehmen programmiert ist und trotzdem nur Müll da raus kommt. Da haben sich Menschen hingesetzt und haben Sprache analysiert und haben einen Algorithmus geschrieben und haben diverse Qualitätskontrollen durchlaufen und das Drecksding versteht nicht mal, wenn ich sage: „I really would like to share one thought with you – that I think that spending your time with …

Ich freue mich sehr auf eine Welt, in der Algorithmen von deutlich weniger fähigen Unternehmen die Rechtmäßigkeit meiner Krankschreibung oder meines Therapie-Antrags berechnen.
Oder bei der Polizei ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass ich straffällig werde. Das wird so super. Das ist alles so lustig.
Kinder, vertraut keinen Computern.

Abends sind wir dann nochmal kurz übern Berg ins Nachbarstädtchen gefahren, weil es dort wirklich gute Burger gibt, da in dem Café am Marktplatz. Dummes timing, denn auf dem Marktplatz war Mittelalterstadtfest und da wiederum waren geschätzt eine Million Menschen und das Café hatte deswegen eine eingeschränkte Karte und raten Sie mal, ob die vegetarischen Burger der Streichung zum Opfer gefallen waren.

Nun denn. Das war trotzdem ein sehr schönes und vor allem sehr erholsames Wochenende.

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6.4.2019 – bamboozled by myself

(Irgendwas mit so gut geschlafen, dass es doch erwähnenswert ist.)

Aufgewacht, wohl gefühlt, ein bisschen Lego gebaut, mit Brötchenhunger zum Bäcker gefahren und bemerkt, dass der Parkplatz vorm Laden so leer ist dass es vollkommen sinnvoll ist, den Einkauf jetzt sofort auf der Stelle zu erledigen.
Ziemlich zufrieden darob nach Haus gekommen.

Ein bischen Lego, ein bisschen Küche für diesen Haushalt in dem wir wohnen … (das kann man auf die Melodie unseres ersten ESC-Gewinner-Titels 1982 singen).

Überlegt, wie ich Ihr Gehirn beim Lesen so dazu bekomme, sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass Sie jetzt für den Rest des Tages einen Ohrwurm haben.

Theorie: Durch den Satzrhythmus das Unterbewusstsein schon mal anregen, dann einen Hinweis geben, der auch das Bewusstsein anregt. Den Ohrwurm dabei selbst nicht nennen, aber durch einen kinderleichten Hinweis den Kopf dazu zwingen, die Zeile einmal selbst zu denken. Mission accomplished. [teuflisches Lachen bitte hier einfügen]

Und? Singt es jetzt in Ihrem Kopf?

Ein Radiosender wirft ein blödes Bildchen – auf dem einige Lebensmittel stehen – in Twitter und fragt, was man alles davon nicht mag. Das ist erstens die billigste Art, Engagement zu erzeugen, die es gibt und zweitens musste ich nach ca. zehn Antworten den Kopf schüttelt, dass auch das sofort wieder für einen Grabenkrieg reicht. Ich lernte the hard way: Man kann sich besser fühlen als andere, wenn man möglichst alles isst. Man kann sich besser fühlen, wenn man möglichst picky ist. Man kann sich besser fühlen, wenn man kein (X), aber sonst alles isst. Man kann natürlich kein Y essen aber alle doof finden, die X nicht mögen. Die Möglichkeit, das als genau das zu nehmen was es ist – nämlich einen unwichtigen kleinen Scherz – scheint in den Twitter-AGB nicht vorgesehen.

Am spannendsten finde ich, dass die eifrigsten Grabenkrieger die sind, die am lautesten nach mehr Toleranz für YZ schreien, wenn jemand anders da mal eine Befindlichkeit äußert.

Der Abend ist heute mit dem Besuch eines DJ-Sets gefüllt. Wir fühlen und sehr jung und sehr alt gleichzeitig.

Mich sehr geärgert, weil ich jetzt einen blöden Ohrwurm von 1982 habe. Logisch, oder?

Aber noch was anderes:

Mit einem der klügeren Menschen die ich kenne kam ich am Donnerstag auf Bürokratie in Deutschland zu sprechen. Konkret wunderte ich mich darüber, warum Deutschland es nicht hinbekommt aus den Geburtsraten eines Jahres X die Schulanfängerzahlen in den Jahren X+6 und X+10 sowie die Lehrstellen und Studienanfänger-Quoten in den Jahren X+16 und X+19 zu berechnen.

Und da sprach der kluge Mann: „Da gibt es ja eine gewisse Ungenauigkeit, es können Familien weg oder hinzuziehen und das lässt sich nicht genau berechnen. Und Ungenauigkeit ist dem Deutschen verhasst. Der Deutsche kann nicht gut damit leben, dass vielleicht von den 1000 geborenen Kindern 30 aus einer Stadt wegziehen und dann eine Lehreinnenstelle zu viel geschaffen wird. Zu viel Unsicherheit. Eine Planstelle zu viel? Was soll man denn damit tun?

Da ist dem Deutschen lieber, er kann sagen: Wir haben exakt 1,2 Stellen zu wenig und für 36 Kinder jetzt leider keine Lehrerin. Das ist wenigstens eine genaue Angabe.

Zum einen fürchte ich irgendwie, dass er da Recht hat.

Und zum anderen fürchte ich, dass diese Mentalität noch viel tiefer steckt und uns noch ein ganz anderes Problem beschert: Die Rechten, die sind nämlich grundsätzlich für Sauberkeit und (Achtung;) Ordnung. Und das findet der Deutsche gut.
Die Linken aber, die sind für Unruhe und Chaos und das ist nicht gut für den Deutschen.
Und deswegen ist der rechte Straftäte immer ein bedauerlicher Einzelfall, der es halt ein wenig übertrieben hat und der linke Straftäter in seiner grundsätzlichen Gesinnung ein Chaot.
Und Unordnung und Chaos gehört bestraft, aber doch nicht jemand, der mehr Ordnung möchte?

Schaue ich mit dieser Theorie im Kopf dieser Tage auf das Land, erklärt sich einiges.

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5.4.2017 – #wmdedgt

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

Der Tag fing mit etwas Verwirrung an, denn die Liebste weckte mich mit der fröhlichen Weise „Viel Glück und viel Segen“ auf den Lippen und ich hatte das tatsächlich vergessen. Erwähnte ich, dass ich ziemlich durch bin?
Aber auf dem Frühstückstisch stand ein hübsch verpackter T1 Camper von Lego und:
a) natürlich darf man sich auch mit siebenundvierzig noch über Lego freuen
und
b) wird das dann schon seine Richtigkeit haben.

Das Wort „Frohsinn“ existiert nur noch innerhalb dieses Liedes, oder?

Dann Schreibtisch. Heute erst um viertel nach sieben.

Den Preis für die überraschendste Geburtstagsnachricht bekommt M. Ich erwähnte ja mal, dass ich in einem sehr kleinen Dorf aufwuchs; einem Dorf mit klaren Hierachien wie das eben in den achtzigern auf dem Land so war. M. war einer der wenigen, der ähnlich weit unten stand wie ich und deswegen ginge wir uns aus dem Weg. Irgendwann hat er mich bei XING befreundet aber wir haben nie gesprochen – und ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei XING reingeschaut habe – also muss das alles auch schon viele Jahre her sein.
Und dann schickte er mir heute einen Sinnspruch eines großen asiatischen Weisen („Konfuse sagt…“). Überraschend. Aber sehr nett.

Protipp für Geburtstagsnachrichten im long-tail Ihres Netzwerkes: Wenn ich von Ihnen vier Nachrichten mit exakt dem gleichen Inhalt auf LinkedIn, XING, Facebook und Twitter bekomme, dann hege ich den Verdacht, dass Sie das gar nicht selbst sind, sondern Sie da ein Script benutzen. Und ob das so ein gutes Gefühl bei mir hinterlässt, das müssen Sie natürlich selbst wissen.

Eigentlich haben $Agentur und ich uns heute vorgenommen, fertig zu sein. Um halb drei, um genau zu sein. Ich rechne also jeden Moment mit dem „jetzt gehts los“-Anruf. Bei der Morgentablette merke ich aber: Ups, Blister fast leer, da ist ein neues Rezept fällig – und das auch eigentlich vor dem Wochenende. Dementsprechend voll mit schlechtem Gewissen fuhr ins Nachbarstädtchen, das Rezept abholen.
Raten Sie doch mal, wer beim Wiederkommen keinen Anruf und keine Mail hatte und sich dringend mal von diesem schlechten Gewissen gegenüber Kunden befreien muss …

Vierzehn Uhr dreißig: Houston, wir sind tatsächlich online. As in: Fertig.

Die Liebste und ich stellten uns also in den Stau in Richtung Dortmund auf dem Weg zum traditionellen Geburtstags-Sushi. Dann stellten wir uns in den Stau Richtung Heimat.
Ja, natürlich ist es dumm, sich freitags nachmittags irgendwo auf die Autobahnen rund ums Ruhrgebiet zu begeben aber herrje, ich hab mir das Datum ja nicht ausgesucht.

Abends rief die beste kleine Schwester der Welt an und wir verbrachten eineinhalb schöne Stunden am Telefon.

Und wäre mein Geburtstag nicht immer davon überschattet, dass ein Teil meiner Familie da gerne mal frei dreht und mir statt geschmackloser Glückwunschkarten geschmacklose Drohbriefe schickt – das hätte ein schöner Tag sein können, so insgesamt. Trotz Stau und Arbeitsstress. Aber nun.

Wissen Sie was? Ich freu mich ernsthaft auf „Lets dance“. Erst Dompfaffen, dann RTL-Abendprogramm. So ist das also mit dem alt werden.

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