18.12.2019 – Schilde hoch

Es ist schon erstaunlich, für was Firmen noch alles plötzlich Energie aufbringen können, so kurz vor Weihnachten. Da kümmern sich Geschäftsführer noch plötzlich um Dinge, die noch vor Wochen „unnötiger Scheiß“ waren. Da fällt jemandem auf, dass man ja vor Monaten diese ganzen Stellenanzeigen im Web verteilt hat und vor Weihnachten muss man da doch mal gucken, ob sich da jemand gemeldet hat. Da wird noch fix umfirmiert, Gründer verlassen das Boot und das Team steht vor der Aufgabe, bis Anfang Januar eine laufende Struktur aufzubauen.

Und ich immer mitten drin. Aber trotzdem …:

Rechts neben mir, da wo die Listen liegen mit dem, was ich noch zu tun habe – da liegt jetzt ein Zettel und der ist für Januar. Darunter habe ich eine wirklich hübsche Schreibtischunterlage gefunden – die habe ich lange nicht gesehen; aber sie gefällt mir gut. Die muss jemand mit Geschmack ausgesucht haben.

Neben der Treppe liegt ein Stapel Papier, den werde ich gleich schreddern. Schreddern ist eh super für die Psyche. Nichts schließt so gründlich mit etwas ab, wie ein guter Schredder. Na gut, verbrennen ist auch ok, aber das tun wir ja zum Glück nicht mehr.

Relativ stillos aber ebenfalls für meine Psyche enorm gesund, habe ich gerade einen Stapel Rechnungen in den Briefkasten gebracht. (Wir sind in der Kleinstadt, natürlich brauche ich dafür ein Auto. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Ich denke, ich werde jetzt das Keyboard mal vom Staub befreien und mich – in guter Weihnachtsferientradition – an den Remix begeben. Oder vielleicht mal darum kümmern, dass ich im Februar doch nach Hamburg komme. Oder vielleicht auch mal nichts tun.

Nichts tun – was eine hübsche Idee.

17.12.2019 – winterwonderoffice

Warum überrascht es mich? Seit ein paar Jahren mache ich Mitte Dezember mein Büro zu – um dem Vorweihnachtswahnsinn zu entkommen. Warum also wundert mich, dass der Vorweihnachtswahnsinn sich einfach nach vorne verschiebt?

Noch eben eine Website umziehen, die sich als Gigabytegroßes Monster mit Jahrzehntelang geflegtem Archiv entpuppt.
Noch eben die technische Umsetzung, weil sich ein Kleinunternehmen auflöst und so Dinge wie Domainrecht und Datenschutz jetzt bitte von mir außer Kraft gesetzt werden sollen.
Noch eben mit Facebook streiten, weil die Jobanzeige diskriminierend formuliert ist.
Noch eben ein Film-Archiv auf der Website einbetten.
Noch eben ein Angebot aus den Fingern saugen. Aus den Fingern saugen, weil eigentlich nicht ganz klar ist worum es denn gehen soll.

Währenddessen pockert die Zahnwurzel, die, Sie erinnern sich? im Februar operiert wird nochmal los und meine Ernährung ergänzt sich um neue Antibiotika. Und alle so: Yeah.

Noch 24 Stunden, dann gehen die Schilde hoch.

Und heute Abend schauen die beste Liebste und ich eine Doku über die Geschichte des Heavy Metal*. Einer der vielen Gründen, warum sie die beste ist.

*) ja, die hab ich beim Videos-Sortieren gefunden.

15.12.2019

Sie hatten nicht wirklich gedacht, dass es vorbei ist, oder? Wir modernen Medien-affinen Menschen haben ja auch noch Videos auf der Festplatte – wobei Videos ein Sammelbegriff für Filme, Serien, Handyvideos und überhaupt sehr viele verschiedene Bewegtbild-Typen ist.

Aber im Ernst: ja, da gibts wirklich noch ein paar Videos, aber im Vergleich sehr, sehr wenig. Den größten Teil nehmen heruntergeladene Musik-Clips und -dokus sowie Konzertfilme ein. Das kann ich sehr bequem in den nächsten Tagen taggen und wegsortieren. Ich bin ja in der Übung.

Schlecht geschlafen, wie immer wenn die Liebste nicht da ist. Dann ein paar Videos sortiert und mir einen Überblick verschafft und dann erstmal zusammen mit Nicole Kidman gefrühstückt. Also: Sie lief im Fernseher und ich saß davor. Düster und böse, der Film; aber gut.
Anderes zu tun, lohnte eh nicht, denn vor dem Fenster wechselte sich Starkregen mit Regen ab. Und mit Hagel.

Sehr viel mehr ist auch nicht mehr passiert und ich kann nicht sagen, dass mir dies beiden sehr, sehr faulen Tage nicht gut getan haben. Gleich kommt die Liebste schon wieder und ich bin gespannt, was sie vom Grips Theater und überhaupt erzählen wird.

14.12.2019 – swoosh

Der Tag begann damit, dass ich die Liebste und eine Freundin zum Bahnhof brachte; die sind nämlich zwei Tage in Berlin und schauen sich „Linie 1“ an.

Dann nutzte ich die freie Zeit, um mich an den Endgegner zu begeben: Die Festplatte mit den einzelnen, falsch getaggten MP3s. Alle Alben hatte ich vorher schon frisch getaggt, geordnet, mit Coverbildern versehen und dann in Plex importiert – aber da war ja noch diese Festplatte. Diese Festplatte, auf der ich the good old days einzelne MP3s gesammelt hatte, die Festplatte auf die mir jemand anders dann noch weitere 1000 (hauptsächlich ungetaggte) MP3s kopiert hatte weil ich mich darüber doch bestimmt freuen würde (Nein) und die irgendwie über all die Jahre so mitgelaufen war.

Die Festplatte ist jetzt leer. Ich war beim Löschen relativ schnell mit dem Löschfinger und habe echt nur behalten, was ich a) noch kannte und b) auch noch mochte – und: Sie ist leer. Übrig blieb ein Ordner mit ca 120 Singles, die ich jetzt in einer Playlist „Guilty pleasures“ sammeln werde und ein wirklich voller Papierkorb auf dem Server. In Plex sind es jetzt gute 1100 Alben, wobei ein Album sowohl eine Single als auch die 7-Alben-Sammlung der Stücke aus „Sing meinen Song“ sein kann und wenn Sie denken, dass ich zuviel Zeit habe, dann haben Sie vielleicht recht.

Vielleicht bin ich aber auch gerade sehr entspannt und glücklich und das soll man ja auch nicht unterschätzen.
Außerdem habe ich Tidal und Apple Match gekündigt und das sind fast 400,- im Jahr und wie beknackt bin ich eigentlich, so viel Kohle auszugeben?

Und auf einmal war es dunkel.

13.12.2019 – ein Freitag

Eine der Nebenwirkungen meines aktuellen Gesundheitszustandes ist, dass ich recht energielos bin. Oder anders: Der Tag ist zu lang für meine Kraft. Ich weiß: Das wird wieder besser, aber aktuell ist die Zeit zwischen etwa vier und Schlafengehen sehr anstrengend.
Hat man am Tag vorher mehr gemacht als sonst, hat man vielleicht die kleine Schwester irgendwo mitten im Land getroffen, ist viel Auto gefahren und war wortwörtlich außerhalb der Komfortzone – dann ist man vielleicht sogar den ganzen Tag etwas kraftlos. So wie heute.

Kurzer Einschub, falls Sie sich Gedanken durch meine reingeworfenen Fragmente hier machen: Ich weiß, das wird alles wieder besser, es wird sogar deutlich besser werden als vor dem letzten Trigger. Es ist der Prozess dahin, der die Kraft kostet. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, ich werde gesund und stark aus dieser Zeit herauskommen und ich freue mich sehr darauf. Ich bin nur jetzt, gerade, in diesem Moment, in diesen Tagen und vielleicht auch Wochen so müde. Diese Art der Arbeit am Selbst braucht Kraft und Zeit. Beides nehme ich mir.

In Johnny Haeuslers Newsletter fand ich diesen schönen Artikel darüber, wie man Kindern Spaß am Lesen vermitteln könnte – und wie Deutschland es anders tut:

[…] in den letzten Jahren ein bildungspolitisches Netzwerk mit Mitgliedern aus beinahe allen EU-Ländern geleitet. Wir haben über hundert Beispiele guter Praxis gesammelt. Die nimmt in Deutschland nur leider kaum jemand zur Kenntnis, auch ein Problem unserer bornierten Bildungspolitik. […]
das ist wieder eine Komponente unseres konservativen Schulsystems: Die Idee „One size fits all“ funktioniert nicht. Die Klasse liest im Deutschunterricht ein Buch gemeinsam. Meist eins, das nur wenige Kinder interessiert. Die Lust am Lesen wird den Schülern in der Schule so eher ausgetrieben als vermittelt. […]
Es ist absurd – so ähnlich wie mit der Klimapolitik: Man weiß eigentlich, was man braucht, aber die Realität entwickelt sich in eine andere Richtung.

spiegel.de: Lehren aus Pisa „Die Lust am Lesen wird Schülern ausgetrieben“

Ähnliches kenne ich übrigens zum Thema „Hausaufgaben“: Soweit ich weiß, ist ihr fehlender Nutzen allgemein anerkannt, aber „…irgendwie kann man ja nicht nichts aufgeben“.

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