1.9.2018

Wochenendtage beginnen mit Check Eins im Bett. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mir das angewöhnt habe, empfinde es aber als ungeheuren Luxus, den Tag damit beginnen zu können, Ralph beim Klugscheißen oder Anna beim Tiere-Gucken zuzugucken.
Aber ich hab eh gelesen, dass das Durchschnittsalter derer, die die Sendung mit der Maus gucken irgendwo um die 37 Jahre liegt. Passt scho’.

Apropos „Luxus“. Ein weiterer Luxus, den wir beide hier haben und auch sehr zu schätzen wissen ist:
Samstags morgens um acht beim Kaffee aufeinander zu treffen, sich das Wetter anzugucken und zu beschließen, dass es ein schöner Tag für einen Trip nach Maastricht sein könnte. Weil das eine echt schöne Stadt ist.

Und um neun im Auto zu sitzen.

Und auch, um viertel nach neun kurz zu überlegen, wie vernünftig diese Entscheidung ist, wenn einer von beiden abends noch auf einer Party eingeladen ist (nicht sehr), dementsprechend statt zur Autobahn in Richtung Ruhrgebiet abzubiegen, um dort dann nett frühstücken zu gehen.

Und auch, zu früh am Café zu sein und noch eine Runde durchs Kreuzviertel zu drehen und erst dann zu frühstücken; weil man ja keine Eile hat.

Und auch, dann spontan noch eine Jeans shoppen zu gehen.

Kurz: Vollkommen flexibel sein zu können.
Ja, wir wissen das zu schätzen.

Große Empfehlung übrigens für das Café: Wenn Sie in Dortmund einen Ort für Frühstück, Kaffee, Abendessen oder Weinchen suchen: Das „Schönes Leben“ hält schon ziemlich, was der Name verspricht.

Außerdem in Café: Wie gesagt, wir waren zu früh. Nach unserem Spaziergang durchs Viertel waren wir exakt um zehn wieder da und das Café war noch leer. Die Bedienung erklärte mir sehr nett, wie bei ihnen das Frühstücksbuffet funktioniert, welche Getränke inklusive und welche nicht sind und schloss mit der Versicherung, sie würden ständig alles am Buffet schnell wieder nachfüllen, das könne aber evtl. mal eine Minute dauern.
„Kein Problem, wir sind ja zum Frühstücken da und nicht zum Hetzen“ sagte ich und bemerkte wie nacheinander durch ihr Gesicht liefen: Erstaunen, etwas Traurigkeit und dann ein glückliches Lächeln. „Das sieht nicht jeder so“ entgegnete sie.
Das hat mich dann wieder erschrocken – obwohl es eigentlich zu einer schon länger gemachten Beobachtung passt: Ein wenig Freundlichkeit ist arg auf dem Rückzug; Menschen, gerade in Dienstleistungsjobs sind inzwischen oft, zu oft erstaunt, wenn man zu ihnen freundlich ist.
Dabei – und das könnt Ihr neoliberalen „jeder ist seines Glückes Schmied und deswegen bin ICH jetzt dran“ – Junkies, die Ihr Euch hierhin verirrt habt Euch mal merken: Wir werden dauernd besser behandelt. Bekommen Kaffee extra oder Kühlschränke billiger. Nicht wegen der genervt ausgerechneten 10% Trinkgeld, sondern wegen eines freundlichen Satzes. Und das obwohl – nein vermutlich exakt weil! das nicht unsere Absicht ist und wir uns selbst gar nicht als übermäßig freundlich empfinden.

Erinnert mich mal daran, dass ich Euch die nächsten Tage nochmal was von Dänemark erzähle, wo wir gerade bei „Freundlichkeit“ sind.

Danach bemerkt, dass wir noch einkaufen mussten und im Laden einen ziemlichen Overload gehabt. Wassen Glück, dass wir nicht bis Maastricht waren. Wassen Glück, dass nicht ich zur Party muss. Wassen Glück, dass ich ich nicht mehr da raus muss.

Jetzt Beastmaster. Genau das richtige jetzt. Wobei mir einfällt: Frau Michaelsen muss ich auch mal lobhudeln.

31.8.2018

Heute bauen wir uns eine kognitive Dissonanz. Schon während des Frühstücks den ersten empörten Anruf erhalten, es ging um – machen wir es kurz: Facebook verhält sich nicht so, wie man es wünscht. Facebook möchte nämlich gerne bestätigt kriegen, dass man berechtigt ist, eine Firmenseite anzulegen. Sodom und Gomera. Was bilden die sich eigentlich ein, diese Amis.
Meine vorsichtige Rückmeldung, dass ohne solche Sicherheitsvorkehrungen ja jeder die Seite übernehmen könnte, erzeugt einen kurzen irritierten Blick und dann eine weitere Schimpftirade darüber wie unsicher das alles ist. Mein Kopf so: „Häh? Aber Sie haben doch gerade …?“ Meine Stimme wechselte derweil von geduldig auf sehr geduldig.

Halten wir fest: Es ist halt nicht einfach, wenn man als eher traditioneller Kleinunternehmer in einem digitalfeindlichen Land lebt und arbeitet.

Darüber hinaus: Viel wachgelegen und darüber nachgedacht, ob der Arzttermin heute wohl a), b), c) oder d) zum Ergebnis hat. Wobei gilt:
a) Die Herzstolperer sind harmlos
b) sie sind harmlos und sie liegen am Stress
c) sie sind nicht harmlos, aber sie liegen am Stress
d) sie sind nicht harmlos und man muss jetzt mal gucken
Jetzt unausgeschlafen UND nervös; keine gute Mischung.

Der Anrufer gestern war übrigens ein 80-jähriger Herr aus dem Vorort, den ich nicht und der mich nicht kennt. Keinerlei Berührungspunkte. Die Polizei und ich beschlossen, erst im Falle einer Wiederholung etwas zu unternehmen und gestern unter „Verwirrung“ abzuhaken.
Vielleicht meinte er ja auch meinen Namensvetter, den Zahnarzt, der auch in der aktuellen Ausgabe des Telefonbuchs immer noch so doof direkt an meinen Namen dran gedruckt ist, dass hier immer noch recht regelmäßig Sonntags undeutlich sprechende Menschen um einen Notfalltermin bitten.

Die Auflösung des Arzträtsels von heute Morgen lautet übrigens b)
Und auch wenn ich mir vorgenommen hatte, hier nicht mehr so viel zu ranten  – es ist nicht einfach. Naja, ich erzähls einfach mal ohne Wertung:

Mai: Meine Hausärztin (H.) meint, ich solle mal ein 24h-EKG machen und überweist mich zum Kardiologen.
Mai: Ich rufe beim Kardiologen (K.) an und frage nach einem Termin.
„Vor den Sommerferien aber nicht“ sagt der.
Ich bin dann auch dummerweise ein paar Tage im Urlaub, dann er – also wirds irgendwas Mitte Juli.
Mitte Juli hab ich an dem Tag übelste Migräne und K. und ich sind uns einig: das bringt nix. Ein neuer Termin muss her.
Vielleicht der 15. August? Nein, schneller haben sie nichts.
15. August, 10:00 Uhr. Ich bekomme in der Praxis von einer sichtlich überforderten Helferin die Möppel an den Körper geklebt. Das Aufnahmegerät wird dreimal resetted bis ihr auffällt, dass evtl einfach die Batterien leer sind.
15. August, 14:00 Uhr. Der erste Möppel fällt ab. Ich kann die richtige Stelle noch erkennen und klebe ihn wieder dran.
15. August zwischen 14:10 und 17:30: Der erste wieder und andere Möppel neu machen sich auf den Weg der Schwerkraft folgend nach unten. Ein Kabel löst sich vom Klebemöppel.
15. August, 17:30 Uhr: Ich gebs auf und mache den einzig noch fest klebenden Möppel auch ab und lege das Ding in die Ecke.
16. August, 9:00 Uhr: ich bringe die Kiste wieder weg und bitte darum zu notieren: Erster Möppelverlust 14:00 Uhr, bis dahin aber bereits drei Situationen, in denen ich Herzstolpern wahrnahm. Ah gut, wenn ich das notiert habe, das könne ich dann ja meinem Hausarzt sagen.
„Mach ich. Wann kriegt die denn die Daten?“
„Spätestens Ende der Woche, wenn Sie Anfang nächste mal nachfragen …!“
„Ok!“
Montag, 20.August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Mittwoch, 22. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Freitag, 24. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Montag, 27. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen. Wann haben die das denn geschickt?“
„Ich frage nach“
Montag, 27. August, 15:10 Uhr: „Guten Tag. Hier ist die kardiologische Praxis. Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeiten an“
28. August: K. verspricht, die Daten noch einmal zu faxen und ich muss beim Wort „faxen“ husten.
29. August: Ich rufe die H. an und bekomme für Freitag einen Termin zur Besprechung.
31. August: „Na, was führt Sie zu mir Herr Fischer?“ – „Äh, wir wollten das 24-h-EKG besprechen?!“ – „Ham wa das schon? Ach ja (Ruft einen Bericht am Monitor auf und beginnt zu lesen). Ja, hier steht, sie haben ein bisschen schnellen Puls … (liest) … Sie haben zweimal den Knopf gedrückt aber da war dann jeweils alles gut. Und Sie haben die Messung um 19:00 Uhr selbst abgebrochen, steht hier. Sonst aber auch alles gut. Sie sind gesund, müssen aber was an Ihrem Stress tun“ – „Welchen Knopf habe ich gedrückt?“ – „Den Knopf, den Sie drücken sollten, wenn Sie was fühlen“ – „Hat mir niemand gezeigt, ich kannte keinen Knopf“ – „Ach wie doof“ – „Ich hab aber hier drei Zeiten aufgeschrieben, als ich Stolpern gespürt habe … “ – „… ja, die bringen mir ja nichts, ich hab ja den Ablauf nicht hier, sondern nur den Befund …“ – „… von dem Arzt, den ich nie gesehen habe?“ – „Ja genau“

Wir haben uns dann noch etwas länger unterhalten und meine Hausärztin an sich ist super und ich vertraue ihr auch sehr. Aber dieser ganze Ablauf macht mich etwas … sprachlos.

Wir waren dann spazieren. Einmal rund ums Vorbecken, dem Eingeweihten sagt das was. Und mir, mit neuer Sicherheit über meine Gesundheit hats gut getan. Ohne Stolpern oder so.
Hauptsache.

Heute abend ist übrigens das Finale von Promi Big Brother und ich denke, es sagt genug aus, dass ich irgendwann beim Schauen dachte: Gabs nicht früher auch mal Staffeln, wo Promis im Haus waren?

Wochenende.

30.8.2018

Um sieben aus dem Bett gefallen und fünf Minuten später begonnen zu coden.
Es gibt da einen sehr seltsamen Geisteszustand, in dem ich noch nicht sprechen aber nur knurren, mich kaum bewegen aber nur schleichen kann. Aber Lösungen für bisher unbekannte Programmier-Herausforderungen, die kann mein Kopf da gut.
Entgegen aller Programmierer-Klischees übrigens vollständig ohne Kaffee.
Psychologen, die mir das erklären oder auch an mir erforschen möchten: tretet gerne vor.

Ich arbeite übrigens gerade für eine Karikaturisten und wenn man den Spaß-an-der-Arbeit-Faktor als Grundlage nimmt kann ich das nur empfehlen.

Das erste Frühstück bei eingeschaltetem Licht. Ich prangere das an.

Ich weiß, Strukturen, die auf Geheimwissen beruhen sind nicht gut. Aber als ich gerade in meiner Frühstücks-Feed-Runde auf dieses Bild stieß …

‪Neben mir im Bett knirscht’s. Die Liebste hat sich aus dem Internet ein Cheat Sheet für den Zauberwürfel aus dem Spiegel von 1981 runtergeladen und löst jetzt ein für alle Mal dieses Problem.‬
Neben mir im Bett knirscht’s. Die Liebste hat sich aus dem Internet ein Cheat Sheet für den Zauberwürfel aus dem Spiegel von 1981 runtergeladen und löst jetzt ein für alle Mal dieses Problem.‬ Von  tristesse deluxe

… wurde ich doch etwas nostalgisch. Ich besaß diese Anleitung damals – natürlich als nahezu unleserliche Kopie einer Kopie einer Kopie, die zu oft in Kinderhosentaschen gefaltet worden war. Aber diese Seiten Papier und dass ich alle nötigen Züge auswendig gelernt hatte, machten damals aus mir etwas besonderes.
Mein für unnützes Halbwissen aller Art sehr begeisterungefähiges Gehirn hat sich übrigens bis heute ca. 4/5 davon gemerkt.
Aber dass es genau diese Anleitung jetzt online gibt, das ist schon schade.

Ich hatte sie übrigens schon vor ein paar Jahren auf der Suche nach dem fünften Fünftel schon gefunden, hatte es aber niemandem erzählt. Manchmal ist es immer noch schön, Geheimwissen zu haben.

Gerade den letzten Absatz noch einmal gelesen. Oh Gott, ich bin ein alter weißer Mann.

Lesetipp: Frau aristokitten fasst es auf Twitter schön zusammen:
Ich weiß, die Seite heißt jesus.de, aber trotzdem kann man das vorbehaltlos zum Lesen empfehlen … für Wessis, die sich fragen, was eigentlich deren Problem ist.

„Das“ ist dieser Artikel: Krawalle in Chemnitz: Was ist bloß los im Osten?

Jetzt stellt dieser Artikel ja „nur“ eine Reihe Vermutungen auf über die Gründe, warum „der Osten“ (ja, ich weiß) so eskaliert. Und das ist unpopulär, jetzt sind „Solutions“ gefragt. Da gilt es … jetzt sofort … mit aller Wucht der Gesetze …  ähm …  naja, da hat Sascha ja schon sehr schön was zu geschrieben: Chemnitzer Krawalle • Eine Zäsur findet nicht statt.

Ich hingegen finde, parallel(!) zur Suche nach Maßnahmen, da jetzt wieder einen Deckel draufzukriegen ist es dringen nötig, auch Ursachen zu begreifen. Denn sonst machen wir die gleichen Fehler wieder und wieder.
Aber vermutlich ist das zu viel verlangt und Menschen denken im allgemeinen eher nicht vorsorgend über das Leben nach. Und Politiker erst Recht nicht.

Mich erinnert das arg an den Jugendtreff in dem ich mal arbeitete und der erst gebaut wurde als die Jugendlichen störten. Nicht schon, als es Jugendliche gab, die sich evtl. langweilen könnten, wenn es keine Beschäftigung für sie gab. Ich hab das ja schon mal erzählt.

Ein etwas überraschender Anruf hat den Tag dann etwas aus der Bahn geworfen. Ich wusste zwar nicht, dass ich Drohanrufe auf der Bucketliste hatte, aber jetzt kann ich sie streichen.

29.8.2018

Gestern Abend zwei Stunden Karaoke gesungen. Großer Spaß für vier Mark – mit der Garantie den endgültig letzten Ferienabend (s.a.: „Ferien-End-Blues“) ohne düstere Gedanken zu überstehen. Familie Fischer benutzt Karafun.

Nach ca. fünfunddreißig Jahren, die ich in dem festen Glauben lebte, ich könne nicht singen, sondern nur brummen und nach ca. ebenso vielen Jahren in denen mir das auch so mitgeteilt wurde habe ich festgestellt, dass brummen offensichtlich die Tonlage ist in der ich mich wohlfühle und dass Lieder  wie Where The Wild Roses Grow oder Summer Wine zumindest nicht gleich alle um mich herum in die Flucht schlagen.
Das macht echt seltsame aber durchaus interessante Dinge mit meiner Selbstwahrnehmung, denn: „Boah, Du kannst ja überhaupt nicht singen“ ist auch 2018 eine immer noch vollkommen gesellschaftlich akzeptierte Methode jemanden auzulachen.
Es kann also höchstens noch fünfunddreißig Jahre dauern, bis ich mal irgendwo auftrete.

Sehr gerührt über Euch alle, Eure Tweets, Eure Herzchen und Besuche hier. Feels like coming home.

Christian und das Kaff. (8:47 Uhr) Ich werde gleich mit zwei Paketen und zwei QR-Codes zum Edeka – der auch eine DHL-Annahmestelle ist – gehen und versuchen, etwas zurück zu schicken. Nennt mich Unke, aber ich denke: das wird scheitern.
Ja, das ist eine Kleinigkeit und nein, eigentlich lohnt es nicht, sich darüber aufzuregen. Das Problem ist, dass ich diesen Sommer wieder in Dänemark war und ein paar Tage lang erlebt habe, wie eine dem Digitalen gegenüber aufgeschlossene Gesellschaft funktionieren kann.
Es macht schon nachdenklich, kommt man von da zurück in eine Stadt, in der zwar alle über den Leerstand in der obligatorischen Fußgängerzone jammern, in der es in den Läden aber immer noch als Service anerkannt ist, dass man sagt: „Hamm wa nich. Gibts auch nich“, wenn man nach einem Teil fragt, was gerade nicht im Regal liegt (von dem man aus dem Internet aber weiß, dass es existiert).

„Warum kauft Ihr dann nicht gleich im Internet?“, höre ich Euch fragen.
Tja, das fragt man sich dann bei allem Supportwillen for your local Einzelhändler auch.

Nochmal Dänemark. Sehr passend dazu schickte mir Vanessa gerade einen Hinweis auf diesen Artikel in der Brand Eins über E-Government in Kopenhagen. Spannend.
By the way: Wenn Sie möchten, dass Vanessa Ihnen auch Mails schickt – und ich kann das ausdrücklich nur empfehlen, denn ich bekomme selten klügere Mails als die von Vanessa –  wenn Sie also auch einmal im Monat diese Mails bekommen wollen, dann gehen Sie hier entlang. Es lohnt sich. Versprochen.
Und über den Vergleich Dänemark – Deutschland denken wir hier noch länger nach. Auch versprochen.

WordPress-Theme. Weil jemand fragte: das Theme hier ist Graphy, die kostenlose Version. Per CSS habe ich nur noch ein paar Zeilen ausgeblendet, um es noch cleaner zu machen. Bei Interesse kann ich diese paar Zeilen auch gern hier veröffentlichen.

Christian und das Kaff II. (11:10 Uhr) Nein, ich bin keine Unke, DHL im Edeka kann natürlich keine QR-Codes scannen. Wichtig ist der entrüstete Tonfall bei „natürlich“.

Darüber hinaus: Termin zur Manualtherapie um 10:00 im Süden der Stadt. Zum Glück war ich um 9:00 losgefahren, denn da ich ja noch zum zweiten DHL musste (im Westen der Stadt) und noch Bargeld brauchte war ich dann auch genau diese Stunde unterwegs und bin um vier vor zehn bei der Manualtherapeutin reingehechtet.
Hätte ich versucht, das Ganze zu Fuß zu machen, wäre ich noch eine gute Stunde länger unterwegs gewesen und wäre meine Päckchen nicht los geworden. Und die Busse hier in der Straße fahren leider nur alle halbe Stunde – und zwar so, dass ich noch früher aus dem Haus gemusst hätte.
Das ist etwas, über das ich mich gern unterhalten würde, wenn mir Großstädter erklären, man brauche kein Auto.

Viel über Kritikfähigkeit nachgedacht. Gedanklich einen Bogen gespannt von Helikoptereltern, die ihren Prinzessinen & Prinzen alles erlauben und schon dem Einjährigen am liebsten bester Kumpel aber nicht Elternteil sein möchten, …
… weiter über die Grundschule, die keine schlechteren Noten als eine Vier vergibt oder beim Fußball keine Tore zählt, weil die Hälfte der Kinder ja sonst so enttäuscht ist (two true stories) …
… bis am Ende hin zu Menschen, die in der Rettungsgasse den Sanitäter verprügeln, weil sie jetzt weiter fahren wollen und keine Lust haben zu warten.
Weil sie vielleicht nie in ihrem Leben gelernt haben, ihre eigenen Interessen in einem größeren Zusammenhang zu sehen und auch mal zu warten oder zurück zu treten. Geistig-moralische Wende my ass.

Klug gesprochen.

Doof gewesen.

Und dann kam ein Migräneschub. Das war etwas überraschend und hat den Tag dann auch beendet. Dann kann ich das jetzt hier auch veröffentlichen.

reverb.com. Eine Lobhudelei

Seit es das Web gibt, kann man dort Dinge kaufen und verkaufen. Naja fast.
Ebenso haben sich verflixt viele Orte im Web zuverlässig zum Schlechten entwickelt. ebay-Kleinanzeigen zum Beispiel ist – so scheint es – hauptsächlich ein Ort, um möglichst skurile Dialoge zu führen.
Vielleicht sind Menschen nicht daran gewöhnt, gebrauchte Dinge zu kaufen oder zu verkaufen?

Musiker hingegen sind schon immer daran gewöhnt, gebrauchtes Zeug zu kaufen. Schon in den Musikläden, in denen ich als Jugendlicher abhing fanden sich jede Menge gebrauchter Instrumente, die im Kundenauftrag verkauft wurden. Überlegt man sich, dass man für ein Starter-Set als Bassist in halbwegs guter Qualität neu gut und gerne 1500,- loswerden kann, dann sind gebrauchte Instrumente und Verstärker eine gute Alternative. Außerdem behandelt quasi jede Musikerin ihr Instrument gut und Verstärker sind meist so solide gebaut, dass man auf ihnen auch Häuser bauen kann.

Eine online-Plattform nur für Musikinstrumente ist also vollkommen logisch.

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen auf reverb.com, die – so wie ich das sehe – gerade auf den europäischen Markt kommen.
Bis jetzt habe ich ein paar Sachen verkauft und bin sehr begeistert.
Begeistert von der Plattform an sich: Es ist unfassbar einfach Dinge zu verkaufen. Man wird sehr komfortabel durch das Anlegen der nötigen Angaben geleitet, bekommt automatisch Preisvorschläge und wird nett aber nicht aufdringlich auf Möglichkeiten hingewiesen, die Anzeige zu pushen.
Die Preise, die gefordert und auch gezahlt werden sind auf oberem ebay-Niveau.
Der Versandkosten-Kalkulator funktioniert in Deutschland noch nicht, ist aber bereits angelegt.
reverb hat einen Käuferschutz und eine eigenes System, um Zahlungen abzuwickeln.

Außerdem bin ich (bisher) begeistert von den Menschen dort. Alle bisher dort geführten Dialoge waren freundlich und vernünftig und beinhalteten die gängigen Grußformeln sowie auch mal ein „Hope you had a nice weekend“.
Ja, da staunt ihr.

Drumherum gibts gute Fachartikel und vernünftige Möglichkeiten sich einen „Feed“ einzurichten, mit dem man automatisch über neue Angebote zu vorher festgelegten Interessensgebieten informiert wird.

Mich macht so etwas glücklich.

Ich habe hier übrigens noch ein bisschen Kleinkram und ein Warwick Top-Teil die ich in den nächsten Tagen reinstellen werde – kaufwillige Bassisten also hier entlang.

By the way: Ich werde in diesem Blog keine Affiliates haben und keine Kooperationen machen. Artikel wie diese sind also nie bezahlte oder beauftragte Werbung.