2.1.2019 – Wind und Nase und so.

(irgendwas mit tief und lang und gut geschlafen)

Die ein oder andere von Euch mag es für Wahnsinn halten, sich am zweiten Tag des Jahres ins Auto zu setzen und dann zweieinhalb Stunden anch Norden zu fahren, nur weil dort, zweieinhalb Stunden entfernt ein bisschen Nordsee vor den Augen sowie Salzluft in und jede Menge Wind um die Nase sind.
Wir nicht.

Wir haben das letztes Jahr schon gemacht und haben damit heute eine Tradition begründet. Und wirgedenken diese jetzt so lange durchzuhalten, bis wir vielleicht irgendwann mal nicht zweieinhalb Stunden mit dem Auto sondern zweieinhalb Minuten zu Fuß zum Meer brauchen.

Traditionellerweise (haha) haben wir dann noch im ersten Café am Platz zu Mittag gegessen – es gab einen so unfassbar dicken Pfannkuchen, dass irgendetwas in mir ständig „holterdipolter“ rief und dazu ostfriesischen Tee getrunken. Mit Knistern und Wölkchen. Beides macht ebenfalls sehr glücklich.

Was wir hingegen im Nachhinein auch ein bisschen für Wahnsinn halten das ist auf dem Rückweg vom Meer spontan einen kleinen Umweg von noch mal einer Stunde fünfzehn zu machen, weil das Outlet, was letztens so furchtbar zu voll war (Sie erinnern sich) ja quasi auf dem Weg liegt. Dieses „quasi“ relativiert sich nämlich, wenn man 45 Minuten davon über Landstraßen und Feldwege hoppelt, weil das Apple-Karten das für den schlausten Weg hält.

Aber am Meer war’s echt schön.

1.1.2019 – Kopf leer, Stadt leer

Das Jahr begann mit der heftigsten Migräne-Attacke seit langem. So ggen vier konnte ich das Bett so weit verlassen, dass sogar eine kleine Runde durch die menschenleere Stadt drin war. Sehr viel mehr ist nicht passiert.

Ich sehe da eine Menge Luft nach oben für dieses Jahr.

31.12.2018 – Fragen über Fragen

(irgendwas mit zu kurz und zu unruhig geschlafen)

Um sieben vom Wecker wecken gelassen, um der erste und damit alleine im Laden zu sein. Auf die Idee waren andere auch gekommen, und die reagierten auf das Scheitern ihres Planes mit Aggro-Stimmung und nicht wie ich mit stillem innerem Rückzug. Das war voll schön.

Mittags ins Kino gefahren und Spiderman – A New Universe geguckt. Was für eine großartige Idee.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Ehrlich gesagt waren wir ohne riesig große Erwartungen los gefahren und waren dann umso mehr überrascht: Exakt so wünsche ich mir seit Jahren eine Comic-Verfilmung. Hatte ich nur noch nicht gewusst.

Aber apropos „with great dings comes great bums“ …

Schaut man sich online um, scheint es aktuell nur ein Thema zu geben: Böllern oder nicht. X % des Feinstaubs eines Jahres gehen zum Jahreswechsel in die Luft, wobei x je nach Artikel variiert. „Das geht nicht“, wissen die einen; „ich lass mir doch von diesen Moralwächtern nicht meine christliche Abendland-Tradition vermiesen“ kontern die anderen. Beide Seiten natürlich in gewohnt sachlich-freundlicher Onlinediskussions-Stimmung. Und auch wenn ich gestern einwarf …

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Twitter.

… frage ich mich auch: Was passiert wohl, wenn man die Anti-Böller-Fraktion fragt, ob sie denn auch kein Fleisch essen? Das wäre ähnlich unaufwendig wie nicht-böllern und es erspart uns nicht Feinstaub, aber Treibhausgase und rettet die Böden.

Ich habe mich aufgrund der Stimmung auf Twitter nicht getraut das zu fragen, hege aber den Verdacht, die Reaktionen wären ähnlich gewesen. Also ähnlich denen, die wir aktuell von den Böller-Freunden zu hören bekommen.
Was beweisen würde: So einfach ist das eben wirklich nicht mit dem Weltverbessern – vor allem nicht, wenn einem jemand anderes erklärt, wie’s geht. Selbst wenn die andere vielleicht Recht hat.

Das ist jetzt natürlich nur eine Vermutung, aber wer Lust auf Shitstorm und unfreundliche Diskussionen hat, kann das ja gern mal ausprobieren.

Ich habe lange überlegt, ob ich den Blog-typischen Jahresend-Fragebogen hier mal wieder aufnehme. Bei den meisten derer, die schon lange bloggen besteht der ja zu großen Teilen nur noch daraus, die Fragen umzuformulieren, zu streichen oder doof zu finden – und das ja oft aus gutem Grund. Andererseits …

Zugenommen oder abgenommen?
Ab Mitte des Jahres ab, aktuell sind so ca. 5% weg.

Haare länger oder kürzer?
Wann immer ich dran denke schneide ich sie ab. In den letzten Monaten war das seltener, aber ich war auch nicht oft draußen. Also eigentlich wie immer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Physisch: Konstant, denke ich. Im übertragenen Sinne kurzsichtiger, aber auf die gute Art.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Das Jahr war besser als das letzte; wir waren seit zig Jahren das erste Mal im Urlaub und dann kam der Schimmel in der Wand, der den spontanen Zimmertausch und die Kallax-Orgie nach sich zog.

Der hirnrissigste Plan?
„Mal eben“ freitags eine Matratze bei Ikea holen.

Die gefährlichste Unternehmung?
So langsam bekomme ich den Eindruck, dass das gefährlichste was ich so tue ist, mich zu Stoßzeiten in den Strassenverkehr zu begeben. Ich vermeide das deswegen auch wenns geht.

Die teuerste Anschaffung?
Der Urlaub.

Das leckerste Essen?
Jeder Burger in Århus.

Das beeindruckendste Buch?
Tina Dicos Biographie „Count To Ten“. Weil ich verstanden habe, weshalb ihre Lieder meine Seele so berühren. Weil sie mir ein Role Model darin versteckt hat und ich begriffen habe, dass es ok, ist wie ich bin (Kann ein Buch mehr tun?)

Der berührendste Film?
Das Prinzip Montessori.

Das beste Lied? / Das schönste Konzert?
Überraschenderweise beide von Tina Dico, ich kann mich aber nicht auf „das beste“ festlegen. Tina hat in den letzten 13 Jahren so viele Lieder geschrieben, die mich in den unterschiedlichsten Lebenslagen und Stimmungen berühren, da ist keine Rangfolge möglich. Ihre beiden Konzerte, auf denen wir waren, waren sehr unterschiedlich, daher gibt’s auch hier keine Rangfolge.
Sonst haben wir ziemlich ins Klo gegriffen bei der Wahl der Konzertkarten, das darf nächstes Jahr besser werden.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Denken. Und mit nicht-soviel-denken.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Der Liebsten und dem Meer.

Vorherrschendes Gefühl 2018?
Nach innen: Ach guck, so einfach?
Nach außen: Ach guck, wie fahren weiter vor die Wand.

2018 zum ersten Mal getan?
Ein Special Thanx an mich gelesen. Vieles losgelassen. Etwas geschrieben, was andere nominieren mochten (Danke, immer wieder!)

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Ein Blog gestartet. In den Urlaub gefahren. Mich genug bewegt. Vieles akzeptiert.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die Depersonalisierungsmomente. Die Downs auf dem kurvigen Weg aufwärts. Die Dinge, die ich nicht geschafft habe und noch nicht akzeptieren konnte.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich möchte niemanden überzeugen.

2018 war mit einem Wort?
Aufregend.

Dieser Fragebogen ist irgendwie inzwischen in sehr vielen verschiedenen Versionen unterwegs, hier gekürzt, da erweitert, jede Änderung spiegelt den Geschmack und die Prioritäten der jeweiligen Bearbeiterin wieder und ünrige ist ein wilder Mischmasch aus Äußerlichkeiten und Sinnvollem. Naja, aber Traditionen sind Traditionen, so sagt man doch?
Allerdings: Beim Stern gabs noch diese Fragen, die ich deutlich schöner finde und um die ich mich vielleicht auch noch kümmere. Später.

Noch gestern viel über Kunst nachgedacht. Begonnen hatte das im erwähnten Museum Folkwang, als wir in diesem Raum standen, in dem diese modernen Objekte standen und hingen. Sie wissen schon: Verbogener Draht, gestapelte Alu-Profile, ein Brett mit Nägeln. Zusätzlich hatte die Liebste letztens einen Film gesehen, in dem Künstler bei der Arbeit gezeigt wurden: Sie standen in ihren Ateliers, warteten offentlichtlich auf Eingebung und legten auf einmal mit irgendwas (Farbe schmeißen, hämmern, biegen, …) los.
Sonderlich konzeptionell durchdacht wirkt diese Arbeitsweise nicht. Und so ein verbogener Draht ja nun auch nicht immer.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich spreche weder einem verbogenen Draht, noch einem Fettfleck noch einem Nagelbrett ab, Kunst zu sein. Manchmal verstehe ich sie, manchmal nicht; das kann sogar Tagesform sein. Und bei schlechter Tagesform – ich sagte ja gestern: Ich war gar nicht so in Kunst-Laune – ist es dann vielleicht etwas schwer, den Gedanken dahinter zu sehen.

Oder: Entsteht Kunst vielleicht auch erst beim Tun? Ist weder das Ergebnis noch das Konzept die Kunst, sondern der Akt des Schaffens?

Ist – und da tat sich auf wunderbare Art und Weise eine Verbindung zu meinem aktuellen Alltag auf – es schon Kunst, wenn ich einen Song remixe; auch wenn ich gefühlt nicht den Hauch von Ahnung habe und ohne Konzept herangehe? Ist das Ergebnis Kunst – oder solides Handwerk?

Zurück: Ist der verbogene Draht Kunst oder ist es Kunst, dass er verbogen wurde? Wird er zur Kunst, weil ein Sammler, ein Galerist oder ein Kurator ihn dazu erklärt? Was meinen Sie?

30.12.2018 – Koller, Kultur, Kant

(irgendwas mit spät aber lang geschlafen)

Die Liebste stellte fest:Ich bekomme langsam Lagerkoller!“ Also raus, an einem Sonntag ohne natürliches Licht vielleicht am besten ins Museum? Und wo wir eh am frühen Nachmittag am Bahnhof in Dortmund die Reisende wieder abholen mussten, vielleicht eines im Ruhrgebiet?

Museum Folkwang in Essen also, es war Jahre her, das ich da war. Aber da hängen zwei Bilder von Franz Marc (die mich eigentlich immer glücklich machen), ich erinnerte mich an die tolle Architektur des Baus – also auf, auf und davon!

Ich kann das Museum nur empfehlen. Und auch für Kunst-Skeptiker ist es durchaus einen Blick wert: Die ständige Ausstellung ist kostenlos zu besuchen, man vergibt sich also nichts, wenn man einfach mal reinschaut. Ich selbst stellte heute fest, dass ich offensichtlich nicht in Bilderlaune war, ich fand alles doof. Aber das macht ja nichts, solche Tage gibts ja auch.

Der Ticker auf Welt-TV meldet: Kramp-Karrenbauer in Umfrage vor Spahn und Merz in der K-Frage. So wie ich das sehe exakt um zwei K, jaja.
(Haben wir den Kalauer des Tages auch geschafft.)

Die Reisende erzählte auf dem Rückweg vom Bahnhof von der leckeren Ente, die sie essen wollten; sogar eine fast freilaufende war es gewesen, quasi eine Bio-Ente. Also fast. Was auch immer sie damit zum Ausdruck bringen wollte – es scheint mir, als ob das vermehrte Vorkommen von Kritik am Fleischkonsum im deutschen Durchschnittshirn vor allem eins macht: Man schiebt in seine Erzählungen über das leckere Fleisch einen kurzen Rechtfertigungs-Halbsatz ein und hat dann aber auch wirklich genug Rücksicht genommen. (Wenn wirklich alle, die gegenüber mir schon behauptet haben „nur Bio-Fleisch vom Metzger nebenan“ zu essen das auch täten, gäbe es keine Massentierhaltung mehr. Und mehr Metzger.)
Erinnert mich an die Neunziger als alle begannen, in ihren Seminararbeiten zu erwähnen, dass „Frauen natürlich mitgemeint“ waren.

Dass sie dann vergessen hatten, den Ofen anzustellen, sich Pizza bestellen mussten und das Tier vermutlich auf dem Müll gelandet war, setzte der Traurigkeit der Anekdote nur noch die Krone auf.

Viele trotzige Tweets von Menschen gelesen, die jetzt aber „jetzt erst Recht“ böllern wollen. Himmel, wie bringt man Menschen bloß bei, mal mehr als den Tellerrand ihrer eigenen kleinen Suppenschüssel zu sehen?
Ich habe ja irgendwann festgestellt, dass mir als Leitlinie fürs Leben der kategorische Imperativ wirklich Halt und Richtung gibt – und dann ist so etwas wirklich schwer auszuhalten.

Weiter am Remix gearbeitet. (Für Neugierige: Den Bass gedoppelt und eine Oktave höher nochmal drüber gelegt. Das Klavier aus dem Frequenzgang von Frau Stones Stimme genommen. Eine Backing-Vocals-Spur wieder gelöscht (Kill your darlings!) – das sorgt für Transparenz.)
Dann merkte ich, wie mir die Ohren zu gingen. Schon damals in den Loud Earth Studios hatte ich das erste Mal erlebt, dass auch konzentriertes Hören nur eine Zeit lang geht – damals, als ich an der Aussteuerungsanzeige sah: Die HiHat spielt – als wir sie aber nicht mehr hörten. Dann war es Zeit für eine Pause.
Überhaupt scheint mir der Zeitpunkt gut geeignet, auch mal einen kompletten Tag Remix-Pause einzulegen. Die Struktur des Songs steht so ziemlich, ich habe ein paar nette Ideen für Details gehabt; jetzt Pause.

Ein Hoch bei der Gelegenheit auf die Liebste, die klaglos in Kauf nimmt, dass hier seit Tagen immer das gleiche Lied durchs Haus schallt. Und manchmal auch über eine halbe Stunde nur der gleiche drei-Sekunden-Schnipsel. Augen auf bei der Partnerwahl, sag ich da. Gerade wo ich doch kürzlich noch auf facebook las, wie sehr Frauen darunter leiden, wenn Ehemänner Instrumente spielen.

Hurra – ein Monopoly-Doodle!

29.12.2018 – Surprise & Sushi.

(irgendwas mit ziemlich lang geschlafen)

Faule Ferientage sind ja gut dafür, spontan etwas zu unternehmen. Man kann zum Beispiel morgens sagen: Hey, wir könnten noch ein paar günstige Sale-Klamotten im Outlet in Oelde abstauben. (Also die Liebste) Und weiter: Ok, lass uns das tun (also ich). Und dann: Oh schön! (also sie)
Und man würde losfahren. Und weil wir manchmal sogar gleich zwei Bären von geringen Verstand sind, haben wir wieder mal vergessen, dass ganz eventuell auch noch tausend andere Menschen morgens das gleiche gedacht hatten (Surprise!!) – und als wir dann da waren, da haben wir es dann gerade noch geschafft, vor dem Stau zum Parkplatz wieder zu drehen.

Wo wir aber doch schon unterwegs waren wollten wir wenigstens noch irgendetwas Nettes machen. Rund um Oelde aber gibt’s nichts Nettes – ehrlich! – also zurück bis Dortmund, direkt ins favorite Sushi.

Ganz eventuell gabs danach einen kurzen erfrischenden Mittagsschlaf ein mehrstündiges Fresskoma und dann hab ich mich wieder an den Remix gesetzt.

Ein ganz wunderbarer Urlaubstag also, so insgesamt.

Die Website benötigt Cookies. Ich nutze Matomo, um zu sehen, welche Artikel Sie interessieren. Matomo ist lokal installiert, es werden keine Daten mit externen Diensten ausgetauscht oder Cookies gesetzt. Auf Anforderung können Sie zB Videos ansehen, die dann weitere Cookies setzen.