24.1.2019 – ich heirate eine Migräne

(irgendwas mit – ach lesen Sie doch einfach weiter)

Die ersten 11 wachen Stunden des Tages verbrachte ich mit einer fiesen Migräne. Also die Stunden von halb vier bis halb drei.

Ich dümpelte also im verdunkelten Schlafzimmer und bingewatchte „Ich heirate eine Familie“ weiter. Und ich kann Ihnen empfehlen: Wann immer Sie mal das Gefühl haben, dass sich in dieser Gesellschaft ja nun gar nichts ändert – dann schauen Sie mal eine dieser guten 80er-Jahre-Serien, eine von denen aus der Mitte der Gesellschaft.
Hier mal ungeordnet, was mir bis jetzt so auffiel oder -stieß:

  • Angie ist schwanger. Dass sie es gerade ihren Freunden erzählen wollen, fällt ihr bei einem Glas Champagner ein. Alle freuen sich und schenken nach, sie soll nichts bekommen, weil „Schwangere doch nichts trinken sollen“. Sie sagt „Ooch, nur nippen“, kippt sich das Glas nochmal voll und ext es weg.
  • Überhaupt: Mittags zum Essen gibts Bier, abends selbstverständlich Wein.
  • Das Baby ist da und liegt von Anfang an in der Wiege im eigenem Zimmer neben dem Elterschlafzimmer. Er kann nicht schlafen, weil das Baby weint. Sie: „Das ist einfach“ und macht die Tür zu.
  • Das Baby bekommt selbstverständlich die Flasche.
  • Der Vater ist nicht bei der Entbindung dabei.
  • Thema „Rauchen“ – da scheint die Serie exakt an dem Punkt zu sein, wo nur noch die Bösen rauchen.
  • Ein Sohn traut sich nach der Ankündigung eines blauen Briefs nicht nach Hause. Die Eltern bemerken es nach ca 5 Stunden. Überhaupt wissen sie häufiger nicht, wo ihre Kinder sind.
  • Das Verhältnis der Familie zu ihrer Haushaltshilfe und zurück ist ein Musterbeispiel für respektloses, grenzüberschreitendes Verhalten galore. Die Haushaltshilfe hat zu funktionieren und wird sonst ziemlich ignoriert. Sie rächt sich mit allem, was das Thema Haushalt zur Verfügung stellt.
  • Man merkt deutlich: Es sind die goldenen Zeiten der Werbung.
  • Alles spielt im deutlichen Upper-Middleclass-Milieu, Geldsorgen sind aber Dauerthema. Ein Hauskauf, Renovierung, zwei Autos und ein halbes Pferd in wenigen Monaten sind aber kein Problem.
  • Sex wird nicht thematisiert, das höchste was gezeigt wird ist angekuschelt einschlafen. Dafür läuft die halbe erste Folge eine halbnackte Frau durchs Bild, die absolut keinen Grund hat, nackt zu sein.
  • „Dünn sein“ / „Abnehmen“ / ist recht präsent. Wer „schon wieder zwei Kilo zu viel hat“ muss abnehmen, das wird nicht in Frage gestellt.

Spannend finde ich vor allem, weil man immer mal wieder merkt, dass die Serie sich an Stellen durchaus in dieser Zeit gängigen Klischees und Rollenbildern zuwendet. Jetzt nicht super-politisch, hey, es ist ZDF-Abendunterhaltung in den 80ern, aber …

Zusammenfassend: Ich kann das nur empfehlen. Die Serie ist komplett in der Mediathek.

Das neue Objektiv darf bleiben. (Den Vogel habe ich durch den Sucher gar nicht wahrgenommen aber es ist natürlich sehr super, dass er da oben sitzt.)

Nachmittags irgendwie noch ins Büro gerutscht. Der Schmerz war zwar weg, aber die Wahrnehmungsstörungen – die ich während und rund um Migräne gerne habe – waren noch nicht weg. Spannend. Mal sehen, ob mich die Menschen mit denen ich versehentlich telefonierte irgendwann ansprechen, ob ich während der Arbeit trinke – ich merke ja selbst nicht, ob ich verlangsamt spreche …

Vielleicht doch besser wieder vor den Fernseher oder ins Bett? (Oder beides?)

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23.1.2019 – Inklusion?

(irgendwas mit mittel geschlafen)

Erstmal: Danke Euch. Echt jetzt. U know who u r and u know y.

Alltag: Website-Entwürfe gescribbelt, Rückfragen zu einem Angebot beantwortet, dann einen Auftrag bestätigt bekommen. Schön.

Bassbau I: Mir einen stiftförmigen Motor mit Spannfutter für verschiedene Einsätze Dremel aber von einer anderen Firma geleistet. Für Kleinkram. Gleich eingesetzt und gleich gut gefunden.

Fan sein: Kaum betreibt man mal ein paar Jahre eine Fanpage, beginnen die Menschen, mir Konzert-Mitschnitte zu schicken. Wie großartig.

Abends in der Mediathek „Das Märchen von der Inklusion“ geguckt. (Hier, noch bis 21.1.2020 verfügbar) Erstmal traurig gewesen über den Titel ist, der ist – fangen wir damit an – doof. So etwas wie „Wie siehts denn aus nach 10 Jahren Inklusion?“ wäre passender gewesen. Denn eigentlich kommen recht ausgewogen beide Seiten – die, die gut laufen und die, wo es stockt – vor.

Trotzdem traurig gewesen. Denn wenn man den Film mit der Einstellung ansieht, dass natürlich alle Menschen zusammen leben, lernen, arbeiten, dann geht da noch viel zu viel schief. Und alle stehen da so ein bisschen hilflos vor und schauen nicht auf den rosa Elefanten, der mitten im Raum steht und mit dem Rüssel auf die Trommel drischt: Denn das ganze Schulsystem mal zu hinterfragen, das geht niemand an; und ohne wird das halt nie was.

Sehr interessant fand ich einen kurzen Interview-Schnipsel mit einem Sprecher eines Wirtschaftsverbandes. Der wurde zum Thema „Quote behinderter Menschen in Unternehmen“ bzw „Strafzahlungen/»Freikaufen« “ befragt.
Raul Krauthausen hatte übrigens im Schnipsel vorher eine Verdreifachung der Strafzahlung vorgeschlagen weil Unternehmen das viel zu locker zahlen.
Ganz positiv gestimmt betonte der Sprecher, dass man seiner Meinung nach nicht mit Druck arbeiten solle. Schließlich gehe es doch um eine Änderung im Bewusstsein und nicht um nackte Zahlen; Zahlen und Quoten wären schließlich nie gut. Und man müsse doch perspektivisch besser den Unternehmen zeigen, wie toll auch behinderte Menschen mitarbeiten können.
Ich übersetze das mal in ein anderes Thema: „Man darf bei Steuerhinterziehung nicht gleich mit Strafen kommen. Da geht es ja auch um ein Bewusstsein und nicht um nackte Zahlen. Man muss doch auch den Leuten zeigen, was aus Steuern alles Schönes gemacht wird.
Oder nochmal anders: Wenn wir Strafen zahlen sollen, weil wir Gesetze nicht einhalten wollen, dann müssen wir leider bockig werden. Und Ihr seid Schuld.

Framing at it’s best und ich möchte brechen, wenn ich so etwas erlebe.

Im Abspann las ich dann, das mein alter Gitarrist die Fachberatung für den Film gemacht hat. Guter alter Gitarrist. The world is small.

Der Bass-Body ist frei von Farbe; jetzt werde ich die Brücke neu ausrichten. Und der Hals kommt nicht hoch genug aus dem Body. Mal sehen wie ich das richte.

Grundstimmung: Müde und traurig. Die Aufgabe lautet dann wohl: Akzeptanz.
Dahinter Vorfreude, weil am Wochenende Burger und Pommes mit großartigen Menschen im Kalender steht.

22.1.2019

(irgendwas mit unruhig geschlafen)

Heute Morgen musste erstmal die Liebste zum Arzt gefahren werden. Will man nämlich in der Kleinstadt aus Gründen nicht den Arzt besuchen, der halt vor Ort ist, dann fährt man halt in die nächste oder sogar in die große Stadt. Ich fahre z.B. in die nächste Stadt, nachdem Facharzt eins seine Zeit mit mir mal damit verbrachte mir zu erklären, dass seiner Meinung nach nur Menschen ab einem gewissen Einkommen wählen dürfen sollten; Facharzt zwei mir regelmäßig hauptsächlich von seinen Depressionen erzählte. Die Liebste fährt aus ähnlichen Gründen in die große Stadt – bzw – wenn sie so erschöpft ist wie aktuell: lässt sich fahren.

Immerhin konnte ich die Wartezeit statt im Wartezimmer in einem wirklich bezaubernden Café verbringen, einem Café, dem man ansieht, dass dort in den 20ern sonntags Tanztees veranstaltet wurden. Mit einem Kännchen Kakao.

Dann noch kurz was einkaufen und schon war der halbe Tag vorbei.

Mittags kam schon das neu erworbene/ertauschte Objektiv und ich bin erstmal sehr angetan: Kein Rauschen, keine Verzerrung, schöne Unschärfe. I like.

Dann hab ich mir die Mittagssonne auf dem Kopfkissen nochmal genau angesehen und versucht, ein sehr allgemeines Briefing und ein gar-nicht-so-hübsches Logo zu einem ansprechendes Website-Design zu machen, dann hatten wir natürlich noch was im Laden vergessen und dann war der Tag vorbei.

Einer der Zwecke dieses kleinen Blogs war ja der positive Blick auf die Welt: Ich versuche, mich selbst auf die guten Dinge hinzuweisen und zu erinnern.
Ehrlich gesagt: Im Moment reichts nicht. Ich bin wirklich erschöpft. Rest-Angeschlagenheit von Weihnachten, Krankenpflege, Job, diese ewige verdammte Kälte, vermutlich genug Viren um mich anzukratzen, kaum mal Ablenkung. Ich bin sehr erschöpft.

21.1.2019 – back on track?

(irgendwas mit ok geschlafen)

Der Tag begann mit so etwas wie vorsichtigem Tatendrang. Nach ein paar Wochen in denen ich mich eher durch die Umstände getrieben und fremdbestimmt fühlte, hatte ich einen Plan, wollte das Kommando wieder etwas mehr übernehmen.

Von acht bis neun Uhr fünfzehn habe ich dann auf das MS-Update gewartet. Da mein Rechner eigentlich gern mal einen Neustart gehabt hätte dauerte das so lang und ich konnte in der Zwischenzeit nichts anderes tun.
Na, das war doch schon mal selbstbestimmte Zeit galore.

Neun Uhr fünfzehn: Beim Neustart sehe ich, dass hinter allen anderen Fenster ein Mozilla-Absturzmelder festhängt und dem Rechner die Luft zum Atmen nimmt. Na supi. Aber jetzt!
Angebote rausgeschickt, Rückfragen zu aktuellen Jobs rausgeschickt, eine Gestaltungsidee festgehalten. Läuft. Was ein gutes Gefühl.

Festgestellt, dass die Sonne wieder hoch genug ist, dass sie mittags exakt aufs Kopfkissen meines neuen Bettes scheint. Na, das musste ich doch ausnutzen?!

Ich bin – glaube ich – allgemein eher ein hilfsbereiter Mensch. Aber es gibt zwei Typen von Menschen, die mich etwas anstrengen: a) Menschen, die über Jahre und immer wieder wiederholte Absagen nicht begreifen, dass ich Ihnen wirklich leider nicht helfen kann (wegen falschem Fachgebiet zB) und b) – quasi die Erweiterung von a) – Menschen, die eine Absage nicht akzeptieren und dann stumpf immer wieder von vorne, mit exakt den gleichen Worten, ihr Problem wiederholen. So ein Telefonat hatte ich gerade.
Breath in, breath out.

Irgendwer in der Ukraine versucht das alte jawl zu kapern. Pff.
Voll schön, dass mich so etwas so gleichgültig lassen kann.

Letzte Google-Suche des Tages: „ral 2 rgb“
Weil es immer wieder erstaunlich ist, in welchen Farbsystemen die Grafiker der Kunden so denken. Gute Grafiker, die ein Corporate Design entwickeln, legen die Farben auch in RGB fürs Web fest – bei allen anderen muss ich dann versuchen, mich anzunähern. Zum Glück sieht eh jede Farbe auf jedem Bildschirm anders aus, deswegen ist’s eigentlich auch fast wieder egal.

Und bei „First Dates“ sitzt ein Macho vor einer selbstbewussten Frau und rafft nicht, wie er gerade vor die Wand kachelt. Das ist erstens eh ganz lustig und zweitens wirklich schön, so ein Exemplar in freier Wildbahn zu sehen: „Also, der Mann mag ja nicht, wenn die Frau tagsüber auf einen Chef hört, die soll ja für ihn da sein. Und wie soll die kochen, wenn sie erst abends nach Haus kommt?“ – „Kann denn eine Frau nicht Chef sein?“ – „Aber nein.
Großer Spaß.

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20.1.2019 – Wintersonntag

(Irgendwas mit sehr ok geschlafen und dabei vom Bär geträumt. Ich bin also endgültig volldigital)

Krankenstand: Unverändert. Höre ich auf die Signale aus meinem Körper, dann sind da durchaus ein paar der Viren angekommen, aber Vitamine in Natur- und Pillenform und ich wehren uns standhaft. Die Liebste ist noch krankgeschrieben.

Aus Lagerkollergründen erwog ich sogar Sonntagskaffeebesuche in 100km plus Entfernung, die sich aber zerschlugen. Statt dessen bin ich zur Möhne gefahren, um dort ein paar Bilder am einsamen See zu machen. (Ich hatte mal erwähnt, das ich nie daran denke, dass eventuell andere Menschen auch da draußen sein könnten?)
Keine Bilder vom einsamen See also.

Einen ausführlichen Blogartikel über eine Physik-Klausur 1990 geschrieben, der aber noch nicht fertig ist.
Ich erzähle das, um mich selbst unter Druck zu setzen, ihn fertig zu schreiben.

Darüber nachgedacht, ob die Tatsache, dass ich zu Hause ständig friere und die, das mehrere Heizkörper hier die Ventile verklemmt haben, irgendwie zusammenhängen könnten. „Ich bin so kluk“, wie die Sylvia immer manchmal gelegentlich sagt. Dann die Ventile gelöst und überraschenderweise friere ich jetzt nicht mehr.

Mich warm eingepackt und in die Garage verschwunden. Da liegt ein demontierter Bass, den ich vor zu langer Zeit einmal lackiert und zusammengebaut, dann wieder auseinander gebaut und abgeschliffen und neu lackiert und wieder zu dreivietel zusammen gebaut und dann irgendwie vergessen hatte.
In der Zwischenzeit habe ich ca 723 YouTube-Videos über den Selbstbau von Gitarren gesehen und viel gelernt. Und folgerichtig wieder alles auseinander gebaut und begonnen, alles abzuschleifen.
Dummerweise stoßen bei meinen Basteleien eine gute und eine nicht so gute Eigenschaft von mir aufeinander: Ungeduld und hoher Anspruch. Bei Dingen, in denen ich nicht so viel Übung habe ist das keine gute Kombi.
Ich erzähle das, um mich selbst unter Druck zu setzen, ihn weiter abzuschleifen und neu aufzubauen.

Als Dancing On Ice begann stellten wir fest, dass wir den Humor der Moderation nicht teilen. „Vielleicht ist der für Leute, die auch »frech« sagen“ haben wir beschlossen. Aber gegen die wöchentliche Sonntagsabend-Panik hilfts trotzdem einigermaßen.