26.11.2018

Die Liebste ist krank, daher begann der Tag mit einer Fahrt zum Arzt, denn zusätzlich fehlte ihr ein Rezept. Rein ins Ruhrgebiet, raus aus dem Ruhrgebiet. Wird nicht mein Hobby.

Zu Hause im Büro umgeguckt und den großen „Alles muss raus“-Anfall bekommen. Falls also jemand einen vier Jahre alten Gamer-PC, eine einsame Hifi-Box, einen acht Jahre alten Office-PC, einen etwa drei jahre nicht mehr benutzten sw-Laserdrucker oder einen 15″-Monitor haben möchte – gern melden.
Wenn jemand einen Magnetresonanztomografen hat und damit meine ganzen alten Festplatten sicher löschen könnte – bitte auch melden. Ich frage für eine volle Kiste Festplatten.

Dann zur Seelenmassage gefahren. Nachdem die Verlängerung unserer gemeinsamen Zeit feststeht, haben wir heute ein bisschen geguckt wo wir stehen und was wir noch so tun wollen und festgestellt: Mir gehts im Moment recht gut. Und das ist richtig, richtig super.

Wieder zu Hause gab es ein Geräusch, als ob tausend Leute gleichzeitig  PiuPiuPiuuu machen und über mir öffnete sich eine Kugel, alle Verrückten der Welt sprangen heraus und warfen mir einen kleinen Gruß auf den Schreibtisch. Was ein Glück, dass beide Kundinen mit denen ich versuchen musste das auzubaden, was wiedrum ihre Kundinen da verzapft hatten Sylvia bzw Silvia heißen und „Hallo Sylvia, sag mal spinnen die?“ immer die richtige Begüßung war wenn das Telefon klingelte.

Der ganze freie Platz im Büro erlaubte mir, ein altes Schätzchen wieder anzuschließen. Hach.

Sie finden Tagebuchbloggen der alten Schule gut?
Hier können Sie mir ’ne Mark in die virtuelle Kaffeekasse werfen!
Oder, wenn Ihnen Geld so unpersönlich ist, hier meine Wishlist finden; Sie finden dort hübsche Geschenke zwischen acht und sechstausend Euro.

25.11.2018 – nur noch kurz die Welt retten

Unzufrieden aufgewacht. Erstens hab ich einen Wirbel blockiert und kann rollen so viel ich will – da klemmt immer noch was. Blockierter Wirbel macht schlecht schlafen und schlecht atmen und überhaupt ein … äh … blockiertes Körpergefühl.

Zweitens Lagerkoller. Also die Liebste dazu genötigt, mit mir frühstücken zu gehen. Wir saßen so im Nebenraum, dass wir durch einen Durchbruch in der Wand einen großen Geburtstag im Hauptraum beobachten konnten – das war ein bisschen wie Frühstück mit Fernsehen dabei. Sehr hübsch (beides: Frühstück und Entertainment-Programm)

Zu Hause auf den weißen Bass geschaut, der seit Monaten hier so dreiviertel fertig rumsteht und damit unzufrieden geworden. Es ist nämlich so, dass ich regelmäßig auf YouTube neue Videos finde, in der Facebook-Gruppe ebenso regelmäßig interessantes diskutiert wird und ich aus all dem unfassbar viel lerne. Gleichzeitig habe ich eine secret-super-power und die ist: Schlecht lackieren, egal, wie viele Tricks ich so lerne.
Jetzt war der Bass zwar weiß, aber … aber ach. Das hätte alles besser sein können.
Kurz entschlossen also alles wieder abgeschliffen. Hm, und wenn der Lack dann schon ab ist, dann könnte ich ja auch die Brückchen nochmal neu aufsetzen. Und dann soll – glaube ich gerade – alles durchscheinend blau werden mit ein paar Schichten True Oil; das soll der heiße Scheiß sein.

Jetzt vibrieren mir erstmal vom Schleifen die Hände und das ist ein lustiges Gefühl.

Ein Hotel gebucht. Im Februar werden wir noch einen Versuch starten, Frau Dico mal in ihrem Heimatland live zu sehen – nachdem der erste so unfassbar daneben gegangen war. Vorfreude galore.

Gehen Sie doch mal kurz rüber zu Panorama, nehmen sich eine halbe Stunde Zeit und schauen diese Doku über Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern.

Sie sind Krankenschwester, Köchin, Professorin, Polizistin, Aufsichtsrätin oder Hausfrau. Sie sind zur Schule gegangen, haben ihre Abschlüsse gemacht und haben eins gemeinsam: Sie glaubten, dass sie gleiche Chancen hätten (wie Männer?).

Panorama – die Reporter: Der kleine Unterschied

Sag mal, Christian, meinst Du nicht, dass es wichtigere Probleme gibt? Schaut man sich das Video an und bezieht außerdem auch noch ein paar Gedanken aus meinem gestrigen Artikel ein: Vielleicht nicht, nein. Ich meine hauptsächlich die Stelle in der die beiden Autorinnen die Ratgeber für Frauen lesen: Alle Ratgeber raten Frauen, sich der „Männerwelt“ besser anzupassen. Die ist halt rang- und wettbewerbsorientiert und von Machtdenken bestimmt und wenn frau da bestehen will, soll sie Stimmtraining machen und sich entsprechend kleiden und lernen, andere zu unterbrechen und so weiter. Also wenn etwas pervers ist, dann das.
Aber überlegen wir doch mal, wie z.B. Politik aussähe (ich flüstere kurz nochmal „Seehofer“), wenn sie das nicht wäre.
Mutige These: Vielleicht haben wir also wirklich kein größeres Problem.

24.11.2018 – alte Schule, neue Schule

Gestern einen Tag frei gemacht; es schien nötig. Dafür lange telefoniert, auch das schien nötig. Unter anderem über Karrieredenken in klassischen Unternehmen gesprochen – und was geschieht, wenn es auf Menschen trifft, denen bei der Work-Life-Balance der Life-Teil wichtiger ist als die Insignien des Erfolgs.
Denn es soll sie ja geben, die Menschen, die einfach nur gut ihre Arbeit machen möchten, ohne dafür als ersten Lebensinhalt das Unternehmen zu sehen, bei dem sie angestellt sind. Es soll auch die geben, die einfch nur genug Geld verdienen möchten, um sicher zu leben und nicht so viel Geld, um reich zu werden. Denen der erste Parkplatz, das eigene Eckbüro, die bessere Etage, der größere Schreibtisch und der bessere Firmenwagen nichts bedeuten.

Gerade die Internetpeople mit Hauptwohnsitz im St. Oberholz und nur per LTE und Slack im Unternehmen projektweise angebunden nicken. Aber es gibt sie halt noch, die Unternehmen, die so denken und handeln – und auch mehr als wir glauben, wenn im Oberholz schon wieder kein Platz mehr frei ist.
Was aber passiert, wenn man aufeinander stößt?

Wenn Sie nicht glauben, dass diese alten Insignien der Macht des Kapitalismus noch für überhaupt irgendwen wichtig sind, weil alle in Ihrer Filterblase das vollkommen albern finden, dann empfehle ich die Lektüre dieses Artikels aus der Zeit (manchmal hinter der Paywall manchmal nicht):

Ehret sitzt am Schreibtisch. Zur Begrüßung gesteht er einen Fehler: Er hätte seinen Besuch eine halbe Stunde lang warten lassen müssen. Das Wartenlassen gehört zu den letzten Machtgesten, die ihm und seinen Büronachbarn geblieben sind, und er weiß das auch.

zeit.de: Sie nennen es Sterbehaus

Exkurs: Und wenn wir das gelesen haben, dann verstehen wir vielleicht auch einen Menschen wie H. Seehofer besser. Dem ist Deutschland, dem ist Bayern, dem ist überhaupt alles scheißegal. Der will nur nicht ins Sterbehaus. Das müssen wir wissen, wenn wir über oder mit ihm reden.

Wir dachten weiter über solche Statussymbole nach und kamen zu dem Schluss: Sie sind ein reines Konstrukt.
Nichts davon hat wirklich Wert; die Dinge, die Gesten, die Rituale – sie bekommen erst Wert, weil die Menschen ihnen den Wert zusprechen. Und gleichzeitig es sind die Menschen, die ihnen den Wert zusprechen, die sie brauchen, denn würden sie es nicht tun, dann hätten sie keine Macht mehr.
Ein vollkommen sinnloses, sich selbst erhaltendes System.

Und mir fielen gleich mehrere Situationen ein, in denen ich erlebte, wie hilflos Machtmenschen alter Schule reagieren, wenn man ihre Welt nicht anerkennt oder sich nicht an die Spielregeln hält, wenn man nicht „kuscht“:

  • Der Manager in der Doku, dessen Sohn (Zitat) „etwas problematischer“ war und der nicht den Hauch einer Ahnung hatte, wie er ihm beim Wochenendseminar im Pädagogikhaus entgegentreten sollte. Weil er nie gelernt hatte zu reden, nie geelrnt, mit seinem Sohn zu reden, sondern nur fand, „man würde dem Zehnjährigen jetzt dort erklären, wie es richtig sei und dann solle der das halt tun“. Die Pädagogin brauchte viel Geduld mit ihm.
  • Die Kundin, die mich am Telefon zusammenfalten wollte, weil ich krankheitsbedingt einen Termin abgesagt hatte. Und die am Ende ihres Wutausbruchs („mit so jemandem wie Ihnen arbeiten wir normalerweise nicht zusammen“) sehr erstaunt war als ich sagte: „Das passt ja bestens, so lasse ich nicht mit mir reden; ich arbeite auch nicht mit jemandem wie Ihnen zusammen“. Sie hatte fest erwartet, ich würde jetzt angekrochen kommen.
  • Mein alter Schulrektor der mit in schulhofbeschallender Lautstärke erklärte was für ein unverschämter Idiot ich sei, dass ich ihn auf dem Flur nicht angemessen grüße und dann wortlos da stand als ich ihn erinnerte, dass ich vorher morgens bereits eine Stunde bei ihm gehabt hatte.

Und auch wenn man an vielen Stellen solche Machtkonstrukte unterlaufen kann nur in dem man sie einfach nicht anerkennt und nicht eingeschüchtert reagiert – es gibt sie und sie haben auch immer noch Macht. Wer je hilflos vor einem 24-jährigen, gegeelten Kreditberater, Personalchef oder Arge-Fallberater saß, weiß wie es sich anfühlt, wenn das Machtgefälle eben doch greift.

Im Nachhinein – und vielleicht ist das der Grund warum mir so ein Schnipsel eines gestrigen Telefonates so erzählenswert ist – sollten wir aber auch nicht vergessen: Alles was ich bis jetzt beschrieb, all das sind Situationen, wo das bestehende alte System eines ist, was „wir“ vermutlich mit großer Einvernehmlichkeit in Frage stellen. Ob es nun Manager sind, die nicht mit ihren Kindern sprechen können, ehemalige Vorstandsvorsitzende, die noch immer ein Büro brauchen weil sie kein Leben haben oder frühere Lehrer, die sich in ihrer Cholerik gern zum Affen machten – die Rollen „Gut“ und „Böse“ sind klar verteilt und wir alle wissen, wer der böse, aber alte Goliath und wer der junge, freche David ist.

Wir wissen auch, wie gut es sich anfühlt, wie viel Energie es einem selbst gibt, solche Situationen gedreht zu haben – vor allem in einer Gruppe.

Aber die gleichen Methoden funktionieren wenn wir nicht aufpassen auch an anderen Stellen:
Demokratie zum Beispiel ist auch nur ein Konstrukt das lebt, weil alle daran glauben. Die Gepflogenheiten zwischen den politischen Parteien, die Abläufe von Rede und Gegenrede in Parlamenten jeder Größe zum Beispiel basieren auf – teils unausgesprochenem – Konsens und dem gemeinsamen Respekt davor. Auch wenn es uns oftmals alles furchtbar durchritualisiert erscheint – es sind Rituale an die sich alle halten.
Aber wie alle solche Konstrukte ist auch sie fragiler als man denkt – vor allem wenn man nichts anderes kennt und die Haltung hinter den Ritualen verloren gegangen ist (ich möchte noch einmal kurz den namen Seehofer fallen lassen).
Passen wir also nicht auf unsere Demokratie auf, dann kann sie jemand, der sich einfach nicht an die Regeln hält erschreckend leicht aushebeln. Und zum Beispiel amerikanischer Präsident werden. Oder aus dem Stand in alle deutschen Landtage einziehen.

23.11.2018 – ich fand das scheiße

Gestern Abend twitterte jemand …

… und ich erinnerte mich. Nicht an die Pressekonferenz, sondern das loud eARTh Studio in Menden. Zwei Freunde hatten es aufgebaut und als erster Mieter zog meine damalige Band – irgendwas zwischen Funk und Rock – ein, um dort im Aufnahmeraum zu proben.
Parallel fanden sich dort drei Jungs, von denen einer später unter dem Namen Dendemann in die Welt hinaus ziehen würde und rhymten ihre ersten Versuche.
Auch Kraans und Nico Suave waren gern zu Gast und vor gar nicht langer Zeit wurde mir sogar ein Video zugespielt, in dem Fettes Brot unsere Instrumente entweihten … – langer Rede, kurzer Sinn: Wenn ich damals geahnt hätte, in was für einem hochkreativen Mikrokosmos ich da steckte, ich wäre vermutlich vor Ehrfurcht erstarrt.

Wichtig für den folgenden Teil:  Man muss wissen, dass das Wort Produzent damals bei uns Mittelschichts-Möchtegernrockern noch richtig Ehrfurcht auslöste. Es klang nach ernsthaftem Rock’n’Roll und big business.

Und dann wurden unsere Probenzeiten eingeschränkt, denn es gab einen weiteren Mieter. Er war ein Produzent aus dem Nachbarstädtchen und suchte Musiker zusammen für „ein Projekt“ und das Projekt war hochgeheim.
Nachdem wir uns in dem Kaff hier aber irgendwie alle kannten, sickerte ca einen Tag später durch, dass „das Projekt“ eine geplante Surferserie auf RTL war und der Produzent versuchte, den Titelsong zu bekommen. Fast alle der super-crediblen Rocker landeten kurz in seiner Projektband und spielten auf einmal Beach-Boys-artige Surfer-Songs. Wir überlegten sehr ernsthaft, ob das jetzt schon Ausverkauf und musikalische Prostitution war und was man für versprochenes Geld und Erfolg wohl tun dürfe.
Der Produzent selbst spielte Gitarre und komponierte einen Song nach dem anderen – ganz nach dem Prinzip wie man heute digitale Fotos macht: Mach 100 Stück, eines wird schon gut sein.

RTL nahm dann aber doch wen bekannten für den Titelsong, der Produzent verschwand wieder aus Studio und unseren Leben und übrig blieb nur das Erstaunen aller darüber, dass man mit der Fähigkeit, eigentlich nur ein einziges Riff auf der Gitarre spielen zu können, über 50 verschiedene Songs schreiben konnte.
Außerdem deutlich weniger Ehrfurcht vor dem Wörtchen Produzent.

Circa ein Jahr später hörte ich im Radio drei Mädchen gröhlen, dass sie mich Scheiße fänden und zwischen ihren schlechten Rap-Versuchen hörte ich das nur zu gut bekannte Riff. Ich fuhr ins Studio, die anderen hatten’s auch gehört, wir hörten uns das Stück nochmal an, irgendwer besorgte die CD und tatsächlich: Unser Surf-Produzent! Wir lachten hart.
Und dann erkannte jemand die eine Sängerin. Wir alle kannten sie, sie hing jahrelang im örtlichen Jugendzentrum herum und warf sich jedem an den Hals, der so wirkte, als könne er sie berühmt machen. Wir lachten noch härter.

Und dann kam die Pressekonferenz und das Ende von Tick, Trick und Track und jetzt kommt Ihr: Ihr dürft jetzt raten, welches der drei Mädels damals vor dem großen Ruhm hauptberuflich bei uns auf den Kirchentreppen abhing – und ob wir alle während der Fernsehübertragung nur sehr oder aber sehr, sehr, sehr, sehr lachten.

22.11.2018 – Hmmmm…?

Was ich jetzt tun könnte: Mal wieder erzählen, dass ich viel am Schreibtisch saß und wenig anderes gemacht habe.

Was ich statt dessen tun sollte: Darüber nachdenken, dass es ein Gradmesser des eigenen fehlenden Wohbefindens sein könnte, wenn ich hier nichts anderes als Arbeit, Müdigkeit und schlechte Nachtruhe hin schreiben kann. Wenn mein Kopf nicht mehr offen für anderes ist.

In diesem Sinne: Schlecht geschlafen, viel gearbeitet, sonst nix erlebt. Und jetzt guck ich mich mal um was die Welt noch zu bieten hat.

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