Medienkonsum VIII 2025 (Teil I)

🎥 The Fantastic Four: First Steps
Film, im Kino gesehen. Es waren Ferien, es regnete, es war Sonntag und wir suchten etwas leichte Kost, nett anzusehen, nicht beleidigend in der Story aber auch nicht noch mehr Elend der Welt. Wir fanden eigentlich nur eins davon, denn sooo leicht sollte die Kost dann auch nicht sein. Die Story aber beleidigend und das Elend der Welt kam durch die HintertĂĽr, weil ich begann darĂĽber nachzudenken, ob ein solcher Film nicht auch Teil des groĂźen Backlash ist. Nur hĂĽbsch anzuschauen wars an den meisten Stellen schon.

📺 Tour De France – im Hauptfeld
3 Staffeln Doku über die Tour auf netflix. Ich bin ja ein Naivchen und dachte, es ginge einfach darum, so schnell wie möglich Fahrrad zu fahren und damit halt die Tour zu gewinnen. Und wenn die Reporter von Team-Taktiken erzählten, dann hab ich halt blöd geguckt und weiter den Radfahrern beim schnell Radfahren in hübscher Landschaft zugeguckt. Nach drei Staffeln habe ich eine ganze Menge begriffen. Außerdem können wir eh ganz gut mit diesen modernen, actionreich geschnittenen Sport-Dokus und wir hatten Spaß.
Bemerkenswert fand ich, dass immer mal wieder Fahrer abreisten, weil zB gerade ihre Freundin/Frau in den Kreißsaal gewechselt hatte, oder auch dass man sehen durfte, dass Fahrer Angst hatten – was ich bei Tempo 100 den Berg runter sehr logisch finde – und das nicht als schlimmes Scheitern, sondern als ganz normal menschlich gezeigt wird.
Ebenfalls bemerkenswert, wie brutal alle redeten, die nicht auf dem Rad sitzen, sondern sich CEO oder Sponsor oder so nennen. Je weiter weg vom Fahrrad, desto brutaler und Menschen-verachtender; es geht ja schlieĂźlich um viel Geld. Capitalism fucks us all.

📺 Princess Charming
Dating-Reality-Serie auf RTLplus. Sie kennen mein Reality-GuiltyPleasure ja, aber dieses Format sticht noch einmal etwas heraus. Hintergrund: Der aktuellen Princess folge ich in einer Mischung aus beruflichem und privatem Interesse seit vielen Jahren auf den diversen Kanälen. Zuerst als CoupleOnTour, dann haben sie sich getrennt und nun beobachte ich bei bei ihren Solo-Karrieren. Spannend für mich war vor allem, bei der Professionalisierung eines kleinen Accounts zuzusehen – und auch auf eine schlimme Art interessant zuzusehen, wie dann das echte Leben mitten rein in das quasi-perfekte Instaleben grätschte (der andere Teil des Pärchens hatte einen üblen Schlaganfall und kämpfte sich mit bemerkenswerter Power ins Leben zurück) Nun ist also eine der beiden die aktuelle Princess Charming und sucht nach dem Ende ihrer Ehe dort eine neue Partnerin.
Learnings bis jetzt:
– Selbst wenn ich davon ausgehe, dass ja nunmal Menschen in ein Fernsehformat gehen, die in einer gewissen Art mit ihrer Außenwirkung arbeiten (wollen) ist es überraschend, wie normal die Kandidatinnen sind; wie normal sie aussehen, wie normal und wie wenig auf Außenwirkung sie sich verhalten. Also im Gegensatz zu anderen Formaten.
– Ich war wirklich fest gewillt, alle und alles doof zu finden, aber das klappt nicht.
– Vielleicht liegt es auch an der komprimierten Form, in der alles geschieht, aber ich bewundere, wie klar alle ihre Bedürfnisse an eine Beziehung kommunizieren können und es tun – und wie freundlich sie dabei bleiben. Ich gehöre ja eher zu der „wenn wir geknutscht haben, sind wir zusammen, oder?“-Generation und es war gar nicht alles besser.

📺 Rambo (I, „First Blood“)
Film, 1982, auf prime geguckt. Aus der Reihe „Familie Fischer guckt Klassiker, für die sie mit 18 zu viele Dünkel hatte, weil sie ja nur ins feine Programmkino gingen“.
Sie kennen die Story? John Rambo, ein Vietnam-Veteran zieht zu Fuß durch Amerika und gerät in die Finger eines miesen Kleinstadt-Sheriffs, der ihn als Landstreicher festnimmt, damit seine Stadt schön sauber bleibt. Und ein bisschen mies behandelt, weil er ein Arschloch ist und Langhaarige nicht mag. Bei der Festnahme hat Rambo einen Flashback in Folter-Erlebnisse in Vietnam, kämpft sich den Weg frei und dann eskaliert alles sehr.
Dabei ist er gar nicht die gewalttätigste Person im Film, was mich beim ersten Sehen genau so überraschte wie der doch deutlich erkennbare sozialkritische Bezug, den ich in meinem arroganten Köpfchen mit 18 einem sog. „Action-Film“ nicht zugetraut hätte.
📺 Rambo II & Rambo III
(Ebenfalls auf prime: Teil 2, Teil3) Überraschenderweise war das schon in den 1980ern so, dass Sequels nicht die Qualität der ersten Filme erreichten. Die sozialkritischen Bezüge verschwinden und werden durch immer ausführlichere Gewalt ersetzt, Gewaltszenen, die Teil III lange einen Platz unter der Ladentheke sicherten.

🎧 Tingvall Trio
Alles, jedes Album, egal von wann. Neu entdeckt (spät, spät, jaja) und im Kreis gehört und sehr geliebt.
Ach ja: Skandinavischer Jazz aus der Kategorie „Wer hat’s erfunden? Esbjörn Svensson hat’s erfunden!“ Ein bisschen poppiger vielleicht.

🎙 ️Gabalier – Hinter der Lederhose
Podcast – im Podcatcher der Wahl oder in der ARD-Audiothek. Die Hostess/Journalistin war früher mal ganz großer Gabalier-Fan und dann hat sie mal genauer auf die Texte gehört, außerdem studiert statt als Trachtenkönigin durch die Bierzelte zu tingeln und dabei irgendwie einen neuen Freundeskreis kennen gelernt und dann war sie plötzlich irgendwie nicht mehr so Fan. Soweit so gut.
Jetzt, diverse Jahre später macht sie daraus einen Podcast, in dem sie auf 15 Jahre der Karriere des Typen mit der Lederhose zurück schaut. Und in der vierten der vier Folgen hat sie dann sogar ein Interview bei ihm, sie ist ganz aufgeregt.
Leider merkt man das – und damit auch, dass es nicht gut funktioniert, die einstige Starstruckness, die folgend erlebte Enttäuschung und überhaupt die ganze persönliche Betroffenheit in ein wirklich neutrales Format zu packen. Denn am Ende erwartet sie, dass der Interviewte jetzt zu einer gesammelten DinA4-Seite mit Vorwürfen zu allen Eklats die es je gab, jeweils Abbitte leistet. Ganz im Geiste eines empörten TwitterMobs konstatiert sie enttäuscht: „Er kann nicht mal zu seinen Fehlern stehen“ und übersieht dabei wie so viele die Möglichkeit, dass der andere ja sein Verhalten gar nicht fehlerhaft finden muss, nur weil sie ihm das sagt.
So hören wir keinen Podcast über den Alpenrocker, sondern einen von der Hostess über die Hostess – und überhaupt: Seit wann ist es eigentlich ein Format und die Aufgabe des ÖRR, dass jemand eine ur-persönliche Betroffenheit nutzt, um die Aufarbeitung in Form eines mehrteiligen Podcasts als Journalismus unters Volk zu bringen? Hat mich schon bei dieser München 1972-„Aufarbeitung“ arg verwirrt. Soll sie doch ein Blog schreiben, aber nicht im ÖRR senden?

📺 Vietnam
Mehrteilige Doku, für knapp 10,- auf prime gekauft (auf Empfehlung von Frau Haessy). Ich las mal (grob zusammengefasst, im Detail sicher nicht korrekt, im Sinn aber richtig) die Geschichte, dass eine amerikanische Journalistin in Vietnam nach einem Mahnmal für den Vietnamkrieg fragte und in irgendeiner abgelegenen Ecke zu einer kleinen Schrifttafel geführt wurde. Sie verstand nicht – war doch ihr ganzes Land immer noch traumatisiert! Aber dann erklärte ihr Guide, die Amerikaner wären doch nur zehn Jahre im Land gewesen, aber der Widerstandskampf ihrer Leute dauere doch schon Jahrhunderte.
Die Doku zeichnet den Kampf im Prinzip seit 1858 nach und für den Fall, dass man es vorher noch nicht gewusst hätte, weiß man danach: Es ist einfach eine Scheißidee, zu beschließen, man habe als supi-dolles europäisches Land das Recht in die Welt segeln und willkürlich irgendwelche Länder zu „kolonialisieren“. Es kommt immer nur Schlechtes dabei rum und sorgt für Jahrhunderte-langes Leid.
Und wenn ich noch mal höre, dass die Amis ja immer noch unter diesem Krieg leiden, muss ich mich vermutlich leider übergeben.

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