Teil 1, weil das sonst zu viel wird
📺 Song Trip
Doku-Serie im ZDF. Mehrere deutsche Musikerinnen und Bands reisen in verschiedene Länder und machen dort mit local musicians Musik. Eine simple Idee, eine schöne Idee.
Ein bisschen schade, dass es sehr viel darum geht, dass alle am Ende zusammen die Doku gucken und dabei gefilmt werden und deutlich weniger als möglich um die locals.
Außerdem ein wunderschöner Beweis dafür, wie absolut eingeschränkt unsere amerikanisch/westeuropäische Musik in ihren doch sehr simplen Strukturen ist.
📺 Kaulitz und Kaulitz
Jemand hier im Haus hat das auf prime geguckt und gelegentlich saß ich dabei. Ich sags mal so: Als ich mir ausgesucht habe, welchen Popstar ich gut finde, da hab ich mir einen ausgesucht, die zur Beruhigung vor dem Gig ein paar Körbe wirft oder mit dem Hallenwart diskutiert, ob die Stühle hinter dem FOH nicht zu dicht dran sind und ob die Leute da auch gut sehen werden. Und nicht welche, die für Spaß einen Helikopterflug machen und sich auch dabei selbst so unfassbar leid tun, weil sie nicht wissen, ob der Pool zu Hause auch groß genug werden wird, um in Hollywood endlich richtig dazuzugehören. Ich verstehe, dass die beiden wenig Chance hatten, normal zu werden, aber dieses Zelebrieren einer Parallelwelt ekelt mich trotzdem sehr.
📺 Andere Eltern – die 1.Klasse
Film, im ZDF geguckt. „Andere Eltern“ war zuerst mal eine sehr prima Serie über ein paar Helikoptereltern, die eine Kita eröffnen und sich in Helikopter-Diskussionen über pseudopädagogische Kleinigkeiten und ihren Hipster-Egos verirren. Das war sehr lustig, weil es wirklich gut immer exakt an der Grenze zwischen präziser Beobachtung und grenzenloser Fremdscham entlang lief.
Deswegen freuten wir uns auf den Film, der uns dann aber leider sehr underwhelmte. Es erinnerte uns zu sehr an die Jugend-Theatergruppe der Liebsten Ende der 90er, wenn irgendjemand nach einem eh schon extrem albernen Abend auf die Idee kam, noch eine letzte Impro-Runde zu starten, weil die davor ja schon so lustig geendet hatten. Diese Runden war dann immer total unbrauchbar und drüber, jeder arbeitete nur noch auf den Extrem-Gag ohne Rücksicht auf Szene oder die anderen, man unterbrach sich laufend und es wurde lauter und lauter und chaotischer und chaotischer. Aber so funktioniert Impro-Theater nicht. Durchaus verständlich ist es aber und auch beim Machen extrem lustig, aber eben kein tragfähiges Konzept für einen Theaterabend – und auch nicht für einen Film, fanden wir.
📺 Die schwarze Witwe
Film, auf netflix geguckt, erzählt nach einer wahren Geschichte: In einer Tiefgarage wird eine Leiche gefunden. Die örtliche Kommissarin beginnt zu ermitteln, wir gucken ihr dabei zu und es fühlt sich an wie ein ganz normaler Krimi. Und dann erfahren wir Zuschauer in Rückblicken mehr über das durchaus fröhliche Vorleben der frischen Witwe, plötzlich fügen sich die beiden Stränge wieder zusammen und wir sehen einem gar nicht Happy-End zu.
Ich bin schon letztes Jahr einmal bei netflix in die nicht-anglo-amerikanischen Filme reingerutscht und es ist wirklich spannend zu sehen, dass schon eine Reise nach Spanien eine für uns erfrischend andere Erzählweise ausmachen kann – eine, die aus einem recht normalen Krimi eine spannend erzählte Geschichte machen kann.
📺 Rebel of Pop: Madonna
Doku, in der arte-Mediathek geguckt. Mein erster Kontakt mit Madonna war ihr Aufritt bei Live Aid und ich war arg überrascht, dass diese schlechte Sängerin so berühmt sein sollte, wie die Popcorn berichtet hatte. So ganz hat sie diesen ersten Eindruck nie wieder ausgemerzt, aber ihre Rolle in der Popkultur ist mir natürlich klar. Und mit ein paar der Alben kann ich auch echt gut. Die Doku erzählt Madonnas Geschichte für Menschen, die nicht so alt sind wie ich.
📺 We need to talk about Kevin
Film, in der ARD-Mediathek gesehen. Ich hatte vorher den sicher etwas plakativen Kommentar „das war der schlimmste Film meines Lebens“ gelesen, die Liebste erinnerte sich an Besprechungen von damals, als der Film rauskam, und wir hatten uns mit etwas Vorsicht genähert.
Der Film erzählt die Geschichte einer Frau (Tilda Swinton), deren Sohn in seiner Schule ein Attentat verübt hat und wie sie versucht, mit dem Erlebten umzugehen, während ihre Nachbarn sie verantwortlich machen, ihr Blut ans Haus streichen und sie auf offener Straße beschimpfen und schlagen. Gleichzeitig wird in Rückblicken die Geschichte des Sohns vom Moment der Geburt an erzählt – wie die beiden darum gerungen haben, in Kontakt zu kommen und es nie gelang. Wie viel Gewalt es die ganzen Jahre schon in der Familie gab und wie darüber die ganze Zeit absolute Sprachlosigkeit herrschte. Der Film urteilt nicht, er gibt keine Schuld, er beobachtet und reiht einfach Szene an Szene und ist gerade dadurch sehr gnadenlos mit allen. Dabei sind alle Rollen wirklich mindestens gut gespielt, Tilda Swinton und Ezra Miller bzw Jasper Newell in der Rolle des Sohnes einfach nur phantastisch.
Als wir nach dem Film noch sprachen, bemerkte ich, dass ich ihn nicht in dem Sinne „schlimm“ fand wie die Kommentatorin – vielleicht weil mich Gewalt nicht überrascht; vielleicht weil ich tief weiß, dass jeder Mensch zu allem fähig ist und der Grat zwischen „läuft schon“ und Abgrund ein erschreckend schmaler ist. Aber nun ja, ohne Grund hab ich ja auch keine PTBS. Der Liebsten ging es aus anderen Gründen ähnlich – sie erlebt Familien, in denen es eben überhaupt nicht „funktioniert“, beruflich andauernd, sie kennt die Abgründe ebenfalls.
Und deswegen ist der Film ein guter, weil er den Schrecken, der vielleicht gerade mal zwei Haustüren weiter in ganz normalen Familien täglich passiert, sichtbar macht für uns, die wir ja nur vor die Haustür gucken.
Wenn Sie in der Stimmung bleiben wollen, gucken Sie danach „Sie hat es verdient“.

📺 Brick
Film, auf netflix geguckt. In Tim (Spiele-Programmierer) und Olivias (Architektin) Beziehung kriselt es. Just in der Nacht als sie ihn verlassen will, finden die beiden vor allen Türen und Fenstern eine seltsame schwarze Mauer. Dann stellen sie fest, dass sie sich aber noch zu den Nachbarn durchschlagen können und auch der Weg durch den Fußboden frei ist – aber bis sie das, ihren toten Vermieter und eine Lösung entdecken, regeln sie natürlich noch ihre Beziehung. Die Liebste mag Herrn Schweighöfer und ich freute mich gar fürchterlich, dass mit Frederik Lau gleich noch ein zweiter Supi-Lieblings-Schauspieler dabei war. (Falls Sie keine Ironie verstehen, lesen Sie den Satz nochmal)
„Im Netflix-Thriller „Brick“ versucht Matthias Schweighöfer, aus einem eingemauerten Haus zu entkommen. Schade ist daran vor allem, dass es ihm gelingt.“ schreibt die Zeit und wer wäre ich, der Zeit zu widersprechen?
📺 Squaring the Circle (The Story of Hipgnosis)
Doku, auf prime geguckt. Die Geschichte der beiden Grafiker/Fotografen, die in den 70ern so ca jedes Plattencover das ich liebe (Sie wissen schon, die kleinen Bilder bei iTunes in 30x30cm) gestaltet haben.
Wenn Sie Popkultur und Musik lieben: Gucken. Wenn nicht, sollten Sie beginnen, Popkultur und Musik zu lieben. *zwinker*
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