Medienkonsum IV 2026

Aus GrĂŒnden viel Zeit auf dem Sofa verbracht und deswegen viel Zeugs geguckt.

đŸŽ„ Der Astronaut – Project Hail Mary
Film, im Kino gesehen. Der Film beginnt damit, dass Ryland Grace in einem Raumschiff erwacht, ein wenig desorientiert und offensichtlich der einzig ĂŒberlebende an Bord; die Story wird von da an sowohl in RĂŒckblicken als auch nach vorne weiter erzĂ€hlt. Das ist soweit erstmal nicht neu. So langsam erinnert er sich, dass er unterwegs ist, weil ein unbekanntes PhĂ€nomen die Sonne verdunkelte und so die Erde auskĂŒhlte.
Wir sind also zum einen bei ihm, als das PhĂ€nomen entdeckt wird und er sich zum Fachmann entwickelt und zu anderen, wie er alleine mit leichten GedĂ€chtnislĂŒcken im All schwebt und plötzlich auf unerwartete Hilfe stĂ¶ĂŸt.
Es gab einen Moment im Kino, als ich „wir sind bei 1:31 Std, jetzt kommt die upliftig Musik und wir steuern auf die Lösung zu“ sagte – und dann kam sie in dem Moment. Oder anders: das ist schon Hollywood exakt nach dem Blueprint fĂŒr Hollywood-Erfolgsfilme. Aber schon gut gemacht, dramatisch, lustig, unterhaltsam und wissenschaftlich genug, dass man es glauben mag und elegant genug an ein paar wissenschaftlichen Problemen vorbei, so dass man es erst Recht glauben mag. Und man muss sich ja nicht immer im abgehobenen ironischen Abstand selber gefallen.

đŸ“ș Vanished – Vertraust du ihm
Miniserie (4 Folgen), in der ARD-Mediathek (da verfĂŒgbar bis MĂ€rz’27) geguckt. Alice Monroe (Kaley Cuoco) ist ArchĂ€ologin, ihr Freund Tom Parker (Sam Claflin) ist bei der FlĂŒchtlingshilfe. Die beiden leben ihre Liebe bis jetzt hauptsĂ€chlich in Hotels; dann bekommt sie eine feste Stelle angeboten und will mit ihm dort zusammenziehen. Auf einer gemeinsamen Zugfahrt wacht sie nach einem Nickerchen auf und er ist verschwunden. Soweit nicht weltbewegend neu. Auch der Rest wĂ€re, ein bisschen gekĂŒrzt, sehr solides Kino gewesen, so hat es zwei, drei LĂ€ngen, aber lĂ€sst sich gut gucken. Die Story ist echt ok mit einem ebenfalls ok-en Twist am Ende; einzig – und ich sage das mit großer Trauer, denn natĂŒrlich war ich als Nerd sehr in Penny verliebt – Kaley Cuoco ist halt nicht die vielseitigste Schauspielerin der Welt.

đŸŽ„ Crime 101
Film, auf prime geschaut. James Davis (Chris Hemsworth) ist ein Juwelendieb, der seine Jobs sorgfĂ€ltig ausgeklĂŒgelt und immer ohne jemanden zu verletzen ausfĂŒhrt. Dummerweise hinterlĂ€sst er bei seinem letzten Job in einem Tropfen Blut etwas DNA und er muss sein komplettes Vorgehen Ă€ndern. Ebenfalls dummerweise folgte er die ganze Zeit einem Muster und ein engagierter Cop (Marc Ruffalo) erkennt dieses Muster irgendwann. Nach ca anderthalb Stunden stellten wir fest, dass wir keine Ahnung hatten, wohin uns die Geschichte fĂŒhren wĂŒrde, in die auch noch eine neue Freundin (Monica Barbaro) und eine Versicherungsagentin (Halle Berry) involviert werden – das aber auf die gute Art. Gut gemacht.

đŸ“ș The 50
Trash-TV, auf prime geguckt. Wir hatten das ja letztens schon: Ich habe durchaus ĂŒber die billige Sensationsgier hinaus Interesse an solchen Formaten. The 50 hat zum Beispiel erfunden, dass die Kandidatinnen mit ihrem Verhalten die Gewinnsumme beeinflussen – das bringt durchaus interessante CharakterzĂŒge hervor. Am meisten gelacht darĂŒber, wie sehr ein Kandidat, der sich selbst gern als Löwe bezeichnet, vollkommen ausflippt, als er rausfliegt. Wo er sich doch fĂŒr den klaren Sieger sah; plötzlich bricht die coole Fassade und man merkt, wie sehr er darin lebte, dass er einen Anspruch aufs Finale mindestens hatte. Empörte fragile masculinity galore.

đŸ“ș Diverses weiteres Trash-TV
bei diversen Anbietern. Spannend im Moment, dass wieder eine neue Generation nachgewachsen ist, die mit neuen Vorannahmen, noch mehr Ego, teilweise wieder etwas mehr Scham ankommt.
Außerdem ist Trash-TV jetzt offensichtlich breit genug in der Gesellschaft angekommen, dass es als Rahmen fĂŒr lustige Mockumentaries taugt:

đŸ“ș Shit Show – welcome to Reality
Mockumentary auf bezahl-RTLplus. Die Serie spielt nicht in der Villa der Trash-Kandidaten, sondern bei der Redaktion, die in Containern rund um die Villa versuchen zu arbeiten. Gaaanz eventuell ist das alles etwas ĂŒberzeichnet; wer Stromberg oder die Discounter mochte, wird Spaß haben.

đŸŽ„ The Amateur
Film, auf prime gesehen. Die Frau des brillanten, aber sehr introvertierten CIA-Kryptolgen Charlie Heller wird bei einem Terroranschlag getötet und als die CIA nicht besonders interessiert ist, die TĂ€ter zu suchen, geht er selber auf die Suche. WĂ€hrend so ein Setting ja sonst in rasante Verfolgungsjagden und wildes Geballer fĂŒhrt, liegen Hellers Talente ja eher woanders und so laviert sich der Rest des Films immer zwischen doch-etwas-Action mit trotteligem Verhalten einerseits und findigen Computer-Tricks hin und her. Er tötet aber einige der MĂ€nner, die beteiligt waren und kommt tatsĂ€chlich bei dem HaupttĂ€ter an.
Eine unentschiedene Meinung ĂŒer einen in meinen Augen unentschiedenen Film.

đŸ“ș Where it comes from – Ein Gigant auf Reise
Doku, auf prime gesehen. Wissen Sie, es ist so: Aus GrĂŒnden saßen wir 2019 das erste mal in einem AirBnb mit Blick auf eines der grĂ¶ĂŸten Hafen-Terminals in Aarhus, maßgeblich gefordert und betrieben von der dĂ€nischen Maersk-Reederei, damit die ihre neuen Megaschiffe schneller ent- und beladen konnten. Deswegen lieben wir diesen Hafen, diese Schiffe und auch die Reederei – auch wenn mal jemand sagte, das wĂ€re ja nun als wĂ€re man Fan des FC Bayern. Wir haben alle unsere SchwĂ€chen, nicht wahr?
Ich wĂŒrde hohe Summen darauf verwetten, dass die Doku nicht vollkommen unabhĂ€ngig von der Reederei gedreht sein könnte, so nah ist sie dran, allerdings ohne dabei einmal den Namen zu erwĂ€hnen. DafĂŒr stehen die Container halt stĂ€ndig zu hunderten im Bild rum und wenn Sie zufĂ€llig die gleiche Lieblingsreederei haben wir wir, dann ist das ’ne super Doku.

🎙 Battle of the Nerds (Herr der Ringe / Sex and the City / Star Trek)
Podcast, in Ihrem bevorzugten Podcatcher. Das Prinzip ist schnell erklÀrt: Eva Schulz und Ralf Caspers spielen gegeneinander ein Quiz um ein popkulturelles Thema von dem sie beide möglichst wenig Ahnung haben. Damit das trotzdem klappt, haben sie jeweils einen totalen Nerd zu dem Thema neben sich. Es gibt verschiedene Runden, in denen die Nerds glÀnzen und die beiden so viel wie möglich mitschreiben und so gut wie möglich nachfragen, damit sie am Ende ein paar Fachfragen beantworten können. Moderieren tut Nils Bokelberg und was soll schon schiefgehen? Eben. Nichts.

đŸ“ș The Investigation – Der Mord an Kim Wall
DĂ€nische Miniserie (6 Folgen) in der arte-Mediathek (bis Januar ’27). Es geht um die Ermittlungen zu einem Mord. Oder doch einem Unfall? Jedenfalls wird eine Journalistin vermisst, die auf Einladung zu einem Typ in sein selbstgebautes U-Boot stieg und nicht zurĂŒck kam. Die Serie basiert auf dem Fall der ermordeten Journalistin Kim Wall und zeigt die Ermittlungen, die beteiligten Polizistinnen, den Staatsanwalt, die Familie der Vermissten, den verzweifelten Suchtrupp, der wochenlang Quadratmeter fĂŒr Quadratmeter den Øresund vor Kopenhagen absucht – aber wen sie nie zeigt ist der vermutlichen TĂ€ter und das ist mal deutlich anders, weil Krimis ja sonst vollkommen am TĂ€ter erzĂ€hlt funktionieren.
Bemerkenswert. (Eine Empfehlung von irgendjemand von Ihnen – leider vergessen, von wem. Aber danke dafĂŒr!)

đŸŽ„ Eat Pray Bark
Film, auf prime gesehen. Eine Gruppe Hundebesitzer trifft irgendwo im Nichts in den Bergen aufeinander um dort bei einem Hunde-Guru die Problemhunde therapieren zu lassen. Überraschenderweise sind nicht die Hunde das Problem sondern die Menschen und ebenso ĂŒberraschenderweise ist das exakt klamaukig so wie deutsche Filme eben sind. Jedenfalls bis zu dem Moment, wo ich irgendetwas anderes machen wollte.

đŸŽ„ Gletschergrab
Film, auf prime gesehen. Kristin erhĂ€lt von ihrem Bruder einen Videoclip, der ihn in einem Flugzeugwrack im islĂ€ndischen Eis zeigt. Dieses Wrack entpuppt sich als ein zum Ende des zweiten Weltkriegs verschollenes Flugzeug mit einer sehr brisanten Fracht, dass es die Geschichte umschreiben könnte. Das Auftauchen des Wracks aus dem Gletscher ist natĂŒrlich nicht nur dem Bruder aufgefallen und so wird Kristin schnell von jemandem gejagt. Das fĂ€ngt gut an, bleibt auch ganz solide spannend, mehr aber auch nicht. Landschaft und eine weibliche Hauptfigur machen einiges wett, leider ist der Killer deutsch besetzt und ja nun.

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2 Kommentare

  1. Ah, Mensch, da hab ich schon keine Lust mehr „Gletschergrab“ zu sehen. Ist vielleicht gar nicht schlimm, dass das an mir vorbei gegangen ist, denn es gibt es mit „Der Tote aus Nordermoor“ doch eine stimmungsvolle islĂ€ndische Verfilmung eines anderen Buchs von Arnalður Indriðason. (Die könnte ich auch mal wieder schauen, auch wenn die islĂ€ndische Tonspur am Anfang wohl nen Hakler hat, wenn ich mich nicht irre.)

Kommentare sind geschlossen.

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