#aberwiekriegenwirdenarschhoch?

Bitte gehen Sie doch zuerst rüber zu its just a thought und lesen Sie dort die Gedanken zu der Frage Are you tough enough to be kind? – denn darauf beziehe ich mich. Hauptsächlich erstmal auf den ersten Teil, auf die Frage: was kann ich denn tun?

Ich warte hier derweilen auf Sie.

Wieder da? Gut, dann …:

Also: Was kann ich denn eigentlich tun, wenn ich nicht zufällig in einer großen Stadt lebe, in der Dinge schon organisiert sind?
Denn ich glaube, die Frage ist wichtig und nicht einfach zu beantworten. Es ist einfach, sich einen Sticker aufs facebook-Profilbild zu kleben, es ist einfach, die Tagesschau-Artikel zu teilen aber seien wir ehrlich: damit bleiben wir in unserer Filterblase, damit predigen wir zu den bereits Bekehrten und die Außenwirkung ist eher niedrig.

Gleichzeitig erlebe ich – kleiner Exkurs – dass es auch nicht einfach ist, etwas auf die Beine zu stellen. Die Rechten sind extrem gut vernetzt und haben eine bestehende Infrastruktur, die bereit und in der Lage ist, schnell und konzentriert aktiv zu werden. An vielen anderen Stellen erlebe ich im Gegensatz dazu aber eher kleinteilige Diskussionen und Bedenkenträgertum galore, wenn man seinen Mund aufmacht. Und das ist das Gegenteil einer guten Vernetzung. Exkurs Ende.

Was also tun? Ich sammele hier mal Ideen – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit – die mir einfallen.

  • Zuerst: lesen Sie nochmal den oben verlinkten Artikel, diesmal mit Gewicht auf dem zweiten Teil. Denn wir haben die Freiheit uns zu entscheiden: Wollen wir freundliche Menschen sein? Ich ja.
  • Suchen wir uns Verbündete. Vielleicht erst einmal im Freundeskreis. Alleine ist das alles zu groß. Schicken wir eine Rundmail an die Freunde und Bekannten im Ort. Erst reicht ein Wohnzimmer, um sich mal zusammen zu setzen. Wird die Runde größer, kann man Tische in Kneipen reservieren, Hinterzimmer mieten, Versammlungsräume bekommen.
  • Die eine arbeitet lieber politisch, der andere lieber auf der Straße. Eine kann Briefe schreiben, einer kann Reden halten. Niemand muss das alles können. Deswegen ist es schlau, sich zusammenzutun.
  • Nochmal: Suchen wir uns Verbündete. Kirchen sind prima Ansprechpartner und haben meist ein funktionierendes Netzwerk. Parteien vor Ort ebenso. Und glauben Sie mir: Ich kann mit Kirchen oft gar nichts anfangen, mit den meisten Parteien ebenso. Scheiß drauf. Und wenn ich nicht will, dass die örtliche CDU meine Demo als Wahlwerbung zu ihrer Veranstaltung ummünzt, schreibe ich SPD, Grüne, Linke, den griechischen Kulturverein und die muslimische Gemeinde gleich mit an.
  • Es gibt viele Arten in die Öffentlichkeit zu gehen, von groß bis klein: Demo? Infostand? Mahnwache? Zeugen-Jehovas-Bauchladen? Jesus liebt Dich-Schild? Generell gilt: Das meiste muss man beim Ordungsamt anmelden. Meiner Erfahrung nach tun Ordungsamt-Leute gern mal so, als ginge es um eine Genehmigung, aber tatsächlich geht es ums Anmelden. Ein kleiner aber feiner Unterschied.
  • Es gibt auch Arten in die Öffentlichkeit zu gehen, ohne dabei auf die Straße zu müssen: Leserbriefe (lacht ruhig, lokal spielen die eine Rolle), T-Shirts, Aufkleber.
  • Warum schreiben wir nicht mal wieder unserem Wahlkreisabgeordenete im Land- oder Bundestag? Die dürfen sich auch mal ruhig etwas lauter positionieren. Ihr Job ist es, uns zu verteten. sagen wir ihnen also, was wir wollen, auch außerhalb der Wahl.
    Hier kann man übrigens rausfinden, wer das aktuell ist.
  • Wenn wir gerade am Schreiben sind: Es hören deutlich mehr Menschen Lokalradio, als wir das in unserer Online-Blase denken. Lokalradio hatte mal die Idee, Bürgerfunk zu sein. Erinnern wir sie. Denn …:
  • Ich lese viel darüber, dass „die Medien“ zB von „Linken“ sprechen, die die Gegendemos organisieren. Sagen wir es ihnen, dass es nicht so ist. Weisen wir sie darauf hin, wenn Sie Nazi-Wörter unreflektiert übernehmen. Erinnern wir uns, dass wir höflich sein wollten; ein hingerotzter Tweet wird keinen Redakteur zum Nachdenken bringen. 20 höfliche Briefe vielleicht schon. Die Nazis framen den Sprachgebrauch. Reframen wir ihn wieder.
  • Lasst uns sichtbar werden.

Ja, das ist alles mühsamer als Petitionen anzuklicken und Profilbilder zu bannern. Ich habe nur Sorge, dass das Leben noch viel mühsamer wird, wenn wir es nicht tun.
Wer Ideen hat – schreibt sie gern in die Kommentare.

6 Kommentare

  1. Ich habe inzwischen für mich beschlossen, nicht auf 100% Übereinstimmung zu warten und auch nicht auf 90, um mich mit einer Sache gemein zu machen. Denn die meisten derer, die gerade so laut und hasserfüllt sind, haben sich vermutlich nicht mal mit 50% der Inhalte auch nur auseinandergesetzt.
    Das soll nicht heißen, dass ich zu denken aufhöre und einfach mitbrülle, aber es heißt, nicht alles erst zu Ende zu diskutieren und zu hadern und 100% Übereinstimmung zu wollen, sondern den Partner mit der besten Übereinstimmung jetzt halt zu küssen. Nicht metaphorisch meine ich: in die Partei einzutreten, die mir am meisten liegt und auf die letzten Prozente zu pfeifen, so wie ich es bei Wahlen ja auch mache. Das macht Engagement in Strukturen leichter, und wenn ich dann doch passiv bleib, kriegen sie immerhin win bisschen mehr Geld dafür, dass sie aktiv sind.

  2. Danke Dir. Für diesen wichtigen Post.

    So wichtig die der große Protest ist und so wichtig der bundesweite Schulterschluss ist, so wichtig ist eben auch der Protest im Kleinen. Und wie wichtig Vernetzung und PR ist, sieht man an der Mobilmachung der Nazis. Das müssen viele andere noch lernen…

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