Aarhus 2019 Teil 3

21.7.2019 – Rubjerg Knude

Bevor die Liebste und ich jetzt begannen, nach Aarhus zu fahren, war ich schon Anfang der Neunziger ein paar Mal in Dänemark. Wir hatten während des Studiums entdeckt, dass man für wirklich kleines Geld in der Nebensaison wirklich schick eingerichtete Häuser am Strand mieten konnte und waren ein paar Mal mit unterschiedlichen Gruppen gefahren. Abgesehen davon, dass wir jeweils den gesamten Kofferraum voll Lebensmittel packten, möchte ich unsere Reisen mal als vollkommen unvorbereitet bezeichnen. Es gab noch kein Internet, an Reiseführer dachten wir nicht, selbst eine Straßenkarte besorgten wir uns erst an der ersten dänischen Tankstelle.

Und so habe ich heute nicht den Hauch einer Ahnung, wie wir damals darauf kamen, in der menschenleeren Gegend in der wir waren irgendwo abzubiegen, erst in eine noch leerere Gegend und dann in einen Dünenweg fuhren um am Ende auf einen Leuchtturm zu stoßen, der von einer Wanderdüne überrollt worden war.

Egal. Ich erinnere mich, dass ich damals oben auf der Steilküste stand und das für mich einer der magischsten, intensivsten Orte war, die ich je erlebt hatte.

Als der Leuchtturm gebaut worden war, stand er ca 300m ins Land rein; als ich damals da stand, stand ich schon fast auf einer Steilküste. Letztes Jahr erfuhr ich, dass der Turm abgerissen werden müsse weil immer mehr Küste wegbricht und ich wollte unbedingt noch einmal hin. Irgendwann kurz vor unserem Urlaub las ich dann, das sich Spender gefunden haben, die einen Umzug, gute 100m ins Landesinnere finanzieren. Aber ich wollte ihn trotzdem noch einmal an seiner alten Stelle sehen – 500km hin oder her.

Und so fuhren wir einmal quer durch Dänemark, von der Ostsee- an die Nordseeküste, von der Mitte bis weit in den Norden und kraxelten die Düne hoch und ich habe mich verabschiedet.

Das war einer der glücklichsten Momente dieses Jahres. Der Ort hat nichts von seiner Magie verloren und ich bin froh, dass ich noch einmal da war.

Auf dem Rückweg haben wir noch in einem kleinen Städtchen auf dem Weg angehalten und Burger gegessen. Note: Im Gegensatz zu letztem Jahr gab es in diesem Jahr auf quasi jeder Karte mindestens ein vegetarisches Gericht, oft auch mehrere.

Das Blog Meermond berichtet übrigens laufend über den Fortschritt der Planungen und Arbeiten.

22.7.2019 – Regen

Am Montag, unserem letzten Tag, wollten wir eigentlich nochmal durch die Stadt bummeln, ich wollte Fotos machen. Die Innenstadt von Aarhus wird durch einen Kanal zweigeteilt und auf der einen Seite trifft man auf eine Fußgängerzone, wie man sie in jeder mittelgroßen deutschen Stadt auch findet. Jenseits des Kanals sind die Häuser kleiner und älter und malerischer; es gibt unzählige Straßencafés und Kneipen und kleine inhabergeführte Lädchen. Dort wollte ich Bilder machen.

Auf dem Weg kamen wir am Schloss Marselisborg vorbei, dem Sommersitz der dänischen Königin. Wenn sie gerade nicht da ist, kann man aufs Gelände und dort den Park ansehen; nur vor den Eingangstüren hängen kleine Schilder die darauf hinweisen, dass jetzt Privatbesitz anfängt. Aber der Garten ist echt groß.

Als wir dann in der Stadt ankamen regnete es etwas. Und dann immer mehr und dann so richtig, richtig fies.

Also erstmal Kaffee und die Visit Aarhus-App konsultiert. Und den neuen Reiseführer.

Exkurs: Es gibt einen deutschsprachigen Reiseführer zu Aarhus und der ist ein solider Anfang, hat aber echt noch Luft nach oben. Die Liebste hat noch einen englischen gekauft und sich dabei mit der Buchhändlerin unterhalten und die war fassungslos, was alles nicht in dem deutschen drin steht. Der englische (eigentlich ein dänischer, der dann übersetzt wurde) ist deutlich umfangreicher.

Die Wahl fiel auf den Zoo in Randers, ca eine halbe Stunde entfernt. Weil überdacht.
Als wir dort ankamen stellten wir fest, dass das auch die Wahl aller anderen Urlauber aus Deutschland und komplett Skandinavien war und wir fuhren zurück. Niemand will eine Stunde an der Kasse anstehe, wenn der Zoo in zweieinhalb Stunden schließt. Naja, immerhin schon wieder eineinhalbanderthalb Stunden rum.
Also nochmal Lesen im Hotelzimmer. Nein, sitzen mit Blick aufs Meer wird nicht langweilig, aber trotzdem …

Als der Regen abends aufhörte, waren wir dann nochmal in der Stadt, aßen den letzten Burger am Kanal und fuhren dann noch einmal zum Strand im Norden raus, um uns vom Meer zu verabschieden.

23.7.2019 – Heimfahrt

Ereignislos. Wir haben schon letztes Jahr entdeckt, dass sich lange Autofahrten echt besser rumkriegen lassen, wenn man dabei kluge Podcasts hört. Als sehr geeignet haben wir auf dieser Fahrt den Podcast „Alles gesagt“ der Zeit kennen gelernt. Da zB das Gespräch mit Jana Hensel über sechs Stunden dauert, brauchten wir nicht immer wieder lästig nach Neuem suchen, sondern hörten einfach die ganze Fahrt über eine einzige Folge. Außerdem empfiehlt sich ein Tempomat mit Abstandhalter, dann kann man mit 130 oder 140 sehr entspannt fahren.

Schon in der ersten deutschen Tankstelle hatte ich die dänische Freundlichkeit vermisst und zu Hause angekommen bemerkte ich endgültig ein Problem …

… aber das ist wohl keins, was sich in den nächsten Tagen lösen lassen wird.