9.7.2026 – pictures washed in black

And now my bitter hands cradle broken glass
Of what was everything
All the pictures have all been washed in black
Tattooed everything

Pearl Jam: »Black«

Ist Ihre Timeline auch so voll damit? Pearl Jam im allgemeinen, das Album „Ten“ und vor allem der Song „Black“ überschwemmen gerade förmlich meine Timelines. Jede muss herausstellen: Was für großartige Musik. (Ja) Wie viel Emotion in der Stimme! (Ja.) Wie gekonnt er beim Unplugged-Auftritt mit dem Text improvisiert! (Nein, er hat sich versungen und muss deswegen so lachen).
Faszinierend, wie aus einem fünfunddreißig Jahre alten Rocksong auf einmal ein Trend wird.

Nun bin ich natürlich erstens ein alter Sack, zweitens ein alter Sack mit einer Vorliebe für Stromgitarrenmusik und drittens ein exakt so alter Sack, dass ich damals, als Ten heraus kam, in genau dem richtigen Alter war, um jedes Wort dieses Albums speziell, aber auch sonst jedes Wort der mit diesem Album kurz aufblühenden Grungewelle allgemein tief zu fühlen. Ich war traurig, ich hasste die Welt (ich schrieb schon mal länger drüber) und hatte die Haare endlich lang genug, um sie auf der Tanzfläche anderen Langhaarigen ins Gesicht zu wedeln. Und jedes Wort war nur für mich gesungen. Gut, es gab kein Internet und CDs mit Lyric-Booklets konnte ich mir nicht leisten, daher wusste ich gar nicht genau was er sang aber es war nur für mich*.

*) Natürlich hab ich dann später, mit Internet, an mancher Stelle begriffen, dass es das vielleicht nie gewesen war, aber nun gut.

Vollkommen unabhängig kann man aber auch objektiv sagen, dass das wirklich ein sehr guter Song ist, dass Eddie Vedder ein großartiger Sänger ist und ich freue mich wirklich, dass eine neue Generation von Menschen, die sonst TayTay für die Krone der Songwriter- und Gesangskunst halten, sich wenigstens einen Hypezyklus damit beschäftigen. Dank der Unart, in Insta-Videos mit Einblendungen vorzugeben, wann *shiver, wann *so emotional und wann *wait for it die richtige Emotion ist, muss man ja auch gar nicht so tief einsteigen.

Ich bin auch alt genug, das zusammen gestümperte Halbwissen, dass unter den meisten dieser ride the hype-Postings je nach momentaner Stimmung zu belächeln oder zu beschimpfen und dann musste ich auf einmal einen Moment innehalten und mich fragen:
War Grunge – relativ zum langsameren Tempo der damaligen Zeiten gerechnet – wirklich so viel länger en vogue als heute ein dreitägiger Insta-Trend?
Und, ein bisschen schmerzvoller: Hab ich vielleicht damals genauso unwissend über die Songs von 1969, – die ich ja auch SO liebte – kluggeschissen wie die Insta-Stories heute über Musik aus 1991?

Wir alle wissen die Antworten. Ich auch.

Hören Sie sich Black trotzdem (mal wieder) an. Versetzen Sie sich in den Moment, wo Sie gemerkt haben: Wir passen trotz aller Liebe und trotz aller Mühe nicht zusammen. Und dann lesen Sie mit.
Es ist das traurigste Lied über das Ende einer Beziehung das ich kenne und ich glaube nicht, dass es diesen Platz eins noch einmal hergeben muss.


Ach, by the way: Wenn Sie gerade auch voller Freude Angine de Poitrine zuhören, dann herzlich willkommen im weiten Feld zwischen ProgRock und Jazz. Da wo alle sonst immer so die Nase drüber rümpfen. Schullingung, musste raus.

Sie mögen das, wenn ich auch mal aus dem täglichen Alltags-Einerlei ausbreche und über Gott und die Welt nachdenke und möchten diese Arbeit unterstützen? Hier steht eine virtuelle Kaffeekasse!
Oder – wenn Ihnen Geld zu unpersönlich ist – hier ist meine Wishlist.

2 Kommentare

  1. Nein, der Trend geht an mir vorbei. Aber meine Mastodon-Timeline wird irgendwie eh von Transfurry-Softwarefreaks dominiert, die ist vielleicht eher untypisch.

    Und Pearl Jam war mir damals immer viel zu kommerziell-angepasst. Nirvana waren gerade noch okay, aber die haben auch lange genug in Punk-Clubs vor 30 Leuten gespielt. Und „alte“ Musik war viel zu sehr von diesen anstrengenden Alt-68er-Lehrern (kein Gendern nötig) besetzt. Long live Fugazi.

  2. Ich hab den Trend auch bisher nicht gesehen, obwohl in meinen Timelines viel Musikkram ist (nicht auf Mastodon und BlueSky allerdings, aber auf Insta, Threads und TikTok). Werde jetzt aber reinhören und so setzt sich der Trend fort. ;)

    Ansonsten kann ich sehr viel mit dem Post anfangen, natürlich, wie immer. Auch wenn ich auch eher Nirvana als Pearl Jam war – Eddie Vedder hat mich aber schon Anfang der 90er mit seinem Cover von Masters of War gekriegt, vom ollen 68er Bobby Zimmerman. War vielleicht zu jung, um gegen die 68er zu rebellieren. ;) Fugazi ist aber auch nett.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Die Website setzt 1 notwendiges Cookie. Ich nutze Matomo, um zu sehen, welche Artikel Sie interessieren. Matomo ist lokal installiert es werden keine Cookies gesetzt, so dass Sie dort vollkommen anonym bleiben. Externe Dienste werden erst auf Ihre Anforderung genutzt.