9.5.2024 – neue Männer braucht das Land

Vorgestern erzählte mir die Liebste, an welchem Thema sie in der Schule gerade arbeitet, wir unterhielten uns ein bisschen und bemerkten, dass es offensichtlich keine Unterrichtsmaterialien zum Thema „Prävention“ gibt, die nicht aus der Perspektive „bringt den Mädchen bei, sich zu schützen“ arbeiten, sondern aus der Perspektive „bringt den Jungs bei, nicht zum Täter zu werden“.
Naja, das Internet weiß ja immer alles und auch wenn es das berühmte Twitterlehrerzimmer nicht mehr gibt, so haben in meiner Wahnehmung das Bluesky- und das Mastodon-Lehrerzimmer die Lücke ganz ok ausgefüllt. Also fragte ich auf drei Plattformen:

Ihr wisst doch immer alles?!!
Angenommen, eine Lehrerin sucht Unterrichts-Material für ca 8-9-jährige Schüler*innen zum Thema „Prävention“, das nicht auf „save the girls“, sondern auf „educate the boys“ aufbaut. Kennt Ihr da was?

Die drei Post erreichten theoretisch direkt um die 1200 Menschen, wurden bis jetzt ca. 150x repostet – die Reichweite sollte also ganz ok sein – und ich habe bis jetzt keine echte Antwort. Ein paar Menschen hatten Ideen, wen man mal fragen könnte, aber Stand jetzt denke ich: Es gibt keine Materialien für die Grundschule, die nicht hauptsächlich darauf abzielen, dass Mädchen sich zur Wehr setzen statt Jungs beizubringen, keine Arschlöcher zu werden.
Falls also jemand von Ihnen Lust hat?


Die Liebste und ich haben zwei sonnige Tage hinter uns, wir haben die erste Pizza am See gegessen, es war ruhig und friedlich und tat sehr gut. Außer der Pizza keine besonderen Vorkommnisse.

Außerdem hab ich viel im Internet gelesen:

Zeugs

Sophia Thiel kennen Sie? Die Fitness-Influencerin, die über lange Jahre in Deutschland definierte, dass frau mit genügend Einsatz natürlich einen Traumkörper haben kann, die dann in den Burnout verschwand, nur um aus dem dann wieder als neues RoleModel immer mal wieder ab- und zunehmend aufzutauchen? Nicole Diekmann findet das ein schlechtes Beispiel:

Ja, es gibt die Body-Positivity-Bewegung. Also Frauen, die nicht schlank sind und für die Aufweichung des Diktats werben, indem sie ein zufriedenes, erfülltes und selbstbewusstes Dasein vorleben jenseits von Größe 44. Aber sie sind die Ausnahme, eben weil sie sich über ihre Abgrenzung von der Norm definieren. Sie sind nicht die Neuen. Sie sind die anderen. Sie lösen damit kein Ideal ab, sondern schaffen ein weiteres – eines, mit dem sich ebenfalls gut verdienen lässt. Was übrigens auch die allzeit findige Heidi Klum weiß: Bei „Germany’s Next Topmodel“ kommen inzwischen auch Vertreterinnen dieser anderen Frauen als Kandidatinnen vor. Aber sie sind und inszenieren sich eben auch als die anderen. Als die, die bewundert werden, weil sie sich widersetzen. Der Maßstab bleibt davon jedoch unberührt, wird sogar noch zementiert.

Nicole Diekmann auf t-online:
Fitness-Influencerin Sophia Thiel – Bei ihr ist jede Wandlung inszeniert

Gibt es gar einen Rechtsruck in Deutschland? Wir fühlen ihn doch alle, sehen ihn jeden Tag. Oder? Eine meiner tiefen Leiden seit ich 16 bin ist, dass ich an allen Stellen ein tiefrechtes Denken sah – nur verborgen unter etwas Icing on the brown cake. Mein Blick, mein Leiden, höchstens anekdotisch.
Stephan Anpalagan sieht es auch so und er bringt einen aneren Aspekt mit ein:

Wir haben keinen Rechtsruck. Zumindest lässt er sich nicht in der Form beobachten, wie er überall postuliert wird. Das Gefühl, das viele Deutsche aktuell haben, rührt daher, dass der rechte Extremismus für die weiße bürgerliche Mitte sichtbarer wird. […] Ich würde davor warnen, die Gegenwart als besonders schlimm darzustellen. Das wertet ab, welche fundamentalen Erfahrungen von Rassismus betroffene Menschen früher gemacht ­haben.

Stephan Anpalagan auf taz.de
über Deutschland „Wir haben keinen Rechtsruck“

Autos und Dänemark – mein Thema, oder nicht? Christian erklärt eine Betrugsmasche, die mit einer harmlosen Anfrage aus Dänemark auf eine Autoverkaufsanzeige beginnt. Lesen und weiter sagen!

Ok. Es kommt also niemals zu einer Begegnung oder Übergabe, es ist kein Spediteur involviert, der ganze Betrug findet rein virtuell statt und basiert darauf, dass man jemandem in gutem Glauben Geld überweist, bevor man etwas von ihm hat oder bekommt. Hätte ich natürlich nie gemacht. Aber: Funktioniert offenbar trotzdem und wird seit Jahren so durchgezogen

Christian Buggisch:
Autoverkauf + Dänemark + Spediteur = Betrug

Jedes Jahr wieder werden die beliebtesten Passwörter im Land veröffentlicht und jedes Jahr stöhnen wir alle wieder auf und stützen verzweifelt den Kopf in die Hand, weil es doch wieder 0000, 1234, qwertz und asdfg sind. Naja, immerhin kann das ganz schön aussehen, wenn man es visualisiert; gleichzeitig kann es aber auch weitere menschliche Schwächen offenbaren:

Aber was hat es mit der 2580 und der 7410 auf sich? Zwar tauchen diese nicht in den Top Ten auf, heben sich dennoch deutlich von ihrer Umgebung ab. Der Grund offenbart sich beim Blick auf verschiedene Tastaturen: Die Ziffernkombination 2580 ergibt sich, drückt man die Tasten der mittleren Ziffernspalte einer Handy- oder Smartphonetastatur. Und auf 7410 kommt man, wenn man die linke Spalte des Ziffernblocks an einer Computertastatur hinunter tippt

Dr. Christopher Kunz auf heise.de
Daten sind schön – vierstellige PINs visualisiert

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2 Kommentare

  1. Haben wir einen Rechtsruck – ich würde die Frage mit „ja“ beantworten, wenn ich mir den neusten Democracy Perception Index anschaue: https://gigold.me/blog/deutschland-immigration

    Keine Ahnung. Am Ende ist eben alles „persönliche Beobachtung“ – und meine ist, dass wir zumindest nicht weniger Probleme mit Rechtsradikalismus haben, sondern die vorhandenen schön seit Jahren wegignorieren … wie sonst traut sich bitte jemand wie gestern einfach so mit einem Wehrmachtsfahrzeug und Reichsflagge durch Dresden zu fahren?

    Ich sehe vielmehr, dass sich Links der CDU die Menschen bewegen und versuchen weniger rassistisch zu sein (indem wir Aufdrücke wie das N- oder Z-Wort nicht mehr nutzen, etc), sich aber gleichzeitig rechts davon etwas entwickelt, dass sich um so lauter gegen die „Woke Culture“ auflehnt und dabei immer extremer wird.

    1. Ich wollte auf keinen Fall rüber bringen, dass wir keine Probleme haben und ich habe auch Stephan Anpalagan nicht so verstanden.
      Ich habe da noch weiter drüber nachgedacht und denke im Moment: Es ist auch egal, ob wir gerade eine Bewegung wahrnehmen, die neu ist oder die sichtbarer wird: Das Sichtbarer-Werden, die Unverfrorenheit und Gewaltbereitschaft, mit der aufgetreten wird – die sind auf jeden Fall ein Problem.

      (Den Democracy Perception Index habe ich bei Dir gestern schon gesehen und gebookmarked. Das ist so traurig)

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