9.2.2021 – Links, links, links zwo drei vier

Während ich morgens im gewohnten Ablauf am Schreibtisch saß, blinkte neben mir eine Benachrichtigung von Clubhouse auf und ich dachte „ach hör ich doch mal rein“ und schwupps lud mich Johannes auf die Bühne ein und weil Johannes einer derjenigen da draußen ist, denen ich in solchen Zusammenhängen vollkommen vertraue, unterhielt ich mich auf einmal mit ein paar anderen Menschen über allerlei rund um Digitalisierung, digitale Events und Datenschutz und so.

Sonst? Ich habe gearbeitet und bekam Kopfschmerzen und draußen liegt Schnee. Wie immer also. Ach ja, meine Profilseite habe ich mal aktualisiert.
Und weil ich gerade nicht weiß, was für Musik ich mag, habe ich mir die automatische Playlist erstellt mit allen Titeln, die ich zwar besitze, aber seit Anfang letzten Jahres noch nicht gehört habe. Das ist lustig. Voll des festen Willens, diese 4900 Titel umfasssende Liste zu leeren, mache ich damit erstmal weiter.

Nachmittags waren wir dann auch mal im Schnee und nach den Bildern gehts noch weiter.

Aber guck, da haben sich ja über die Gleichförmigkeit der Tage doch ein paar Leseempfehlungen angesammelt.

Diesen Text finde ich aus zwei Gründen bemerkenswert: Einmal versucht Marina Weisband dort pragmatische Lösungen für das Schul-Dilemma zu finden und zum anderen sind die Kommentare (zumindest die ersten, ich hab dann aufgehört) geradezu ein Musterbeispiel für online-Diskussionen und man kann sie mit großem Spaß lesen.

„Die Situation wurde gefährlich und fahrlässig verschlafen. Aber sie ist nicht ausweglos“ – meint Marina Weisband, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piraten-Partei, mit Blick auf den Schulbetrieb nach dem 10. Januar. Die Diplom-Psychologin weiß durchaus, wovon sie redet: Weisband leitet seit 2014 das Projekt „aula“ für digitale Partizipation in der Schule und engagiert sich bei den Grünen für Themen der Digitalen Bildung. In ihrem Gastbeitrag auf News4teachers legt sie dar, worauf die Situation hinausläuft – und was geschehen müsste, um die Bildung in der Pandemie zu retten.

Marina weisband auf news4teachers.de: Homeschooling oder Präsenzpflicht? Pragmatische Gegenvorschläge

Hurra, es gibt Menschen, die sich fragen, was man dagegen tun kann, dass ein Klimakrisenleugner und eine Klimawissenschaftler am Ende der Talkshow die gleiche Redezeit hatten und man denken könnte, es ginge um zwei vergleichbare Meinungen.

Das mediale Problem, das dem Ungleichgewicht der öffentlichen und wissenschaftlichen Meinung zugrunde liegt, heißt in der Fachsprache False Balancing. Dieses Phänomen beschreibt den Vorgang, dass unter Berufung auf die journalistische Objektivität der Für- und Gegenseite zu einem Thema dieselben medialen Möglichkeiten eingeräumt werden, selbst wenn eine Seite deutlich mehr belastbare Belege für ihren Standpunkt vorweisen kann.
[…]
Die Ironie beim False Balancing liegt darin, dass das Problem entsteht, weil man versucht, es zu vermeiden. Im Journalismus ist man dazu angehalten, zu jedem Thema auch die Gegenseite zu hören – was ein wichtiges und richtiges Prinzip objektiver Berichterstattung ist. Das Problem liegt darin, dass unter dem Vorwand der Objektivität Meinungen, die zum Teil wissenschaftlichen Grundaussagen widersprechen, wissenschaftlichen Fakten gegenübergestellt und auf diese Weise eine Gleichwertigkeit von Meinungen und Fakten suggeriert wird.

Sebastian Schmitt auf quotenmeter.de: False Balancing: die Gewichtung von Fakten und Meinungen in den Medien

Eine der Folgen sehen wir in der Corona-Bekämpfungsstrategie und vor allem in den öffentlichen Diskussionen im Moment deutlich:

Eine Sache an dieser #Pandemie verstehe ich ganz und gar nicht. So Menschen wie #Streeck haben seit Beginn der Pandemie nicht eine einzige richtige Prognose abgegeben. Sie haben konsequent immer daneben gelegen. Warum wird denen weiterhin permanent so eine öffentliche Bühne geboten? Warum werden die immer und immer wieder in Talkshows eingeladen und interviewt?

@Doktor_FreakOut auf Twitter: geboten? Eine Sache an dieser #Pandemie verstehe ich ganz und gar nicht (ein Thread)

Ich spreche hier gerne über Minderheiten und ihre Diskriminierung: Menschen, die als ausländisch gelesen werden, BIPOC, LGTBQ, … – liegt daran, dass ich halt ein alter weißer Mann bin und nur über sie nachdenken und sprechen kann. Aber deswegen finde ich es zum einen immer sehr interessant, von Menschen selbst zu lesen/hören, die zu irgendeiner der marginalisierten Gruppen gehören und von ihnen zu lernen (und ihnen vielleicht meinen bescheidenen Teil Reichweite mehr zu verschaffen) und zum anderen festzustellen, wie erschreckend gut man hier ohne solche unangenehm das weiße Weltbild störenden Faktoren durch die deutsche Medienlandschaft kommen kann, wenn man möchte.

In unserer Serie „Mein Blick auf den Journalismus“ erzählt der Journalist Stephan Anpalagan von seiner Enttäuschung, wenn es um das Bild von Muslimen oder Zuwanderern in vielen Medien geht. Er sagt: „Man könnte meinen, ‚Islam‘ sei einfach nur ein anderes Wort für ‚Terrorismus‘ und ‚Ausländer‘ ein anderes Wort für ‚kriminell‘. Das irritiert mich sehr.“
[…]
Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle erzählen, dass heute alles ganz anders sei. Dass so etwas heute nicht mehr möglich wäre. Dass wir heute allesamt aufgeklärter seien, liberaler, weltoffener und achtsamer. Nun ja.

Stephan Anpalagan auf journalist.de: Wie fühlt es sich an, wenn man Sayed, Alaa oder Ahmad heißt?

Passend dazu ein Satz, den Marina Weisband anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Bundestag sagte.


Deutschland, Land der Dichter und Denker. Ich stimme dem auch im Jahr 2021 uneingeschränkt zu: Man denkt am liebsten darüber nach, wie man die Firmenkasse bestmöglich abdichtet, um bloß nicht am Sozialsystem teilzunehmen. (Ok, mittelschlechter Kalauer). Die echten Dichter und Denker geben gerade auf, weil sie unsichtbar sind, ironischerweise obwohl sie beruflich auf Bühnen stehen. Ihr Lebensstil passt leider weder ins Sozialgesetzbuch noch ins nine-to-five-Denken des deutschen Gesetzemachers.

[… dass] knapp ein Drittel der teilnehmenden Musiker:innen aus Berlin bereits ihren Beruf aufgegeben haben oder gerade dabei sind, sich neu zu orientieren, da sie keine berufliche Perspektive mehr sehen.
[…]
Prekarität in den Künsten gibt es aber nicht erst seit Corona grassiert und der Kultursektor heruntergefahren ist. Vielmehr macht die Krise deutlich, wie zerbrechlich die Lebensentwürfe von Künstler:innen an sich schon immer waren
[…]
Viele Künstler:innen arbeiten in ständig wechselnden Mischformen zwischen mehreren gering vergüteten Festeinkünften, vorübergehenden Nebenjobs, Honoraren und Stipendien. So bewerben sich Kulturschaffende, an die sich Förderungen richten, häufig gar nicht erst, wenn schon die Antragsverfahren andere Lebensentwürfe nahelegen.

Thomas Wochnik auf tagesspiegel.de: Fragile Lebensentwürfe nicht nur in Coronazeiten Ein Drittel der freien Musiker Berlins gibt den Beruf auf

So viel Elend. Wenn Sie jetzt das verständliche Bedürfnis zu haben, das mit ein, zwei Weinchen wegzuspülen, dann habe ich alter Spielverderber noch einen für Sie: Der Narkosearzt spricht aus Arztsicht über Alkohol. Prost!

Ich bin unfassbar intolerant geworden was den absurden Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft angeht. […] Alkohol zerstört auch in geringen Maßen bereits Leberzellen, stört die Kommunikation zwischen Gehrinzellen, sorgt langfristig für Vitaminmangel und schwerste Hirnschäden ähnlich einer Demenz.
Jaja, aber in Maßen genossen ja nicht heißt es dann. Was nicht stimmt und auch mehrfach belegt wurde
[…]
Wenn ich auf einer Feier bin dauert es im Schnitt nur zwei Stunden bis mich keiner mehr fragt ob ich nicht doch einen, komm, hab Dich nicht so, einer ist keiner, für Dich nichts? Krank? Fieber?
Ach Du musst fahren… nicht? Ach so, einfach so nicht?
Find ich gut. Klasse, ich müsste auch mal weniger, aber blaaaaa.
Ein einfaches nein reicht nicht, es muss schon ein „Nein, weil…“ sein.
Es ist normal Alkohol zu trinken, es ist nicht normal keinen Alkohol zu trinken wenn alle Alkohol trinken.

Der Narkosearzt: Ohne Tonic ist alles ginlos

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

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