9.1.2018 – digital in Deutschland

(irgendwas mit lang geschlafen)

Als ich nach den Weihnachtsferien wieder zu arbeiten begann wusste ich, dass ich viel zu tun hatte. Habe. Haben werde, also in den nächsten Monaten. Auch durchaus soviel, dass mich das etwas unruhig macht.
Was statt dessen passiert: Ich werde viel zu tun haben, aber nichts geht los. Nein, das ist nicht im geringsten besser; ganz im Gegenteil.

Aber so hatte ich wenigstens Zeit eine Freundin zu helfen, deren Computer nicht mehr das tat, was er sollte. Und auch gleich noch 2 nette Stündchen bei ihr hängen zu bleiben und Neuigkeiten auszutauschen. Das war schön.

Außerdem bahnt sich gerade eine kleine Zusammenarbeit mit einem Menschen aus Bloggersdorf (das wollte ich schon so lange mal wieder schreiben!) an, das freut mich auch.

Und dann konnte ich noch ein bisschen über dieses Digitalisierungsdings in Deutschland nachdenken:

Ich stelle mal eine Theorie auf: Ich halte Deutschland für ein Land der Ingenieure. Dass wir Dichter und Denker waren, das ist hundert Jahre her und das haben die Nazis beendet.
Für ein Land also, das mehr als hundert Jahre daran gewöhnt ist, Probleme mit Hardware – also zB einer passenden Maschine – zu lösen. Den Umgang mit der Maschine wird dann geregelt – das ist die zweite große Kompetenz der Deutschen, die Bürokratie.
In beidem sind Deutsche richtig gut.

Wie lernt man das?
Maschinen zu beherrschen kann man lernen, in dem man sie unter Anleitung und unter Anwendung der Regeln bedient.

Beispiel: Wir möchten unabhängig von A nach B kommen. Wir erfinden das Auto. Wir schreiben die Regeln in die StVo und die TÜV-Kriterien und machen den Führerschein und die HU. Problem gelöst.
Optimierungen an diesem Prozess „Von A nach B“ bestehen aus Optimierung der Machine (mehr PS, Klimaanlage, Subwoofer im Kofferraum) und Anpasung der Regeln (Rechtsabbiegerpfeil, Reißverschlussverfahren, verkehrsabhängige Schilderbrücken). Das Prinzip selbst wird nicht in Frage gestellt.
Ja, das ist stark vereinfacht, aber ich möchte mal mit dieser Annahme arbeiten

Digitalisierung ist aber eben nicht die Lösung eines Problems mit einer Hardware, sondern basiert genau entgegengesetzt darauf, dass es eine Hardware gibt (den vernetzten Computer), der unendlich viele Möglichkeiten eröffnet – wenn man die passende Idee hat und dann die passende Software nutzt oder codet. Oder in dem man die Software für die eigene Situation kreativ nutzt.
Das erlaubt es, ständig bestehende Prozesse in Frage zu stellen (und das – im Gegensatz zur Harwarelösung – mit sehr geringem Einsatz von Zeit und Geld und deswegen im Vergleich unfassbar schnell).

Im Ergebnis geht es dann selten um die Lösung eines Problems, sondern darum, dass jemand einfach etwas verändert. Nehmen wir als Beispiel mal Uber*: Man konnte schon vorher bequem von A nach B kommen – mit dem eigenen Auto oder einem Taxi. Uber ändert das, in dem es Menschen die Möglichkeit gibt, selbst Taxi zu sein. Und in dem es den Prozess für Benutzer einfacher macht.
Das kommt – s.o. – in deutschem Denken nicht vor. Und folglich reagiert Deutschland auch nicht damit, sich anzupassen, sondern nach Regeln zu rufen und Uber zu verbieten.
Theorie: Wer Probleme gewöhnlich mit Hardware oder Regeln löst, steht Out-of-the-box-Denken erstmal hilflos gegenüber.

Wie lernt man das?
Ideen zu entwickeln kann man nicht lernen, in dem man die Anwendung von Regeln lernt. Man muss lernen sie zu brechen, braucht Freiräume, muss auch ineffizient sein dürfen, muss herumspinnen und auch scheitern können. Da sind Deutsche nicht so gut drin.

Aus dieser Denke ist aber auch logisch, was in Schulen passiert. Man denkt: Aha, es geht jetzt um Computer, also bekommen die Kinder die Hardware. Und dann lernen sie im Informatik-Unterricht die Bedienung.
Die Ideen, Konzepte, Philosophien dahinter haben – so wie ich es erlebe – die meisten Menschen noch gar nicht begriffen.

Und so konnte die Gewerkschaftsfrau auch nicht verstehen, dass ich Schulen nicht die Handhabung der drei Standardprogramme beibringen wollte – sondern zeigen wollte, wie sie ihre tägliche Arbeit mit den Kindern digital abbilden könnten.

Und jetzt weiß ich auch nicht weiter

*) Ob das alles gut, schön und richtig ist, soll hier gerade mal keine Rolle spielen.

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