8.7.2019 – Panoramen und Reflexionen.

Es ist nicht so, dass hier nichts passieren würde. Gestern zum Beispiel habe ich eine Erdnußsoße gemacht, so etwas widerliches habe ich lange nicht gegessen. Vollkommen missglückt. Oder heute, da aß ich den ersten Coucous-Salat nach der Lebensmittelvergiftung und es ist spannend, wie so ein Körper sich erinnert und mit fast allem signalisiert, dass er das jetzt nicht essen möchte und ab jetzt wirklich keinen Couscous-Salat mehr mag.
Aber will das jemand wissen? Als ich noch aktiv Social-Media-Beratung betrieb, da habe ich immer beruhigend gesagt: „Nein nein, natürlich schreiben Sie nicht darüber, wenn Sie auf dem Klo waren“ – denn das war damals ein gängiges Vorurteil gegenüber dem Web 2.0.
Aber ist eine missglückte Erdnußsauße so viel besser?

Immerhin waren wir gestern Morgen im Sauerland, so richtig im Sauerland und …
Moment. Sorry. Herrje, was macht diese Website einen auf dicke Hose! Dieses Dorf da besteht aus ca. elf Häusern und ein paar Hängen und tut, als wäre es das Tourismusmekka persönlich.

Wo war ich? Ach ja: Ich habe mich dann auf einen der Panoramapunkte gestellt und ein Foto gemacht.

Als Städter oder als Romatiker mag man jetzt denken „Oh wie hübsch“, aber ich, ich kann anhand dieses Bildes recht genau erklären, was ich am Sauerland hasse:

Zum einen bin ich großer Freund der legendären LiedzeileHier gibt es nur Flachland, aber deshalb einen weiten Horizont“ – bzw: Ich glaube fest daran, dass auch der Umkehrschluss gilt.
Und im Sauerland guckt man halt immer nur vor den nächsten Hügel.

Zweitens – sehen Sie doch mal genau hin: Das sind gar keine Wälder. Das sind Fichtenfelder. Fichten in Reih und Glied, dunkelblaugrüne in exakt Trecker-breite Reihen gepflanzte Fichten. Weil die am schnellsten wachsen. Weil die am schnellsten Geld bringen. Sie finden hier wenig natürlichen Wald. Und ich finde da halt wenig Gefallen dran.
Dass solche Felder dann auch von Gesellen wie Kyrill oder Friederike ziemlich schonungslos dahin gerafft werden – tja nun. Das waren ja bestimmt auch nur Ausnahmeerscheinungen und in Zukunft gibt’s bestimmt nicht mehr solche Stürme.

Ich werde zynisch, entschuldigung.

Viel über den Unterschied zwischen Internet- und anderen Freunden nachgedacht. Zum einen bin ich ja schon sicher: Es gibt ihn nicht mehr. Aber das sehen nicht alle so, und so habe ich letztens noch eine sehr interessante Unterhaltung geführt, in der jemand sehr lange erklären müsste, dass ER aber schon eifersüchtig wäre, wenn seine Partnerin sich mit jemand aus diesem Internet treffen würde. Sehr, sehr lange und ausführlich erklären musste.
Ja, mir ist klar, dass er damit viel über sich und wenig über mich sagte. Und ich weiß ja nun auch, dass ich, wenn ich Menschen aus dem Internet treffe, nie ein heißes Nümmerchen sondern ein heißes Getränk im Sinn habe.
Trotzdem machte es das Gespräch mit ihm unmöglich, denn ich konnte nicht von unserem netten Treffen erzählen, weil ihn sofort die Eifersucht wieder packte sobald ich ansetzte.

Und zum zweiten gibt es schon einen eklatanten Unterschied: Lerne ich jemand online kennen, ist es vollkommen egal, wo sie wohnt. Ob ein Blog oder Account aus Castrop-Rauxel oder der Schweiz, aus Unteroesbern oder Reykjavik gefüllt wird – egal. Möchte ich sie dann treffen, dann nicht mehr. Und so pflege ich im Kopf quasi eine Salesman-Problem-Karte mit den Menschen, die ich schon wirklich lange mal treffen möchte. Aber wenn ich spontan mal einfach Lust auf ein unkompliziertes heißes Getränk habe – nun ja.

Dazu kommt in letzter Zeit wieder eine Massenwanderung im Social Web. Sie geht, meiner Beobachtung nach, weg von Facebook und wohin sie geht, das ist verschieden.
„Sieht“ man sich aber nicht regelmäßig online verliert man sich halt auch irgendwie leichter aus den Augen. Schaue ich in meine Blogroll, die ja nun auch noch nicht einmal ein Jahr alt ist, so kann ich da auch schon wieder durchfeudeln.

Wie sagte Facebook früher noch? Es ist kompliziert.

Drei Tage noch, bis ich die Schilde hoch den Autoresponder an mache und die Inbox ist quasi gezero-t. Das Gute-Sache-Dings läuft noch, aber ich denke, es läuft gut. Warum ich trotzdem unzufrieden bin, werde ich auch noch herausfinden.

Vielleicht brauche ich ja wirklich nur mal Urlaub.
Also: Musik!

(Wenn Ihnen das zu Jazz-dudelig ist, dann springen Sie doch mal bis 3:04, da ists dann nur noch Bass und Drums und sehr beeindruckend, was man alles aus so einem Instrument rausholen kann. Wenn man kann.)

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1 Kommentar

  1. Was ’ne geile Mucke, meine Güte! Bißchen schade, dass die Steel nur aus dem Keyboard kommt, aber sonst: großartigst! Danke für den Genuß!

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