8.11.2019 – vielleicht auch ein Sousaphon?

Ich schrub gestern eine Mail:
„Hallo, hier ist der Link zum Vorschaubereich, ich habe dazu zwei Fragen.
Bitte ignorieren Sie alle Texte, das sind Blindtexte. Bitte schauen Sie sich die Seite nur auf einem Desktop/Laptop-Bildschirm an, die mobile Ansicht ist noch nicht fertig.
Meine Fragen: 1) Bla bla bla blubb? und 2) Bla blubb blubb blubb bla? Können wir morgen telefonieren? Beste Grüße“

Raten Sie bitte jetzt, ob …

  1. heute Morgen ein Anruf kam, in dem jemand eine Antwort auf beide Fragen hatte
  2. gestern, 5 Minuten nach der Mail jemand anrief, mich wegen der Headlines beschimpfte, mich mit Fragen zur Ansicht auf dem Handy überschüttete und vollkommen irritiert reagierte als ich dann fragte, ob er auch Antworten auf meine Fragen habe.

Jedes. Fuckin’. Einzelne. Mal.

Ich habe dann aber doch noch Antworten bekommen und morgens ein bisschen gecodet. Dann eine andere Website angesehen und geschaut, was man schöner machen kann. Dann war Wochenende.

Auch noch gestern Abend war ich in einem der Mendener Amateurtheater, denn dort stellte Michael Martin sein neues Buch „Sauerländer. Besser gehts nicht“ vor. Jetzt dürfte den meisten Leserinnen mein Verhältnis zum Sauerland relativ klar sein und ehrlich gesagt war das Buch auch nicht der Grund für den Besuch. Der Grund war, dass auf der gleichen Bühne noch zwei Freundinnen von mir standen und die Lesung musikalisch begleiteten. Beide hatte ich noch nicht gehört und war sehr erfreut.
Auch das Buch war nicht so platt wie ich es befürchtet hatte, der Vortrag war gut und kurzweilig – das war ein netter Abend.

Aber keine Sorge, das Sauerland tat aber wieder sein Bestes, um seinen Ruf zu festigen. In diesem Fall das Publikum:

Johnny Haeusler hat in seinem Newsletter (den ich eh empfehle) auf diesen Bericht über die neue Bibliothek in Helsinki verwiesen. Eine Bibliothek mit Arbeitsplätzen, Cafe, Theater, Maker Spaces und und und …
Mich erinnert das arg an unseren Besuch in der (auch immer noch recht) neuen Bibliothek in Aarhus im Sommer. Auch wir waren ja ziemlich davon geflasht, wie viel Raum sich einfach nur aufzuhalten, mit Kindern zu spielen und überhaupt was ganz anderes zu tun, als durch Bücherregale zu stöbern, es gab.
Und auch Frau Meermond, die ja irgendwo im Nichts im Norden Jytlands lebt hat in ihren Instagram-Stories öfter Bilder von der nächsten Bibliothek in der nächsten Kleinstadt und den dortigen Möglichkeiten.

Es scheint mir, als hätten die Skandinavier einfach eine andere Vorstellung davon, was eine Bücherei sein sollte und das es eben nicht nur ums Lesen, sondern ums Sein geht. Und das das mit dem Sein am besten klappt, wenn man als Stadt oder Kommune den Bürgern dafür nette Angebote macht.
Ich mag diese Idee sehr.

Dann trank ich einen Kaffee mit Frau Petrolgrau. Das war sehr schön. Nach all den online-Jahren und quasi Jahrzehnte, nachdem ich den ersten Bloggerkollegen live traf immer noch jedesmal froh, wenn das Bauchgefühl stimmt und diese Internetmenschen so sind wie sie sind.

Wir sprachen viel über Kleinstadt-Menschen und ich muss nachdenken.

Danach mit leichten Anlaufschwierigkeiten nochmal an den Schreibtisch um die Zeit bis zu Ninja Warrior rumzukriegen.

Statt Sunrise heute mal Sunset.

2 Kommentare

  1. Meines Erachtens nach ist die verwundert dreinblickende deutsche Perspektive auf Bibliothekslandschaften in anderen Ländern darin begründet, dass in Deutschland Bibliotheken ursprünglich Einrichtungen der ,,Volkserziehung“ durch den Staat waren: Die Bürgerinnen und Bürger sollten davon abgehalten werden, in (damals populären) kommerziellen Leihbüchereien ,,Schund“ auszuleihen und zu lesen. In den damaligen Bibliotheken durften Nutzerinnen und Nutzer nicht selbst im Bestand suchen und hatten auch keinen Zugriff auf den Katalog: Man fragte an der Theke nach und bekam das Buch ggfs. dann rüber gereicht (,,Thekenbibliothek“).
    Von dort stammt auch das Bild des ,,Bibliotheksdrachen“ mit Dutt und Brillenbändchen, der übrigens mitunter auch entschied, ob Nutzerin und Nutzer überhaupt die ,,Reife“ besaß, ein Buch lesen zu dürfen oder nicht.
    Erst in den 60er Jahren hat sich das gewandelt — in den Köpfen der Gesellschaft ist dieses Bild noch immer erhalten.
    Woran das liegt, weiß ich nicht. Vielleicht hinkt das deutsche Bibliothekswesen einfach hinterher (die Drachen mussten ja auch erst einmal in Rente gehen …), vielleicht liegt es an etwas anderem.

    Ein Beispiel, wie stark diese Bilder in den Köpfen der Menschen doch sind: Vor einiger Zeit habe ich mal (erste) Entwurfspläne für die Neugestaltung einer Bibliothek gesehen. Von ,,oben“ war gefordert: Modern, modern, modern!
    Der vom Innenarchitekten eingereichte und von ,,oben“ genehmigte Entwurf sah dann aus wie eine öffentliche Bibliothek in den USA der frühen 70er Jahre! Mit ,,Münsteraner Giebeln“ an den Regalenden (die Dinger sehen so aus wie sich der Begriff anhört!)!

    1. @Flusskiesel:
      Das sind exakt die Kommentare, wegen denen ich das hier mache. Danke dafür! So interessant.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere