7.3.2022 – rote Flecken auf meinem Hemd

Seien Sie froh, dass ich wenigstens heute bei der Physio/Manualtherapeutin war und die mir nicht nur den unteren Rücken gelockert, sondern auch noch gezeigt hat, warum es eine Stelle gibt, wo der Schmerz gleich ganz durch den Bauchraum schießt. Sonst stände hier gar nichts …

Doch, es stände: Lesen Sie bitte Herrn Buddenbohms Artikel, falls Sie es noch nicht getan haben. Oder lesen Sie ihn nochmal, ich habe auch zweimal oder dreimal gebraucht, um zu merken, WIE Recht er da hat mit dem was er schreibt.

Haltungen hatten sich verändert, nein: Haltungen hatten ihre Prioritäten verändert: Feminismus, BLM, mental Load, alles auch Formen der Gewalt und Unterdrückung, Krieg war so ausgeblendet, so wenig nahe und plötzlich lese ich Tweets nah am Hurra, mit dem Schwert nach Polen, ich musste mich erst wieder erinnern, wie war das noch? Ach ja: Kein Mensch auf der Welt wird meinen Kopf je unter einen Stahlhelm bekommen.

Das habe ich lange nicht mehr sagen müssen, das habe ich sogar ehrlich gesagt lange nicht mehr denken müssen und es fühlt sich seltsam verstaubt und trotzdem immer noch richtig und wichtig an, es zu sagen.
Liebe „Jugend“: Es gibt bessere Gründe, gegen einen Wehrdienst zu sein als den, dass sich zwei Jahre niemand um Euch gekümmert hat.
Was meine Gründe waren, das musste ich damals mit 18 noch aufschreiben – und so albern das auch irgendwie war, weil wir zu dem Zeitpunkt schon wussten, dass wir eh alle durch kommen würden mit unserer Verweigerung – so hat es doch trotzdem ein paar Stündchen gekostet, die eigene Definition von „Gewissen“ auf zwei Blatt Papier nieder zu schreiben. Und gaaanz eventuell hat dieses Niederschreiben auch gefestigt, was wir da gedacht und geschrieben haben.

Entschuldigen Sie diesen furchtbaren 80er-Deutschrock, aber wir mussten das halt fast 40 Jahre lang nicht mehr denken – und deswegen auch keine Lieder darüber schreiben.

Ach, und bevor Sie sich jetzt empören: Gegen Krieg zu sein in aller Konsequenz bedeutet nicht, schlecht zu heißen, wenn sich jemand wehrt. Lesen Sie statt dessen besser noch kurz bei Frau Schrupp vorbei.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

1 Kommentar

  1. Komm gerade von Frauentag Kino Veranstaltung, „Die Unbeugsamen“ über Frauen in der deutschen Politik. U.a. gezeigt wird ein Redebeitrag von Christa Nickels 1994 im Bundestag anlässlich „Verbrechen der Wehrmacht“ Ausstellung. Wo sie bewegend drauf eingeht, wie sehr ihr Vater (auch Teil der SS) lebenslang psychisch gelitten hat unter dem was er gesehen und getan hat.

    Mich macht diese Wehrpflicht Diskussion und noch mehr diese „also ich würde ja sofort mit der Waffe kämpfen“ Meinungen auch fertig. Krieg ist nun mal echt kein Ponyhof und auch kein Abenteuerurlaub.

Kommentare sind geschlossen.

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