6.7.2021 – gesellschaftlicher & politischer Exkurs

Ach ja: #tagebuchblog: Nicht viel zu erzählen. Früh aufgestanden und ziemlich viele Pixel geschoben. Sehr effektiv, so um fünf einen halben Tag vor dem Zeitplan Variante eins von zweien für fertig erklärt. In der MIttagspause einen Schlauch an die Pumpe im Brunnendings gehängt und begonnen, die Brühe abzupumpen. Vermutlich die einzige Möglichkeit, nachdem das mit dem Filtern gestern Abend sehr wenig brachte.
Jetzt müde aber ganz zufrieden.

Mittags auf diesen schon älteren Thread von Enno Park gestoßen, in dem er eine Theorie über die Beweggründe von konservativen Menschen aufmacht.

Und dieser Thread bringt ziemlich viel auf den Punkt, worüber ich in den letzten Tagen Monaten ach eigentlich: Jahren nachdenke.
Warum? Zu oft spreche ich mit Menschen, die auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse schauen und dann von einem allgemeinen Vernunftkonsens mit prinzipiell einer ähnlichen Basis von Wertvorstellungen ausgehen, in dem die eine halt die, und der andere jene Prioritäten hat. Baum oder Autobahn zum Beispiel.

Sollte man ja auch eigentlich tun, wenn man andere Menschen trifft.

Nun würde aber sogar ich mich selbst in die Verschwörungsecke stecken, wenn ich sagen würde: Konservative wollen alle nur böses. Aber gerade, wenn es eben um um sog.„konservative“ Menschen geht, hab ich immer das Gefühl: Vielleicht irgendwie doch?
Denn als jemand, der in einem extrem konservativen Umfeld aufgewachsen ist, musste ich lernen: Es ist eben nicht wirklich ein gemeinsamer Vernunft und Wertekonsens. Es sind oft die gleichen Worte, manchmal auch die gleichen Werte, aber dummerweise: noch etwas anderes steht als Priorität immer darüber:
Nämlich die, als wichtigstes die bestehenden Machtverhältnisse zu bewahren. Erst wenn die stehen, dann kann man sich auch um andere kümmern. Erst wenn man das sagen hat, kann man sich um Werte kümmern. Alles, was sonst so getan, gewollt, gemacht wird, existiert nur innerhalb dieses Rahmens. Und wenn Umweltschutz jetzt den Ökos Geld in die Kasse spülen würde, weil man selbst das Thema verpasst hat, dann wird Umweltschutz eben kaputtgemacht

Nebeneffekt am Rande: Diese Machtverhältnisse machen es auch möglich, dass man Kritik nicht als legitime Möglichkeit, sondern als frech oder anmaßend empfindet und so vollkommen ausblenden kann. Einer der Grundsätze meiner Erziehung zB war der schöne Satz „Wenn zwei das gleiche sagen, ist es noch lange nicht das gleiche“. So viel zum Thema Gleichberechtigung und Begenung auf Augenhöhe.
Man kann übrigens immer mit jedem Konservativen Menschen diskutueren, so lange man dieses Machtverhältnis akzeptiert. Nur: So ändert sich halt nix. Und deswegen hat nie ein CDUler ernsthaft mit Greta gesprochen.

Enno beschreibt das wirklich gut, finde ich.

In diesem Zusammenhang auch darüber nachgedacht, was so ein Satz wie „Natürlich können Frauen auch“ bedeutet. Man kann hinten alles mögliche einfügen: Autofahren, schreinern, Bundeskanzler sein. Also irgendwas, was früher erstmal nur Männer taten.
Und vorne kann man auch Türken oder Hippies oder Jugendliche oder Hartz4-Empfänger einfügen – also jede, die im bestehen System weniger wert sind.

Aber was macht jetzt das „auch“? Es macht klar, dass der Maßstab immer der konservative Mann ist. Männer können Auto fahren. Jaja, und Frauen schon auch. Deutsche sind gute Ingenieure. Jaja, und Türken schon auch. Die andere muss sich immer am bestehenden messen.
Da steckt eine unfassbare Menge Wertung und immer eine Stärkung des Status Quo, da in diesem auch.

Um den Bogen zu schließen: Egal, was die CDU erzählt, egal zu welchem Thema: Ihre oberste Wichtigkeit ist, dass sie auch nach der Wahl das Sagen haben. Und deswegen steht das Überleben der Menschheit – wie oben schon einmal erwähnt – leider nur an zweiter Stelle – genau wie jedes andere Thema:

Wenn Sie noch weitere Argumente brauchen: Christian sammelt.

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4 Kommentare

  1. In meinem CDU-konservativ-geprägten schwäbischen Umfeld der 70er hieß es „Wenn zwei das gleiche sagen, gilt immer das, was der Ältere / Stärkere / Angesehenere usw. sagt“ und damit stand die Chance, dass die jungen Menschen auch nur angehört wurden gleich null und die Machtverhältnisse blieben immer schön konstant. Die, die sich daran gehalten und diese Verhältnisse nie in Frage gestellt haben, sind jetzt diese „Über 60-Jährigen“, die laut der schönen Grafik vom ZDF den unsäglichen Laschet als Kanzler wollen (und die, die niemals zu geiler Rockmusik ge-headbangt, gegen Atomkraft demonstriert und Autobahnen und Häuser besetzt haben, wie mir nach meinem Tweet von gestern deutlich wurde).
    (GsD wurde ich in einem Elternhaus groß, das schon links-grün war, als es die Grünen noch gar nicht gab.)

    Was ich damit sagen will: Ich stimme dir sowas von zu.
    (Ich weiß, dafür braucht es eigentlich keinen Kommentar, aber ich schick den jetzt trotzdem ab ;-))

    Ach ja: Spannender Thread von Herrn Park; danke für’s Ausgraben.

    1. Oh, das ist ja eine noch klarer diffamierende Form dieses furchtbaren Satzes. Wow. (Herzlichen Glückwunsch zum Elternhaus!)

  2. Ich finde nicht, dass Enno das besonders gut beschrieben hat; er reiht da meiner Ansicht nach auch nur relativ lustlos ein Platitüdchen ans nächste. Aber vermutlich bin ich einfach zu konservativ, rechtsradikal, Oberschicht etc. Oder Twitter eignet sich halt nur für schwarz-weiß-Denker und ihre krachend rausgerotzten Zweizeiler, jeder Tweet ein Treffer, kommense, staunense, jetzt auch in XXXL als thread.
    (O Gott, ich bin so müde, müde, müde. Und der Wahlkampf dauert noch so lange. Und danach wird es nicht besser.)

    1. Warum so grumpy? Was soll ich sagen: ich finds halt doch. Ob das Platitüden sind oder nicht – die Frage stellt uns natürlich vor das Problem: Wenn es Platitüden sind die er sagt, macht er es nicht gut, wenn es keine sind, macht er’s gut.

Kommentare sind geschlossen.

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