#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.
Hier liegen ein paar angefangene Artikel im Entwürfe-Ordner, allen fehlte jedoch: der rote Faden. Der wahre Kern dessen, was an dem Tag oder in der Woche passiert war. Vielleicht ist das eine Metapher. Aber was, wenn nicht ein #wmdedgt sollte mal wieder ein bisschen tagebuchbloggen in dieses Tagebuchblog bringen?
01:45 Uhr:
Endlich ins Bett. Dummerweise hatte ich gegen elf nochmal kurz bei YouTube reingeschaut und der Algorithmus hat seine Sache gestern Abend ziemlich gut gemacht. Aber nun, es wartet ja niemand darauf, dass ich aufwache.
09:30 Uhr:
Aufgewacht, die DingeDieManMorgensSoTut getan, kurz mit der Liebsten überlegt, wie unser Tag so aussehen solle und am Schreibtisch gelandet, denn da lag noch etwas von vorm Urlaub. Beim Sortieren der Mails im Krautreporter-Newsletter auf „Die verzweifelten Ehefrauen der KI-Welt“ gestoßen und gleich gelesen, weil auch ich natürlich gern meine Confirmation-Bias füttere. Der Artikel, frisch aus der amerikanischen wired übersetzt, ist genau das, was man nach der Headline denkt, aber er sagt: Es ist kein KI-Phänomen, es gab diese Männer schon immer:
Diese Geschichte ist älter als das Silicon Valley. Jeder tiefgreifende technologische Boom bringt dieselbe Figur hervor: eine Person, die sich ganz der Welle hingibt. Während der industriellen Revolution war es der Fabrikarbeiter. Während des Goldrauschs waren es die Männer, die ihre Familien zurückließen und nach Westen zogen. Während des Dotcom-Booms waren es die Gründer, die in San Franciscos Startup-Viertel South of Market unter ihren Schreibtischen schliefen.
Lesen Sie selbst, wenn Sie mögen – ich kann ja Leserechte an Krautreporter-Artikeln verschenken und ich liebe es immer noch sehr.
11:55 Uhr:
Die Sonne war stark genug, um alle Fenster im Büro aufzureißen und vor dem Fenster hörte ich beim Arbeiten immer wieder Menschen lachen. Das ist nicht nur ungewöhnlich für diese Zeiten, es ist erst Recht ungewöhnlich fürs Sauerland und es machte mich froh lächeln.
Während ich wartete, dass ein Stapel Dateien hochlud, landete ich kurz *hust* auf Insta, wo jemand Spaghetti selbst „kochte“, in dem sie Spaghetti zusammen mit etwas Milch in den Blender warf, alles zu Matsche zerstörte und die dann in so eine alte Kartoffelpresse füllte, um am Ende dann wieder Spaghetti heraus zu bekommen (hier selbst gucken). Ich hoffe sehr, es war Ragebait, sonst wäre wirklich alles über die Menschheit gesagt. Andererseits ist diese Vorgehensweise natürlich auch ein prima Bild für den Umgang der meisten Menschen mit KI. Ach, es ist doch alles noch für etwas gut.
13:00 Uhr:
Aufbruch. In der Zwischenzeit war ein Kino-Besuchsbeschluss gefasst worden, denn ein bisschen Ablenkung tat Not. Ohne in die Details zu gehen: Familiendynamiken sind ja eh schon interessant, aber wenn ein größeres Ereignis von außen auf einmal Spieler in die Kabine schickt … Alter.
17:00 Uhr:
Das war keine der schlechten Spiderman-Varianten. Insgesamt hatte mich das Marvel Universe ein wenig verloren, zu absurd wurden mir die Schlachten und die Endkämpfe in den Filmen. Sie wissen schon, da wo es zu Beginn noch reichte, dass der Hulk Loki an den Füßen nahm und ein bischen auf dem Boden ausschlug, da wurde am Ende mit ganzen Galaxien zugeschlagen und es verlor alles für mich jeglichen Reiz.
Aber das war wieder mein New York und ein schöner gemütlicher Plot-Twist und ich bin halt ein alter Mann.
22:00 Uhr:
Ein Abend wie ein Mosaik. Da lag noch der halbe Enola Homes-Film angefangen im Netflix (nicht weltbewegend aber nice), da wollten wir zumindest mal reinschauen, ob der Kerner bei seinem Quiz interessante Gäste hat (nö), da schalteten wir viel zu spät und daher bei Spiel drei mal in SDS rein, weil wir dachten, die Sendung mit den Schweigers lief doch schon mal (ja, aber mit anderen Gegnerinnen) und so vergaß einer von uns, dass hier der angefangene #wmdedgt-Artikel lag – und deswegen haben Sie jetzt zur Hälfte einen Nachtrag vom Sonntagmorgen gelesen.
Wie ein Schleier lag über dem ganzen Tag die Angst, dass ich am Sonntagabend um fünf nach sechs, getrieben von Abscheu und Sorge das Land würde verlassen müssen. Nein, falsch. Dass ich meinen alten Drang, das Land verlassen zu müssen nicht mehr im Zaum würde halten können und in einer Kurzschlussreaktion ohne Ziel und Plan losfahre. (Ich schreibe das auf, weil es hilft, Emotionen auszusprechen. Dann wandern sie vom Klein- ins Großhirn und man kann damit besser umgehen.)
Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!
Alle bisherigen Antworten finden Sie übrigens hier.

Danke für die KI-Ehemänner. Sehr gern gelesen!
gern :)
Mich beschäftigt vor allem die Spaghetti im Blender.
Man nimmt etwas, das bereits funktioniert, zerlegt es vollständig, verarbeitet es zu einer amorphen Masse und presst es anschließend wieder in ungefähr dieselbe Form zurück.
Als Bild für den Umgang mit KI ist das unangenehm treffend.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht darin, dass neue Werkzeuge vieles können.
Sondern darin, dass Menschen mit bemerkenswerter Energie Dinge neu herstellen, die vorher schon da waren.
Vielleicht könnte es auch bedeuten, dass gar nicht so viele Menschen wirklich kreativ sind, sondern viele nur re-kreieren können; gleichzeitig aber Kreativität so furchtbar hoch und erstrebenswert gehängt wird und Dir alle erzählen, dass jede mühelos kreativ sein kann?