5.6.2026 – #wmdedgt

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

6:10 Uhr:
Mein letzte-Woche-ich hatte es vollkommen ok gefunden, um halb acht zwecks Labor-Zeugs beim Arzt sein zu wollen. Mein gestern-Abend-ich streckte fröhlich beide Mittelfinger in die Luft, war gegen eins noch sehr wach und wollte unbedingt endlich Masters Of The Universe von 1987 gucken.
Mein sechs-Uhr-zehn-ich findet beide so richtig doof.

7:42 Uhr:
Ich finde mich, ohne es bewusst eingeleitet zu haben, in der Mitte zwischen einem echt bedrohlich unhöflich pöbelnden Menschen und der Laborkraft wieder. Ach guck, da ist es also inzwischen ins Rückenmark übergegangen, mich im Zweifelsfall – freundlich den Pöbelnden anlächelnd – bei so einer Situation zwischen die Personen* zu stellen. Das finde ich gut.

*) Groß und breit zu sein hilft sicher sehr dabei, sich einfach mal in die Mitte zwischen zwei Personen zu stellen. Passen Sie im Zweifelsfall lieber auf sich auf.

8:00 Uhr:
Die Laborkraft zapfte Blut und notierte Sonderwünsche (Prostata-Tumor-Marker & B12 wegen des drögen, langweiligen, meist veganen Essens) und plauderte noch kurz mit mir über Menschen im allgemeinen und besonderen. Der Pöbler hatte derweil – wie ich später erfuhr – tatsächlich die Praxis verlassen, weil er zehn Minuten warten musste. Meine persönliche Therorie war ja: Der hatte so viel Angst vorm Arzt, dass er jede Möglichkeit ergriff um – gefühlt ohne eigene Schuld – da wieder wegzukommen.
Ich kenne den Reflex durchaus, aber nun ja, hilft ja auf Dauer auch nix.
Alle Organe sind an ihrem Platz und sehen so aus, wie sie aussehen sollen; leere Blase ist wirklich vollkommen leer. Ich fühle mich sehr ganzheitlich und zufrieden mit mir.

09:59 Uhr:
Gefrühstückt, die Dinge, die ich im Moment jeden Tag einen Tag weiter schiebe, weil die Dienstleister nicht anworten, einen Tag weiter geschoben, nachdem ich in Posteingang und Support-Center nachgeschaut hatte, ob sie heute wieder nicht geantwortet hatten. Jetzt gleich ein Zoom.

11:30 Uhr:
Es gibt ja solche und solche Zooms, und das war ein guter, denn mir gegenüber saß Vanessa und das ist immer ein Vergnügen: Kurz beruflich gesprochen, kurz nochmal ein persönlicher re:publica-Recab, kurz der Abgleich zwischen Kleinstadt hier und Kleinstadt da und dabei viel Spaß – was will man mehr?

Dann erfreut bemerkt, dass die Menschen mit denen ich arbeite, meine Liebe zum Detail teilen. Ich hatte da eine – naja, „Visitenkarte“ ist eigentlich schon viel zu groß dafür – gebaut. Ein Foto und eine Adresse im Web halt. Aber so etwas braucht auch eine Datenschutzerklärung und es tut gut zu wissen, dass der beauftragte Anwalt auch so ein Mini-Projekt mit der gleichen Sorgfalt behandelt wie das Magazin für den weltweiten Stahl-Konzern. Also, nicht dass ich etwas anderes erwartet hätte, aber es zu bemerken macht ja nun trotzdem einen guten Moment.

Mail im Postfach Shopping – Jippie:

14:20 Uhr.
Ach guck, dann kam die Müdigkeit durch.

17:00 Uhr:
Die Liebste und ich zog es in die Stadt. Café, klar, aber wir wollten auch die Gelegenheit nutzen, unsere neue Stadtbücherei anzusehen. Die alte war in den 90ern einmal ein Vorbild für andere Städte und ein wirklich geliebter Anlaufpunkt für wirklich viele Menschen zwischen fünf und fünfundachtzig gewesen. Aus Gründen, die hier nicht hingehören, (aber unter anderem – anekdotischer Spaß an den Wirrungen des Lebens – dazu geführt haben, dass wir in diesem Haus wohnen) ließ das etwas nach. Und dann gab es auf einmal da das neue Gebäude am Ende der Fußgängerzone, die Stadt hatte die Idee, die Vermarktung des Gebäudes damit zu unterstützen, dass sie dort selbst als sog. Ankermieter einzöge, in den gängigen Facebook-Gruppen wird noch heute diskutiert ob es überhaupt einen Ratsbeschluss gab oder nicht – aber am Ende zog die Bücherei um in das neue Gebäude und letztens war Eröffnung und wir wollten mal gucken.

Nun muss ich gestehen: Sie hatte es schwer. Wir sind in Aarhus im Dokk1 gewesen und wenn Sie es von mir nicht mehr ertragen zu lesen, wie toll die Stadt im allgemeinen und in der Bücherei im Besonderen ist, dann gehen Sie doch mal rüber zu Frau FrischeBrise, die erzählt nämlich auch gerade glücklich* vom Dokk1 (ca ab der Mitte) und ich würde es kaum anders formulieren.

*) Wir hatten übrigens das Glück, den Gong einmal zu hören. Es war einer der herzerwärmendsten Momente meines Lebens, als das ganze Haus einmal kurz inne hielt und lächelte und an das neue Leben dachte.

Ich mag offenen Beton und Holz, offene Versorgungsleitungen. Ich mag den Kontrast zwischen Architektur und den alten Möbeln, ebenso, wie dadurch immer wieder Aufenthalts-Inseln zwischen den Bücherregalen entstehen. Ich mag, dass sich zB mit Samen- und Spiele-Ausleihe die Bücherei auch thematisch für andere Dinge öffnet.
Gute Voraussetzungen, aber leider leider laufe ich aber da durch und merke an jeder Ecke: Da hat nicht jemand eine Bücherei gebaut, sondern da hatte jemand einen Raum, in den dann eine Bücherei gepackt wurde.
Oder anders: Nicht erst eine Haltung und dann eine bauliche Umsetzung, sondern ein Raum und mit dem vorhandenen Budget schauen wir dann, ob uns ein paar Dinge einfallen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn da hübsche, selbst gestaltete und laminierte Schildchen an den Fächern kleben, dann weiß ich die Mühe und Liebe zu schätzen, die da jemand rein gesteckt hat. Aber ich kann nicht mehr anders als auf das große systemische und gesellschaftliche Ganze zu sehen und zu bermerken: Wenn ich in einer Gesellschaft lebe, in der alle nicht-Profit-orientierten Themen an den Rand gedrängt werden, dann ist eine Bücherei hinterher hübsch, weil eine der Angestellten mit Powerpoint hübsche Schildchen machen kann und nicht, weil Fachleute mit Zeit, Lust und Ahnung und Anerkennung ihrer Expertise was richtig geiles auf die Beine stellen wollten und konnten. Und das ist – nichts gegen die Schildchen und die reingesteckte Mühe – falsch.
Die Verantwortung für eine Bücherei hat der Staat und nicht die Mitarbeiterin.
Ich habe 2019 schon einmal über das Dokk1 geschrieben und auf den ersten Blick sieht das alles durchaus ziemlich ähnlich aus. Es ist die Absicht, die man in Details dahinter erkennen kann; oder eben nicht.
Mich macht das traurig. Nicht die Bücherei, sondern dass sie hierzulande nur sehr schwer anders hätte entstehen können

Dafür kurz danach im DHL-Shop ein Zeichen für Haltung. Selbstlaminiert und mit Word gemacht, aber das ist ja nicht das Problem.

18:00 Uhr:
Wieder zu Hause, den Nachmitag verbloggt und auf irgendwas mit Hummus und in Sesam angebratenem Gemüse gefreut.

(Nachtrag 20:15: Es wurde Döner. Things happen)

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!

Alle bisherigen Antworten finden Sie übrigens hier.

4 Kommentare

  1. So ist das nun mal: Öffentliche Bibliotheken können froh sein, überhaupt noch stattzufinden, weil halt „Gedöns“. In der Nachbarstadt bei Euch ist (war) die Stadtbibliothek im ehemaligen ALDI-Markt untergebracht.

    Wenn ich das nächste Mal in der alten Heimat bin, muss ich mir die neue Stadtbibliothek unbedingt mal ansehen. Ich habe mich ja als Bücherwürmchen durch den Bestand im alten Gebäude gelesen und der „großen Zeit“ der Stadtbibliothek.

    Die Geschichte mit dem Haus würde mich ja schon interessieren (*grinst unverschämt*).

    1. Du weißt, dass ich niemand für „so ist das nunmal“ bin :)

      Wie Du an die Geschichte mit dem haus kommst, würde michs ehr interessieren. DAS Café ist übrigens ca. 1 min weit weg von den Bücherei und mich würde sehr interessieren, was Du als Fachmensch zur neuen Bücherei zu sagen hast. Wollen wir sie zusammen anschauen?

    2. Das ist eine vortreffliche Idee!
      Wenn ich weiß, wann ich das nächste Mal im / auf dem Lande bin, schicke ich Dir vorher eine E-Mail und wir schauen mal, ob wir terminlich und kraftlich zueinander kommen. :-)

Kommentare sind geschlossen.

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