5.4.2025 – getting more vintage every day

Work: Urlaubswoche.

Life: Die Depression und die Angststörung haben sich diese Lücke geschnappt und in einer Härte zugeschlagen, wie ich es seit Jahren, fast seit Dekaden nicht mehr erlebt habe. Wir wollten diese Woche ein paar nette Dinge tun – Ausflüge machen, Menschen treffen und so – aber es ist mir, auch seit nahezu Dekaden das erste Mal nicht möglich, das Haus zu verlassen; jedenfalls nicht, wenn ich am Zielpunkt auf Menschen treffen würde.
Daher:

Balance: Entfällt. Nur viel Meditation, viel Schlaf, Reflexion, Lesen in den vielen Stapeln Papier, die ich über die Jahre von der klugen Frau bekommen habe, um mich zu erinnern. Weil der schwarze Hund im Nacken nicht will, dass ich mich selbst erinnere.


Heute Nacht hat mir Markus sein Unverständnis über den Konsum von TrashTV in den Kommentaren zum Ausdruck gebracht und weil ich das natürlich in Teilen nachvollziehen kann und er ja nicht der einzige ist, habe ich im Antwort-Kommentar für meinen Geisteszustand erstaunlich komplett erklären können, warum ich das tue und wie mein soziologisches Interesse sich zusammen setzt. Hatte ich, glaube ich, noch nie getan. Ich verweise Sie bei Interesse also in die Kommentare dort am 1.4.

Entweder gestern oder Morgen vor 25 Jahren habe ich das alte Blog gestartet. Weil ich weder gestern noch Morgen bloggen/gebloggt habe/haben werde/gewezz können wir das alle ja mal heute vor-/nach-feiern.
Meine Feier fand dann heute zu Hause statt im Sushiladen statt. Manchmal ist das eben so.

Obwohl ich mir zum Ende der Woche ein Social-Media-Verbot auferlegt habe, habe ich natürlich in den Tagen viel online gelesen und daher zumindest eine Menge …

Zeugs

Auf den ersten Blick schreibt Christian Buggisch hier über einen Film, genauer über „Spiel mir das Lied vom Tod“. Sie haben es vielleicht mitbekommen: Er schaut nacheinander die Top 100-Filme aus der Internet Movie Database an, sortiert nach Nutzerbewertungen und das alleine schon finde ich – immer erfreut an Reihen und an großen, eigentlich sinnlosen Vorhaben – ganz ganz großartig.
In Wirklichkeit schreibt er aber diesmal über Kunst und Gesellschaft und ich liebe alles daran:

Willkommen in der Hölle der algorithmusoptimierten Filme und Serien, wirtschaftlich erfolgreich weil maßgeschneidert für einen Zuschauer, der sein Hirn weitgehend ausgeschaltet hat und bitte keinesfalls gefordert werden darf, weil Forderung und Überforderung heutzutage mehr oder weniger dasselbe sind. […]
Dabei ist Sergio Leones Spiel mir das Lied vom Tod der größte denkbare Gegensatz zu solchen Vorgaben, er ist der Anti-Netflix-Film schlechthin, er ist eine absolute Zumutung für heutige Zuschauer, wie Netflix sie adressiert. Er ist, mit anderen Worten, ein Meisterwerk.

Christian Buggisch:
IMDb #49: Spiel mir das Lied vom Tod

Philippe Wampfler geht etwas länger auf eines der beliebtesten Argumente bei der Forderung nach einem Handy-Verbot für Kinder und Jugendliche ein und nimmt es auseinander:

In der unseligen Debatte über Verbote von Smartphones oder Social Media oder nur algorithmisch gesteuerte Plattformen oder nur ein paar Plattformen, die sich problematisch anfühlen, an Schulen oder generell überall für Unter-14-Jährige oder Unter-16-Jährige oder Unter-18-Jährige – in dieser sehr diffusen und wirren Debatte gibt es ein Argument, das immer wieder vorgebracht wird:

Der Staat verbietet aus guten Gründen Alkohol und Nikotin für Minderjährige, weshalb also nicht Bildschirme und Plattformen, zumal die genauso süchtig machen wie Alkohol und Nikotin.

An diesem Argument stimmt nichts. Wirklich gar nichts. Wer es verwendet, sollte damit aufhören.

Philippe Wampfler:
Handys machen gerade nicht so süchtig wie Alkohol oder Nikotin

Es ist höchstens ein oder zwei Wochen her, dass ich im Gespräch mit einer Freundin darauf kam, wie unlogisch es ist, was wir alles darüber wissen, wie dysfunktional das heutige Schulsystem ist und warum wir – wo wir doch alle so sehr an die Wissenschaft glauben wollen, nicht wahr? – es alles komplett ignorieren. Philippe hat auch dazu eine Antwort:

Wenn Menschen sich vertieft mit Bildungsfragen auseinandersetzen, kommen sie immer irgendwann an den Punkt, an dem sie sich fragen: «Warum setzt man das eigentlich nicht endlich um, wenn sie fast alle Fachpersonen einig sind, dass sich damit erhebliche Missstände lösen liessen?» Die Antwort von Menschen, die schon länger an und in Bildungssystemen arbeiten, enthält meistens zwei Komponenten:
1) Systemabhängigkeiten
2) Glaubenssätze, Erwartungen und Ideologie
Diese beiden Aspekte führen zu einer hohen Systemstabilität, die man auch als Trägheit bezeichnen könnte. Wer etwas ändern möchte, muss sowohl die Systemabhängigkeiten als auch die Erwartungen managen und transformieren. Das erschwert Innovationen.

Philippe Wampfler:
Warum einige Politiker:innen so an Noten und Prüfungen hängen – der meritokratische Zirkelschluss

Überraschung: Am Ende geht es wieder um Machterhalt.

Im Gespräch mit der Freundin kam ich dann btw auf die These „Lehrerinnen sind grundsätzlich systemerhaltend“, die Liebste bestätigte das nachher sehr und blickt man darauf, wie und warum der olle Bismarck unser heutiges Schulsystem in Regeln goss, dann ist das auch durchaus logisch, dass es so sein soll.


Tom wäre fast auf ein wirklich gut gemachtes Phishing hereingefallen und berichtet ausführlich. Das ist wirklich tricky und es führt am Ende wieder zu einer Regel, die ich immer als Antwort parat habe, wenn mich jemand fragt, wie man sich vor solchen Angriffen schützen kann: Such Dir einen Weg, um mit dem angeblichen Absender in Verbindung zu setzen, der nichts mit der aktuellen Mail zu tun hat. Benutze keinen Link in der Mail, keine Adresse aus der Mail, keine Telefonnummer aus der Mail – nichts davon ist vertrauenswürdig. Geh über einen frischen Browser in Dein Kundenportal, ruf über die Dir bekannte Nummer Deinen Kundenberater an. Bad News: Das ist den meisten Menschen zu anstrengend oder sie wissen nicht mehr, wie das geht. Oder nicht, was ein Browser ist.


Wir erleben gerade eine Ölkrise, richtig? Öl ist knapp und deswegen – den Gesetzen der heiligen Marktwirtschaft folgend – wird es teurer, richtig? Ich sag mal: Es gibt andere Thesen und eine davon fand ich ganz interessant und sie sagt, dass das alles so schon richtig sein wird, bis ca genau heute aber noch nicht ist. Die maxfishershow erklärt auf Instagram recht nachvollziehbar, warum technically der Ölmangel noch nicht bei uns angekommen ist – was bedeuten würde, dass die bisherigen Preiserhöhungen nicht mit der Knappheit des Verkaufsgutes zusammenhängt.


Ja aber über die zwei Vergewaltigungen von migrantischen Männern spricht niemand!“ – Sie haben das sicher auch als vermeintlich wichtiges Argument unter irgendeinem Posting rund um den sog. „Fall Ulmen“ gelesen. Man kann dieses Pseudo-Argument leider relativ leicht aushebeln, wenn man weiß, wie viele Frauen täglich vergewaltig werden. Ebenso leider hat mich, hat uns beide, diese Zahl trotz eines grundsätzlichen Wissens um die gewaltige Dunkelziffer vollkommen umgehauen. Dorthe Hodemacher hat die Argumentation auf Instagram einmal durch dekliniert.


Aber alles am Ende eh komplett egal: Wir sind eh doomed. Wir haben Menschen Handys gegeben und Bildung genommen und das haben wir jetzt davon.


Nur noch 120 Streams, dann haben wir es geschafft! Würde ich gerade etwas fühlen, wäre ich sicher sehr glücklich.

Cover Malcolm F: Circles & Squares

Schaffen wir die 3000 Streams?
Das neue Album CIRCLES & SQUARES.
Seit dem 26.1. auf diesen und allen anderen Streaming-Diensten.

7 Kommentare

  1. Wir hatten vor kurzem einen Fall bei einem Mandanten, der auf eine Phishing Mail reingefallen ist (incl. einem Fake-Anruf von der Bank). Schaden: 106.000€. Es ist wirklich heftig und inzwischen denke ich, dass das jeder und jedem passieren kann, wenn es einen zum falschen Zeitpunkt erwischt.
    Ich habe eine Polizistin im Umfeld auf diese neue Masche angesprochen und sie meinte nur: „Das ist denen ihr Beruf. Bankraub lohnt sich in der Regel nicht mehr, also werden die Betrugsdelikte immer professioneller.“
    Uffffff

    1. : wenn es einen zum falschen Zeitpunkt erwischt.

      Ja, das denke ich auch. Ich halte mich ja schon für aufmerksam und auch mit einer soliden Menge Hintergrundwissen ausgerüstet, aber ich hab natürlich auch schon falsche Links angeklickt. Wenn es einen irgendwie emotional erwischt, ist man schon zu 90% auf der Verliererseite.

  2. Wenn ich das so völlig von außen und ungefragt mal kommentieren darf: Das „Manchmal ist das eben so.“ erscheint mir als gutes Zeichen. Es ist großer Mist, aber irgendwann auch wieder anders und das scheinst Du zu wissen. Ich wünsche, dass es Dir möglichst schnell wieder besser geht!

    1. Ja, das ist vollkommen richtig gedeutet: Ich weiß das. Ich weiß auch wie es geht.
      Das bedeutet nur leider überhaupt nicht, dass es einfach ist (aber das hat ja auch niemand behauptet)

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