5.12.2018 – #wmdedgt

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

7:15
Aufgewacht. Das ist im Vergleich zu den letzten Nächten absoluter Rekord, vor allem, da ich mal wieder durchgeschlafen habe. Siebendreiviertel Stunden!
Irgendwo hab ich mal gelesen, das man am Ende einer anstrengenden Woche mit wenig und/oder schlechtem Schlaf ungefähr so zurechnungsfähig ist, wie mit 1 Promille Alkohol im Blut. Vergleiche ich mein heutiges Wohlbefinden mit dem der letzten Tage kann ich das gut glauben.
Gleich mal noch eine Viertelstunde meditiert um dieses Wohlbefindens-Dings noch zu unterfüttern.

10:00
Huch, wo issen die Zeit hin? Ich hab doch nur kurz den alten Verstärker, der jetzt die neuen Boxen füttert und mit ihnen zusammen mein Büro in eine HighEnd HIFI-Oase verwandelt, mit etwas Kontaktspray gefüttert und dann einmal durch die Playlists geshuffelt, um mich am Wohlklang zu erfreuen? Ein seltsames Ding, diese Zeit.
Aber, apropos „Wohlklang“: Vergleicht man aktuelle, iPod-optimierte Charts-Musik mit alten Aufnahmen, vielleicht sogar noch auf Schallplatte – das ist schon spannend, welche Wege da die Entwicklung genommen hat und was früher und was heute „wohl“ klingt.
Letztens las ich auch, dass moderne Popsongs sogar anders arrangiert sein müssen: Der Refrain bzw. die Hook kommt direkt zu Beginn, damit die Streaming-Kids mit den geringen Aufmerksamkeitsspannen sich schnell erinnern, dass sie das Stück gut finden – und so lange mitsingen und nicht skippen, dass der Titel als gespielt gilt. Und somit abgerechnet werden kann. Aus dem gleichen Grund ist auch das klassische Solo nach dem zweiten Refrain tot und Titel haben eh nur noch knapp über zwei Minuten Länge. Alles dahinter lohnt einfach nicht mehr.
Naja, Pornos haben ja auch keinen Abspann.
O tempo’a oh mo’es. *Krückstockgefuchtel*

Na, mal sehen, ob ich E-Mails habe.

Um mein wunderschönes alt-und-neu-HIFI-Ensemble zu perfektionieren stehen übrigens rechts und links noch ein paar ganz alte Schätzchen.

12:15
Fünf E-Mails wegsortiert! Franziskas Newsletter gelesen.
Und ich habe einen Termin ausgemacht! Na gut: Ich habe einen Terminvorschlag verschickt, jetzt fehlt noch die Zusage – aber der Wille zählt.
Dann: Um elf war die Liebste zwischen Job, Teil 1 und Job, Teil 2 kurz zu Hause gewesen (sie arbeitet ja nicht nur in einer Schule, sondern in zweien und muss außerdem in diversene Beratungsfunktionen auch gern mal durchs ganze Land durch den ganzen Kreis fahren).
Auf jeden Fall hatte sie Brötchen dabei und ohne ein vernünftiges Frühstück soll man ja auch nicht arbeiten.

Franziska empfahl das Video vom Broccoli-Tree und ich weiß noch nicht, was es mir sagt, aber ich weiß, dass es etwas mit mir macht.

Genau wie der Artikel darüber, wie der beste Burger-Laden der Welt unter seinem Ruhm zusammenbrach. Der passt ganz gut zum Baum und sortiert sich auch in meinem Hinterkopf ein; irgendwo beim Thema „Verantwortung und Medienkompetenz“.
„With great power comes great responsibility“, das hat schon Peter Parkers Onkel gesagt.
Schön auch, dass mir mein Timehop dann noch in Erinnerung rief, dass vor einem Jahr eine bekannte Youtuberin von ihrer „schweren Depression“ erzählte und wie sie die alleine durch frische Luft und Sport besiegt hat. Ich gönne ihr das von Herzen aber hatte massiv Bauchweh dabei, so eine Aussage an ein paar Millionen meist minderjährige Zuschauerinnen zu senden.
With great Reichweite comes great responsibility, too.

Ach .com, wenn wir schon bei great Reichweite und great resonsibility sind: Der Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten hat eine Stellungname zur @Gruppentherapie (von @deinTherapeut) veröffentlicht. Das ist auch keine ganz einfache Geschichte. Verpassen Sie deswegen nicht den klugen Beitrag von Frau Setzkasten zum Thema – der steht nämlich überraschenderweise weder im einen noch im anderen Schützengraben sondern ist eher besonnen formuliert. Und auch wenn ich nicht 100%ig ihrer Meinung bin halte ich das für einen echt wichtigen Punkt.

Sie merken schon:
Ich tue heute nichts „richtiges“, sondern mäandere so rum. Rum mäandern ist aber – und ich meine das vollkommen Ernst – eine ziemlich wichtige Sache für einen kreativen Kopf. Kreativität bedeutet ja, Schranken zu überwinden, anders zu denken, auf neuen Wegen an etwas heran zu gehen und dafür braucht der Kopf auch mal Auslauf.
Auch wenn uns die Coaches und Optimierer dieser Welt etwas anderes verkaufen wollen – nicht jeder denkt in optimierten Prozessen und Strukturen; oft entstehen die besten Ideen aus dem Chaos oder aus dem Nichtstun.
Und deswegen genieße ich solche Tage ohne äußerlich erkennbare Struktur sehr.

12:19
Der Termin ist bestätigt. Yeah: Doch ein ToDo durchstreichen.
Ich glaub, ich fahre jetzt mal raus; hab ich doch letztens ein Video mit den „7 besten Tips um Städte zu fotografieren“ gesehen und beschlossen, das jetzt mal hier im Städtchen auszuprobieren. Ich sag ja: Kreativität braucht nur etwas Platz im Kopf.

14:20
Ja nun, das sind keine Meisterwerke, aber es ist eine interessante Erfahrung mit diesem Blick durch das eigene Städtchen zu laufen. Vor allem, wenn man das Städtchen so dolle gern hat wie ich.

Darüber hinaus auf der Brücke am Bahnhof mal wieder einen kurzen Abgleich mit den eigenen schnellen Urteilen erlebt:

16:00
Shopping Queen geguckt und gedanklich einen Termin für Morgen vorbereitet. Morgen hat das Lotterleben nämlich schon wieder ein Ende und ich muss auf die Bahn: Eine Agentur, der ich empfohlen worden bin möchte mich gern mal kennen lernen. Ich sie auch.
Immer ein bisschen aufregend, so ein Kennenlern-Termin. Immerhin die Kleidungsfrage ist zum Glück recht einfach beantwortet: Gestalter  tragen alle Farben, so lange sie schwarz sind (um mal ein altes Zitat von Henry Ford abzuwandeln). Aber darüber hinaus ist das schon eine spannende Sache: Passen die Vorstellungen von Arbeit, Gestaltung, Programmierungs-Prinzipien, bevorzugtem CMS, Zeitabläufen, der Chemie überhaupt und nicht zuletzt auch dem Geld zusammen? Und gerade, wenn man empfohlen worden ist, dann schwebt da ja auch noch immer mit im Raum: Werde ich jetzt meiner Kollegin, die mich empfahl gerecht?

17:30
Angenommen, ich hätte gerade Tinas Konzert aus der Mediathek geladen und mir daraus dann noch MP3s für unterwegs gemacht, dann wäre ich schon irgendwie ganz froh, dass ich so alte Techniken, wie vernünftige Medienkonvertierung und ordentliches Taggen von MP3s noch beherrsche. Jaja, ist zwar alles überflüssig, wir streamen ja alle und es gibt ja auch alles im Internet – aber wartet nur ab wenn Ihr das erste Mal erlebt, dass Eure Mediathek oder Euer Kindle sich leeren, weil da irgendwer die Rechtefrage neu geklärt hat.
Und als Musikliebhaber ist es ja auch schön, wenn man etwas besitzt, was man früher „Raritäten“ nannte. Aufnahmen eben, die nicht jeder hat.

18:20
Die blockierte Rippe warm- und den Kreislauf weg-gebadet. Hier fertig gebloggt und jetzt werd ich mal was zu essen suchen. Die Liebste hat noch einen weiteren Gesprächstermin und wenn ich einen von Euch jemals sagen höre, Lehrerinnen hätten ja auch einen lauen Job – der fliegt raus.

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3 Kommentare

  1. 17:30 … oder sich ein StreamingDienst beschränkt, weil nicht genug gezahlt wird, der StreamingAnbieter kein Datenkontingent bei Deinem Mobilfunkanbieter dazu gekauft hat oder was auch immer sich die Geldgeier dieser Welt einfallen lassen werden.

    btw: Die Fähigkeiten der Konvertierung bewegen sich auf Augenhöhe mit Fahrrad fahren. Die Consolen-Tools zum rippen und taggen halte ich mir jedenfalls auf meinem Mac (und virtuellen Maschine) brav am Leben, just in case wenn der AppStore mal alles nützliche diesbezüglich entfernen sollte. Man weiß ja nie.

  2. Ich hatte den Artikel schon gelesen, den Du da velinkt hast; ich sagte ja auch, dass ich nicht vollkommen einverstanden bin. Aber: Ich finde es fast immer gut, mäßigende Meinungen zu hören. Und grundsätzlich hat sie da Recht; Teenies fehlen diese Räume und sie nehmen sie sich. Dann halt digital.
    In diesem speziellen Fall geht Norman aber über einige weitere Grenzen und da beginnt mein nicht-Übereinstimmen.

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