Erster Termin des Tages: Die beste Physio-Frau. Unser Verhältnis ist inzwischen so vertraut, dass sie fragte „was machen wir denn?“ und ich erwiderte „Wie immer: ich sag »Schulter links«, dann tust Du mir da irgendwo sehr weh und fragst »Da?«, ich nicke jammernd und dann lachen wir beide sehr und dann machst Du was“. Sie schob also ihren Finger unter mein linkes Schlüsselbein, fragte „Da?“, ich wimmerte vor Schmerz und wir hatten beide den ersten Lachflash des Tages hinter uns. Danach tat sie eine Stunde lang gute Dinge, die gelegentlich sehr weh taten, aber über den Tag ungeahnte Bewegungsmöglichkeiten frei schalteten.
Außerdem quatschten wir in der Zeit über alles zwischen dem perfekten Autobahnrastplatz* Richtung Norden und Kinder-Hospiz und es tut einfach unfassbar gut, vertraute Menschen um sich zu haben.
*) Sie hat tatsächlich die Rastplätze mit der wenigsten Bebauung/Begrünung nach Osten hin recherchiert, damit sie bei der Pause einen guten Blick in den Morgenhimmel hat. Es tut auch unfassbar gut, von Profis umgeben zu sein.
Null Komma fünfter Termin des Tages by the way: Eine Mail nochmal losschicken. Eine mit Angebot nach einem sehr netten Termin vor Wochen und danach hatte sie auf mein Angebot gewartet und ich auf ihre Rückmeldung und sowas ist natürlich Bockmist erster Güte.
Eine Kundin hat eine Kaltakquise-Mail bekommen, in der ihr die Webdesign-Agentur anbietet alles neu zu machen, ganz günstig weil der Staat heute Websites mit fast 3000,- vom Staat fördern würde.
Nun: Zwei von den drei Referenzen, die die Agentur anführt öffnen sich bei mir nicht – statt dessen springt meine Firewall an. Und die Förder-Programme, die zitiert werden, sind alle Mitte 2023 ausgelaufen. Aber man kann’s ja mal versuchen.
In einer regen Unterhaltung auf Mastodon fiel mir auf, dass meine Sicht auf den Kapitalismus arg wie eine Verschwörungstheorie klingen kann. Und ich dachte nach, ob das nicht bei allen verwickelten Systemen mit vielen Teilnehmenden so wirken muss, wenn man auf das fertige Ergebnis schaut und ich begann, das ganze mit der Evolution zu vergleichen:
Wir schauen auf das fertige Ergebnis und denken „Wow, was für ein ausgeklügelter Masterplan der Natur!“, vielleicht missverstehen wir das alles auch und glauben an einen Gott deswegen – jedenfalls sehen wir aber nicht (natürlich, denn die sind ja ausgestorben) die Millionen von Fehlversuchen. Denken Sie nur an all die armen Quastenflosser, die zwar auch an Land hopsten, aber ihr Lungenvolumen um drei Sekunden überschätzen und erstickt kurz vor dem rettenden nächsten Schlammloch umkippten, bevor ihre Gene im Evolutions-Pool eine Rolle spielen konnten!
Ich denke, so ist es auch, wenn man zB den heutigen Endkapitalismus anschaut: Man sieht ein fuckin’ ausgeklügeltes Konstrukt und wenn man sich vertut, unterstellt man jeder einzelnen Akteurin, sie hätte genau geplant, an diese Stelle zu kommen – dabei gibt es mit Garantie für jede skrupellose (erfolg)reiche Brokerin mehrere Dutzend Taxifahrerinnen*, die noch immer ihre Insolvenz abarbeiten. Vielleicht nur, weil sie drei Sekunden zu spät „Verkaufen!“ in ihren Nokia Communicator brüllte.
*) Dass wir die Taxifahrerinnen nicht sehen ist aber wiederum essentiell für den Kapitalismus, denn der funktioniert ja nur, wenn wir alle glauben, wir könnten „es auch schaffen“; egal, wie gut es uns schon geht – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.
Today I learned: Drei Sekunden können offenbar riesige Unterschiede machen.
Zeugs
Passend zum Kapitalismus-Thema weiter oben – Thomas ist wütend:
„Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“
Thomas Gigold:
… kann ich nicht mehr hören. Merz‘ CDU tritt kräftig nach unten, findet die Diskussion um eine Vermögenssteuer „ überflüssig wie ein Kropf“ und sucht trotzdem 30 Milliarden.
„Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“
Amsterdam ist die nicht-deutsche Stadt, die ich vermutlich in meinem Leben am öftesten besucht habe und trotzdem weiß Heiko nach einem Urlaub dort diverse Orte, die ich noch nie sah. Ich danke herzlichst für das Festlegen unseres nächsten Ausflugs-Plans und freue mich, denn dafür waren Blogs doch mal da, oder? Außerdem passiert ihm – logischerweise – das, was uns in Aarhus immer passiert:
Ja klar, im Urlaub fallen dir natürlich immer die Sachen auf, die geiler sind als zu Hause.
Heiko:
Verfluchtes Amsterdam 2025
(Aber wenn’s doch auch so viel geiler ist?)
Aber nicht nur woanders, auch früher war alles geiler – wir wissen es alle. Christian denkt da angenehm differenziert drauf rum:
Früher war mehr Lametta, keine Frage. Und früher war auch mehr Kategorischer Imperativ, glaube ich. Kategorischer Was?, fragt ihr. Also gut, ein Beispiel …
Christian Buggisch:
… ich weiß, das klingt alles wahnsinnig spießig und nach „Früher war alles besser“. Das glaube ich ganz sicher nicht. Und vielleicht stimmt es ja auch: Die Welt ist die gleiche, nur ich habe mich verändert. Ich will es nicht ausschließen.
Zeichen der Zeit
Achtung, Achtung, wir betreten experimentelles Gelände.
Zum Testen und weil ich ja nicht technikfeindlich, sondern misanthop bin, habe ich ChatGPT mal gebeten, meinen Artikel in einfache Sprache zu übersetzen. Wie finden Sie’s ?
Mein erster Termin: Physiotherapie
Heute war ich bei meiner Physiotherapeutin.
Sie hilft mir, mich besser zu bewegen.Wir kennen uns gut.
Darum reden wir locker miteinander.Sie fragte mich:
„Was machen wir heute?“Ich sagte lachend:
„Wie immer! Ich sage ‚linke Schulter‘.
Du drückst dort, es tut weh.
Dann lachen wir beide.“Sie drückte mit dem Finger unter mein Schlüsselbein.
Sie fragte: „Tut das weh?“
Ich sagte: „Aua!“
Dann mussten wir beide lachen.Danach machte sie eine Stunde lang Übungen mit mir.
Einige Übungen taten weh.
Aber sie haben mir geholfen.
Ich konnte mich danach besser bewegen.Wir redeten auch viel.
Zum Beispiel:
– Über schöne Rastplätze an der Autobahn
– Und über schwere Themen wie Kinder-HospizeEs war ein gutes Gespräch.
Es tut gut, mit vertrauten Menschen zu reden.Übrigens:
Meine Physiotherapeutin sucht Rastplätze,
wo man morgens gut in den Himmel schauen kann.
Das findet sie schön.
Ich finde das toll.Ein kleiner zweiter Termin
Ich musste noch eine E-Mail schreiben.
Es ging um ein Angebot für eine andere Person.
Wir haben uns missverstanden.Sie wartete auf mein Angebot.
Ich wartete auf ihre Antwort.Das war ärgerlich.
Aber jetzt ist es geklärt.Eine seltsame Werbe-Mail
Eine Kundin von mir hat eine Werbe-Mail bekommen.
Darin stand:„Wir machen Ihre Website neu.
Das kostet fast nichts.
Der Staat zahlt bis zu 3000 Euro dazu.“Ich habe mir die Firma angeschaut.
– Zwei von drei Beispiel-Webseiten funktionieren nicht.
– Mein Computer zeigt eine Warnung an.
– Die versprochene Förderung vom Staat gibt es nicht mehr.Das war also nicht ehrlich.
Gedanken über den Kapitalismus
Ich habe mit Leuten im Internet geschrieben.
Wir haben über den Kapitalismus gesprochen.Kapitalismus bedeutet:
Ein System, bei dem Menschen Geld verdienen wollen.
Wer gut ist, wird reich.
Wer Pech hat, verliert.Manchmal wirkt es so,
als wäre alles genau geplant.
Aber das stimmt oft nicht.Ich habe das mit der Natur verglichen:
Heute sehen wir nur die Tiere, die überlebt haben.
Aber viele Tiere sind ausgestorben.
Zum Beispiel Fische, die an Land wollten,
aber nicht genug Luft hatten.Sie sind kurz vor dem Ziel gestorben.
Darum sehen wir sie heute nicht mehr.Beim Kapitalismus ist das auch so:
Wir sehen nur die erfolgreichen Menschen.
Aber viele haben es nicht geschafft.
Vielleicht nur,
weil sie eine Entscheidung zu spät getroffen haben.Zum Beispiel:
Eine Person ruft „Verkaufen!“ drei Sekunden zu spät.
Und verliert alles.Diese Menschen sehen wir nicht.
Aber es gibt sie.Das System zeigt uns nur die Gewinner.
Und es sagt uns:
„Du kannst es auch schaffen!“
Auch wenn das oft nicht stimmt.Aber das ist ein anderes Thema.
Was ich heute gelernt habe
Drei Sekunden können alles verändern.
Manchmal machen drei Sekunden den Unterschied
zwischen Erfolg und Misserfolg.
Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
Schreiben Sie’s auf!
Alle bisherigen Antworten finden Sie übrigens hier.

Das ist wirklich das allererste Mal, dass ich etwas von dieser künstlichen „Intelligenz“ gut finde. Aber es gab ja auch eine gute Vorlage ;-)
Ja, das geht mir exakt genau so. Die Fachfrau im Haus ist vom Ergebnis sehr beeindruckt, ich habe nur einen winzigen sachlichen Fehler gefunden, der sogar ohne echte Sinnverzerrung drin bleiben könnte – not too bad.
Also vom Wasserverbrauch abgesehen. Und davon abgesehen, dass es auch menschen gut tut, Texte herunter zu brechen – um sie selbst zu verstehen, um Verständnis für die Lage anderer zu entwickeln.
Aber nun denn, leichte Sprache formulieren tut eh fast niemand, da könnte man es hier mal als Vorteil einordnen.