NRW hat heute Feiertag, die Liebste hat frei und ich hab die Schilde hochgefahren, um Zeug abzuarbeiten. Worked out pretty fine.
Die Mittagspause saßen wir überraschenderweise in einem Café (wir denken alle einmal kurz an die großartige Journelle) und drehten eine Runde an meinem alten Büro in dem geilen alten Haus vorbei …



… danach ging die Liebste eine Familienpflicht erfüllen und ich hab anderthalb Stunden lang versucht, eine hübsche kleine Gitarrenspur aufzunehmen; ein Versuch, den ich am Ende dann hübsch in den System-Papierkorb verschob. Nun denn, so geht das mit der Kreativität.
Im besten Sinne als ein bedeutungsloser Tag, aber ich hab hier ein bisschen …
Zeugs
Heute als Sonderedition »re:publica-Nachlese«, eine Nachlese die ich dieses Jahr bemerkenswert nachdenklich empfand.
Gleichzeitig war ich noch nie so müde auf einer re:publica. Das ist natürlich zunächst mein persönliches Problem, aber es passt zu meinem Gesamteindruck. Inhaltlich nehme ich schon seit längerer Zeit nicht mehr besonders viel mit. Nichts, was ich in diesem Jahr gehört habe, war wirklich neu für mich oder gab mir nachhaltig zu denken.
Johannes
Das kann etwas über re:publica sagen, aber auch darüber liegen, dass wir in unseren Fach-Thema immer mehr wissen und die großen Lernsprünge automatisch irgendwann weniger* werden?
*) Ein interessanter Effekt des älter-Werdens, den ich auch gerade versuche zu begreifen – vor allem, wenn man mit solcher Begeisterung das ganze Leben gelernt hat so wie ich.
Die Diagnose teilen viele: Alles ist schwierig, vieles ist kaputt, die Plattformen sind problematisch, Abhängigkeiten sind gefährlich, die demokratische Öffentlichkeit steht unter Druck. Auch die möglichen Antworten werden seit Jahren diskutiert: offene Standards, Open Source, Fediverse, digitale Souveränität, europäische Infrastrukturen, Medienkompetenz, Regulierung. Aber geändert hat sich dennoch erstaunlich wenig.
auch Johannes
Hier möchte ich eine kurze Beobachtung zum Thema „Alternativen“ einfügen: Ich glaube, wir haben all die Jahre nicht nur nicht begriffen, dass wir mit unseren Daten zahlen, sondern wie viel diese Daten wert sind – im Umkehrschluss: was für ausgereifte, geile Dienste zu entwickeln man sich davon leisten kann.
Ich mache das daran fest, dass ich ja mit großem Interesse diese sogenannten Alternativen anschaue.
Und sie sind – sein wir ehrlich – alle nicht so smooth, so shiny, geschweige denn so gut wie die amerikanischen Vorbilder. Die europäische Alternative zu Instagram Monnett zum Beispiel … ich sag mal: wir sind nicht mehr 30 und haben Spaß an einem Failwhale*. Wir wollen, dass die Dinge funktionieren.
Und Menschen wollen keine Einschränkungen, wenn sie sich schon für so etwas nicht-greifbares wie „Datenschutz“ eine neue App suchen.
*) Kommen Sie trotzdem zuhauf, ich bin da so alleine!
Dieselben Mechanismen, die damals dafür gesorgt haben, dass sich Menschen gefunden, verbunden und inspiriert haben, funktionieren heute genauso gut für das Gegenteil. Die krasseste These gewinnt das Aufmerksamkeitsspiel – das war schon 2005 so. Nur damals blieb es in der Nische. Heute wird es Mainstream. Algorithmen verstärken, was Reaktion erzeugt. Und Empörung erzeugt mehr Reaktion als Einordnung. Mit den Konsequenzen müssen wir jetzt umgehen.
Franziska
Und die Talks? Viel Inspiration, ja. Aber auch dieses vertraute Gefühl: Wir sprechen hier vor allem miteinander. Über uns. Für uns.
Nochmal Franziska, aber auf Insta
Ich hab mich dabei ertappt zu denken: Es tut gut, aber ist es das auch?
Denn gleichzeitig war da dieses Gefühl, das ich jedes Jahr mitnehme: Es gibt so viele Menschen, die die Welt wirklich besser machen wollen. Das ist total viel.
Aber reicht das?
Ich weiß nicht, ob es hilft, Menschen außerhalb unserer Blase auf der Bühne bloßzustellen. Ich weiß nicht, ob die immer gleichen Debatten uns weiterbringen. Und ich weiß nicht, ob gegenseitiges Feiern mehr ist als kollektive Selbstvergewisserung.
Franziska und ich haben das die Tage noch in einem Zoom etwas vertieft und waren uns aber einig, dass es gut und wichtig ist, sich gegenseitig zwischendurch zu treffen und auch mal zu feiern. Etwas, was btw auch geübtere Aktivistinnen immer wieder betonen. Man muss Kraft zwischendurch tanken.
Steile Thesen, ich weiß, aber wartet mal ab, was die nächsten Jahre bringen.
Sven
Reisen wird wichtiger als je zuvor. Ich kann nichts und niemandem mehr online vertrauen, die KI fälscht alles viel zu gut, auch Videocalls. Bewerbungen per Video, wichtige Termine per Video werden aussterben. Es zählt demnächst ausschließlich das Meeting in Person.
„Qualitätsjournalismus“ muss und wird hoffentlich den Sprung schaffen und wieder mehr genutzt werden. ARD und co werden Quelle meines und anderer Leute Vertrauens sein. Alles, was ich auf Social Media sehe, ist erstmal Fake und gelogen, einzig den „richtigen“ Quellen trauen die Leute noch.
Geschriebene Arbeiten, Klausuren und Tests in Schule und Uni werden sehr bald verschwinden. Die Institutionen schaffen es nicht, konsequent gegen Betrüger vorzugehen, wenn eine Brille mit Kamera bereits reicht.
Ich nicke prinzipiell, aber fürchte, dass in der Breite, vulgo: beim Ottonormal-User nicht viel davon ankommt. Um zB nichts mehr zu glauben, was man da im Stream oder der Familien-Gruppe auf WhatsApp sieht, muss man erst einmal generell darüber nachdenken. Und für Menschen mit denen ich in der Kohlenstoffwelt spreche, ist es gern noch ein valides Argument, dass ihnen Onkel Otto ja doch keine Fakes schicken würde! Dass Onkel Otto den Fake auch irgendwoher und einfach nicht als solchen erkannt hat, ist dann schon eine große Erkenntnis.
Hoffnung also?
ich wiederhole mich, aber es war schon erstaunlich wie sich dieses jahr — zumindest in den sessions deren zeuge ich wurde — das thema hoffnung als meta-motto abzeichnete.
Felix
Acht Jahre später ist das Motto fast schon verzweifelt: „Never gonna give you up“, dem Song von Rick Astley entliehen, an den sich wirklich nur die Älteren erinnern können. Man versucht, zuversichtlich zu sein, Perspektiven zu bieten, allein der Funke will am ersten Tag nicht überspringen, zumindest nicht bei mir.
Christian Buggisch
Jein, aha.
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