4.11.2019 – ganz ruhig, Brauner!

Pünktlich um sechs wach und am Schreibtisch. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich das mögen soll oder nicht. Wenn ich doch eh wach bin – warum nicht?
Andererseits bin ich dann abends um neun müde und muss allerspätestens um zehn im Bett liegen und das ist nicht exakt das, was man mir versprochen hatte über dieses Erwachsensein.
Dafür spricht aber: Nehme ich einen normalen achtstündigen Arbeitstag an, dann bin ich echt früh fertig mit des Tages Mühen und habe quasi einen freien Nachmittag, den ich mit der Liebsten verbringen könnte, denn „die hat als Lehrerin ja bekanntlich ab mittags komplett fr“… entschuldigung, ich kann es nicht mal im Spaß tippen.

Dagegen spricht aber wieder, dass ich dann nicht im geringsten entspanne, weil ich nichts mit mir anzufangen weiß und im Zweifel dann doch noch eben was code – und so möchte ich eigentlich nicht leben – so ganz nur zwischen den beiden Stockwerken mit Bett und Schreibtisch pendelnd.

Ich muss das alles noch überdenken.

Am Schreibtisch habe ich die Cookie-Lösung, die ich mir selbst ins Lieblings-CMS gestrickt habe, soweit fertig gestellt, dass sie jetzt zur Abnahme beim Anwalt liegt. Drücken Sie mir also gern die Daumen, dass a) ich die letzten Urteile richtig verstanden habe und b) das dann auch so umgesetzt habe, dass er das gut findet und ich es meinen Kundinnen anbieten kann.
Während ich hier schrieb, kam die Antwort-Mail. Meine Einbettung von Frend-Inhalten im Beispiels ist „vorbildlich“. Jetzt weiß ich nach all den Jahren endlich mal, wie man sich fühlt, wenn man einen Fleiß-Stempel bekommen hat.

Gleich zwei Fake-Microsoft-Calls heute, aber ich hatte heute keine Lust Menschen zu verarschen, die mich verarschen wollen.

Verwirrung mit einer Kundin, weil eine Mail von mir 10 Tage unterwegs war. Auch ich halte das für neuen Rekord und wir rätseln beide, was die Mail denn zwischendurch gemacht hat – vor allem, wo das Oktoberfest doch vorbei ist?
Wir vergessen immer alle, dass E-Mail zwar oft, aber eben nicht immer ein real-time-Medium ist.

Aber was ganz anderes: Die Liebste und ich sind uns nicht einig, was dieses Tier – das auf einem Treppenpfosten auf Schloss Moyland sitzt – gerade tut. Ka… seinen Darm entleeren oder einen Knochen verteidigen? Ich verrate Ihnen nicht, wer von uns was dachte, aber was meinen Sie denn so?

Nochmal zur (fehlenden) Entspannung zurück; ich hab da ja (irgendwann montags) etwas gelernt, was ich Ihnen nicht vorenthalten will:
(Vorbemerkung: Ich bin leicht perfektionistisch veranlagt.)
Und wenn ich dann (110 Prozent) gestresst aus dem Büro kam und entspannen wollte, dann war ich immer unglücklich, dass das nicht klappte. Gar nicht. Kam nie runter. Mediation, Yoga, PME, ShaktiMat, … egal – alles sinnlos.
Idee der Seelenmassage-Frau dazu: Wollen Sie vielleicht auch zu 110 Prozent entspannen, Herr Fischer? Haben Sie vielleicht ein Ideal eines über einem Zen-Pfahl schwebenden Yogis vor dem inneren Auge und sind gestresst, wenn Ihnen das nicht gelingt? Meinen Sie nicht, die Fallhöhe von 110% Stress zu 110% Entspannung ist etwas groß? Probieren Sie’s doch mal mit weniger. Und wenn’s dann damit klappt, haben Sie im Endeffekt schließlich gewonnen.
Tja.
Ich möchte ja gerne diese dümmlich grinsenden Influenza auf Instagram komplett dafür verantwortlich machen, die uns allen immer vorgaukeln, mit der richtigenAsana und der richtigen Bowl müssten wir alle allzeit perfekt zenmäßig locker sein, aber ich fürchte, ich habe ein wenig Mitschuld gehabt.
Kann man aber, wenn man gerade wieder so eine Bowl-Tussi im Stream vorfindet trotzdem mal drüber nachdenken.

8 Kommentare

  1. Thema Entspannung, da muss jede/r das finden, was ihm/ihr liegt. Bei mir half immer laufen – also normales Gehen – weil ich nicht der Typ für Stillsitzen bin. Da konnte ich meine Gedanken sortieren, ohne von der Umwelt (Verkehrsregeln) abgelenkt zu sein und im Kopf ruhig zu werden. Oder die herkömmlich bekannten Methoden, jedoch ohne die Idee, dass alles gleich sofort funktioniert. Das braucht nämlich auch Training, wenn der Organismus bisher auf Hochleistung programmiert war. Abschalten (on/off) klappt nur bei elektrischen Schaltkreisen, nicht aber bei menschlichen, mit viel Übung kann man die Zeitspanne aber durchaus auf wenige Minuten verkürzen.

    1. @Frau Klugscheisser

      jedoch ohne die Idee, dass alles gleich sofort funktioniert

      Ja, exakt dieses Wissen ging mir zwischendurch mal verloren. Mit einer Betonung auf „alles“ und gleich noch einer auf „sofort“. Vermutlich hatte ich dieses Wissen mal, damals, als ich noch weniger im täglichen Arbeitszirkus eingespannt war. Aber wenn man beginnt effizienter zu arbeiten, kann man vermutlich leicht dem Gedanken verfallen, man könne auch effizient entspannen.

      Ich sah letztens eine Anzeige für ein Laufband mit Arbeitsschreibtisch obendrauf und das war vermutlich die effizienteste aber auch widerlichste Verquickung von Work und Health, die ich je sah.

    1. @herrpaul:
      Ich denke, das ist die beste Erklärung. Ein kotzender Wolf. Vollkommen einsichtig, dass man sich vor einem Schloss auf den Treppenpfosten eine Bronze eiens kotzendes Wolfs gesetzt hat 😀

  2. Aber sicher doch. Das ist natürlich sinnbildlich zu verstehen: Der Wolf steht für den Schlossbesitzer, zweifelsohne ein zu seiner Zeit mächtiger Mann. Der unter dem Wolf zu sehende Knochen ist etwas außerhalb der Macht des Schlossbesitzers stehendes. Der sich verschluckende und würgende Wolf ist folglich eine Allegorie auf jemanden, der sich den Bauch nicht voll genug schlagen kann und sich irgendwann verschluckt… Gewissermaßen das in Bronze gegossene „Memento te hominem esse!“ an den Schlossbesitzer.

    … oder irgendwie so.

    1. @herrpaul_
      Könntest Du noch ein bisschen weiter machen? ich finde Deine Gedankengänge sehr, sehr unterhaltsam … 😀

  3. Pingback: herrpaul_

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