31.8.2018

Heute bauen wir uns eine kognitive Dissonanz. Schon während des Frühstücks den ersten empörten Anruf erhalten, es ging um – machen wir es kurz: Facebook verhält sich nicht so, wie man es wünscht. Facebook möchte nämlich gerne bestätigt kriegen, dass man berechtigt ist, eine Firmenseite anzulegen. Sodom und Gomera. Was bilden die sich eigentlich ein, diese Amis.
Meine vorsichtige Rückmeldung, dass ohne solche Sicherheitsvorkehrungen ja jeder die Seite übernehmen könnte, erzeugt einen kurzen irritierten Blick und dann eine weitere Schimpftirade darüber wie unsicher das alles ist. Mein Kopf so: „Häh? Aber Sie haben doch gerade …?“ Meine Stimme wechselte derweil von geduldig auf sehr geduldig.

Halten wir fest: Es ist halt nicht einfach, wenn man als eher traditioneller Kleinunternehmer in einem digitalfeindlichen Land lebt und arbeitet.

Darüber hinaus: Viel wachgelegen und darüber nachgedacht, ob der Arzttermin heute wohl a), b), c) oder d) zum Ergebnis hat. Wobei gilt:
a) Die Herzstolperer sind harmlos
b) sie sind harmlos und sie liegen am Stress
c) sie sind nicht harmlos, aber sie liegen am Stress
d) sie sind nicht harmlos und man muss jetzt mal gucken
Jetzt unausgeschlafen UND nervös; keine gute Mischung.

Der Anrufer gestern war übrigens ein 80-jähriger Herr aus dem Vorort, den ich nicht und der mich nicht kennt. Keinerlei Berührungspunkte. Die Polizei und ich beschlossen, erst im Falle einer Wiederholung etwas zu unternehmen und gestern unter „Verwirrung“ abzuhaken.
Vielleicht meinte er ja auch meinen Namensvetter, den Zahnarzt, der auch in der aktuellen Ausgabe des Telefonbuchs immer noch so doof direkt an meinen Namen dran gedruckt ist, dass hier immer noch recht regelmäßig Sonntags undeutlich sprechende Menschen um einen Notfalltermin bitten.

Die Auflösung des Arzträtsels von heute Morgen lautet übrigens b)
Und auch wenn ich mir vorgenommen hatte, hier nicht mehr so viel zu ranten  – es ist nicht einfach. Naja, ich erzähls einfach mal ohne Wertung:

Mai: Meine Hausärztin (H.) meint, ich solle mal ein 24h-EKG machen und überweist mich zum Kardiologen.
Mai: Ich rufe beim Kardiologen (K.) an und frage nach einem Termin.
„Vor den Sommerferien aber nicht“ sagt der.
Ich bin dann auch dummerweise ein paar Tage im Urlaub, dann er – also wirds irgendwas Mitte Juli.
Mitte Juli hab ich an dem Tag übelste Migräne und K. und ich sind uns einig: das bringt nix. Ein neuer Termin muss her.
Vielleicht der 15. August? Nein, schneller haben sie nichts.
15. August, 10:00 Uhr. Ich bekomme in der Praxis von einer sichtlich überforderten Helferin die Möppel an den Körper geklebt. Das Aufnahmegerät wird dreimal resetted bis ihr auffällt, dass evtl einfach die Batterien leer sind.
15. August, 14:00 Uhr. Der erste Möppel fällt ab. Ich kann die richtige Stelle noch erkennen und klebe ihn wieder dran.
15. August zwischen 14:10 und 17:30: Der erste wieder und andere Möppel neu machen sich auf den Weg der Schwerkraft folgend nach unten. Ein Kabel löst sich vom Klebemöppel.
15. August, 17:30 Uhr: Ich gebs auf und mache den einzig noch fest klebenden Möppel auch ab und lege das Ding in die Ecke.
16. August, 9:00 Uhr: ich bringe die Kiste wieder weg und bitte darum zu notieren: Erster Möppelverlust 14:00 Uhr, bis dahin aber bereits drei Situationen, in denen ich Herzstolpern wahrnahm. Ah gut, wenn ich das notiert habe, das könne ich dann ja meinem Hausarzt sagen.
„Mach ich. Wann kriegt die denn die Daten?“
„Spätestens Ende der Woche, wenn Sie Anfang nächste mal nachfragen …!“
„Ok!“
Montag, 20.August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Mittwoch, 22. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Freitag, 24. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen.“
Montag, 27. August: „Nein, sorry, wir haben noch nichts bekommen. Wann haben die das denn geschickt?“
„Ich frage nach“
Montag, 27. August, 15:10 Uhr: „Guten Tag. Hier ist die kardiologische Praxis. Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeiten an“
28. August: K. verspricht, die Daten noch einmal zu faxen und ich muss beim Wort „faxen“ husten.
29. August: Ich rufe die H. an und bekomme für Freitag einen Termin zur Besprechung.
31. August: „Na, was führt Sie zu mir Herr Fischer?“ – „Äh, wir wollten das 24-h-EKG besprechen?!“ – „Ham wa das schon? Ach ja (Ruft einen Bericht am Monitor auf und beginnt zu lesen). Ja, hier steht, sie haben ein bisschen schnellen Puls … (liest) … Sie haben zweimal den Knopf gedrückt aber da war dann jeweils alles gut. Und Sie haben die Messung um 19:00 Uhr selbst abgebrochen, steht hier. Sonst aber auch alles gut. Sie sind gesund, müssen aber was an Ihrem Stress tun“ – „Welchen Knopf habe ich gedrückt?“ – „Den Knopf, den Sie drücken sollten, wenn Sie was fühlen“ – „Hat mir niemand gezeigt, ich kannte keinen Knopf“ – „Ach wie doof“ – „Ich hab aber hier drei Zeiten aufgeschrieben, als ich Stolpern gespürt habe … “ – „… ja, die bringen mir ja nichts, ich hab ja den Ablauf nicht hier, sondern nur den Befund …“ – „… von dem Arzt, den ich nie gesehen habe?“ – „Ja genau“

Wir haben uns dann noch etwas länger unterhalten und meine Hausärztin an sich ist super und ich vertraue ihr auch sehr. Aber dieser ganze Ablauf macht mich etwas … sprachlos.

Wir waren dann spazieren. Einmal rund ums Vorbecken, dem Eingeweihten sagt das was. Und mir, mit neuer Sicherheit über meine Gesundheit hats gut getan. Ohne Stolpern oder so.
Hauptsache.

Heute abend ist übrigens das Finale von Promi Big Brother und ich denke, es sagt genug aus, dass ich irgendwann beim Schauen dachte: Gabs nicht früher auch mal Staffeln, wo Promis im Haus waren?

Wochenende.

1 Kommentar

  1. Gut, dass es b) ist. Was den ganzen Ablauf nicht besser macht. Wenn man das liest, kriegt man ja Aggressionen. Das ist auch nicht gut fürs Herz.

    Und gut, dass du wieder bloggst.

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