31.1.2021 – Sie fragen, Christian antwortet (Fotografie)

Ich habe das mal ganz genau für Sie beobachtet: Es bringt exakt gar nichts, wenn ich sauer bin, zumindest in diesem Falle. Die Tage verschwimmen etwas zwischen Schreibtisch und Bett, etwas schmerzendem Rücken – ich erkenne da Zusammenhänge – und dem Versuch etwas gegen die Schmerzen und etwas für die Laune zu tun. Nicht einfach, wenn es draußen vor dem Fenster 24/7 regnet.

Heute schien die Sonne, wir gingen sofort raus ins Feld und weil sonst nichts passierte, widme ich mich mal einer Frage, die Sie mir gestellt haben und um deren Beantwortung ich mich jetzt schon etwas länger herum drücke.
Deswegen gibts auch heute Bildunterschriften, in denen ich an meinen Fotos herum mäkele.

(minimalistische Idee gehabt, aber vermutlich hätte ich nur den Schornstein ohne Dach haben wollen, damit es mir gefällt. Weniger Dach, mehr Himmel, vielleicht weitwinkliger und damit ein anderes Verhältnis zwischen Dach, Rauch und Himmel wäre geiler gewesen. Da ich barfuß im Schnee stand, zu schnell zufrieden gewesen und erst beim Entwickeln das weitere Potenzial gesehen.)

Alexa fragte: Thema Fotografieren: Ich finde deine Fotos total schön!!
Ich hab früher (also damals, als man noch so kiloschwere Spiegelreflexkameras hatte
😬) eigentlich auch Mal gerne fotografiert. Mittlerweile mache ich nur noch schnelle Handyfotos. Ich bin aber immer ganz neidisch und wehmütig, wenn ich bei Dir auf dem Blog dann die tollen Bilder sehe und habe Lust, das noch Mal wieder zu lernen. Magst Du Mal was dazu schreiben, wie Du fotografieren gelernt hast? Und hast Du vielleicht Tipps für den Kauf einer Kamera bzw für gute Bücher oder Webseiten?

Intro: Und ich sage: „Erst einmal vielen Dank!“ und dann wird es sofort sehr schwer, denn ich denke an ein Video, was ich einmal sah. Dort hatte jemand bei einem Wettbewerb eine Stunde Unterricht bei einem der noch lebenden Gitarrengötter gewonnen und er hatte viele Fragen: Wie spielst Du dieses Riff? Spielst Du jenes Lick im fünften oder siebten Bund? Welchen Tonabnehmer hier, welche Saiten und welches Plektrum da und stehen die oberen Mitten bei diesem Solo auf sieben oder auf acht und es ist doch ein 67er Marshall-Amp und kein 85er Boogie, oder? Und der Gott setzte sich auf seinen Stuhl und lächelte weise und erzählte über seine liebevolle Beziehung zu dem Stück Holz mit den sechs Drähten, das er da in der Hand habe und aber vor allem empfahl er: Spiele Deine Skalen. Höre, was sie Dir sagen, höre was sie tun. Und dann finde heraus, was Du tun willst und was Du sagen willst, und wenn Du das Stück Holz und die Drähte liebst und Deine Skalen auch, dann wirst Du spielen können, was Du fühlst und dann bist Du ein guter Gitarrist.

Und um Himmels Willen möchte ich mich selbst und das Wort „Gott“ nicht in einem Satz benutzen wenn es um Fotografie geht, aber: ich hatte schon einmal begonnen, diese Frage zu beantworten und als ich sah, was ich schrieb, da erschrak ich, denn es klang – thematisch übertragen – genauso, wie das was der Gitarrengott da sprach. Und ich bin mir weder sicher, ob das hilfreich ist noch, ob das nicht arg arrogant wirkt.

Forografiert, weil ich die Parallale zwischen Kabel und Kondensstreifen mochte. Zu viel Zeug drumrum, das ich mit den Handy (jaja) nicht vermeiden konnte. Ein anderer Winkel hätte vielleicht einiges gerettet, aber ich hab ja „nebenbei“ beim Spazieren fotografiert.

Andererseits muss ich rückblickend sagen, dass es wohl einfach so ist. Also: Natürlich habe ich zB gelegentlich GAS und kaufe Ausrüstung. Aber dadurch sind eigentlich selten meine Bilder „besser“ geworden – was auch immer das heißen mag.

Oder? Vielleicht ist es auch ein PingPong-Spiel zwisxhen technik und Können.

Erstmal Fakten: Ich habe fotografieren gelernt, indem ich es getan habe – so ca seit ich 16 bin aber immer mit großen Pausen, das ist kein laufender Prozess.
Ich habe Fotos gesehen und wollte das, was ich da sah, auch machen. Wobei „das, was ich da sah“ die verschiedensten Dinge auf unterschiedlichstem Niveau sein konnten – ich wollte auch so gradiose Landschaftsbilder machen. Ich wollte auch, dass der Hintergrund unscharf ist. Ich wollte tiefgründige s/w-Portraits machen. Ich wollte Musiker in DEM Moment auf der Bühne fotografieren und die Magie ihres Auftritts festhalten. Ich wollte Häuser so fotografieren, dass die großartige Architektur rüber kommt. Ich wollte die kleinen perfekten Momente auf der Straße festhalten. Ich wollte vermutlich minimalistische Bilder machen. Ich wollte mir Konzepte ausdenken, ihnen folgen und und so Kunst produzieren.
Anders: Ich bin quer durch nahezu alles, was Fotografie kann, gewildert und habe rumprobiert.

Dabei – und vielleicht ist das Glück gewesen – hatte ich lange Kameras, die nicht so dolle waren und mir Grenzen gesteckt haben. Meine erste Kamera zB, die konnte nur Automatik-Modus. Und ich habe immer erst etwas Neues gekauft, wenn ich gemerkt habe, dass die Technik mir da gerade Grenzen setzt. Naja und wenn das Geld passte.
Aktuell fotografiere ich übrigens mit einer Nikon Df * und bin zuversichtlich, dass diese Kamera mir niemals Grenzen setzen wird – soviel zu Deinem Satz „als man noch so kiloschwere Spiegelreflexkameras …“

*) Ich habe auch noch eine alte Canon GX7 (die erste), die auch echt viel kann und nur im Dunklen etwas rauscht, aber dafür gaaaanz dezent kleiner und leichter ist.

Halbwegs zufrieden. Die knisternde Kälte aber auch die erste Sonne des Jahres und die wunderbaren Farben sind drauf; der Vogel natürlich ein totaler Glücksfall. Weitwinkeliger wäre geiler gewesen.

Was ich versuche zu sagen: Mich hat nie eine Kamera oder ein Objektiv dazu gebracht, bessere Bilder zu machen, sondern immer die Beschäftigung damit, was ich eigentlich will. Und auch wenn sich das – siehe oben – immer wieder geändert hat, so sind die Bilder, mit denen ich am meisten zufrieden war immer dann entstanden, wenn ich meine Aufmerksamkeit beim Thema, beim Fotografieren hatte.
Die besten Portraits sind entstanden, als ich darüber nachgedacht habe, wie ich es anstelle. Als ich mir einen Hintergrund und Licht gebaut habe, als ich aufgeregt das erste Mal jemand fremdes gefragt habe, als ich voll und ganz im Thema war. Als es später ein bisschen mehr Routine war und ich nebenbei zB mal Besucherinnen gefragt habe, ob sie sich fotografieren lassen würden – da waren dann auch die Bilder „nebenbei“.
Die besten Konzert-Fotos sind entstanden, als ich mich das erste Mal getraut habe, Tina zu fragen, ob ich zum Soundcheck kommen dürfte. Ich war so aufgeregt, ich habe mich bestimmt sieben mal umgezogen. Da hatte ich mir sogar eine Kamera geliehen (ich wusste, das meine nicht lichtstark genug sein würde), die ich abseits von Blende und Zeit absolut nicht flüssig bedienen konnte, da stand mir die Technik vielleicht sogar im Weg.

Technik, neue Technik hat mich eigentlich nur weiter gebracht, wenn sie mir das erfüllen konnte, was ich eigentlich vorher schon sehnlichst wollte.

Und wenn ich die Kamera „mal mitnehme“, wenn wir rausgehen, dann bringe ich keine guten Bilder mit. Wenn ich aber den Himmel und das Licht sehe und denke, dass jetzt gerade die Gräser oben an der einen Treppe am See sehr schön angeleuchtet sein müssten und losrase um die blaue Stunde nicht zu verpassen, dann bringe ich ein gutes Bild dieser Gräser mit.

Die großartige Annette Göttlicher hat eine ähnliche Frage mal deutlich weniger rumschwurbelnd beantwortet und sinngemäß gesagt: „Mach den Automatik-Modus aus und kauf Dir eine Festbrennweite“. Wobei ich glaube, dass einen diese beiden Ratschläge davon abhalten, mal eben auf irgendetwas zu zielen und abzudrücken und uns stattdessen zur Beschäftigung mit dem Motiv zwingt. Und sie daher vielleicht eigentlich das gleiche meint wie ich.
Deswegen mag ich mich da anschließen: Dreh eine akzeptabel gute Kamera (nicht das Handy, auch wenn es das alles inzwischen angeblich auch kann) in den manuellen Modus oder wenigstens auf die Zeit-Automatik und hab eine Festbrennweite drauf. Ich präferiere eine 85er, weil ich gerne etwas weiter weg bin, aber das ist eine Frage der Persönlichkeit, denke ich. Sonst ist ein 50er immer super. Wenn Dir etwas auffällt, was Du fotografieren möchtest, überlege, warum. Ist es das Ding selbst? Der Kontrast zum Rest dessen, was Du siehst? Braucht es Raum um sich, um zu wirken oder braucht es das Drumherum? Entscheide danach den Bildausschnitt und ob Du es per Tiefenschärfe freistellst oder nichts. Geh dahin, wo Du es am besten, am königlichsten, am wertschätzendsten in den Rahmen des Suchers bekommst und mach das Bild. Nutze die Zeit, zu der Dich die Festbrennweite und das Drehen am Rädchen zwingt, zu diesen Überlegungen. Lass Dich dabei nicht überfahren 🙂

1 Minute Nachdenken, wie ich die Bücher zeige, Petersburger Hängung nachempfunden, das alles quer zum Pakett, was die Linien bricht. Zufrieden

Ich habe auch ein paar, wenige Bücher, die – je nach fotografischer Richtung – eigentlich auf Buchlänge gestreckt das selbe sagen. Nur eines aber – das kleine oben in der Mitte über minimalistische Fotografie – hat mich erwischt und hat mir diese Gedanken aus dem Kopf ins Herz verpflanzen können. Und seitdem mache ich, wenn ich mir die Zeit nehme, Bilder mit denen ich selbst zufrieden bin. Aber alle diese Bücher sind gut.

Manchmal nehme ich mir auch selber eine Aufgabe vor, die mich zwingt, nachzudenken. Also: „heute nur gelb“, „die Stadt mit den Augen eine Touristen“ oder so etwas.
Und ich glaube, am wichtigsten ist mir etwas, was ich etwas weiter oben schon ohne nachzudenken in einen Satz gepackt habe: Wenn ich versuche das Motiv so wertschätzend und königlich wie möglich zu behandeln, dann mag ich die Bilder.

Und jetzt hör ich auf zu schwurbeln. Weisst Du, dass ich ein schlecht gepflegtes Fotoblog habe?

Und zu allerletzt eine allgemeine Kaufempfehlung: Die Kamera sollte RAW-Dateien produzieren und den Automatik-Modus verlassen können können. Und es ist gut, wenn man verschiedene Objektive draufstecken kann. Da ich seit Jahren jetzt die DF habe und nicht wechseln will, kann ich konkreter gar nichts sagen.
Ich entwickle im Lightroom sehr, sehr viel an meinen Bildern rum und finde das auch vollkommen legitim und empfehle sehr, das auch zu tun.

Sie haben Fragen? Sie wünschen sich ein Thema, über das ich mal bloggen soll?
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6 Kommentare

    1. Oh, eine Trauerede, kein schöner Anlas, das tut mir leid.
      Hm. Ja. Ich hätte den Namen natürlich erwähnt, wenn ich mir sicher gewesen wäre, aber ich schaue durchaus viele von solchen Videos und die Erinnerung ist etwas verschwommen. Aber wenn Dir eine 85%ige Wahrscheinlichkeit reicht, dann war es Joe Satriani.

    1. Ich habe – deutlich in der falschen Reihenfolge – nach meiner Antwort dann mal in Dein Blog geschaut und gelesen. Es tut mir so leid. Ich wünsche Dir alle Kraft und Freunde an deiner Seite.

  1. Hallo Christian und viele lieben Dank für die ausführliche Antwort!!

    Ich habe ein bisschen drüber nachgedacht und ich glaube Du hast da schon Recht, es ist bei mir einerseits das tatsächliche „tun“ das fehlt. Ich habe einen gewissen Blick für Bilder (wurde mir zumindest auch schon von anderen so gesagt). Also so eine Vorstellung, wie ich das jetzt gerne auf dem Foto hätte, wie das jetzt gut aussähe (zumindest wenn es sich um Landschaften oder Gebäude handelt. Bei Menschen finde ich es extrem schwierig). Aber gleichzeitig habe ich da technisch einfach ziemlich schnell mein Limit, weil ich das was ich möchte so nicht unbedingt immer umsetzen kann. Ich bin aufgrund des mangelnden Wissens Automatik-Fotografiererin. Und damit drauf angewiesen, was die Automatik aus dem Bild macht. Und das frustriert mich dann manchmal schon ziemlich, das das Ergebnis für mich einem gewissen „Zufall“ bzw den Einstellungen eben dieser Automatik überlassen ist. Und wenn dann nicht das raus kommt, was ich mir vorstelle, kann ich es dann eben nicht ändern. Deshalb habe ich dann im Zweifelsfall immer ganz viele Bilder gemacht in der Hoffnung, dass dann ein paar gute dabei sind. Was aber auch nicht wirklich befriedigend ist.

    Daher denke ich sollte ich mich (- andererseits -) jetzt tatsächlich erst Mal damit beschäftigen die grundlegenden Einstellungen einer Kamera zu verstehen.

    Ich habe hier übrigens eine EOS 50 und eine 400D. Die Kameras waren/sind also nicht wirklich der limitierende Faktor… Eigentlich eher etwas peinlich, wenn man da nur automatik-knipsen mit veranstaltet… Ich überlege trotzdem und aufgrund des Alters und des Gewichts bzw der Größe, mir eine kompaktere Kamera zuzulegen um sie dann auch tatsächlich regelmäßiger mit zu nehmen.

    Also noch Mal viele Dank fürs Teilen Deiner Erfahrungen und Gedanken zum Thema! Hat mir in meinen Überlegungen weiter geholfen.

    1. Zuerst: gerne, gerne 🙂
      Und dann lehne ich mich mal aus dem Fenster und gebe einen Tipp, der den Weg aus der Automatik vielleicht etwas ebnen könnte.
      Wenn Du – wie gerne „verlangt“ alles von Hand einstellst, dann würdest Du ja bei jedem Bild Blende, Zeit und ISO einstellen – darüber gibt es endlose Artikel, wie die drei sich beeinflussen, aber es ist eben auch für den Anfang viel, was man da im Blick behalten muss.

      Also stell doch mal die Kamera auf Zeitautomatik (ich glaube, es ist bei Canon „Av“) und lass die Iso-Automatik an. Oder, in anderen Worten: Stell nur die Blende von Hand ein.

      Dann kannst Du nämlich relativ im Sucher sehen* und bequem am Blenden-Rädchen einstellen, wie die Schärfe-Unschärfe-Verteilung in Deinem Bild sein soll und um den Rest kümmert sich zuverlässig die Kamera.
      (Eine Menge Fotografinnen die ich kenne, arbeiten übrigens so, auch wenn es nicht die hohe, reine Lehre ist – aber im Alltag eben praktikabel.)
      Wenn Du dann merkst, dass Du die Helligkeit nicht passend bekommst, dann kannst Du ja immer noch schauen, ob Du mehr manuell machen willst, aber meiner Erfahrung nach kommst Du damit in vielen, vielen Situationen sehr gut durch.
      Und dann tatsächlich: Tun, tun, tun 🙂

      *) Du musst nur gucken, ob Deine Kamera das im Sucher auch so anzeigt – ich muss bei der DF noch einen extra Knopf drücken. Aber das verrät Die die Anleitung oder Google bestimmt.

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